Leben der Migranten in Griechenland

22. Januar 2020 / Aufrufe: 446

Wie Migranten in Griechenland leben, die Realität in Zahlen und was die Griechen glauben.

Eine Untersuchung über das Migrationsthema in Griechenland stellt fest: „Die hunderttausende Migranten, die im 1990er Jahrzehnt kamen, schafften ohne jegliche Infrastruktur oder Eingliederungspolitik, von allein in unsere Gesellschaft eingegliedert zu werden. Die zehntausende Flüchtlinge und Migranten, die in den letzten Jahren ankamen, haben nicht den selben Eifer, in unsere Gesellschaft integriert zu werden, obwohl unser Land sich verpflichtet hat, sie hier zu behalten, da Griechenland die für die meisten von diesen nicht mehr als eine Zwischenstation ist.

Warum ist dies so? Wie wurden die Migranten des 1990er Jahrzehnts in die griechische Gesellschaft eingegliedert und warum wollen die jüngst hier angelangten Migranten und Flüchtlinge nicht integriert werden?

In Griechenland leben ungefähr 580.000 legale Migranten

Der Anteil der in der Europäischen Union lebenden Migranten (sprich Bürger ohne Staatsangehörigkeit eines EU-Lands) beträgt 4,4 %.

Die derzeit in Griechenland befindlichen legalen (…!) Migranten, die hauptsächlich in den urbanen Zentren leben, zählen ungefähr 580.000.

Die Anzahl der Migranten, die nach 2015 kamen und hier geblieben sind, wird auf 50.000 – 70.000 geschätzt (die bis Ende 2018 anhängig gewesenen Asylanträge erreichten 67.000).

Von der Gesamtheit der neuen Flüchtlinge sind ungefähr 35.000 (also mehr als die Hälfte) Frauen und Kinder.

Laut UNICEF beträgt die Anzahl der Kinder 27.000, während gemäß der Erfassung des Flüchtlings-Hochkommissariats im September 2019 die Anzahl der unbegleiteten Kinder und Jugendlichen 4.616 betrug.

Haltung der Griechen gegenüber Flüchtlingen und Migranten

56 % der Befragten glauben, die Auswirkung der Präsenz von Migranten auf die griechische Wirtschaft sei negativ.

58 % nehmen an, die Präsenz von Migranten in Griechenland „stellt eine Gefahr einer Verfälschung unserer nationalen Identität dar„.

79 % glauben, die Präsenz der Migranten trage nicht zur Lösung des demographischen Themas bei.

53 % glauben, ihre Präsenz steigere die Kriminalität.

54 % glauben, in Zukunft werden mehr Flüchtlinge und Migranten kommen.

Wie alte und neue Migranten ihr Leben in Griechenland sehen

Die neuen Migranten des Musters der Untersuchung (bis zu 1,5 Jahren in Griechenland lebende Afghanen und Syrer) haben zu einem größeren Anteil Kinder (63,5 %) als die älteren Migranten  (42 %), welcher Umstand die grundlegende Darstellung der Flüchtlinge der Krise des Jahres 2015 als überwiegend „junge, ledige Männer“ bestreitet.

Die Religion scheint in ihrem Leben keine große Rolle zu spielen, da – unabhängig von Konfessionen – die große Mehrheit (77 %) erklärte, nie oder nur selten an religiösen Zeremonien teilzunehmen.

52 % der im Durchschnitt 22 Jahre in Griechenland lebenden Befragten albanischer Herkunft haben die griechische Staatsangehörigkeit erhalten. 5 % haben sogar nicht einmal eine doppelte, sondern nur die griechische Staatsangehörigkeit.

Nur 4% der georgischen Befragten haben die griechische Staatsangehörigkeit, obwohl sie im Durchschnitt über 10 Jahre in Griechenland leben.

54 % der alten Migranten verfügen über einen akademischen Abschluss, im Gegensatz zu den 12 % der neueren, die in ihrer Mehrheit kein ihre Ausbildung bescheinigendes Dokument / Schriftstück haben.

91 % der neueren Migranten und Flüchtlinge (und fast alle Syrer) geben als Auswanderungsgrund an, der „Gewalt zu entkommen„, was weniger als 20 % der Albaner und weniger als 5 % der Georgier angeben.

58 % der Afghanen und 65 % der Syrer erklären, in ein anderes (und zwar fast alle in ein europäisches) Land zu gehen zu beabsichtigen, und nur 1 von 4 gibt an, in Griechenland bleiben zu wollen. Dagegen erklären ungefähr 3 von 4 alten Migranten, ihre Zukunft sei hier.

Die neueren Migranten haben sich bisher weder in die Gesellschaft noch in das berufliche Leben Griechenlands integriert: Gerade einmal 9 % sind berufstätig, im Gegensatz zu 77 % der älteren Migranten, die angeben, irgend eine Form von Beschäftigung zu haben.

Die neueren Migranten zeigen signifikante Quoten mit der psychischen und mentalen Gesundheit in Zusammenhang stehender Schwierigkeiten, während die älteren Migranten ein besseres Bild zeigen, obwohl auch bei jenen die Stressquoten reichlich hoch sind.

Obwohl die große Mehrheit alter und neuer Migranten angeben, in Griechenland keine negativen Erfahrungen systemischer Diskriminierungen erlebt zu haben, und ungefähr 80 % aller Migranten erklären, von keinerlei Gruppe eine Bedrohung zu empfinden, geben in der Regel die neuen Migranten zu größeren Anteilen an, Diskriminierungen erlitten zu haben.

Was unternimmt Griechenland?

Obwohl Griechenland seit 2013 über eine Nationale Strategie für die Eingliederung von Migranten sowie auch vereinzelte Strukturen (wie die Migranten-Integrationsausschüsse und die „One Stop Stellen“) verfügt und zur Erneuerung des Staatsangehörigkeitsgesetzes und des Einwanderungsgesetzes geschritten ist, bilden alle diese Züge keine in sich abgeschlossene und effiziente Migrationspolitik für unser Land.

Zusätzlich sind von der Europäischen Union in den letzten Jahren anlässlich der Flüchtlingskrise riesige Summen in die griechische Wirtschaft gelenkt worden. Ab 2015 bis einschließlich Ende 2018 waren an Griechenland ungefähr 1,69 Mrd. Euro bereitgestellt bzw. bewilligt worden:

561 Mio. Euro an nationale Programme (322,8 Mio. aus dem AMIF und 238,2 Mio. aus dem ISF), wovon bis Ende 2018 nur 164 Mio. ausgezahlt worden waren.

480 Mio. Euro als Soforthilfe (233 Mio. an die griechischen Behörden, der Rest an UNHRC und andere Institutionen) aus dem AMIF und dem ISF, wovon bis Ende 2018 rund 342 Mio. ausgezahlt worden waren.

650 Mio. Euro von der ESI an internationale Organisationen und NRO, wovon 605,3 Mio. kontrahiert worden waren.

Konkrete Politikvorschläge der Untersuchung

Die besagte Untersuchung gelangt zu konkreten Vorschlägen für eine Politik, nämlich:

Unterbringung der Flüchtlinge in Wohnungen und ihre Verteilung auf verschiedene Gebiete Griechenlands.

Vollumfängliche Funktion der Migranten-Integrationsausschüsse bei allen Gemeinden / Kommunen des Landes.

Vollumfängliche Funktion sogenannter „One Stop Stellen“ für Flüchtlinge und Migranten.

Einführung der Institution des interkulturellen Vermittlers zur Erleichterung der Migranten im Verkehr mit dem Staat.

Einführung eines System zur Bewertung von Fertigkeiten mit der Ausweitung des „Europäischen Qualifikationspasses für Flüchtlinge“ in Zusammenarbeit mit den entsprechenden regierungsführenden Strukturen (oder autonom).

Gewährleistung eines Zugangs von Kindern zu schulischen Einrichtungen im Rahmen der bidirektionalen Eingliederung. Integration grundlegender Prinzipien einer Respektierung der Verschiedenheit in den detaillierten schulischen Lehrplan.

Erteilung griechischen Sprachunterrichts an alle volljährigen Migranten.

Sicherstellung von Transparenz bei der Verwaltung der europäischen Mittel, Steigerung des Abrufungsrhythmus und bessere Koordinierung der NRO.

Bessere Hierarchisierung und Zielsetzung bei der Verteilung der Mittel und Bewertung der jeweiligen Aktionen.

Zentrale strategische Planung, detaillierte Analyse der Finanzierungsquellen und Finanzierungsplanung der Aktionen bei einem konkreten Zeitplan.

Schaffung eines zuverlässigen Systems zur Meldung von Betrugsphänomenen.

Beratende Unterstützung an griechische Träger mittels einer „Toolbox“ zur Einführung von Aktionen zur Aufnahme in europäische Finanzierungsprogramme.

(Quelle: dikaiologitika.gr, Untersuchung: diaNEOsis)

Kommentare sind geschlossen