Der Möchtegern-Führer der Chrysi Avgi in Griechenland

1. Mai 2012 / Aktualisiert: 16. Dezember 2012 / Aufrufe: 1.795

Haris Kousoumvris, ehemaliger Funktionär der extremsten rechtsradikalen Partei in Griechenland, spricht über den Möchtegern-Führer und dessen Organisation.

Der Führer, das höchste Wesen. Im vorliegenden Fall scheint der „Führer“, lebenslänglicher Anführer des extremsten Parteischemas, nämlich der Chrysi Avgi, Herr Nikolaos Michaloliakos zu sein. Sein Befehl an die Mitglieder der Chrysi Avgi war und ist ein einziger: „Wenn ich voranschreite, schreitet ihr voran. Wenn ich kämpfe, kämpft ihr an meiner Seite.

Diese Aussage stammt von Herrn Haris Kousoumvris (Kousoumbres), einem ehemaligen Unterführer dieser faschistischen Organisation und 12 Jahre lang Kassenwart der Partei, der vor einigen Jahren absprang und in seinem Buch „Die Entmystifizierung der Goldenen Morgendämmerung“ das wahre Gesicht der Chrysi Avgi, aber auch ihres Führers Herrn Michaloliakos enthüllte.

Hier ist also, was er berichtet: „Der Führer war für uns das höchste Wesen. Sein Wort war Befehl. Dies war seine Forderung an uns. Blinder Gehorsam. Zweifelte ihn jemand an, übernahmen wir, seine Tapfersten, ihn durch jede Art der Einschüchterung zur Vernunft zu bringen. Leider war ich gezwungen worden, Selbstjustiz gegen Freunde von mir auszuüben, einzig und allein weil sie die Worte des Führers anzweifelten.

15 Nahtstiche als Auszeichnung 12-jähriger Mitgliedschaft in der Chrysi Avgi

Zwölf Jahre in der Chrysi Avgi waren für den abgesprungenen Herrn Kousoumvris nicht wenig. Fünfzehn Nahtstiche waren der Orden, den er aus den Prügeleien erwarb, an denen er während seiner gesamten „Dienstzeit“ in der Organisation teilnahm. Die anderen Ehrenorden, welche er von Herrn Michaloliakos bei speziellen Veranstaltungen erhielt, zählen nicht, da der Führer sie an alle seine Tapfersten vergab.

Diejenigen, denen die Chrysi Avgi von innen bekannt ist, sagen, dass Herr Michaloliakos eine Abneigung gegen die Zahl 2 habe. Und dies nicht, weil ihm diese Zahl nicht bei den astrologischen Prognosen aufgeht, die er anzustellen beliebt, sondern weil er – wie es jedes Mal geschieht – diejenigen entfernt, die sich in seiner von ihm seit zehn Jahren absolut kontrollierten Organisation hervortaten.

Die Funktion der Chrysi Avgi wurde während all dieser Jahre von vielen Ausscheidungen ihrer Funktionäre und Mini-Spaltungen gekennzeichnet, die fast immer von gegenseitigen Beschuldigungen, Drohungen und manchmal wilden Prügeleien – „Hölzchenspielchen“, wie es die Mitglieder der Chrysi Avgi nannten – begleitet waren. Außer dem Fall des Herrn Kousoumvris, der mit 15 Nahtstichen als Auszeichnung ausschied, tragen alle Mitglieder der Organisation, welche absprangen, herausgeworfen wurden oder inaktiv blieben, zufälligerweise Nähte in ihrem Gesicht.

Meinungsverschiedenheiten und Austritte

Der erste signifikante Austritt von Mitgliedern aus der Chrysi Avgi geschah im November 1990, als die damalige No. 2 (seht ihr, also von wegen der angesprochenen Zahl 2) Herr I. Perdikakis, Ökonom, Ideologe, wie sie ihn damals nannten, und Autor des ideologischen Manifests der Chrysi Avgi des Jahrzehnts von 1980, absprang und rund 15 weitere Funktionäre mit sich nahm. Der Hauptgrund für sein Ausscheiden war, dass Herr Perdikakis die Chrysi Avgi als mehr als ein Zentrum für nazistische Studien wollte. Herr Michaloliakos hatte dagegen bereits seit damals begonnen, politische Absichten zu hegen. Herr Perdikakis raufte sich nach einigen Jahren wieder mit Herrn Michaloliakos zusammen, ohne jedoch jemals wieder die Position einzunehmen, die er in der Organisation inne gehabt hatte.

Die zweite Spaltung erfolgte Anfang 1998, als Herr I. Giannopoulos, laut seiner eigenen Erklärung ehemaliger „Legionär und Söldner“, wegging und eine Gruppe von Mitgliedern der Chrysi Avgi mit sich nahm und parallel den „Führer“ beschuldigte, die Chrysi Avgi zu „einem rechtsextremistischen Sammelbecken für Stimmen“ gemacht zu haben.

Die dritte Spaltung erfolgte wenige Jahre später, als die No. 2 der Partei, Herr Ant. Androutsopoulos, auch „Periandros“ oder „Blonder“ genannt, als rechte Hand des „Führers“ in Erscheinung zu treten begann und innerhalb der Organisation sogar eine Organisation mit der Benennung „Goldene Adler“ schuf. Im Sommer 1998 findet Periandros sich als Strafflüchtiger wieder, angeklagt wegen eines Angriffs auf linke Studenten, der die schwere Verletzung des Philosophie-Studenten Herrn G. Kousouris zur Folge hatte. Anfang 2005 stellte er sich den Behörden, und obwohl er wegen zwei versuchter Morde verurteilt wurde, verblieb er nur fünf Jahre im Gefängnis. Damals war es, als er direkt gegen Herrn Michaloliakos losbrach und ihn beschuldigte, den Kampf verraten zu haben, und ließ parallel Seitenhiebe durchklingen, dass seine Verhaftung das Resultat einer „internen Verpfeifung“ war.

Nationale Ethik-Erziehung

Alle, die während der 60-er und 70-er Jahre beim Militär dienten, erinnern sich an die obligatorischen Ethik-Erziehung (EID), bei der Offiziere der A2-Büros den Soldaten antikommunistische Predigten hielten. Das selbe geschah und geschieht auch bei der Chrysi Avgi. Zu Beginn, als die Büros der Organisation in der Straße Kefallinias 52 in Kypselis waren (heute befindet sich die zentrale Geschäftsstelle bei Stathmos Larissis), musste jeder, der diese betrat, obligatorisch nazistisch grüßen. Erhobene Hand, auf 90 Grad.

Die Unterführer des Führers übernahmen – wie Herr Kousoumvris enthüllt – die Indoktrination und wussten, was sie zu sagen hatten: „Sie erzählten uns das, was wir hören wollten. Vaterland, antikes Griechenland, Überlegenheit der Griechen. Wir erstarrten alle.“ Im weiteren Verlauf war Herr Kousoumvris einer der Funktionäre, welche die EID organisierten. Diejenigen, denen die Verantwortung der Indoktrination oblag, schlugen den neuen Mitglieder vor, Bücher wie Hitlers „Mein Kampf“, Bücher des Ionas Dragoumis, der Perikles Giannopoulos, des Ioannis Metaxas, von Göbels zu lesen.

Abgesprungene Funktionäre beharren, dass „von Anfang an sichtbar war, dass die Chrysi Avgi ein Problem des Deutsch-Syndroms hatte. Anfänglich existierten in den Büros Hakenkreuze, später verschwanden sie jedoch. Dennoch wollte der Führer von der Überlegenheit des Homo Nordicus, des Menschen des Nordens überzeugen. Aus welchem Grund jedoch, wo Hitler – wie sie uns sagten – in seinem Buch die antiken Griechen als seine Vorfahren anerkannte?

Die goldenen Adler

Innerhalb der Organisation wurde eine andere Organisation betrieben, die „Goldenen Adler“. Wie Informationen anführen, haben die Mitglieder dieser Organisation die Bekehrung der jungen Leute übernommen. Sie haben Schulen unterprivilegierter Gebiete besucht und verteilen Propagandamaterial für die Chrysi Avgi, und wie gemeldet worden ist, haben sie auch Privatschulen der nördlichen Vorstadtbezirke infiltriert.

Es wird viel darüber geredet, ob die Mitglieder der Chrysi Avgi ausgebildet werden, da sie (wie bei dem Angriff auf Herrn P. Efthymiou) gesehen wurden, sich koordiniert im militärischen Gleichschritt zu bewegen. Wenn man die Liegestütze ausnimmt, welche manchmal obligatorisch und manchmal freiwillig abgeleistet werden, gibt es keine andere Ausbildung. In der Satzung wurde früher die Adoption beispielsweise einer konkreten Bekleidung mit khakifarbenem Oberhemd und nationalem Abzeichen vorgeschlagen, was jedoch die wenigsten befolgten: „Die Chrysi Avgi hat nach außen das Bild der guten Organisation herausgekehrt. Allgemein geht es jedoch drunter und drüber„, gestehen ausgeschiedene Mitglieder der Organisation ein.

Dem Führer gefiel jedoch die Organisation, und vielleicht ist das der Grund, warum er häufig Camps organisierte, üblicherweise in Gebieten bei Kyparissia oder Stylida. Die Mitglieder der Chrysi Avgi nannten (und nennen) sie nationalistische Camps. Insgesamt sind vier solcher Camps organisiert worden, bei denen trotz der Vorliebe des Führers für die perfekte Organisation das absolute Chaos herrschte, wie es die Mitglieder der Organisation selbst beschreiben. Viele fanden die Gelegenheit zum Alkoholkonsum und in einigen Fällen wurden homerische Besäufnisse verzeichnet.

Die Rotmützen – Die Garde des Führers

Der Führer verfügt über ihm ergebene Mitglieder der Chrysi Avgi, so etwas wie eine persönliche Garde, die sich von den übrigen Mitgliedern der Organisation durch die von ihnen getragenen roten Käppis oder Jockey-Kappen unterscheiden. Sie begleiten ihn immer, so wie vor wenigen Tagen am Feiertag des St. Georgios, als er eine dem Heiligen gewidmete Kirche besuchte. Bei ihm war Herr G. Germenis, Kandidat im Wahlkreis B von Athen und Mitglied in einer Black Heavy Metal Band mit dem Namen Near Materon.

Außerdem rekrutiert sich die Chrysi Avgi „aus allen vorstellbaren Personen: Kinder aus rechten, linken, reichen, armen Familien, hauptsächlich mittleren Einkommens. Personen, die als Persönlichkeiten gedeckt sein, ihre Probleme herausbringen wollen. Es gab auch Gesinnungsbewusste, die an konkrete Ideen wie Vaterland, Religion, Familie glaubten, jedoch zerstörte die Organisation sie wahrscheinlich mit allem Guten, was sie glaubten„, hatte Herr Kousoumvris, ehemaliger Funktionär der Organisation, bei einem älteren Interview von ihm mit dem Magazin „Tachydromos“ gesagt.

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  1. Maria P.
    1. Mai 2012, 08:42 | #1

    Kein Unterschied zu andere Länder Nazis! Je hohler der Kopf, desto besser folgen sie…

  2. Heinz
    1. Mai 2012, 16:57 | #2

    Leider gehen solchen Rattenfängern immer wieder Menschen auf den Leim. Die Gründe sind vielschichtig, meist ist es die Perspektivlosigkeit.
    Erst recht ein Grund, miteinander zu reden und sich zu informieren. Radikale Wege zu meiden, denn die haben noch nie in der Geschichte etwas gebracht. Leid und Elend waren immer der Schlusspunkt.

  3. V99 %
    1. Mai 2012, 22:25 | #3

    Wie sagte ein Demonstrant bei den heutigen 1.Mai-Demos in Deutschland:
    „Nationalsozialismus ist keine Gesinnung, sondern ein Verbrechen gegen die Menschheit!“
    Warum wird diesem braungeistigem Duennschiss so viel Aufmerksamkeit in der Presse beigemessen?
    Genauer traf es Lt. Aldo Raine alias Brad Pitt in Inglourious Basterds:
    „Nazis kennen keine Menschlichkeit. Sie sind die Fußsoldaten eines judenhassenden, massen-mordenden Psychopathen und gehören vernichtet.“
    NAZIS RAUS!

  4. nikos
    5. Mai 2012, 09:26 | #4

    solche leute muß eine demokratie aushalten können.

  5. Heinz
    5. Mai 2012, 21:50 | #5

    @nikos

    In der richtigen Menge ja. Wehe, sie werden zu viele davon. Dann kann es schnell gehen.

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