Szenarien einer rauen Zukunft in Griechenland

16. September 2013 / Aufrufe: 1.986

Der wirtschaftliche, gesellschaftliche und nationale Zusammenbruch in Griechenland droht in eine buchstäblich rabenschwarze politische Zukunft zu führen.

Laut einer am vergangenen Donnerstag (12 September 2013) in der Wochenzeitung „To Pontiki“ publizierten Meinungsumfrage der Pulse RC „Indizes“ für den Monat September 2013 geht die SYRIZA-Partei als erste in die Wahlkampf-Gerade, deren einzige sichere Station die bevorstehenden Kommunalwahlen und Europawahlen im Grühjar 2014 sind.

Die Frage hinsichtlich eventueller vorzeitiger Parlamentswahlen bleibt jedoch offen, und das verzeichnete hohe Niveau der Unentschlossenen und jener Befragten, die keine Antwort geben, bleibt folglich weiter erhalten.

Warnschuss für Koalition und DIMAR

Die Demoskopie der Pulse RC lässt jedenfalls für die beiden Parteien der Koalitionsregierung (sprich Nea Dimokratia und PASOK), aber auch ihren ehemaligen (Koalitions-) Partner (sprich die Demokratische Linke / DIMAR) eine laute „Glocke“ erklingen.

Zusammengefasst stellt sich das Bild folgendermaßen dar:

  • Die SYRIZA-Partei führt wie gesagt mit deinen Anteil von 20,5% bei der Wahlabsicht (und mit 23% bei der Hochrechnung auf die gültigen Stimmen).
  • Die Nea Dimokratia (ND) ist Zweite mit 19% (21,5% bei der Hochrechnung).
  • Die PASOK-Partei befindet sich bei 7% (8% bei der Hochrechnung).
  • Die Demokratische Linke (DIMAR) liegt bei 3% (3,5% bei der Hochrechnung).
  • Die Chrysi Avgi zeigt einen neuen Aufstieg und erreicht 13,5% (15% bei der Hochrechnung).
  • Die Kommunistische Partei Griechenlands (KKE) befindet sich bei 5% (6% bei der Hochrechnung).
  • Die Unabhängigen Hellenen (ANELL) liegen bei 4% (4,5% bei der Hochrechnung).
  • Die sonstigen Partei schneiden mit 6% ab (7% bei der Hochrechnung).
  • Auf „Enthaltung – kein Wahlteilnahme“ entfallen 12%.
  • Die Unentschlossenen – „Keine Antwort“ machen 10% aus (11,5% bei der Hochrechnung).

Die erste Beobachtung ist, dass in der „grauen Zone“ (Enthaltung – keine Wahlteilnahme, Unentschlossene – „keine Antwort“) derzeit ein hoher Anteil von 22% der Wähler „parkt“. Die Anteile der Parteien können sich folglich analog zu den politischen Dingen verschieben. Das Interessanteste – wie im übrigen auch … der Teufel – verbirgt sich jedoch in den „Details“.

„Derby“ Nea Dimokratia – Chrysi Avgi

Das erschütternde Element der Demoskopie befindet sich dort, wo die Kommentatoren der „großen“ Medien vermeiden, anzuhalten und es zu vertiefen. Und zwar geht es um den Absturz der beiden Koalitionsparteien bei den „produktiven“ Altersgruppen. Das düstere Bild setzt sich aus den folgen überraschenden Fakten zusammen:

  1. In der Altersgruppe der 18- bis 29-Jährigen führt die SYRIZA mit 20%, aber die ND (12%) ist Dritte und liegt um 3% hinter der Chrysi Avgi (15%) als Zweite zurück. Die PASOK-Partei sinkt auf 4% ab und die DIMAR liegt „im Wasser“ (3%).
  2. In der Altersgruppe der 30- bis 44-Jährigen führt die SYRIZA mit 20%, jedoch ist die ND (15%) wieder Dritte und liegt um 2% hinter der Chrysi Avgi (17%) zurück. Die PASOK-Partei liegt auch hier bei 4% und die DIMAR befindet sich unterhalb der „Schwelle“ (2%).
  3. In der Altersgruppe der 45- bis 59-Jährigen führt die SYRIZA mit 26%, aber die ND (18%) liegt als Zweite um nur 4% vor der Chrysi Avgi (14%). Die PASOK-Partei bleibt mit 5% im Keller, während die DIMAR „Atem schöpft“ (3%).
  4. In der Altersgruppe der ab 60-Jährigen wird der einzige – unter dem Alterskriterium – Vorsprung der ND mit 29% verzeichnet, die SYRIZA folgt mit großem Abstand (16%), die PASOK-Partei steigt imposant auf (14%), die Chrysi Avgi bleibt auf einen Anteil unterhalb ihres Gesamtanteils (8%) beschränkt, während auch die DIMAR (4%) etwas „zulegt“.

Es sei angemerkt, dass die altersbezogenen Muster der Umfrage proportional hinsichtlich des tatsächlichen Bevölkerungsanteils der jeweiligen Altersgruppen nivelliert sind, wobei die vier obigen Kategorien in der tatsächlichen Bevölkerung ungefähr gleich stark sind. Folglich lässt sich ohne einen großen Fehlerspielraum der folgende überraschende Rückschluss ableiten:

Bei den Altersgruppen der 18- bis 59-Jährigen befindet sich die ND (mit einem durchschnittlichen Anteil von ungefähr 15%) in einem … „Patt“ mit der Chrysi Avgi, die sich ebenfalls bei dem selben Durchschnittswert bewegt. Diese Bild lässt sich auch mit einem anderen interessanten demoskopischen Fakt ergänzen:

Im Juni 2013 hatte bei der entsprechenden Erhebung der Pulse RC die ND in der Altersgruppe der ab 60-Jährigen einen Anteil von 33% und sank innerhalb von nur drei (und sogar Sommer-) Monaten auf 29% (Abstieg von 4%), womit sie einen klaren – und wahrscheinlich den ersten – Verlust in der konkreten Bevölkerungsgruppe zeigt, während die SYRIZA einen Aufstieg um 3% (von 13% auf 16%) aufweist.

Nea Dimokratia verliert die Unterstützung

Man braucht nicht besonders intelligent zu sein um zu begreifen, dass die ND ein riesiges politisches Problem hat. Wenn die Anteile in den Tabellen der Wahlabsicht und ihrer Hochrechnung auf die gültigen Stimmen die derzeitige politische Kontroverse beschreiben, führen die Vorlieben der Wähler je nach Alterskategorie Szenarien einer rauen Zukunft vor, sofern alles mit dem selben tragischen Rhythmus wirtschaftlicher, gesellschaftlicher und nationaler Auflösung weiterläuft.

Sowohl für ND als auch PASOK befinden sich die einzigen starken Basen der Unterstützung in der Altersgruppe der ab 60-Jährigen. Das Sozialversicherungssystem bricht jedoch bereits zusammen und die anstehenden „Regelungen“ auf Basis der von IWF, Weltbank, Europäern und – in der Rolle eines blinden Vollstreckers – Regierung vorgezeichneten „Roadmap“ werden auch die Situation der Rentner tragisch verschlimmern. Wenn die ND in dieser Wählergruppe bereits jetzt einen Rückgang zeigt, erscheint ihre Zukunft nicht rosig.

  • Die derzeitige Regierung stützt sich ausschließlich auf die Gruppen höheren Alters und verliert das Spiel völlig (etwa bei 15% die ND und bei 4% die PASOK-Partei) in den „produktiven“ Altersgruppen, wo Arbeitslosigkeit, Schwarzarbeit und Armut galoppieren.
  • Wenn spezieller die ND ihre einzige Stütze in den höheren Altersgruppen verliert, läuft sie in Gefahr, in Zukunft nicht die SYRIZA, sondern die Chrysi Avgi zum Gegner zu haben. Was die derzeitigen Regierenden unternehmen können (und möchten), um diese schwarze – buchstäblich pechschwarze – Perspektive abzuwenden, ist bekannt. Ganz sicher sind sie jedoch auf jeden Fall absolut sowohl für ihre Entscheidungen als auch für deren Resultate verantwortlich …

Der Vollständigkeit halber sei angemerkt, dass die Ergebnisse in dem selben Zeitraum durchgeführter anderer Demoskopien fallweise einen marginalen Vorsprung der ND gegenüber der SYRIZA ausweisen, die rechtsradikale Chrysi Avgi jedoch immer auf dem dritten Platz liegt und mehr oder weniger erhebliche Zuwächse zu verzeichnen scheint.

(Quelle: To Pontiki, Autor: Stavros Christakopoulos)

  1. Rudi
    16. September 2013, 12:44 | #1

    Sollte die Chrysi Avgi noch mehr zulegen, haue ich ab aus Griechenland. Die Frage ist nur: „Wohin?“

  2. juls
    16. September 2013, 14:44 | #2

    Auf solche Szenarien gebe ich ueberhaupt nichts … da werden ein paar Menschen befragt und dann entsteht eine sogenannte Umfrage …

  3. Wildkatze
    16. September 2013, 16:14 | #3

    Offenbar möchte Griechenland liebend gerne ein Nazi-Regime analog zu demjenigen während des 2. Weltkriegs installieren. Na dann, Gute Nacht, Freunde … Und wenn dann dieses Horror-Regime wieder durch alliierte Streitkräfte beseitigt werden wird, hat natürlich wieder niemand davon etwas gewusst. Mir wird schlecht, wenn ich sowas lese.

  4. Sarrazin-Fan
    16. September 2013, 17:56 | #4

    @Rudi

    Am Besten nach Italien, dort wird nämlich deutsches Vermögen auch bald enteignet!

  5. Ronald
    16. September 2013, 18:00 | #5

    Ich denke, man kann in der politischen Entwicklung in GR ganz gut ablesen, dass die Entwicklungen wie sie am Ende der Weimarer Republik stattfanden eben kein typisch Deutsches Phänomen waren.

  6. Peter Friedrich
    16. September 2013, 19:23 | #6

    Ich kann nur sagen wer Oel ins Feuer giesst brauchtsich ueber nichts wundern. Solche Artikel sollten gestrichen werden um die wahre Problematik zu erkennen, aber das konnten die Griechen leider nur im Altertum. Heute kennt keiner keinen mehr. Leider.

  7. Peppina
    16. September 2013, 23:01 | #7

    @Rudi
    Ja, das macht mir auch Sorgen. Wir haben ein Land gewaehlt, weil wir es nicht so haben wollten wie in Deutschland. Wo es keine Hecken als Landesbegrenzungen gibt (gibt es vermutlich auch irgendwo). Sind halt ausgewandert. Aber mal ehrlich, Mittelmeer, Klima, Menschen, alles toll. Alles Andere geraet aus dem Ruder. Schauen wir mal und machen uns halt irgendwie und irgendwann vom Acker. Aber Deutschland, wie grauselig. Wir leben hier ganz einfach auf dem Land wie vermutlich Menschen in Deutschland vor 50 Jahren. Es gefaellt uns. Wenn es regnet, muessen wir mit einem Regenschirm auf ein Aussenklo. Wir haben uns daran gewoehnt und finden es okay. Morgens die Tuer auf und wir sind in der Natur. Aber wenn die Chrysi Afgi hier Ueberhand nimmt, dann beschuetze uns das All. Sollen die gruenen kleinen Maennchen kommen und vielleicht gibt es dort noch einen humanen Ort. Frei von Korruption, Banken und allen Machenschaften. Ein Ort, wo alle Menschen, egal von woher sie kommen, welcher Herkunft sie sind, welcher Religion sie angehoeren willkommen sind. Ein Ort des Friedens. Aber bestimmt gibt es auch da wieder Jemand, der die Weisheit erfunden hat.

  8. 17. September 2013, 00:15 | #8

    Was soll ich dazu sagen? Die politische Entwicklung hier ist das Produkt von Angst. „Angst essen Seele auf!“ Ein filmtitel, der mir in den kopf kommt, wenn ich die ratlosen Griechen sehe, die auf den Dorfplaetzen sitzten. Der Kampfgeist der Griechen ist dahin. Die Fernsehsender reden alles schlecht und Reiche kaufen sich in ein Land ein, das man als einzigartig in Europa betrachten kann. Ich werde nicht aus diesem Land verschwinden sondern helfen, mit neuen Wegen dem Wahnsinn Einhalt zu gebieten. Erst ist es Griechenland, dann Deutschland. Es wird noch schlimmer kommen, denn das System, wie wir es die letzten Jahre kennen, veraendert sich gegen die Masse der Menschen.
    Es gibt viel zu tun, vereinigen wir uns!

Kommentare sind geschlossen