Ist Griechenlands Regierung ein Haufen linker Spinner?

21. Juni 2015 / Aufrufe: 3.058

Stellt Griechenlands Regierung versponnene linke Forderungen oder verfolgt sie einfach nur sozialdemokratische Ziele?

Die Institutionen und ihre hiesigen Unterstützer (in Griechenland) sind verwirrt. In der Bemühung, die Absichten von Tsipras und seinen Mitarbeitern herauszufinden, fragen sie sich:

  • Sind es vielleicht Spinner?
  • Sind es vielleicht Linke?
  • Handelt es sich vielleicht – und das wäre auch das schlimmste – um ein Schema versponnener Linksorientierung?

Keine linken Spinnereien, sondern sozialdemokratische Ziele

Alle, die glauben, sie seien einfach nur Spinner, berufen sich auf den Leichtsinn des Premierministers, sich mit höheren Mächten anzulegen und zu fordern, dass jede wie immer geartete Vereinbarung für das Land nicht schändlich ist. Jene wiederum, die vertreten, wir haben es mit Linken zu tun, verweisen auf die Ansichten von Amtsträgern, die nicht mit der Veräußerung des öffentlichen Vermögens einverstanden sind, die darauf beharren, dass die Löhne nicht gekürzt werden und die Mehrwertsteuer bei Produkten und Dienstleistungen des Massenkonsums nicht erhöht werden.

Schließlich gibt es auch noch diejenigen, die das Vorstehende addieren und zu dem Schluss gelangen, die Regierung sei beides. Das selbe hatten offensichtlich auch diverse Demonstranten am Donnerstag im Sinn, anderenfalls hätten sie keine Plakate mit Parolen wie „Wir werden nicht die letzte Sowjetrepublik werden“ und „Nein zum Stalinismus“ gehalten. (Anmerkung: Gemeint ist die pro-europäische Demonstration am 18 Juni 2015 in Athen.)

Mit Menschen, die fanatisch sind und an Dogmen kleben, gibt es nicht viele Spielräume um zu diskutieren und sich sogar auch nur über Selbstverständlichkeiten zu einigen. Wenn die Gläubiger und ihre Freunde in Griechenland politisch und ideologisch auch nur elementar ausgeglichen wären, würden sie eingestehen, dass die Forderungen der griechischen Regierung nicht kommunistischer Orientierung sind. Sie sind sozialdemokratische Ziele verteidigenden Charakters.

Im heutigen Europa des Neoliberalismus befindet sich leider selbst die schüchterne sozialdemokratische Plattform … außerhalb des Gesetzes, und zwar primär und hauptsächlich durch die sozialdemokratischen Parteien selbst, diese – wie laut Étienne Balibar sagt – politischen Leichen.

(Quelle: Zeitung der Redakteure, Autor: Tassos Pappas)

  1. Protagoras
    21. Juni 2015, 11:01 | #1

    Mikis Theodorakis und der junge deutsche Komponist Sebastian Schwab haben alte Lieder des griechischen Komponisten neu bearbeitet. Im Lauf der Zusammenarbeit sagt Theodorakis sinngemaß zu dem viel jüngeren Deutschen: „Ich bin wie Du.“ Wenn wir jenseits der Zahlen und der Feilscherei nicht zu der Erkenntnis gelangen, dass die Not des einen, die Not des anderen ist, wird die Idee freier Völker in einem freien Europa scheitern. Es gibt den Zusammenhang von Mangel auf der einen und Überfluss auf der anderen Seite. Die linke Idee, dass horrende Einkommensunterschiede nicht die Grundlage einer gerechten Gesellschaft sein können, gilt in Griechenland wie in Deutschland: Das ist recht eigentlich nicht links, sondern bloß gerecht. Der ausgebeutete deutsche Arbeiter ist wie der ausgebeutete griechische Arbeiter. Solange diese aufeinandergehetzt werden können, wird das Geschäft weiter betrieben werden , das nur denen nützt, die aus der Ungerechtigkeit Profit schlagen. „Links ist, wo das Herz schlägt“ – Soll doch mal einer, das Gegenteil beweisen!

  2. Weekend01
    21. Juni 2015, 11:49 | #2

    Fuer mich ist es eher bedenklich, wenn die Ziele der EU und Menschen auf die Strasse gehen (oder geschickt werden …), damit die Armen immer aermer machen und die Reichen immer reicher – wo vehemend kein Respekt vorhanden ist, was Natur, Umwelt und Menschenrechte betrifft, wenn sie daraus ihre schmutzigen Geschaefte machen koennen.

  3. windjob
    21. Juni 2015, 12:13 | #3

    Dies sind keine linken Spinner sondern Leute, die weniger vorgespannt und an bestimmte politische Richtungen gebunden sind. Damit können die „etablierten“ Parteien halt nicht umgehen. Zumal sie eine Riesenangst haben, dass ihre erpresserischen Methoden nicht mehr funktionieren.

  4. Jani
    21. Juni 2015, 13:23 | #4

    Es ist so das Leute mit fortschrittlichen Ideen die sich zu sagen wagen was nicht gesagt werden darf schnell als Spinner diffamiert sind. Sind nicht erwachsen und verstehen die Realität nicht eben Verschwörungstheoretiker. Wenn sie aber dann auch noch Griechen sind und sich wagen eine linke Regierung zu wählen die auch noch so unverschämt ist und forderungen stellt anstatt zu betteln dann ist es mit der Gleichheit und Einigkeit vorbei. An dem griechischen Volk soll ein Exempel statuiert werden das nicht zu statuieren ist, kein Staat der der sog. Wertegesellschaft kann jemals seine Schulden bezahlen. Kalifornien, Illinois beide Pleite und Bankrott … und nichts passiert. Die Staatsverschuldung der BRD … (-: wer soll das bezahlen? Das ist normal in einem Ausbeuterischen System

  5. Felix Klinkenberg
    21. Juni 2015, 21:02 | #5

    Also Sozialdemokraten, können es nicht sein, Sozialdemokraten, hätten schon längst die Menschen in Griechenland, dem Internationalen Finanzkapital, zur beliebigen Ausplünderung übergeben, so wie sie es immer gemacht haben, wobei sie aber vorher, den Judaslohn für sich ausgehandelt haben. Das Problem ist nur, die Jahrzehnte lange Gehirnwäsche, der Menschen durch die Medien, wirkt und wirkt nach, so das die meisten Griechen, heute noch glauben, das nach einer Talsohle, die gebratenen Tauben, wieder fliegen würden, mit denen sie Jahrelang an-gefüttert wurden. Sie haben noch gar nicht realisiert, das es der : Krieg ist, den die Klasse der Besitzenden, gegen die Klasse der Besitzlosen führt und sie nach der Ankündigung von Warren Buffet, auch gewinnen würden.

  6. Volker
    21. Juni 2015, 21:09 | #6

    GR Syriza ist insofern ein Haufen linker Spinner, weil sie die Entscheidungsprozesse in der EU und dem Euro Raum ignorieren. Einem wie auch immer gearteten Deal muss nicht nur Merkel, sondern auch von allen anderen 17 Euro Laendern genehmigt werden, bei vielen sogar vom Parlament. Wie soll da ein Rajoy in Spanien oder osteuropaeische Politiker einer Sonderbehandlung Griechenlands zustimmen? Auch sie wollen Wahlen gewinnen. Gefordert sind jetzt echte Reformen, Zwangsvollstreckung ausstehender Steuern, in die Plficht nehmen der griechischen Eliten und Oligarchen.

  7. rote pille
    21. Juni 2015, 22:25 | #7

    die frage in der überschrift kann ich nur mit ja beantworten. es gibt kein geld mehr für sozialdemokratie. die sollten aufhören den menschen etwas zu versprechen was andere zahlen sollen. default auf die schulden erklären und alle sozialleistungen zusammenstreichen, und zwar so lange, bis man soviel einnimmt wie man ausgibt.

  8. phineas
    22. Juni 2015, 03:39 | #8

    Syriza verfolgt jene sozialdemokratischen Ziele, welche die selbst ernannten „sozialdemokratischen“ Parteien in Europa bereits Ende der 70er Jahre (Thatcherismus / Reaganomics) begraben hatten. Sie versucht also, Tote zum Leben zu erwecken – und spricht damit nicht nur die Griechen, sondern zig Millionen EU-Bürger an, die den Neoliberalismus und das transatlantische Diktat endgültig satt haben.

  9. Kasia
    22. Juni 2015, 12:35 | #9

    Wenn linke Spinner bedeutet, dass man erkannt hat dass das Ausbeuten des Volkes nicht die Lösung des Grundproblems ist und sozial demokratische Ziele im Vordergrund stehen, was ist dann die Bezeichnung für eine Regierung die um jeden Preis eine gescheiterte Währung künstlich am Leben erhalten möchte und verlogene, machtbesessene, kapitalistische Ziele verfolgende und austeritäre Politik betreibt? Es muss sich etwas ändern und das geht nur, wenn es „Spinner“ gibt, die sich auch mal ins Haifischbecken wagen, obwohl sie vielleicht chancenlos sind, aber es trotzdem versuchen!!

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