Wie dem Nazi-Gesindel in Griechenland zu begegnen ist

23. September 2013 / Aufrufe: 1.479

Yanis Varoufakis vertritt die Meinung, den Neonazis in Griechenland könne nicht mit einem gesetzlichen Verbot, sondern nur mit absoluter Nicht-Toleranz begegnet werden.

Anlässlich des in der Nacht des 17 September 2013 in Amfiali (Keratsini / Piräus) von einem Mitglied der rechtsradikalen Chrysi Avgi verübten brutalen Mordes an dem Rapper und antinazistischen Aktivisten Pavlos Fyssas spricht der renomierte Wirtschaftswissenschaftler Yanis Varoufakis über die Chrysi Avgi und die seiner Meinung nach einzige richtige Lösung, dem neonazistischen Gesindel zu begegnen.

Herr Varoufakis analysiert die Strategie der Chrysi Avgi und betont, sie stelle eine Kombination zwei unterschiedlicher, jedoch paralleler Motivationen dar.

Fantastische Möglichkeit für die Regierung, sich in Szene zu setzen

Die griechischen Nazi-Strolche beschlossen, aus der Taktik der Regierung Gewinn zu schlagen, nach einer Legalisierung aus der ekelhaften Strategie heraus zu suchen, die SYRIZA-Partei als die ‚andere Seite der Münze von der Chrysi Avgi‘ darzustellen.

Nachdem die Success Story sich als ‚Blase‘ zeigte, nachdem ein weiteres griechisches Unternehmen Griechenland verließ, nachdem die Arbeitslosigkeit wieder Anstieg und mit dem Programm der wirtschaftlichen Sanierung – auf dessen Altar Millionen Griechen geopfert worden sind – im Tartaros sah die Regierung des Herrn Samaras einen Konflikt zwischen der griechischen Linken – deren große Kraft die SYRIZA ist – und der Chrysi Avgi als ein Geschenk Gottes, als eine fantastische Gelegenheit, sich selbst als die einzige Säule der Stabilität und des Friedens im Land zu inszenieren.

Die Chrysi Avgi – in voller Kenntnis dieser Tatsache – sah dies als eine Gelegenheit, die Erwartungen der Kleptokratie auszunutzen, und unternahm eine Reihe von Angriffen gegen die Linken. Der Geist des Bürgerkriegs, unter dem Griechenland ab 1945 so sehr litt, kehrte zurück um wie ein Gespenst unsere Gesellschaft heimzusuchen.

Trauer und Zorn sind in dieser Situation die schlimmsten Berater

Weiter bezieht Herr Varoufakis sich auf den Kommentar des Journalisten Babis Papadimitriou in Zusammenhang mit der Kooperation der Nea Dimokratia (ND) mit einer „ernsthafteren“ Chrysi Avgi und betont, der Journalist versuche, die rechtsradikale Partei mit der SYRIZA als „die beiden Seiten des Extremismus“ gleichzusetzen, und rief damit ungewollt eine Spannung in der Chrysi Avgi hervor, die sich gemäß dem bekannten Ökonomen klarzustellen eilte, nicht vorzuhaben, „ernsthaft zu werden“ zu werden und „ihren reinen Nazismus“ dadurch zu verseuchen, ihre parlamentarischen Sitze der Nea Dimokratia zu „leihen“.

Wie Herr Varoufakis unterstreicht, fungiert der Mord an Pavlos Fyssas zu einem gewissen Grad sogar „als ein Signal, dass die Chrysi Avgi nicht mit der Nea Dimokratia kooperieren werde, zumindest nicht unter den Bedingungen der ND„. Parallel hält Herr Varoufakis in einer solchen Situation die Trauer und den Zorn für die schlimmsten Berater und führt aus: „Der Anblick der Abgeordneten der Chrysi Avgi im Parlament, wie sie nach dem Mord an Pavlos Fyssas provozieren und diesen ironisieren, weckt bei uns allen den Wunsch, sie hinauszuwerfen. Dies wäre jedoch ein schlimmer Fehler.

Verbot ist keine Lösung, Lösung ist die Null-Toleranz

Die einzige Lösung, die der bekannte Wirtschaftswissenschaftler für effizient hält, ist die „Null-Toleranz“ gegenüber der Chrysi Avgi, und Herr Varoufakis erklärt, wie diese umzusetzen ist:

Ich träume von einem Griechenland, in dem sich jedes Mal, wo die Strolche der Chrysi Avgi es wagen, ihre Handzettel in den Geschäften, auf den Straßen oder den Schulhöfen zu verteilen, tausende Griechen versammeln und sie niederbrüllen und herausfordern. Mutig und entschlossen. Entschlossen, ihren gewaltsamen Praktiken zu begegnen und sie dazu zu bringen, sich aus Scham zurückzuziehen. Ich träume von einem Parlament, in dem alle antinazistischen Abgeordneten, Linke und Rechte, Befürworter der Sparpakete und ihre Gegner, alle zusammen, keinerlei Toleranz gegenüber den Nazi-Abgeordneten zeigen. Ohne sich dafür zu interessieren, die Spielchen zu spielen, die den Nazis erlauben, uns zu spalten und so in einem gewissen Sinn zu kommandieren.

Abschließend führt Herr Varoufakis an: „Der Nazismus muss auf Basis privater Initiativen und spontaner kollektiver Aktivität von den Bürgern bekämpft werden, die sich autonom, aber auch kooperativ entscheiden, einen Schutzwall gegen die Intoleranz der Nazis zu errichten, ohne sich zu der „leichten“ Lösung zu flüchten und vom Staat zu verlangen, die konkrete Schlange zu töten.

Artikel weiterlesen: Seite 1 Seite 2

  1. Lolita
    23. September 2013, 22:21 | #1

    Varoufakis ist ein Auslandsgrieche und ein politischer Ökonom. Er hat auch Papandreou beraten. Er gehört also zu den Verantwortlichen im politischen Betrieb. Es ist zu bezweifeln, dass irgendein Grieche seine Meinung deshalb ernsthaft zur Kenntnis nehmen wird. Die Nazis nicht zu tolerieren, ohne sie zu verbieten, ist in meinen Augen unsinnig. Diese Partei wird ja toleriert. Die Polizei sieht ja offenkundig weg, zumindest mehrheitlich, ebenso viele Richter. Die etablierten politischen Kräfte haben ja nicht einmal die Beamtenschaft unter Kontrolle.

  2. GR-Block
    24. September 2013, 15:06 | #2

    Varoufakis hat recht. Demokratisch legitimierte Terroristen, kann man nicht verbieten, außer man stellt eine Institution über das Athener Parlament. Da sehe ich nur Brüssel, aber wer will das schon. Nein, man muss die kriminelle Energie mancher Mitglieder der XA offenlegen und juristisch verfolgen. Dann wird ihr Image als Partei des heiligen Kriegs brökeln. Das letzte was GR braucht sind nationalistische Märtyrer.
    Die Tatsache, dass Varoufakis ein ehemaliger Papandreouberater ist, bestätigt nur, dass er eher im amerikanischen, weniger im EU-Interesse argumentiert. Es ist gut, wenn GR in einer Welt der Interessenskonflikte sich endlich wieder verschiedene Meinungen anhört und dann SELBST entscheidet. Der jetzige Weg mit EU-Scheuklappen ist eine nationale Katastrophe. EU, US, RUS, CN… alle sind Interessenten für Wirtschaftsbeziehungen mit GR.

Kommentare sind geschlossen