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Wahrheiten und Lügen über Bankenkrise in Zypern

5. April 2013 / Aufrufe: 6.444 3 Kommentare

Laut dem ehemaligen geschäftsführenden Vorstand der Bank of Cyprus wurde das Bankwesen Zyperns vorsätzlich und systematisch in den Zusammenbruch geführt.

Der ehemalige geschäftsführende Vorstand der Bank of Cyprus (BOC), Andreas Iliadis, ist auf den Leiter der Zentralbank Zyperns und die ehemalige Regierung Zyperns wütend. In einem Artikel, den am 02 März 2013 das Internet-Portal StockWatch unter dem Titel „Wahrheiten und Lügen über den Ausverkauf der Bank of Cyprus“ publizierte, schildert er den Verlauf der Ereignisse, die Anfang Juli 2012 zu seinem Rücktritt und der heutigen Situation der Bank führten.

Andreas Iliadis löst sein 9-monatiges Schweigen und spricht von einem „gut vorbereiteten Plan zur Vernichtung des gesamten Bankwesens und hauptsächlich der Cyprus-Bank, die sich damals in einem guten wirtschaftlichen Zustand befand„.

Der ungekürzte Artikel des ehemaligen Geschäftsführers der BOC, Andreas Iliadis, wird nachstehend in deutscher Übersetzung wiedergegeben, die wie im griechischen Wortlaut in der 1. Person formuliert ist, die sich auf den Autor und nicht etwa das Team des Blogs bezieht.

Wahrheiten und Lügen über den Ausverkauf der Bank of Cyprus

Der neue historische Kreuzweg Zyperns, den wir durchleben, verpflichtet uns alle, nunmehr ohne große Töne und Beschimpfungen klar die absolute Wahrheit wiederzugeben.

Am 9/7/2012 reichte ich meinen Rücktritt ein, weil konkrete Faktoren – innerhalb und außerhalb – der Bank sich nicht nur nicht gemeinsam engagierten, sondern dagegen jede unserer Bemühungen untergruben, der schwierigen internationalen wirtschaftlichen Realität zu begegnen. Dies monierte ich damals in meinem Rücktrittsschreiben.

Im weiteren Verlauf bestätigten die Entwicklungen leider, dass alles Teil eines gut vorbereiteten Plans zur Vernichtung des gesamten Bankwesens und hauptsächlich der Cyprus-Bank war, die sich damals in einer guten wirtschaftlichen Lage befand.

Die nachstehend von mir angeführten Tatsachen belegen die Wahrheit.

Die Rekapitalisierung der Banken in ganz Europa, einschließlich der beiden großen zyprischen Banken, hätte am 30/06/2012 vollendet werden müssen, und die Bemühungen des Cyprus-Bank befanden sich auf ihrem Höhepunkt. Ich rufe in Erinnerung, dass der Kapitalbedarf, den der Stresstest der EBA (Europäische Bankbehörde) aufzeigte, sich auf 1,56 Mrd. € belief. Die Gruppe der Bank of Cyprus schritt ab Ende 2011 zu einer Reihe von Maßnahmen, und trotz der schwierigen Periode schaffte sie es, den größten Teil des Kapitalbedarfs des Tests zu decken.

Im Mai 2012 gaben wir bekannt, dass 200 – 300 Mio. € fehlten, die wir im folgenden Zeitraum durch andere Handlungen zu decken beabsichtigten. In diese Richtung erfolgten übermenschliche Anstrengungen, die sich hauptsächlich auf Folgendes fokussierten:

  1. Zusammen mit dem Präsidenten und dem Vizepräsidenten der Bank hatten wir drei aufeinanderfolgende Begegnungen mit dem Leiter der Zentralbank (am 11/05, 13/06 und 18/06), bei denen wir verlangten:
    • Uns angesichts dessen, dass der größte Teil des Kapitals bereits gedeckt worden war, eine Nachfrist von 3 – 6 Monaten zu geben, um die Rekapitalisierung zu vollenden. Er ließ uns verstehen, sich bemühen zu werden und dass unter Voraussetzungen eine Nachfrist gewährt werden könne.
    • Uns zu erklären, inwieweit der Schnitt der griechischen Staatsanleihen schließlich wie aus dem selbigen Stresstest hervorgehend 71% betragen oder größer sein würde. Er antwortete, sich darum kümmern und darauf zurückkommen zu werden, und sagte uns konkret, „die Spielregeln dürfen sich nicht ändern“. Es sei angemerkt, dass im Fall einer positiven Antwort die Bedürfnisse des Tests um ungefähr 80 Mio. € verringert worden wären.
  2. Mit der Deutschen Bank als Berater leiteten wir den Verkauf der beiden Versicherungsgesellschaften ein, der auch das Kapital der Bank um ungefähr 270 Mio. € verstärken würde. Mit diesem Betrag hätten wir die Rekapitalisierung vollendet.

Anstatt unsere vorstehenden Bemühungen zu unterstützen und uns rechtzeitig Antworten von der EBA zu geben, torpedierte der Leiter (der Zentralbank) auch die Bemühungen um den Verkauf der Versicherungsgesellschaften mit andauernden Schreiben von ihm, die Komplikationen in dem ganzen Verfahren schafften. Es sei angemerkt, dass bezüglich des Kaufs der Versicherungsgesellschaften Interesse von einer konkreten Gruppe des Auslands an ihrem umgehenden Aufkauf bestand.

Dem Leiter der ZB war aus den Unterredungen, die wir miteinander hatten, sowie auch seiner Mitarbeiter mit allen Dienststellen der Bank of Cyprus sehr gut bekannt, dass der Rekapitalisierungs-Endbetrag sich analog zu dem Ergebnis der obigen Handlungen und natürlich mit den Gewinnen des 2. Quartals ändern konnte. Anstatt uns jedoch zu helfen, antwortete er nicht nur auf die Fragen, die wir ihm gestellt hatten, sondern brachte stattdessen wenige Tage vor dem Auslaufen der Frist in einer öffentlichen Erklärung seine Überraschung über den benötigten Betrag mit dem Ziel und dem Ergebnis zum Ausdruck, die Seriosität der Bank zu beeinträchtigen.

Diese von ihm getroffene Wahl scheint nicht zufällig, sondern – wie ich anführte – Teil eines breiteren Plans mit Ziel die Bank of Cyprus gewesen zu sein. Lassen wir jedoch die Fakten der Cyprus-Bank zu jener Periode (30/06/2012) betrachten:

  • Einlagen: 28,1 Mrd. €
  • Nettokredite: 26,5 Mrd. €
  • Aktienkapital: 2,24 Mrd. €
  • Index eigenen Kernkapitals: 7,3%
  • Außerordentliche Liquiditätshilfe (ELA): Null
    (Anmerkung: Die Laiki Bank hatte sich am 03/07/2012 von der ELA Liquidität von 9,5 Mrd. € geliehen.)

Die Cyprus-Bank hatte also im Juni 2012:

  • Einlagen, welche die Netto-Darlehen überstiegen (die einzige systemische Bank in Zypern und Griechenland).
  • Sie hatte einen zufriedenstellenden Index eigenen Kernkapitals auf Basis von Basel II.
  • Sie war der Rekapitalisierung sehr nahe. • Sie hatte Barmittel von einigen Milliarden.
  • Sie benötigte keine ELA.

Mit all diesen Fakten unterschied sich die Bank of Cyprus von den systemischen Banken Zyperns und Griechenlands.

Es scheint jedoch, dass dies gewisse Kreise überhaupt nicht interessierte. Was sie interessierte, war, wie sie die Seriosität der Cyprus-Bank beeinträchtigen und sie demontieren könnten und zu beweisen, dass angeblich an allem der überdimensionale Bankensektor, die Bankiers und alle anderen Schuld seien, außer ihren eigenen Handlungen und ihrer eigenen Untätigkeit.

Es sei angemerkt, dass wir bis vor zwei – drei Jahren von den Rating-Agenturen, den Investment-Häusern, den Aufsichtsbehörden oder irgend einem anderen niemals vernahmen, dass in einem kleinen Staat die Banken ganz, ganz klein sein mussten. Was vorherrschte, war dass eine Bank eine solche Größe haben musste, damit sie Gewinne hat und das Vertrauern ihrer Anleger gewinnt. Ich kann die Gründe verstehen, aus denen Länder des Auslands die Seriosität des Bankensektors Zyperns schädigen wollten, jedoch kann ich immer noch nicht verstehen, warum die Regierung ihr damals mit den nachstehenden Handlungen half:

  1. Sie versuchte nicht rechtzeitig, Maßnahmen zu ergreifen um die Kreditwürdigkeit Zyperns hoch zu halten. Wahr ihr vielleicht nicht bekannt, dass die Kreditwürdigkeit der Banken beeinflusst wird und immer niedriger als die Kreditwürdigkeit des Landes ist?
  2. Warum akzeptierte die den Schnitt der griechischen Staatsanleihen per Unterschrift des Präsidenten persönlich, ohne Gegenleistungen von der Eurozone auszuhandeln, welche Zypern absichern würden?
  3. Warum hörte sie nicht auf die wiederholten Appelle aller bezüglich der Ergreifung von Maßnahmen? Zusammen mit dem Präsidenten der Bank, Herrn Aristodimos, und dem Vizepräsidenten Herrn Artemis hatten wir damals eine Reihe von Kontakten mit dem Präsidenten der Republik und dem Vorsitzenden der damaligen Regierungspartei, um ihn zu überzeugen, jedoch ohne jegliches Ergebnis. Unsere Verzweiflung über diese Bemühungen von uns hatten wir in unserer ausführlichen Bekanntmachung vom 31/08/2011 an die Presse (siehe die einschlägigen Publikationen) zum Ausdruck gebracht, aber anstatt erhört zu werden, ernteten wir einerseits Missfallen und andererseits Desinteresse.

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Katastrophale Regelungen für Kunden der Laiki und Cyprus Bank

1. April 2013 / Aktualisiert: 30. Juni 2013 / Aufrufe: 4.205 4 Kommentare

Die Kunden der Laiki Bank in Zypern laufen in Gefahr, fast ihre gesamten nicht durch die Einlagensicherung gedeckten Kontoguthaben zu verlieren.

Die Zentralbank von Zypern (CBC) erließ am 29 März 2013 zwei Verordnungen, mit denen für das Verfahren der Rekapitalisierung der Cyprus Bank und der Spaltung der Laiki Bank erheblich höhere als anfänglich veranschlagte „Haircuts“ der Sparguthaben vorgesehen werden. Die beiden Verordnungen heben signifikant den Beitrag der nicht durch die Einlagensicherung gedeckten Sparer an. Im Fall der Laiki laufen die nicht abgesicherten Anleger sogar in Gefahr, nach Abschluss des Liquidationsverfahrens praktisch ihr gesamtes nicht durch die Einlagensicherung gedecktes (sprich über 100.000 € hinausgehendes) Kapital zu verlieren, da alle Kredite der Laiki Bank auf die Cyprus Bank transferiert werden.

Am 30 März 2013 schritt die Zentralbank Zyperns zu weiteren Klarstellungen bezüglich der Umsetzung der Verordnungen über die Sanierung der Cyprus Bank und die Absorption der „guten“ Geschäftsbereiche der Laiki Bank. Zum besseren Verständnis der Sanierungsmaßnahmen, die kraft des Gesetzes über die Sanierung von Kredit- und anderen Instituten des Gesetzes 2013 auf die Cyprus Bank und die Laiki Bank auf Basis der am 25 März 2013 getroffene Vereinbarung der Eurogruppe mit der zyprischen Regierung angewendet werden, stellt die CBC Folgendes klar:
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Die Spaltung der Eurozone rückt näher

28. März 2013 / Aktualisiert: 28. September 2013 / Aufrufe: 3.152 3 Kommentare

Die aktuelle Politik in der Eurozone wird dazu führen, sich schließlich der Gewalt zuwenden zu müssen, um weiterhin gegen die Interessen des Volkes zu handeln.

Während der letzten acht Monate, bevor die Krise in Zypern voll zum Ausbruch kam, erinnerten verschiedene Leute mich – häufig mit einem Lächeln – andauernd an meine Prognosen gegen Ende 2011. Ich hatte erklärt, dass die Führer der Eurozone 10 Tage hätten, um den Euro zu retten. Eine ähnliche – wenn auch weniger dramatische – Prognose hatte ich 2006 gestellt, als ich geschrieben hatte, die Regierung unter Roman Ponti sei die letzte Chance Italiens gewesen, eine überlebensfähige Position in der Eurozone zu erreichen.

Die Regierung des Herrn Ponti erreichte dies nicht. Heute, 2013, befindet der Euro sich immer noch hier, Italien ist immer noch im Euro – und ich fahre darin fort, Prognosen zu stellen. Ich werde wieder unerschrocken damit fortfahren. Eine Eurozone, die aus so unterschiedlichen Ländern wie Deutschland und Zypern besteht, ist sogar auch dann nicht überlebensfähig, wenn die EU und Zypern es schaffen, zu einem Vergleich des letzten Augenblicks zu gelangen.
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Kirche will zur Rettung Zyperns beitragen

21. März 2013 / Aufrufe: 409 5 Kommentare

Die zypriotische Kirche will mit ihrem immensen Vermögen zur Rettung der Wirtschaft des Landes beitragen, damit es ohne ausländische Hilfe auf eigenen Füßen steht.

Bei einem persönlichen Treffen des zypriotischen Staatspräsidenten Nikos Anastasiadis mit Erzbischoff Chrysostomos präsentierte das Oberhaupt der zypriotischen Kirche dem Präsidenten einen Vorschlag zur Stützung der Wirtschaft des Landes durch die Kirche. Den Präsidentenpalast verlassend erklärte Herr Chrysostomos, Wege zum Ausgang aus der Krise vorgeschlagen zu haben.

Konkret schlug der Erzbischof vor, dass die Regierung zur Auflage einer Anleihe schreitet, die auf Anweisung des Erzbischofs die Klöster, die Bistümer und die kirchlichen Einrichtungen Zyperns zeichnen werden. Das Oberhaupt der zypriotischen Kirche erklärte, dass das gesamte Vermögen der Kirche verpfändet werden könne, welches – wie der Erzbischof charakteristisch betonte – immense Dimensionen habe, und als Gegenleistung werde sie Obligationen erhalten. Das Volk und die Kirche werden diese Anstrengung unterstützen.

Rettung des Bankwesens mit Vermögen der Kirche

Zusätzlich versicherte Herr Chrysostomos, das gesamte Kirchenvermögen stehe dem Staat zur Verfügung, damit das Bankensystem nicht zusammenbricht und Zypern ohne die Hilfe der Ausländer auf seinen eigenen Füßen stehen wird. Laut dem Erzbischof sagte Staatspräsident Anastasiadis zu, dass ein Sonderausschuss den Vorschlag bearbeiten werde.

Von dem überraschenden Besuch des Erzbischoffs beim Präsidenten der Republik von Zypern wurde anfänglich angenommen, es stehe mit seiner möglichen Intervention beim Patriarchen Kyrillos bezüglich russischer Hilfe für Zypern in Zusammenhang, jedoch war dies letztendlich nicht nötig, da der zypriotische Präsident in kontinuierlichem Kontakt mit der russischen Regierung steht.

(Quelle: in.gr)