VIOHALCO verlegt Sitz von Griechenland nach Belgien

17. September 2013 / Aktualisiert: 20. Dezember 2019 / Aufrufe: 890

Das größte griechische Montanunternehmen VIOHALCO gab bekannt, seinen Hauptsitz von Griechenland nach Belgien zu verlegen.

Eine weitere Ohrfeige für die griechische Regierung und ihre Politik stellt der Beschluss der VIOHALCO dar, den Konzernsitz von Athen nach Belgien zu verlegen. Die VIOHALCO ist der größte griechische Konzern auf dem Sektor der Metallbearbeitung, mit einem Jahresumsatz von 3,3 Mrd. Euro und 7.700 Beschäftigten.

Die Sitzverlegung wird mittels der Absorption der in Athen ansässigen Muttergesellschaft VIOHALCO durch ihre in Belgien ansässige Tochter- / Holding-Gesellschaft VIOHALCO S.A. erfolgen, die wiederum mit der ebenfalls in Belgien ansässigen „Compagnie Financière et de Développement Industriel S.A. („Cofidin S.A.“) fusionieren wird.

Laut der einschlägigen Bekanntmachung wird die gesellschaftliche Umstrukturierung und Verlegung des Sitzes ins Ausland dem Konzern helfen, einen direkteren Zugang zu den internationalen Kapitalmärkten zu haben und einen Hebel zur finanziellen Stützung ihrer Tochtergesellschaften zu schaffen.

Es ist anzumerken wert, dass dies der zweite große „Umzug“ nach dem der Coca Cola ist, die ihren Sitz von Athen nach Zug in der Schweiz verlegte.

(Quellen: To Pontiki, euro2day.gr)

Relevante Beiträge:

  1. GR-Block
    17. September 2013, 14:19 | #1

    Na wer sagt’s denn. Die Sparmaßnahmen fangen an zu greifen. Neben den letzten abgewickelten Staatskonzernen gehen jetzt auch die Privatkonzerne. Damit kehrt die griechische Industrie wieder an die Kapitalmärkte, läßt aber dabei GR zurück. Ach ja richtig, das war ja der Plan. EU-Konzerne sollen sich um Brüssel herum konzentrieren und dort qualifizierte Arbeitsplätze zur Verfügung stellen, während die Peripherie quasi als Fremdarbeiterfirma Service leisten soll. Zum Beispiel Bodenschätze liefern oder Touristen unterhalten. Nur so kann sich die EU der Konzerne leisten, auch in Zukunft Hartz IV-Länder zu unterhalten. Es können ja nicht alle den gleichen Status als stolze Europäer haben. Jeder in seine Position, denn Ordnung muss sein! Zackzack…

  2. Ronald
    17. September 2013, 16:43 | #2

    Ein Konzern wird sich nicht aufgrund einer Ideologie und schon gar nicht aufgrund einer politischen Ideologie entscheiden, sich irgendwo anzusiedeln, sondern aufgrund nüchterner wirtschaftlicher Fakten und Perspektiven. Ich bin nur froh, dass der Firmensitz nicht Berlin verlegt wurde, sonst hätte das wieder Schimpfe gegeben. Ist ja richtig erholsam, wenn mal nicht Deutschland, sondern die ganze EU (ausser Griechenland) der Feind ist.

  3. Ottfried Storz
    17. September 2013, 21:02 | #3

    Der Artikel und auch die Kommentare sind leider oberflächlich, denn sie gehen nicht auf den Kern ein: Es gibt für Konzerne ein Mega-Steuerschlupfloch, was hunderte Konzerne nutzen. Eine nennenswerte Anzahl an Arbeitsplätze wird durch die „Hauptsitzverlagerung“ gar nicht in Belgien entstehen: Es sind reine Rechts- und Vertragsentscheidungen.

    In Belgien können bei der Übertragung von Eigenkapital fiktive Zinsen steuerlich abgezogen werden. Es wird so getan, als ob die Tochter für das Eigenkapital Zinsen zahlen müsste, wie es bei der Aufnahme eines Kredits der Fall wäre. Mit dieser in Belgien geltenden Regelung soll die Eigenkapital-Finanzierung der Finanzierung mittels Fremdkapital wie etwa durch Kredite angeglichen werden. In fast allen anderen Ländern gilt dies steuerlich nicht. Daher zahlt es sich für Unternehmen aus, wenn sie ihre belgischen Tochtergesellschaften mit viel Eigenkapital unterlegen, etwa indem dies die Hauptsitze werden. Einfach mal „Steuerschlupfloch Belgien“ googeln, dann findet man hierzu Dutzende Artikel.

    Dass es „EU-Plan“ oder sogar Plan des ach-so-bösen Deutschlands wäre, ausgerechnet in Belgien Konzernzentralen zu konzentrieren, ist kompletter Blödsinn: Steuergesetze werden leider unverändert von den jeweiligen Staaten gemacht – mit all ihren Individualfehlern und Kuriositäten, deren Folge Minimalsteuersätze für intelligent steuervermeidene Konzerne ist.

  4. GR-Block
    17. September 2013, 23:17 | #4

    Ach Herr Storz, dass eine Firma nicht in einem Hochsteuerland wie GR produzieren sollte und deshalb Steuerparadiese sucht, ist sicherlich der VIOHALCO nichts neues. Natürlich ist es betriebswirtschaflich vernünftiger, wenn die griechische Tochter nur „Schulden“ erwirtschaftet, während die belgische Mutter durch Kredite an die Tochter verdient. Ein griechischer Unternehmer weiß schließlich, Belgien ist auf Listenplatz 15 (von 71) des Schattenfinanzindexes (Wiki) und hat damit enormes wirtschaftliches Schadenspotential für andere Länder. GR ist uf der Liste gar nicht zu finden. Übrigens für D gilt SFI=10.
    Auch weiß VIOHALCO, dass gerade belgische Behörden (wie in allen Industriestaaten) es mit dem Steuereintreiben nicht so genau nehmen. Ganz anders als in GR, wo die Schattenwirtschaft eher im EU-Durchschnitt liegt, jetzt aber in der Krise die Behörden sogar noch bissiger werden. shadow economy Europe 2013
    Und bitte, mit der Nähe zu Brüssel meinte ich natürlich, das ganze EU-„Kerngebiet“ im Gegensatz zur „Peripherie“. Ich wollte doch nur diese peinlichen Begriffe vermeiden.

  5. Moppel
    18. September 2013, 01:19 | #5

    Oh Mann, schon wieder diese Nummer à la Pat & Patachon – nur, dass die beiden wenigstens komisch und nicht nur einfach krankhaft ätzend waren!

  6. Panhellene
    18. September 2013, 09:24 | #6

    Derweil wird Herr Samaras nicht müde, dem griechischen Volk zu vermitteln, daß der Wirtschaftsaufschwung bereits begonnen hat und goldene Zeiten anbrechen werden. Volksverarsche nennt man so etwas. Um die Wirtschaft nach vorne zu bringen, muß man mehr tun, als die Bedingungen für die Unternehmen ständig zu verschlechtern …

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