Kapitalflucht und rote Kredite in Griechenland

21. Juni 2015 / Aktualisiert: 05. Oktober 2017 / Aufrufe: 3.534

Dramatische Folgen aus den leistungsgestörten Krediten

In dem Bericht bezieht die TtE sich spezieller auf die „roten Kredite“ und unterstreicht, dass der Grad des Kreditrisikos sich in dem hohen Niveau der nicht bedienten Ausstände (39,9%) reflektiert, über die erstmalig seit Dezember 2004 Daten verfügbar sind. Gemäß den Angaben für das 1. Quartal 2015 erreichte das Verhältnis der nicht bedienten Kredite zu der Gesamtheit der Kredite 40,8%, wobei ihre Höhe 100 Mrd. Euro übersteigt.

Laut den in dem Bericht über die Währungspolitik veröffentlichten Daten erreichte Ende 2014 das Verhältnis der in Verzug befindlichen Kredite zu der Gesamtheit der Kredite 33,8%, gegenüber 31,9% Ende Dezember 2013. Eine Verschlechterung des Verhältnisses der in Verzug befindlichen Kredite zeigen alle Kategorien der Bankzuteilungen: Baukredite (2014: 28,6%, 2013: 26,1%), Verbraucherkredite (2014: 49,5%, 2013: 47,3%) und Unternehmenskredite (2014: 33,5%, 2013: 31,8%).

Zum ersten Mal gibt es eine detaillierte Informierung (Stand Ende 2014) über die nicht bedienten Engagements (Non-Performing Exposures – NPEs) sowie auch über den Typ der Regelungen und endgültigen Regulierungen, zu denen die Banken geschritten sind. Es wird betont, dass der Begriff der nicht bedienten Engagements von den technischen Normen der Europäischen Bankbehörde für alle Länder der Europäischen Union auf gleiche Weise definiert wird. Der hauptsächliche Unterschied der nicht bedienten Engagements im Verhältnis zu der bisher von der Griechischen Bank verwendeten Definition der in Verzug befindlichen Kredite liegt in dem Umstand, das unter den nicht bedienten Engagements auch Engagements umfasst sind, die zwar bedient werden oder zum Referenzdatum eine Verzögerung von weniger als 90 Tagen aufweisen, wo es jedoch Indizien gibt, dass der Schuldner seine Kreditverpflichtungen möglicherweise letztendlich nicht ohne die Verflüssigung der einschlägigen Sicherheiten völlig begleichen können wird.

Gemäß ihren eingereichten Daten erreichte Ende Dezember 2014 die Höhe der nicht bedienten Engagements auf Personenbasis 39,9% der Gesamtheit der Engagements. Von der Gesamtheit der vorstehend angeführten Engagements:

  • ist ungefähr die Hälfte gekündigt (die Bank hat also den Kreditvertrag gekündigt und wegen der Inkonsequenz des Kreditnehmers den gesamten Kredit fällig gestellt),
  • zählen ¼ zu der Kategorie der Kredite, deren Begleichung als unwahrscheinlich gilt, und
  • 7% (von denen, die nicht gekündigt worden sind) befinden sich für eine Periode von wenigstens drei Jahren in Verzug.

Es wird betont, dass die dem Status einer Regulierung unterstellten Kredite 13,3% der Gesamtheit der Kredite darstellen. Von diesen ist ein großer Teil (ungefähr 70%) unter den nicht bedienten Engagements umfasst, entweder weil sie erneut einen Verzug gezeigt haben oder weil sie als „unlikely to pay“ gelten.

Engagements, Rücklagen und Kapitaldeckung der Banken

Was spezieller die Kredite betrifft, die dem Status einer Regulierung unterstellt worden sind, wurden auf 55% der Fälle Lösungen kurzfristigen Charakters (z. B. Kapitalisierung fälliger Verbindlichkeiten), auf 20% Lösungen langfristigen Charakters (z. B. Prolongierung, Senkung des Zinssatzes) und auf 25% Lösungen einer endgültigen Beilegung angewendet.

Zusätzlich sind die Banken bezüglich der gekündigten Forderungen für 59% der Anzahl der Kredite bzw. 23% der entsprechenden Salden zu keinerlei Handlung geschritten. Der größte Teil der gekündigten Forderungen befindet sich im Stadium des Erkenntnisverfahrens (die Bank hat also das Verfahren zur Ausstellung eine Zahlungsbefehls oder eines anderen Zwangsvollstreckungstitels begonnen) und der Zwangsvollstreckung (es ist also ein Zahlungsbefehl ergangen oder das Verfahren der Versteigerung hat begonnen).

Bei den jeweiligen Kreditkategorien wird der höchste Anteil nicht bedienter Engagements bei den Verbraucherkrediten verzeichnet (51,3%) und es folgen die Unternehmenskredite (39,8%) und die Baukredite (35,6%). Es wird betont, dass in der Kategorie der Unternehmenskredite der höchste Anteil nicht bedienter Engagements in der Subkategorie der Kredite an Selbständige und sehr kleine Unternehmen (63%) und der Kredite an kleine und mittlere Unternehmen (54%) verzeichnet wird.

Bezüglich des Bildes der nicht bedienten Unternehmenskredite nach Branchen zeigen die Branchen Energie und Mineralölprodukte (3,5%), Schifffahrt (28,8%) und Gesundheit (33,1%) die niedrigsten Anteile nicht bedienter Engagements im Vergleich zu den übrigen. Die höchsten Anteile nicht bedienter Engagements zeigen dagegen zwei Unterbranchen in der Verarbeitung, also die Textilindustrie (71%) und die Papier- Holz- und Möbelindustrie (63%) sowie auch der Zweig der Landwirtschaft (61,4%). Bei den Zweigen mit signifikanten Kreditsalden verzeichnet der Handel einen Anteil nicht bedienter Engagements von 54%, der Bausektor von 49% und der Verarbeitungssektor von 47,8%.

Jedenfalls wurde die Deckungsquote der in Verzug befindlichen Kredite durch kumulierte Rücklagen erheblich erhöht (2014: 55,8%, 2013: 49,3%), während die Deckungsquote für die nicht bedienten Kredite sich auf 44% gestaltete. Sehr richtig befolgten die Banken bezüglich des Kreditrisikos eine konservative Rücklagenpolitik, mit dem Ergebnis, dass ihre kumulierten Rücklagen auch gemäß den Resultaten des im Sommer 2014 im Rahmen der Gesamtbewertung durchgeführten Bewertungstests der Portefeuille-Qualität im Dezember 2014 ein befriedigendes Niveau erreichten.

Eine besonders positive Entwicklung stellt laut der TtE die Verfünffachung der Ausbuchungen von Krediten dar (1.980 Mio. Euro 2014, gegenüber 363 Mio. Euro 2013), da dies zu der schrittweisen Sanierung des Kredit-Portefeuilles beiträgt. Die Ausbuchungen von Krediten konzentrierten sich auf Unternehmens. und Verbraucherkredite.

Was die Kapitaldeckung betrifft, beliefen sich 2014 der Stammaktien-Kapitalindex (Common Equity Tier 1 – CET1) auf harmonisierter Basis auf 13,8% (gegenüber 12% im Jahr 2013) und der Kapitaldeckungs-Index auf 14,1% (gegenüber 13,4% im Jahr 2013). Eine positive Auswirkung auf die Kapitaldeckung hatten die von den Banken durchgeführten Aktienkapitalerhöhungen, eine negative dagegen die Bildung besonders erhöhter Rücklagen für das Kreditrisiko, was jedoch zur Sanierung ihrer Bilanzen beiträgt.

(Quelle: Imerisia)

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  1. Volker
    21. Juni 2015, 12:20 | #1

    Die Griechen sollten ihr Schicksal selbst in die Hand nehmen, durch einen Runden Tisch oder Reformkonferenz aller gesellschaftlich tragenden Kraefte (Parteien, Kirche, Oligarchen, Unternehmer), konkrete Massnahmen festlegen (z.B. Besteuerung der Vermoegenden und Bekaempfung Korruption), Vertrauen schaffen, mit guten Beispiel vorangehen, d.h. die Oligarchen investieren im eigenen Land statt in Betongold in London oder Berlin.

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