Coronavirus trifft Griechenlands Schattenwirtschaft

7. April 2020 / Aktualisiert: 30. Juli 2020 / Aufrufe: 2.390

Die in Griechenland wegen des Coronavirus ergriffenen fiskalischen Maßnahmen umfassen nicht die von der Schattenwirtschaft abhängigen Menschen.

In wirtschaftlichen Krisen leiden die „gemeldeten“ Arbeitnehmer und Firmen, während die Schattenwirtschaft häufig blüht. In der durch das Coronavirus ausgelösten Wirtschaftskrise ist jedoch damit zu rechnen, dass speziell in Griechenland das Gegenteil geschieht.

In einer wirtschaftlichen Krise, in der das Bruttoinlandsprodukt (BIP) schrumpft, sind fast alle Verlierer. Etliche Arbeitnehmer verlieren ihre Arbeit oder sehen ihre Löhne sinken und Firmen gehen pleite. Der private Konsum und die Investitionen gehen zurück und die Importe schrumpfen. Die Exportfirmen mögen besser dran sein, wenn die Märkte, an die sie sich richten, nicht beeinflusst worden sind, und sie wettbewerbsfähige Produkte haben.

Griechenland war und bleibt ein Sonderfall

Die griechische Wirtschaft machte ab 2010 und nachfolgend eine ausgedehnte Periode einer tiefen Rezession durch, die von einem steilen Anstieg der Steuern und Abgaben und einer Kürzung der staatlichen Ausgaben zwecks Reduzierung des großen fiskalischen Defizits begleitet wurde. Bevor sie wieder halbwegs auf ihre Füße kam, erleidet sie nun zusammen mit der übrigen Welt einen neuen Schlag aus einer unerwarteten Quelle. Dem Coronavirus.

Griechenland wie auch die anderen Länder der Eurozone Griechenland reagierten und ergriffen fiskalische Maßnahmen, die auf die Stützung der Beschäftigung, Verlagerung steuerlicher und versicherungsbezogener Abgaben in die Zukunft und Bereitstellung von Liquidität abzielen. Wie früher manche Gläubiger zu sagen pflegten, ist Griechenland jedoch ein Sonderfall. Und dies, weil die Größe der griechischen Schattenwirtschaft als signifikant eingestuft wird und aus dieser ein erheblicher Teil unserer Mitbürger ihr Einkommen sicherstellen oder ergänzen.

Ab dem Moment, wo letztere entweder gar nicht oder nur unzureichend gemeldet werden, können die bekannt gegebenen Maßnahmen sie nicht einbeziehen. Jedoch sind die Mehrheit der in der Schattenwirtschaft Beschäftigten sogenannte Niedrigverdiener und etliche von ihnen haben keine nennenswerten Ersparnisse oder anderen mobilen Werte, um durchhalten zu können. Sie werden folglich in dieser Krise mehr als alle anderen getroffen werden.

Corona-Krise wird in Griechenland Hunderttausende treffen

Was abläuft, ist mehr oder weniger bekannt. Im Tourismus, mit den saisonal Beschäftigten, die gewöhnlich April – Oktober arbeiten und sich danach arbeitslos melden und die Beihilfe bekommen. Mit den einen großen Schlag erleidenden Ankünften aus dem Ausland werden zehntausende Saisonangestellte nicht arbeiten und folglich auch kein Geld auf oder unter dem Tisch bekommen. Das selbe gilt für die nicht deklarierten Einkommen aus Liegestühlen, Wassersport, maritimen Beförderungen usw. Der Tourismus wird ebenfalls eine negative Auswirkung auf die Kurzzeitvermietungen von Wohnungen, Villen mittels elektronischer Plattformen wie Airbnb haben. Auch hier wird eingeschätzt, dass damit fortgefahren worden wäre, die Immobilien nicht oder nur andeutungsweise zu deklarieren und ein steuerfreies Einkommen zu haben, das nun fehlen wird.

Weiter wird erwartet, dass der Tourismus und das wegen der Pandemie allgemein schwere Klima die Gastronomie-Branche mit den Kaffees, Tavernen und Restaurants usw. mitreißen wird. Einen Rückgang werden ebenfalls die „schwarzen“ Gelder zeigen, die privaten Nachhilfeunterricht erteilende Lehrer und andere oder im Bauwesen Beschäftigte einnahmen. All diese und auch andere Menschen in anderen Branchen verließen sich auf die Schattenwirtschaft, um ihren Lebensunterhalt zu verdienen oder ihr Einkommen zu ergänzen, und sind logischerweise nicht in den fiskalischen Paketen umfasst. Sie sind jedoch Viele und werden große Verluste erleiden, da in Griechenland die Schattenwirtschaft eine signifikante Größe ist.

Im Gegensatz zu anderen Wirtschaftskrisen in der Vergangenheit wird erwartet, dass die heutige Krise die „schwarze“ Wirtschaft und zusammen mit ihr hunderttausende Menschen hart treffen wird, von denen manche vielleicht die absolute Armut erleben werden: Nahrung für Überlegungen und vielleicht manche Züge seitens der Regierungsführenden … .

(Quelle: euro2day.gr)

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