Deutschland fühlt sich ungerecht behandelt!

11. April 2013 / Aktualisiert: 28. September 2013 / Aufrufe: 1.624

Deutschland kann sich in Zusammenhang mit der Krise in der Eurozone verhalten wie es will, letztendlich wird es immer der Buhmann sein.

In Deutschland existiert ein Gefühl der müden Verdrossenheit, da – diesmal auf den Straßen Zyperns – wieder einmal die selben alten Nazi-Karikaturen in Erscheinung traten. Bundeskanzlerin Angela Merkel wird mit Hitlerbärtchen gezeigt, obwohl es sie eher wie Charlie Chaplin aussehen lässt. Finanzminister Wolfgang Schäuble schwingt auf unbestimmt drohende Weise eine Pistole. Hakenkreuze auf Plakaten monieren die Berliner Diktatur. Wäre die Wut nicht dermaßen realistisch, wäre wahrscheinlich alles idiotisch.

In der deutschen Hauptstadt herrscht intensives Missfallen. „Nicht wir sind die Bösen„, meint Herr Schäuble, der sich selbst als den leidenschaftlichsten Phileuropäer im Kabinett der Frau Merkel sieht. Seine Regierung fordert einfach nur Logik, verantwortliche Politiken in der Krise der Eurozone. Wie er sagt, bedeute dies, dass alle Länder, die sich am Euro beteiligen, ihre Haushaltspläne der Kontrolle unterstellen müssen, damit sie auch ihre Wirtschaften wettbewerbsfähig machen. „Wer übermäßige Risiken eingeht, muss darauf vorbereitet sein, schließlich Verluste zu erleiden.

Die meisten Deutschen glauben, die Euro-Krise gehe auf das Konto über ihre Verhältnisse lebender Länder

Die kleine Predigt des Herrn Schäuble in der vergangenen Woche in Zusammenhang mit den Risiken der moralischen Gefahr war sehr deutsch. Sie war offensichtlich nicht mehr als eine Erklärung von ihm an sein TV-Publikum, welcher Umstand genau das reflektiert, was die meisten Deutschen glauben: dass die Krise der Eurozone von sehr vielen Ländern kumuliert worden ist, die über ihre Verhältnisse leben.

Was Zypern betrifft, war das unternehmerische Modell des Landes als Steuerparadies – mit niedrigeren Steuersätzen und hohen Zinsen für die Anleger – einfach „nicht mehr überlebensfähig„. Dies ist die Ansicht des Herrn Schäuble, die auch das gesamte deutsche politische Spektrum teilt, von der Linken bis zur Rechten. Der Banksektor Zyperns – von achtfacher Größe der nationalen Wirtschaft – musste geschrumpft werden.

Dies war jedoch eindeutig nicht das, was die Demonstranten in Nikosia hören wollten. Sie scheinen zu denken, dass sie immer noch ihre Arbeit und ihre Bankkredite und ihr gutes Leben haben würden, wenn es keine arrogante und absurde Regierung in Berlin geben würde, die auf einer unbarmherzigen Austeritäts-Politik beharrt.

Demonstranten müssten neben Merkel auch Lagarde ins Visier nehmen

Die deutsche Ansicht, die Steuerparadiese seien im Rahmen der europäischen Währungsunion nicht „überlebensfähig“, hat jedoch auch ein Alarmsignal über Zypern hinaus geschickt. Jean Asselborn, der Außenminister von Luxemburg, wo der Banksektor seinen Kunden seit vielen Jahren (bereits noch vor dem Euro) eine niedrige Besteuerung bietet, monierte öffentlich die deutschen „Befehle“: „Ich denke, es ist für sie schwer zu verdauen. Deutschland hat kein Recht, das unternehmerische Modell für andere Länder der Europäischen Union zu bestimmen. Es darf nicht in eine Situation eintreten, in der die Länder mit der Deckung der finanzwirtschaftlichen Techniker erwürgt werden.

In Berlin herrscht dagegen nicht das Gefühl, Deutschland habe die falschen Argumente. Es herrscht eine tiefe moralische Verurteilung, auf Basis der Überzeugung, dass die Aufnahme von Krediten üblicherweise eine schlechte Idee ist. Im Deutschen ist das Wort für die Verschuldung – Schuld – das selbe mit dem Wort für die Schuldigkeit. Das selbe Moralgefühl verstärkte Berlins Entschlossenheit, an Rettungen der Eurozone immer mehr auch die privaten Gläubiger sowie auch die Steuerzahler zu beteiligen, damit die Gefahr des moralischen Risikos vermieden wird.

Im Fall Zyperns wurde es durch das Argument des Internationalen Währungsfonds (IWF) gestärkt, die zypriotische Regierung werde nicht in der Lage sein, die 17 Mrd. Euro Schulden der Rettung bedienen zu können. Der – von Berlin unterstützte – IWF setzte die tragfähige Höchstgrenze auf 10 Mrd. Euro an, womit 7 Mrd. Euro von privaten Investoren herrühren mussten. Die Demonstranten hätten folglich zusammen mit Frau Merkel auch IWF-Chefin Christine Lagarde ins Visiernehmen müssen.

Deutschland kann tun was es will, es wird immer der Buhmann sein

Da die Demonstranten dennoch darin fortfahren, die Bundeskanzlerin und ihre Kollegen zu dämonisieren, entsteht in Berlin das Gefühl, Deutschland werde von seinen Partnern beschuldigt werden, was immer es auch tue, so wie die USA im Kalten Krieg.

Die Amerikaner waren die hegemoniale stabilisierende Kraft in der Außenpolitik, so dass diese immer die Verantwortung hatten„, meint ein höherer Politiker. „Dies ist meine Analyse für Deutschland. Jeder benötigt eine stabile Währung, wenn jedoch Deutschland auf der Stabilität beharrt, wird dies dann von den übrigen als Strafe aufgefasst.

Michael Stürmer, Redakteur bei der konservativen Zeitung „Die Welt“, warnt, dass Deutschland verurteilt werden wird, was immer es auch mache. „Entweder sind wir die Bösen, die den Euro mittels der Erzwingung der Disziplin retten, oder wir lassen die Inflation unkontrolliert und verurteilen die Währung zum Zusammenbruch. Wir können niemals gewinnen.

(Quellen: Sofokleous10.gr)

Relevante Beiträge:

  1. Oliver
    11. April 2013, 05:02 | #1

    Deutschland kann tun was es will, es wird immer der Buhmann sein

    Was haben wir denn getan?

    * Wir haben die Lohnstückkosten durch Lohndumping in ganz Europa kaputt gemacht.
    * Wir haben den europäischen Markt mit billigen Produkten geflutet.
    * Wir profitieren selbst massiv von niedrigen Zinsen.
    * Wir machen selbst unglaublich hohe Schulden und zwingen andere Länder,
    ihre Wirtschaften kaputt zu sparen.
    * Wir pushen mit der Notlage anderer Länder unsere eigene Wirtschaft.
    * Wir spielen uns dann noch als Herrenmenschen auf, die als einzige sorgsam
    wirtschaften.
    * Wir hetzen dann auch noch mit BLÖD und Co. gegen die „Pleite-Griechen“.

    Warum soll man uns nicht hassen? Das ist völlig gerechtfertigt.

  2. Luggi
    11. April 2013, 09:23 | #2

    Was bliebe den lieben Griechen und Zyprioten ohne das viele Geld, daß sie über die
    EU-Subventionen und Hilfsgelder von Deutschland erhalten? Es ist eine schreiende
    Ungerechtigkeit, einem Helfer, der selbst riesige Finanzprobleme hat, auch noch zu
    beschimpfen. Wenn Deutsche Urlauber und Touristen künftig an den schönen Reise-
    ländern GR und CY vorbeifahren, braucht sich niemand zu wundern.

  3. GR-Block
    11. April 2013, 11:46 | #3

    „Der Banksektor Zyperns – von achtfacher Größe der nationalen Wirtschaft – musste geschrumpft werden.“

    Hahahaha… Der Kapitalismus frisst sich auf. Sobald Zypern abgewickelt ist, ist Luxemburg dran. Danach die BRD, denn mit 5.4 Mio KFZ-Produktion und nur 3.1 Mio Neuzulassungen pro Jahr (2012) in D ist die Branche um 74% „überzeichnet“. Das ist nicht überlebensfähig.
    Womit klar ist, dass der Trend die KFZ-Produktion ins Ausland zu verlegen viel zu langsam ist. Hier muss wohl die EU mit Hilfskrediten nachhelfen. Dann steigt die Produktion in China, wo die Branche noch entwicklungsfähig ist.

  4. GR-Block
    11. April 2013, 12:05 | #4

    „‚Nicht wir sind die Bösen‘, meint Herr Schäuble…“

    Seit wann entscheiden das die „Bösen“, Herr Schäuble…
    Willkommen im Club. Nach den PIIGS- und den FUKG- Staaten eröffnen wir nun den Club der GCG… Die Abkürzung wird aber mit der Zeit immer länger werden, bis sie schließlich mit EZ abgekürzt werden kann.

  5. GR-Block
    11. April 2013, 12:32 | #5

    „In Deutschland existiert ein Gefühl der müden Verdrossenheit, da – diesmal auf den Straßen Zyperns – wieder einmal die selben alten Nazi-Karikaturen in Erscheinung traten.“

    Tja, die Griechen haben das längst hinter sich. Da kann man den Deutschen nur eins raten. Gehen Sie diesen Dingen aus dem Weg, schalten Sie den Fernseher aus, kaufen keine Zeitung mehr und nehmen Urlaub vom Internet. Am besten irgendwo im Land der Griechen. Bei den Menschen dort werden Sie nichts davon wiederfinden. Sie bekommen keine Schelte sondern werden mit echtem Interesse aufgenommen. Sie werden keine Hakenkreuze sehen und keine Aggressionen.
    Und testen Sie sich mal in einer anderen Rolle. Tun Sie etwas für Griechen unerhörtes. Schmeißen Sie, der Gast, gegen deren erbitterten Protest eine Runde Ouzo-Mezedes oder gar ein richtiges Festessen. Das mag Sie einiges kosten. Aber Sie werden merken, dass Sie sich wandeln. Beim Gläschen Ouzo werden Sie plötzlich genauso zwanglos über „ihre“ Politiker schimpfen wie die Griechen über alle EURO-Politiker, die Mist bauen. Die Nationalität wird dann keine Rolle mehr spielen.

    Selbst im Urlaubergetümmel werden Sie merken, dass die Geschäftsleute ihren besten Kunden nicht schlechter als Engländer, Russen, Araber… behandeln, denn beim Geld hört bekanntlich die Feindschaft auf. Nur die Völker müssen das endlich auch begreifen.

  6. Böse
    11. April 2013, 20:46 | #6

    Was soll denn dieses Gejammer auf beiden Seiten eigentlich. Heute ist es der Neid, dass D überall relativ gute Zahlen vorlegen kann (Export, Arbeitslosigkeit usw.), und morgen die Schadenfreude, dass es uns nicht mehr so gut geht. So sind halt die Menschen. Nur eines weiß ich, dass die gebildete Jugend in Europa hier in der Überzahl solche „Gefühle“ nicht in sich tragen.

  7. Rodakino
    13. April 2013, 10:34 | #7

    @Luggi
    Ich hab doch gestern glatt gelesen, dass die meisten EU-Subventionen in den bereichen Agrar- und Sozial- nach Frankreich und Deutschland gehen. Deutschland zahlt viel, bekommt aber über verschiedenste Töpfe und eine sehr gute Lobby, gerade in der Industrie extrem viel Geld von der EU. Zypern hat übrigens auch in den Rettungsschirm eingezahlt.
    Ich kann nicht verstehen, warum die Regierung in Deutschland es nicht für nötig erachtet, mal klarzustellen, WIE SEHR Deutschland wirtschaftlich von der EU profitiert. Die Wähler sind vergrätzt, weil sie denken, mit ihren Geldern wird schlecht gewirtschaftet, dabei tut die deutsche Regierung was in ihrer Macht steht, um weiterhin mit möglichst mwenig Einsatz möglichst viel aus der Vereinigung herauszuholen. Man könnte die Wähler in Deutschland viel eher von guter Regierungesarbeit üeberzeugen, wenn man mal offenlegte, was da alles an Geldern auf verschiedenen Wegen nach Deutschland fließt.

  8. Heinz
    14. April 2013, 13:57 | #8

    @Rodakino

    Nun, das wird jede Woche im Fernsehen, in der Presse usw. getan, weil die deutsche Regierung unter erheblichem Druck steht, die Europa-Hilfen auch zu rechtfertigen.

    Also, die Deutschen wissen bescheid über die Vorteile der EU und deshalb kämpfen sie auch für den Erhalt. Bis auf ein paar Ewiggestrige.

Kommentare sind geschlossen