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Archiv für die Kategorie ‘Politik’

Troika stellt Griechenland Ultimatum wegen Lohnsenkungen

9. Januar 2012 / Aufrufe: 683 10 Kommentare

Der Regierung in Griechenland wurde das Ultimatum gestellt, die Mindestlöhne auf dem privaten Sektor um jeden Preis und mit jedem Mittel zu senken.

Unter dem Druck des Ultimatums der Troika wird innerhalb der Woche ein Treffen der Arbeitgeber und Arbeitnehmer erwartet, um ihre Position bezüglich der geforderten Senkung der Mindestlöhne auf dem privaten Sektor, Streichung des sogenannten 13. und 14. Gehalts (Oster-, Urlaubs- und Weihnachtsgeld), Einfrierung der automatischen Lohnzuwächse und Senkung der Sozialabgaben festzulegen.

Nach der dramatischen Stellungnahme des Premierministers Lukas Papadimos während der Treffens mit den Sozialpartnern, bei dem er äußerte, “einzige rote Linie sei die Rettung des Landes“, und angesichts des Eintreffens der Troika am 16. Januar 2012 sind die Vertreter der Arbeitgeber und Arbeitnehmer aufgerufen, einen Kurs bezüglich der in Form eines Ultimatums gestellten Forderungen der Troika festzulegen.

Troika fordert Senkung der Mindestlöhne und Bezüge um jeden Preis

Wie die Zeitung “To Vima” in der Sonntagsausgabe des 08. Januar 2912 anführt, schickten die Vertreter der Gläubiger eine neue E-Mail an die griechische Regierung und verlangen, dass sich die Sozialpartner über die gestellten Forderungen einigen oder letztere mittels einer gesetzgeberischen Regelung aufgezwungen werden. (Anmerkung: Die Voraussetzungen wurden – wenn auch unter “Umgehung” der Verfassung – bereits mit dem 2010 ratifizierten “Moratorium” geschaffen, so dass ggf. ein Ministerialbeschluss ausreichen würde.)

Die Dachorganisation der Gewerkschaften der Arbeiter (GSEE), die am Dienstag (10. Januar 2012) tagen wird, lehnt eine Kürzung bei den Mindestlöhnen als auch den Lohnzuwächsen ab. Der Vorsitzende der GSEE, Giannis Panagopoulos, erklärte gegenüber dem Radiosender VIMA 99,5 am Samstag (07. Januar 2012), dass kein einziger Schritt hinter den nationalen Manteltarifvertrag zurück erfolgen könne und schloss nicht aus, dass die Regierung einen gesetzlichen Erlass vorbereitet, um die von der Troika verlangte Senkung des Mindestlohns und die Streichung von Festtagszulagen und Urlaubgeld auf dem privaten Sektor auch ohne Einigung der Sozialpartner gesetzlich zu erzwingen.

GSEE, Arbeitgeber und Handel sind gegen Senkung des Mindestlohns

Der Vorsitzende der GSEE sprach sich kategorisch gegen eine Senkung der Mindestlöhne aus und meinte: “Wenn wir, um den Bankrott  unseres Landes abzuwenden, nicht einmal den Mindestlohn von 750 Euro brutto gewährleisten können, dann hat es keinen Wert, dass wir in der Eurozone verbleiben” (siehe To Vima). Giannis Panagopoulos zeigte sich gegenüber dem vom den Arbeitgeberverbänden verlangten Treffen nicht negativ, betonte jedoch jedenfalls, dass das Einzige, was diskutiert werden könne, die Senkung der Arbeitgeberabgaben sei – unter der Voraussetzung, dass die daraus resultierenden Beitragsverluste der Versicherungsträger auf andere Weise ausgeglichen werden.

Der griechische Industriellenverband (SEB) scheint die Senkung der gesetzlichen Mindestlöhne ebenfalls abzulehnen, diskutiert jedoch die Abschaffung der automatischen Lohnzuwächse und verlangt die Senkung der Lohnnebenkosten. Der griechische Handelsdachverband (ESSE) wiederum spricht sich für die Beibehaltung der bestehenden Mindestlohngrenzen bei gleichzeitiger “Einfrierung” der Mindestlöhne bis 2014 aus und verlangt, dass es keine Erhöhungen bei den automatischen Lohnzuwächsen gegeben wird und die Arbeitgeberabgaben um 10% gesenkt werden.

Der SEB wollte, dass das Treffen mit den Sozialpartnern am Montag (08. Januar 2012) erfolgt, jedoch verlangte die GSEE einige Tage Aufschub, um am Dienstag zu konferieren.

(Quelle: in.gr)

Kolonialismus, europäischer Totalitarismus und Griechenland

8. Januar 2012 / Aufrufe: 759 16 Kommentare

In Griechenland stellt sich zunehmend der Eindruck ein, dass ein Exempel statuiert und das Land nebst seiner Bevölkerung paradigmatisch abgestraft werden soll.

Die öffentliche Äußerung des Leiters des Wirtschaftsstabs der Übergangsregierung Papadimos, die Troika wolle seiner Ansicht nach an Griechenland ein Exempel statuieren (siehe Troika will Griechenland exemplarisch abstrafen), reiht sich in die schon seit geraumer Zeit auf verschiedenen Ebenen immer wieder angestellten Überlegungen ein, ob die geforderten Maßnahmen wirklich alle nur der Sanierung der griechischen Volkswirtschaft dienen sollen oder auch unter dem Aspekt der exemplarischen Abstrafung des Landes aufgezwungen werden.

Der aktuelle Disput um die von der Troika (inzwischen sogar als unverblümtes “Ultimatum”!) gestellte Forderung, auf dem privaten Sektor das Oster-, Urlaubs- und Weihnachtsgeld gänzlich zu streichen und den gesetzlichen Mindestlohn auf etwa 400 Euro monatlich zu senken, befremdet um so mehr, als diese Forderung nicht einmal von den Arbeitgebern getragen wird, denen sie angeblich zugute kommen soll.

Der Leiter der griechischen Zeitung Vradyni, Giorgos Papasotiriou, kommentierte das Thema aus seiner Sicht in einem Artikel, der in der Ausgabe vom 06. Januar 2012 auf Seite 2 unter der Kolumne “Επισημάνσεις” publiziert wurde und nachstehend in deutscher Übersetzung wiedergegeben wird.

Neo-Kolonialismus

“Der Troika ist bekannt, dass der Konsum weiter sinken und es eine größere Rezession geben wird, wenn der 13. und 14. Monatslohn gestrichen werden. Sie wollen jedoch mit diesem Druck sehen, dass die Griechen ernsthaft geworden sind und nunmehr die Probleme des Landes sehen”.

Dies erklärte Professor Gkikas Chardouvelis, Leiter des Wirtschaftsstabs des Premierministers Lukas Papadimos. Folglich sagt letzterer nicht die Wahrheit, wenn er behauptet, die Senkung der Lohnkosten erfolge zugunsten der Wettbewerbsfähigkeit der griechischen Wirtschaft. Alles geschieht dagegen zur Bestrafung, damit wir, die drittweltlichen Griechen zur Vernunft kommen, ernst werden. Diese Auffassung der Deutschen und der Troikaner verweist auf die Periode des Kolonialismus, damals, als die Eingeborenen der eroberten Länder entweder das Kulturmodell der westlichen Eroberer akzeptierten (Bekehrung zum Katholizismus, zum Protestantismus und allgemein der westlichen Auffassung über Fortschritt) oder vernichtet wurden (wie beispielsweise die Indianer der USA).

Deswegen wurde diese Auffassung über den “Fortschritt” von einem der größten Erforscher des Kapitalismus als jenes “Götzenbild charakterisiert, dass den Nektar (sprich Profit) aus dem Schädel der Ermordeten trinkt” Dies geschieht auch heute in Griechenland, wo alle geopfert werden, die an nichts Schuld haben, also die “unten”, während die fremdgepäppelten Eliten, jene, die gestern die fantastischen Einbahnstraßen der Globalisierung und der Modernisierung realisierten, heute mit dem selben Zynismus die mit dem Schmerz und dem Blut der Arbeiter getränkte Einbahnstraße der “Rettung” Griechenlands vor dem Bankrott umsetzen.

Neoliberale Globalisierung und europäischer Totalitarismus

Wer erinnert sich nicht an die Einbahnstraße der neoliberalen Globalisierung, die Einbahnstraße des post-innovativen Kapitalismus und der toxischen Obligationen? Oder wurde nicht auch das katastrophale Moratorium als Einbahnstraße präsentiert? Ebenso werden uns nun die nationale Unterjochung und unsere Eliminierung als Einbahnstraße präsentiert. Damit, wie gesagt wird, etwas gerettet wird. Was eigentlich? Möglicherweise die konkreten Gruppen wie die Mikropartikel, die Bosonen genannt werden?

Sie erliegen jedoch einer bedauernswerten Täuschung. Sie liegen falsch, wenn sie glauben, dem Zorn des griechischen Volkes zu entkommen, das früher oder später reagieren wird. Welche Form kann jedoch der Widerstand gegen dieses Art von Totalitarismus? Die Antwort ist nicht schwer und bezieht sich auf alle klassischen Formen der Reaktion, wie Streiks und Demonstrationen, also alles, was die Funktion der Wirtschaftsdiktatur zum Erliegen bringt. Im Vorliegenden haben wir auch eine patriotische Dimension der Reaktion.

Die Arbeitnehmer beanspruchen nicht nur ihre wirtschaftlichen Errungenschaften, die global in Frage gestellt werden, aber die politische Demokratie, die nationale Unabhängigkeit Griechenlands als solche. Die Kämpfe kommen somit aus ihrem engen ständischen und ökonomistischen Rahmen, da wir an dem Punkt angelangt sind, ein antidemokratisches Phänomen zu haben, eine moderne Oligarchie, einen europäischen Totalitarismus noch gefährlicher als die vorherigen, da die alten demokratischen Institutionen als einfache Vorwände, als demokratischer … Staub in den Augen der Bürger beibehalten werden, während die Entscheidungen von der Troika getroffen werden. Und zwar zwecks exemplarischer Bestrafung. Möglicherweise, weil wir unsere griechische, mediterrane Lebensweise haben? Oder vielleicht, weil wir uns im Zweiten Weltkrieg widersetzten?

(Quelle: Vradyni)

Troika will Griechenland exemplarisch abstrafen

7. Januar 2012 / Aufrufe: 1.169 9 Kommentare

Der Leiter des Wirtschaftsstabs der Regierung Papadimos gestand freimütig ein, dass die Bevölkerung in Griechenland exemplarisch abgestraft werden soll.

Mit einer knappen Äußerung, die ohne weiteres den Status der Definition des Zynismus beanspruchen kann, erklärte Gkikas Chardouvelis, Leiter des Wirtschaftsstabs des Premierministers Lukas Papadimos, dem griechischen Volk klar das Verhältnis zwischen der Übergangsregierung Papdimos und und der Troika sowie auch die Gründe, aus denen sich die Bevölkerung auf Gleisen bewegt, die in die Verelendung und völlige Verarmung führen.

Iin einer Sendung des Fernsehsender SKAI am 05. Januar 2012 gestand Gkikas Chardouvelis, sich auf die Arbeitsverhältnisse und Lohnangleichungen beziehend, ohne zu erröten ein, dass die Troika anerkennt, dass im Fall der verlangten Streichung des (in Griechenland als 13. und 14. Monatslohn bezeichneten) Oster-, Urlaubs- und Weihnachtsgeldes auf dem privaten Sektor die Nachfrage noch weiter zurückgehen und es eine noch größere Rezession geben wird. Wie er erklärte, tut die Troika dies seines Erachtens, damit die Griechen sich der tatsächlichen Probleme des Landes gegenwärtig werden.

Troika treibt Griechen aus Erziehungsgründen in Verelendung

Mit wenigen Worten, die Troika verurteilt das griechische Volk aus … pädagogischen Gründen zur Verelendung und gibt damit Chrysanthos Lazaridis, dem engen Mitarbeiter des Oppositionsführers und Vorsitzenden der Nea Dimokratia (ND) Antonis Samaras, völlig Recht, der – wie einer seiner Gesprächspartner gegenüber Journalisten äußerte – bei der letzten Begegnung mit den Vertretern der Troika mit dem Eindruck verblieb, dass die Griechen exemplarisch abgestraft werden sollen.

Gkikas Chardouvelis gestand im Wesentlichen ebenfalls ein, dass niemand auf der Gegenseite existiert, um die Gelüste und Verlangen der Troika zu bremsen, die ihre Befehle einer Regierung folgsamer Organe aufzwingt, die nicht nur einfach kein einziges Argument gegen den Orkan vorbringt, der die griechische Gesellschaft zu völliger Verarmung verurteilt, sondern kommentarlos alles ausführt, als ob es sich um Befehle zu Kriegszeiten handelt.

Das Eingeständnis von höchsten zuständigen Lippen, dass der Troika bewusst ist, dass all das, was sie Griechenland aufzwingen wird, in eine noch tiefere Rezession, also zu noch höherer Arbeitslosigkeit, noch geringeren Einkommen und noch mehr Armut führen wird, verkörpert letztendlich das Markenzeichen der Regierung Papadimos und wie letztere – sei es auch nur elementare – Verhandlungen über die griechischen Interessen zu führen vermag.

(Quelle: Vradyni)

Piratenpartei in Griechenland

4. Januar 2012 / Aufrufe: 358 3 Kommentare

In Griechenland wird noch vor Ende Januar 2012 die offizielle Bekanntgabe der Gründung der neuen Piratenpartei Griechenlands erwartet.

Piratenpartei GriechenlandsMit dem Ehrgeiz, zum “neuen Betriebssystem der Gesellschaft” zu werden, werden die Grundsätze der Funktion einer neuen Partei in Griechenland zu Papier gebracht und das Programm ausgearbeitet. Es wird erwartet, dass die “Piratenpartei Griechenlands” vor Ende Januar 2012 eine offizielle politische Partei darstellen wird. Die Vorbereitungen zur Gründung begannen im September 2011, wozu allerdings anzumerken ist, dass es sich nicht um den ersten Anlauf handelt: im Jahr 2009 war ebenfalls ein Versuch unternommen worden, der jedoch schließlich nicht zur Parteigründung führte.

Die Satzung der Piratenpartei Griechenlands ist inzwischen errichtet worden, und für noch vor Ende Januar ist die Deklaration ihrer Gründung angesetzt, “um die Prinzipien der direkten Demokratie, der Transparenz und des Schutzes der Menschenrechte und Freiheiten sowohl in der digitalen Welt als auch in jeder Manifestation unseres Lebens in die Praxis umzusetzen“. Die Diskussion über das Programm wird unter Beteiligung aller Interessenten auf dem Online-Forum der Piratenpartei Griechenlands fortgeführt.

Grundsätze und Ziele der Piratenparteien

Auf der offiziellen Webseite der Piratenpartei Griechenlands stellt sich die Partei vor und präsentiert beachtenswerte Zahlen über den Werdegang der Piratenparteien in aller Welt:

  • es sind bereits 56 Piratenparteien gegründet worden, 21 sind offiziell anerkannt,
  • es sind 2 Europa-Abgeordnete, 15 nationale Abgeordnete und 194 Gemeinderäte in Europa gewählt worden.

Ihre Prinzipien und Ideen basieren auf denen der schwedischen Partei, gemäß denen die Piratenparteien folgende Zielsetzungen haben:

  • Schutz der Privatsphäre und der persönlichen Rechte vor Eingriffen durch Staaten und Unternehmen.
  • Reformierung der Gesetzgebung über Urheberrechte, bei Verkürzung der Schutzzeit und freier Nutzung digitaler Kopien für private, nicht gewerbliche Verwendung.
  • Änderung der europäischen Gesetzgebung über Patente, welche zu unglaublich teuren Medikamenten, Verlust von Menschenleben und ungerechter Ausnutzung führen.

Wie auf pirateparty.gr geschrieben steht, fokussieren sich parallel die Piratenparteien der einzelnen Länder auf die jeweiligen Probleme ihrer Länder, mit Basisprinzipien wie:

  • Digitale und direkte Beteiligungsdemokratie
  • Transparenz der öffentlichen Verwaltung
  • Stärkung der Gewaltenteilung
  • Achtung des Privatlebens
  • Auflösung der privaten Monopole
  • Nutzung offener Normen und freier Software
  • Freier Zugang zu Wissen und Kultur
  • Schutz der Informanten, Journalisten und Blogger bei Veröffentlichung von Gesetzwidrigkeiten
  • Menschliche Freiheit
  • Menschliche Würde
  • Informationsselbstbestimmung
  • Beteiligung am digitalen Leben und digitaler Analphabetismus
  • Recht auf existentielle Sicherheit
  • Kostenlose und demokratisch kontrollierte technische Infrastrukturen

Das Gründungsteam, das es vorzieht, die Namen seiner Mitglieder nicht zu enthüllen, betont schließlich, dass “die Piratenpartei Griechenlands nicht auf der überholten Achse Linke – Mitte – Rechte platziert ist” und endet: “Die Piratenpartei Griechenlands wurde im 21. Jahrhundert geboren, um das NEUE Betriebssystem unserer Gesellschaft darzustellen und dabei jeder Person die Möglichkeit zu gewährleisten, sich frei zu äußern, sich digital zu beteiligen, in Würde zu leben und über unsere gemeinsame Zukunft zu entscheiden.

(Quelle: in.gr)

Wie in Griechenland die Rechtsetremisten in die Regierung kamen

18. Dezember 2011 / Aufrufe: 342 7 Kommentare

Wie und auf wessen Betreiben kam es dazu, dass in Griechenland die Rechtsextremisten an der Übergangsregierung unter Ministerpräsident Papadimos beteiligt wurden?

Die Hintergründe für die Beteiligung der rechtsextremen LAOS-Partei an der derzeitigen Übergangsregierung in Griechenland analysiert speziell auch vor dem Hintergrund des Gesetzes N. 3838/2010 (Staatsangehörigkeitsgesetz) ein Artikel von Dimitris Christopoulos (Δημήτρης Χρηστόπουλος), der nachstehend in deutscher Übersetzung wiedergegeben wird. Dimitris Christopoulos doziert an der Pantion-Universität und ist Vizepräsident des Griechischen Verbands für Menschenrechte (EEDA).

Mit Volldampf zurück? Die Rechtsextremisten in der Regierung.

Die Bildung der Regierung Papadimos konfrontierte uns mit einer Frage, die wir selbst auch aus einer makrohistorischen Dimension nur schwer zu beantworten vermögen: Auf welche Weise gelang es den Rechtsextremisten, Teil der griechischen Regierung zu werden? Bezüglich der Handhabungen, welche die Rechtsextremisten in die Regierung brachten, wurden die folgenden Positionen verlautbar:

Erstens, die Partei Nea Dimokratia (ND) ist Schuld, weil ihr Vorsitzender die politischen Kosten der Handhabung des Moratoriums auf keinen Fall allein tragen wollte. Um den Wahl-Aderlass der ND auf die Kelleretage des rechten Mehrparteienhauses zu beschränken, stellte er somit als Bedingung die Beteiligung der LAOS-Partei, die inzwischen auch ein ernsthaftes Auge auf die oberen Stockwerke wirft. Diese Interpretation ist sogar plausibel, jedoch insofern erdrückend mangelhaft, als sie nur das Foto-Finish, das Ende des Rennens der LAOS-Partei auf dem Weg zur Macht sieht. Damit diese Partei jedoch dort ankam, war ein Anstoß erforderlich, der großzügig von der vorherigen Regierung selbst gegeben wurde, damit die Rechtsextremisten die politische Kraft der Rechten rammen kann.

Wie D. Psarras in seinem letzten Buch dokumentierte [1], war weiter der Empfang des “spaßigen” Vorsitzenden der LAOS-Partei nicht nur in den TV-Salons der 20-Uhr-Sendungen ein solcher, dass das gesamte politische und teleoptische Umfeld als eine perfekte Waschmaschine seiner rechtsextremen Identität fungierte. Die spätere Beteiligung dieser Partei an der Regierung erschien somit als ein natürlicher politischer Ausweg zur Reinwaschung nicht des schmutzigen Geldes, aber der noch schmutzigeren Ideologie.

Einer Ideologie, die leicht in den Anfragen der Abgeordneten dieser Partei während – und nicht nur – der Dauer der letzten Legislaturperiode aufzuspüren ist. Einer Ideologie, welche die LAOS-Partei natürlich nicht verleugnet. Sie tarnt sie einfach nur und gibt es zu: “unser Wort war schmackhafter und leichter verdaubar. Wir haben nicht geändert, was wir servieren! Wir haben die Art geändert, wie wir es servieren”, sagte ihr Vorsitzender 2006, wie uns Psarras in Erinnerung ruft.

Zutreffend betont also der Funktionär der PASOK-Partei N. Mpistis: “Zu dieser “laizistischen Legitimierung” des Herrn Karatzaferis trug die PASOK-Partei bei, indem sie ihm freigiebig den Titel des verantwortlichen anmutigen Gesprächspartners verlieh, im Gegensatz zu dem unnachgiebigen und immer griesgrämigen Samaras. Um letzteren zu schlagen, streichelten sie ersteren.

Die ND beging etwas noch Schlimmeres. In ihrem Wettkampf mit der LAOS-Partei um die Stimmen der laizistischen Rechten einverleibte sie seine Parolen, Immigrantenfeindlichkeit und nationalistische Passion” [2]. So formierte sich das, was treffend als die “Rechtsradikale der Mitte” in dem Sinn anerkannt wurde (laut D. Anagnostopoulou-Papadato), dass sowohl die Rechtsextremisten etabliert werden als sich auch die Mainstream-Parteien und -Medien deren politische Akzeptanzen zu eigen machen.

Brachte die Linke die Rechtsextremen in die Regierung?

Zweites, im Raum der Regierungskoalition ebenfalls vertrautes Argument war, dass durch ihre a priori Entrüstung gegen jede zukünftige Regierungszusammensetzung prinzipiell die Linke als Anstifter für die Beteiligung der LAOS-Partei fungierte, da sie durch ihre Enthaltung die LAOS-Partei in die Regierung schubste und ihr den fehlenden und brennend gesuchten Lebensraum gab. Da laut diesem Argument die Linke kontinuierlich “Nein” sagt, lässt sie grundsätzlich zu, dass sich das politische Barometer nach rechts neigt – mit den bekannten Resultaten. Das Argument lässt mich persönlich nicht gleichgültig, und im weiteren Verlauf werde ich darlegen, aus welchem Grund verschiedene Abstufungen der “Neins”, also der variierenden Intensität der Verweigerungen existieren, welche unterschiedliche politische Strategien bilden.

Um etwas auf die Schlussfolgerungen einzustimmen, ich glaube, dass das “Nein” zur Regierung Papadimos mit der LAOS-Partei von unterschiedlicher Intensität ist als das “Nein” zur selben Regierung ohne die LAOS-Partei. Ich argumentiere also aus Gründen des Prinzips zu Gunsten des autonomen politischen ethischen Mangels der Beteiligung der Rechtsradikalen an dem Regierungsblock innerhalb einer liberalen Demokratie. Ich komme jedoch auf das vorherige Argument zurück, das den Fluch auf die Linke wirft. Die Gegenargumentation ist hier nicht schwer: Niemand benötigte die parlamentarische Fraktion der LAOS-Partei, damit der neuen Regierung das Vertrauen ausgesprochen wird. Dies ist eine griechische Eigentümlichkeit, von der ich glaube, dass die Politologen sich anstrengen werden, sie in Zukunft zu standardisieren und zu klassifizieren.

Es ist jedoch nicht nur, dass die LAOS-Partei parlamentarisch nicht notwendig war. Die Tatsachen zeigen, dass ihrer Beteiligung als einer par excellence erwünschten Option begegnet wurde, und zwar sogar vor der Beteiligung einer jeden anderen Partei. Zur Untermauerung dieser These werde ich mich auf einen interessanten Auszug eines jüngsten Interviews des Fotis Kouvelis beziehen (Ta Nea, 26-27.11.2011):
Frage: Papandreou schlug Ihnen nicht vor, sich an der Regierung zu beteiligen? Antwort: Nein [...] Frage: Wenn Papandreou vor seiner Zustimmung bezüglich der LAOS-Partei Ihnen gesagt hätte, die Möglichkeit einer Regierung des linken Zentrums unter Beteiligung der Partei Nea Dimokratia zu erörtern, hätten sie dies diskutiert? Antwort: Mit den Charakteristika der Regierung des nationalen Einvernehmens, ja”.

Von der Kooperation mit den “anderen demokratischen Kräften” zu den Rechtsextremisten

Aus der vorstehenden Stichomythie geht ungezwungen eine Wende in den politischen Sitten hervor, die das von uns diskutierte Resultat hatte. Die bisher bekannte Praxis der PASOK-Partei war, sich für politische Kooperationen auf allen Ebenen an die Linke zu wenden und in der Regel die Verweigerung zu erhalten. Hier haben wir eine Kehrtwende. Man kann beobachten, dass die – ob aufrichtige oder nicht, ist hier ohne Bedeutung – ständige Belagerung der Linken entwaffnend ihren Platz der Kooperation mit den Rechtsextremisten gibt. Und zwar sogar in einem Moment, wo ein Teil der Linken laut Eingeständnis des Vorsitzenden der Demokratischen Linken (DIMAR) anerkennt, dass sie eine Kooperation im Rahmen einer Regierung der nationalen Übereinstimmung akzeptiert hätte, wenn sie ihr angeboten worden wäre.

Ich denke, dass hier die offensichtliche Gefahr in den Jahren nach dem Regimewechsel liegt. Makroskopisch befinden wir uns möglicherweise vor der Bildung einer neoliberalen Machtkoalition (ja, im Gegensatz zu etlichen Schwesterparteien in Europa ist die LAOS-Partei auch neoliberal), die wegen ihres embryonalen und zerbrechlichen Charakters überall und selbst auch dort nach Stützen sucht, wo sie ihr mutmaßlich unnötig sind. Diese Auffassung hat darüber hinaus auch auch M. Voridis vertreten, der bei der ihm gegebenen Gelegenheit, im vergangenen August im Parlament die ideologische Verteidigung des Gesetzes über die Höchste Bildung zu übernehmen, von der Bildung einer breitgefächerten bourgeoisen Machtkoalition sprach, welche die “ideologische Hegemonie der Linken” schlagen wird. Etwas später war seine erste Erklärung als Minister, dass “den Problemen mit Liebe gegenüber getreten werden wird” … .

Kommunikative Wandlung ohne praktizierte Reue

Die mit dem Ziel der Befreiung von der Schuld an der Reinwaschung der LAOS-Partei mittels ihrer Beteiligung an der Regierung unternommene kommunikative Anstrengung ist also in mehrfacher Hinsicht unzulänglich, hat jedoch geschafft, die politische Szene durch ein systematisch kunstvoll geschaffenes Portrait kommunikativer Läuterung zu kapern. Das Make-up wechselt allerdings nicht das Gesicht. Auf der Ebene des Inhaltes und der politischen Symbolismen haben wir es nicht nur einfach mit einer äußerst unglücklichen, sondern für die griechischen Staatsereignisse buchstäblich kriminellen Wahl zu tun. Der Junta-Vergangenheit kann nicht mit Liebe, sondern nur durch praktizierte Reue entsagt werden, die wir jedoch von niemandem gesehen haben.

Vor fast zwei Jahren demonstrierte die LAOS-Jugend in Athen, damit Thalia Dragona aus der neu gebildeten PASOK-Regierung entfernt wird. Damals machten viele liberale Intellektuelle mit dem Argument zu Gunsten der Dragona mobil, dass die Verzerrung der universitären Arbeit eines Professors nicht dazu führen darf, ihn mit dem Ziel der politischen Vernichtung persönlich zur Zielscheibe zu machen. Dies ist teilweise richtig, da der größte Teil der damaligen Kampagne der LAOS-Partei einfache Verleumdung war. Ich denke jedoch, dass diese Linie der Verteidigung ihre Grenzen hat. Letztendlich können in einer liberalen Demokratie alle demonstrieren und sich beschweren, wenn sie mit einer politischen Entscheidung der Regierung nicht einverstanden sind. Auch die Rechtsextremen.

Ich schrieb damals: “Ich denke, dass mit mir Gleichgesinnte und ich reagieren werden, wenn eine zukünftige Regierung z. B. den Adonis Georgiadis als Generalssekretär für interkulturelle Bildung in das Bildungsministerium beruft. Ein Alptraum … . Nachdem wir etwas in den beizeiten erfolgten Aussprüchen des Mannes nachgesucht haben würden, werden wir tatsächlich energisch dagegen protestieren, dass ein Mensch eine solche Position bekleidet, der in einer von ihm gestellten parlamentarischen Anfrage (673/26-02-2008) die akademische Freiheit zur Äußerung von Ansichten, denen er nicht zustimmt, mit dem Handel mit Heroin verglichen hat. [...] In diesem Sinn also macht die LAOS-Partei gar nichts besonders Beispielloses, obwohl die Art tatsächlich speziell und verleumdend ist. Trotzdem hat die LAOS-Partei ein absolutes Recht, wen auch immer sie will als gefährlich zu erachten. Das selbe Recht, das auch wir Übrige haben, die LAOS-Partei als gefährlich zu betrachten”. [3]

Die Effizienz der Rechtsextremisten

Die Rechte und die extreme Rechte in Griechenland ist in ihrer Linie absolut konsequent – und speziell zweite hervorragend effizient. In der Panik der von dem Moratorium geprägten Tage sehen wir, dass sie nicht die Staatsangehörigkeit vergessen und für ihre Beteiligung an der Regierung die Abschaffung des Gesetzes N. 2828/2010 fordern. Dies ist zum Teil verständlich und zeigt die autonome Bedeutung der Ideologie im Überbau einer Gesellschaft.

Die Reform des griechischen Staatsangehörigkeitsgesetzes war eine höchst bedeutsame ideologische Niederlage der griechischen Rechten, und zwar sogar eine höchst unerwartete – von dort, woher sie nicht erwartet wurde -, wegen außerordentlich glücklicher Umstände des politischen Voluntarismus, des Zusammentreffens der geeigneten Personen und der Handhabung der politischen Zeit. Ich erinnere daran, dass das Gesetz Ende März 2010 in Kraft gesetzt wurde. Es wird verständlich, welches Schicksal es gehabt hätte, wenn es eineinhalb Monate zurückgeworfen worden wäre … .

Dies wird also nicht vergessen. Die Rechte selbst verdaute es nie. Und das beweist uns die blindwütige Reaktion auf dieses Gesetz. Sowohl von den parlamentarischen Parteien, der außersystemischen Bandenvariante, den “patriotischen” Internet-Blogs, Teilen der selbigen griechischen Verwaltung, die alles tun, um das Gesetz zu untermauern, und schließlich von einem Teil des “tiefen” griechischen Staates wie Richtern der 4. Kammer des höchsten Verwaltungsgerichts des Landes, die nicht zögerten, ihre abweichende politische Meinung über das Gesetz als “Verfassungswidrigkeit” zu taufen.

Ungesetzliche Gesetze und andere Paradoxe

All diese sind in ihrem ideologischen Kampf konsequent – mit einer Ausnahme. Als “authentische Erforscher” des Rechts sind hinsichtlich ihres Amtes nur die Richter der 4. Kammer des Obersten Verwaltungsgerichtshofs inkonsequent, denen es angesichts des Urteils des Plenums (die Sache wurde am 2. Dezember 2011 verhandelt) auch heute in Erinnerungen zu rufen wert ist, dass zwischen einem uns nicht genehmen und einem verfassungswidrigen Gesetz zu differenzieren ist. Es mag also gewissen Richtern nicht gefallen, dass die Kinder der Immigranten mit ihrer Geburt die Staatsangehörigkeit erhalten, weil sie glauben, dass diese nicht der Nation angehören können, und aus diesem Grund mit dem Gesetz nicht einverstanden sind. Dies kann jedoch nicht als “Verfassungswidrigkeit des Gesetzes” bezeichnet werden.

Andererseits sehen wir auf den ersten Blick die folgenden politischen Paradoxe: Die PASOK-Partei, die Initiator der gesetzgeberischen Reform des Staatsangehörigkeitsrecht war, verteidigt die Reform nicht. Um genau zu sein, ist die von ihr gestammelte Verteidigungslinie nicht nur einfach defensiv, sondern unterminiert auch den Sinn des Gesetzes als solchen: “wir machten zu unseren Tagen weniger Einbürgerungen als die Nea Dimokratia.” “Wir haben Ordnung geschaffen”. Das einzige von der Partei, welche die Änderung durchführte, an die Rechte formulierte Argument ist, keine Angst haben zu müssen, da das Gesetz prinzipiell nicht funktioniert.

Die Zahlen belegen hier leider die Wahrheit. Und die Wahrheit ist bezüglich der Umsetzung des N. 3838/2010 fast enttäuschend: minimale Einbürgerungen und glücklicherweise eine geringe, jedoch zumindest beachtenswerte Anzahl an Kindern, welche die Staatsangehörigkeit per Deklaration, also mittels der Bestimmung erwarben, deren Verfassungsmäßigkeit am 2. Dezember vor dem Plenum des StE verhandelt wurde.

Die Launen und Inkonsequenzen der Linken

Die Linke ist leider launisch. Ich erkläre: Die Position der Kommunistischen Partei Griechenland (KKE) bezüglich des Erwerbs der griechischen Staatsangehörigkeit durch Kinder der Immigranten ist genau die selbe wie die der Nea Dimokratia, und zwar mit ungefähr der selben Begründung, jedoch unterschiedlicher Terminologie: die zweite Generation soll die Staatsangehörigkeit bei Erreichen ihrer Volljährigkeit und nur dann erwerben, wenn sie ihren diesbezüglichen Willen erklärt. Die 4. Kammer des StE wäre mit einer solchen Regelung höchstzufrieden gewesen. Ehrlich gesagt wundert es mich, warum die KKE im übrigen gegen das Plädoyer der 4. Kammer des StE ist.

Die SYRIZA-Partei von ihrer Seite widersprüchlich. Etliche von uns führten einen Kampf, die parlamentarische Fraktion davon zu überzeugen, damals für den Gesetzentwurf zu stimmen. Wir wissen alle, dass es nicht wenige Stimmen waren, welche – damals und jetzt – meinten, das Gesetz sei nicht nur einfach unzulänglich – was auch ich zu glauben beginne -, sondern reaktionär und rassistisch. Warum machen wir uns jedoch jetzt angesichts der Möglichkeit Sorgen, dass ein “reaktionäres” Gesetz als verfassungswidrig abgeschafft wird? Ganz einfach, weil das Gesetz seine Schwächen haben mag, jedoch (und wir wissen, dass es) einen Wert hat. Die Wurzel des Übels liegt in dem, auf das ich vorstehend anspielte. Wenn das Gesetz 3838 reaktionär ist, was ist dann das Plädoyer der 4. Kammer des StE?

Das Stereotype “Nein zu Allem” und seine Folgen

Leichtfertige Proteste, in der selben Lautstärke, mit den selben Worten, aus völlig anderen politischen Erwägungen: “Nein zu Allem”, und wenn der Moment für das absolut unverhandelbare Nein kommt – und gegenüber der Beteiligung der LAOS-Partei müssen wir natürlich ein solches Nein sagen – sind sogar wir selbst nicht von dem überzeugt, was wir sagen, und diejenigen, die uns hören, sind müde geworden. Sowohl zu hören als auch zu glauben. Weil die Lautstärke als selbige stört. Wie auch das selbe Lied: das Wort “Unverhandelbarkeit” (und viele andere verwandte mit absolutem Inhalt) hören wir andauernd und gleichermaßen laut.

Die Politik ist ein Kampf der Abwägung zwischen Schnitt und Kontinuität, Protest und Schaffen, Umsturz und Kompromiss. In diesem Sinn weichen die Regeln des politischen Spiels nicht von den Regeln jeder Formation des gesellschaftlichen Zusammenlebens ab. Diese Art von Abwägungen sind wir in allen Momenten anzustellen aufgerufen, die wir zusammen mit Menschen, sogar selbst auch mit den “Unsrigen” verbringen. Erst recht mit einer Partei wie der LAOS-Partei in der Regierung … .

Von den Rechtsextremisten haben wir jedenfalls etwas zu lernen: mit ihrem methodischen Druck auf die folgsame PASOK-Regierung hat sie es geschafft und die Sondersekretärin für interkulturelle Bildung hinausgeworfen, weil sie diese für gefährlich hielt. Werden wir, die wir die Rechtsextremisten für gefährlichen halten, sie schadlos an der Regierung vorbeiziehen lassen?

[1] Δ. Ψαρράς, Το κρυφό χέρι του Καρατζαφέρη. Η τηλεοπτική αναγέννηση της ελληνικής Ακροδεξιάς, Αθήνα, Αλεξάνδρεια 2010
[2] Πολιτική Επιθεώρηση – Greek Political Review
[3] “Μισαλλοδοξία και στοχοποίηση, Ελευθεροτυπία, 23/12/2009

(Quelle: ENTHEMATA, Autor: Dimitris Christopoulos)

Griechenland und die Metöken der Europäischen Gemeinschaft

16. Dezember 2011 / Aufrufe: 607 18 Kommentare

Werden Griechenland und die übrigen peripheren EU-Staaten die neuen Metöken stellen, die Aufschwung und Wohlstand der dominanten Partner gewährleisten sollen?

Das Beharren der Gläubiger Griechenlands und speziell der Troika auf Maßnahmen und Politiken, die sich nachweislich als ineffizient erwiesen haben, trugen und tragen zweifellos dazu bei, das Land noch tiefer in den Strudel der Rezession und Verschuldung zu drücken. Besonders befremdlich erscheint in diesem Zusammenhang die Forderung, nun auch noch die gesetzlichen Mindestlöhne des privaten Sektors auf ein Niveau zu senken, das nicht einmal in Ländern der sogenannten Dritten Welt, geschweige denn in einem Mitgliedland der EU auch nur die Befriedigung elementarer Grundbedürfnisse wie Wohnung, Nahrung und Kleidung gewährleistet (siehe auch Troika verlangt Entlassungen und Lohnsenkungen in Griechenland).

Ein Artikel von Lori Keza (Λώρη Κέζα), der am 14. Dezember 2011 in der Tageszeitung “To Vima” unter dem Titel “Arbeit, Gehorsam, Nahrung” publiziert wurde und nachstehend in deutscher Übersetzung wiedergegeben wird, reflektiert Überlegungen, die inzwischen immer mehr (und im übrigen definitiv nicht nur) Griechen zu beschäftigen beginnen.

Arbeit, Gehorsam, Nahrung

Lasst es uns zugeben. Die meisten von uns haben keinen blassen Schimmer von Wirtschaft. Es müsste also jemand offiziell die Aufgabe übernehmen, eine Geschichte zu schreiben und sie uns zu erklären, so als ob wir kleine Kinder wären. Damit wir also verstehen, warum die Schrumpfung der Löhne auf 450 Euro den Aufschwung bringen wird. Damit wir verstehen, wie es mit einer Arbeitslosigkeit bei 30% ein Vorankommen gibt. Damit wir das Beharren auf der Reduzierung der öffentlichen Ausgaben verstehen, während sich die Mechanismen zur Einnahme der Steuern wieder lockern. Damit wir verstehen, in wessen Taschen die Profite der Wettbewerbsfähigkeit fließen.

Und bevor es lautet “und wenn sie nicht gestorben sind, dann leben sie noch heute”, stellen wir uns die Erzählung auf Attika und die Charaktere mit Rüstungen bekleidet vor. Wir werden uns an Aristoteles erinnern. Sagte nicht er, dass für den Wohlstand Bauernsklaven oder barbarische Nachbarn erforderlich sind? Für alle, denen die Definition des EFSF eben so schwer fällt wie die Beschreibung des Higgs-Bosons, gibt es die Zuflucht zur Geschichte. Aus ihr werden wir das Spiel der Gläubiger des griechischen Staates sowie auch ebenfalls die Nützlichkeit der Sklaven verstehen.

Wir können den Parthenon bewundern, weil unter dem Marmor tausende Sklaven zerquetscht wurden. Wir können die Trieren bewundern, weil in den Stollen von Lavrio bei der Förderung des Silbers Menschen starben. Die Drachme, die Währung war damals nicht etwas Fiktives, sie entsprach Reichtum. Nun könnte man sagen, dies seien Nativitäten all jener, die nichts von Makroökonomie verstehen. Und trotzdem, die Entsprechungen sind viele.

Wohlstand auf dem Rücken von Metöken und Sklaven

Wenn von der Dritten Welt und den tatsächlich billigen Arbeitskräften gesprochen wird, erinnern wir daran, dass auch in der Epoche der Klassik viele Kategorien von Personen mit eingeschränkten Freiheiten, mit unterschiedlicher Abstammung existierten. Wenn auch beispielsweise der Metöke nicht das Selbe wie der Sklave war, dienten jedoch alle zusammen dem Aufschwung der Epoche.

Noch eine Parallele: der Ausschluss von den politischen Entscheidungen. Aktuell wissen wir nicht, wie viele Griechen sich von der Regierung vertreten fühlen. Wir wissen nicht, wie viele erneut die Partei wählen würden, die sie 2009 wählten, wir wissen nicht, ob sie die Übereinkunft wünschen, wir wissen nicht, ob sie die Langzeit-Zähmung einer “Retortenregierung” zugelassen hätten. Die Beteiligung der Bürger an all dem, was sich derzeit abspielt, ist nicht einmal fiktiv. Sie existiert nicht.

Glückliche Bankiers und unglückliche Menschen

Zusätzlich schwellen auch immer mehr Stimmchen an und verlangen, dass keine Wahlen erfolgen. Zuerst muss das wirtschaftliche Modell gelingen, das die Bankiers glücklich und die Menschen unglücklich macht. Es sei etwas unterstrichen: wir sagten nicht, dass wir nicht verschuldet sind, wir weigern uns nicht, die Schulden zurückzuzahlen. Die Art jedoch, auf welche die wirtschaftliche Planung erfolgt, erinnert mehr an Peitschenhiebe als an einen strategischen Plan zum Wohl des Landes und seiner Einwohner.

Lasst es uns anders sagen: es erfolgt keinerlei ernsthafte Bemühung um den Zufluss von Kapital von Schuldnern des Fiskus, das kostspielige Militär wird nicht abgeschafft, es erfolgen keine Veräußerungen von denen, welche das staatliche Vermögen unbeschadet lassen, es wird kein Fast-Track für mittlere Investitionen etabliert. Stattdessen beziehen sich die Minister der Übereinstimmung darauf, die Beschäftigten des privaten Sektors mit Füßen zu treten und des öffentlichen Sektors zu vertreiben (wobei sich letztere sehr darüber freuen werden, die 450 Euro zu bekommen, wenn sie völlig unbezahlt sind).

Wir sollen uns fragen: wollen wir den Parthenon der “Merkozies” bauen? Darauf läuft die Sache nämlich hinaus … . Wir werden gemäß der Definition des Aristoteles die Sklaven des Mindestlohns, die Metöken des europäischen Marktes. Wir werden für den Wohlstand der anderen arbeiten.

(Quelle: To Vima, Autorin: Lori Keza)

Millionen-Forderungen ehemaliger Parlamentarier in Griechenland

13. Dezember 2011 / Aufrufe: 285 Keine Kommentare

Wahrend in Griechenland das gemeine Volk darbt, beharren ehemalige und pensionierte Parlamentarier nach wie vor auf finanziellen Nachforderungen in Millionenhöhe.

Insgesamt 116 ehemalige und pensionierte Abgeordnete, fast alle der beiden großen politischen Parteien Nea Dimokratia und PASOK in Griechenland, haben Klagen eingereicht, die vor dem Verwaltungslandgericht Athen zur Verhandlung kommen werden, und beanspruchen rückwirkend und nebst Zinsen die Nachzahlung von Differenzen ihrer Bezüge, die sie aus einem umstrittenen Urteil aus dem Jahr 2006 ableiten, sowie auch finanzielle Entschädigungen für ihren immateriellen Schaden, in Höhe von insgesamt zig Millionen Euro.

Auf der Liste der Kläger sind klangvolle Namen vertreten, die in den politischen Entwicklungen des Landes über Jahre Hauptrollen spielten, wie Akis Tsochatzopoulos, Tasos Mantelis, Jorgos Anomeritis, Georgios Drys, Elisabet Papazoi, Petros Doukas, Lefteris Zagoritis, Anastasios Karamarios, Theodoros Kasimis, Nikos Katsaros, Petros Tatoulis, Antonios Fousas und andere.

Ehemalige Abgeordnete fordern Bezüge, Zinsen und Entschädigung

Der genaue Betrag der gerichtlich gestellten Forderungen lässt sich nicht bestimmen, da diese analog zu der Zeit schwanken, über welche jeder einzelne Kläger Abgeordneter war. Einer undokumenierten Schätzung zufolge soll es jedenfalls um Forderungen in einer Größenordnung von insgesamt 200 Millionen Euro gehen. Beispielsweise fordert ein ehemaliger Parlamentarier, der für 37 Monate Abgeordneter war, Diäten-Differenzen in Höhe von 240.196 Euro nebst den gesetzlichen Zinsen. Zusätzlich fordern fast alle von dem griechischen Staat auch eine finanzielle Entschädigung in Höhe von 10.000 Euro für den immateriellen Schaden, den sie durch die nicht erfolgte Angleichung ihrer Bezüge erlitten.

Einige ehemalige Abgeordnete wie Giannis Vaianas, Myrsini Zorba, Emmanuil Loukakis und Sotirios Stolidis haben sogar auch zwei Klagen für verschiedene Amtsperioden eingereicht. Ihre Klagen vor den Verwaltungsgerichten zurückgenommen haben dagegen die beiden ehemaligen Abgeordneten Michalis Liapis und Leonidas Tzanis sowie auch die Witwe des Panagiotis Kosionis.

Inzwischen sind drei Urteile durch das Verwaltungslandgericht Athen ergangen, während eine Reihe weiterer Klagen zur Verhandlung anstehen. Zwei der Klagen wurde teilweise stattgegeben und eine dritte wurde abgewiesen, während der Fiskus bereits Berufung gegen die beiden Klagen eingelegt hat, denen teilweise stattgegeben wurde. Eine sehr viel größere Anzahl von Klagen liegt bei dem Rechnungshof “auf Eis”.

Die ehemaligen Abgeordneten beanspruchen die Differenzen ihrer Bezüge, die ihnen nach der Erhöhung der Gehälter der Justizbeamten, die auf Basis des umstrittenen Urteils des Besoldungsgerichts im Jahr 2006 erfolgte, laut ihren Argumentationen “rechtswidrig” nicht gewährt wurde.

Die Namen der klagenden ehemaligen Parlamentarier

Zu den ehemaligen / pensionierten Abgeordneten der PASOk-Partei, die Klagen eingereicht haben und rückwirkend die Differenz ihrer Bezüge und Abfindungen beanspruchen, zählen:

  • Alexandros Akrivakis
  • Ioan. Anthopoulos
  • Eleni Anousaki
  • Pan. Antonakopoulos
  • Georg. Anomeritis
  • Maria Arseni
  • Ioan. Vathias
  • Ioan. Vainas
  • Vas. Vasilakis
  • Il. Vlachopoulos
  • Chr. Vosnakis
  • Alex. Voulgaris
  • Dim. Giannakopoulos
  • Ioan. Giannakopoulos
  • Moschos Gikonoglou
  • Gkalip Gkalip
  • M. Zorba
  • Cristos Theodorou
  • Ioan. Thomopoulos
  • Lampros Kanellopoulos
  • Theod. Katsanevas
  • Eleonora – Nora Katseli – Kalogeropoulou
  • Ioan. Kapsis
  • Theod. Koliopanos
  • Eft. Kontomaris
  • Vasilis Kontogiannopoulos (1974 – 1993 ND und 1996 – 2000 PASOK)
  • Sokr. Kosmidis
  • Theod. Katsonis
  • Dim Koulourianos (EU-Abgeordneter)
  • Floros Konstantinou
  • Emm. Loukakis
  • Anast. Mantelis
  • Alex. Baltas
  • Athan. Batsos
  • Fragk. Papadellis
  • Elisabet Papazoi
  • Il. Papailias
  • Vas. Papanikolas
  • Chr. Smyrlis – Liakatas
  • Ioann. Souladakis
  • Sot. Stolidis
  • Leon. Tzanis
  • Ioann. Tsaklidis
  • Pant. Tsektikidis
  • Vas. Tsilikas
  • Apost. Tsochatzopoulos
  • Pan. Fotiadis
  • Alexandros Chrysanthakopoulos
  • Anast. Choremis

Ehemalige / pensionierte Abgeordnete der Partei Nea Dimokratia, die entsprechende Klagen eingereicht haben:

  • Nik. Angelopoulos
  • Pan. Adraktas
  • Theodoros Anagnostopoulos
  • Ap. Andreoulakis
  • Ioan. Valinakis
  • Dim. Galamatis
  • Stavr. Dailakis
  • Georg. Diktakis
  • Theof. Dimoschakis
  • Petros Doukas
  • Elefth. Zagoritis
  • Sofia Kalantzakou
  • Ilias Kallioras
  • Georgios Kalos
  • Krino Kanellopoulou
  • Anast. Karamarios
  • Ant. Karpouzas
  • Theod. Kasimis
  • Nik. Katsaras
  • Theod. Katsikis
  • Stavr. Keletsis
  • Kefalogiannis
  • Athina Karka – Konsta
  • Vas. Korkolopoulos
  • Ioan. Kosmidis (EU-Abgeordneter)
  • Andr. Koutsoumpas
  • Georgios Konstantopoulos
  • Michalis Liapis
  • Anast. Laskos
  • Leon. Lymperakidis
  • Aria Manousou – Mpinopoulou
  • Petros Mantouvalos
  • Pan. Melas
  • Antonios Mpezas
  • Mich. Mpekiris
  • Nik. Nikolopoulos
  • Georgios Orfanos
  • Vas. Pappas
  • Arist Pavlidis
  • Ioannis Plakiotakis
  • Adam Regkouzas
  • Gerg. Salagkoudis
  • Dim. Sampaziotis
  • Pan. Skandalidis
  • Theod. Soldatos
  • Spyros Spiliotopoulos
  • Arist. Stathakis
  • Nik. Stavrogiannis
  • Anast. Stavrou
  • Petros Tatoulis
  • Jordanis Tzamtzis
  • Nik. Tsiartsionis
  • Konst. Tsiplakis
  • Arist. Tsiplakos
  • Savvas Tsitouridis
  • Georg. Tsournos
  • Parthena Fountoukidou – Theodoridou
  • Ant. Fousas
  • Chr. Folias
  • Il Fotiadis
  • Evgenios Chaitidis

Klagen eingereicht haben weiter Julia Kasoni, Witwe des ehemaligen Abgeordneten Panagiotis Kosionis der Parteien Synaspismos (1989 – 1993) und KKE (1993 – 2004), und der ehemalige EU-Abgeordnete Emm. Bakopoulos der Partei DIKKI. Ebenfalls eine Klage eingereicht hat der ehemalige Abgeordnete Georgios Papageorgiou, jedoch wurde nicht klargestellt, um wen es sich handelt, da es sowohl bei der PASOK-Partei als auch bei der Partei Nea Dimokratia Abgeordnete mit dem selben Namen gab.

Ihre Klagen vor den Verwaltungsgerichten zurückgenommen haben wie bereits erwähnt Michalis Liapis, Leonidas Tzanis und die Witwe des Panagiotis Kosionis. Giannis Kapsis hat dagegen inzwischen in einer Bekanntmachung klargestellt: “Zur Vermeidung aller Missverständnisse möchte ich Sie vorab über Folgendes in Kenntnis setzen: Noch zu unverdächtiger Zeit und nachdem beiden außergerichtlichen Beschwerden von mir auf die Nachzahlungen der Abgeordneten an den Direktor der Griechischen Bank und den Präsidenten des Parlaments stattgegeben worden war, trat ich jede rückwirkend Vergütung an mich an die von dem Parlament bei der Griechischen Bank eröffneten Kasse zur Bekämpfung der Staatsverschuldung ab. Jegliche Diskussion über das Thema berührt mich folglich nicht.”

Zahlreiche anhängige Klagen auch beim Rechnungshof

Es sei daran erinnert, dass auch bei dem Rechnungshof zahlreiche Klagen Abgeordneter anhängig sind. Konkret hat die zuständige Kammer des Rechnungshofs pensionierten Abgeordneten Recht gegeben und urteilte, dass auf Basis der 7. Resolution des Parlaments von 1975 die Erhöhungen bei den Bezügen der Justizbeamten auch die Bezüge der Abgeordneten mitziehen. Das Finanzministerium hat sich gegen dieses Urteil gewendet und vor dem Plenum des Rechnungshofs Revision beantragt. Von dem Plenum wurde die Sache wieder an die zuständige Kammer zurückgegeben, die jedoch das gesamte Thema “auf Eis” gelegt hat.

Von dem Plenum des Rechnungshofs Recht gegeben wurde bereits den ehemaligen Abgeordneten V. Brakatsoulas (PASOK), Ag. Angelousus und Kalliopi Burdara (ND), deren Fälle der zuständigen Kammer überstellt worden sind, ohne dass jedoch bisher ein Termin für ihre Verhandlungen festgelegt wurde. Ebenfalls hängen vor dem Plenum des Rechnungshofs die Klagen der Erben des Giannis Skoularikis (PASOK), des Antonis Ntetidakis (PASOK), des Evgenios Anthopoulos und des Ilias Papailia (unabhängig) an.

Jedenfalls sei angemerkt, dass die Witwe des im Jahr 2000 verstorbenen ehemaligen Abgeordneten Spyros Plakovitis ihre bei dem Rechnungshof eingereichte Klage zurückgezogen hat.

(Quelle: in.gr)

Internationale Arbeitsorganisation warnt vor Armut in Griechenland

8. Dezember 2011 / Aufrufe: 386 6 Kommentare

Laut der Internationalen Arbeitsorganisation droht in Griechenland wenigstens 20 Prozent der Bevölkerung die Gefahr, unter die Grenzen der Armut zu fallen.

Die Internationale Arbeitsorganisation (ILO) richtet in ihrem einschlägigen aktuellen Report strenge Vorwürfe an die griechische Regierung und die Troika rund merkt in den Folgerungen des Berichts an, dass in Griechenland “der heutige Mindestlohn in Kombination mit den Steuerabzügen viele Arbeitnehmer nahe an die Grenze der Armut führt“.

Konkret wird in dem zahlreiche Seiten umfassenden Bericht der ILO betont, dass die gesetzgeberischen Interventionen als Ergebnis der Moratorien fundamentale und von internationalen Abkommen geschützte Rechte untergraben, wie diese unter anderem die kollektiven Arbeitsverträge, die gerechten Entlohnungs- und Arbeitsbedingungen, die kollektiven Verhandlungen sowie auch der gesellschaftliche Dialog über die Ausübung von Beschäftigungs- und Versicherungspolitiken sind.

ILO bezweifelt Effektivität der Maßnahmen der Troika und der Regierung

Die Internationale Arbeitsorganisation bringt sogar ihre starke Besorgnis über die Wirksamkeit der umgesetzten Maßnahmen zum Ausdruck und betont wörtlich, dass “solange es ein Fehlen sozialer Gerechtigkeit gibt, die den Arbeitnehmern abverlangten Opfer ungerecht und ungleich sein und nicht zu einem Ausweg aus der Krise, sondern zu deren Recycling und einer noch tieferen Rezession führen werden“.

Das Schreiben der ILO dokumentiert deren Schlussfolgerungen mit Daten, die unter anderem den Einkommensverlust, die Arbeitslosigkeit, die Ungleichheit und die Armut in Griechenland aufzeigen. Laut den in dem Bericht enthaltenen Angaben droht 20% der Bevölkerung in Griechenland die Gefahr, unter die Grenzen der Armut zu fallen.

Die Internationale Arbeitsorganisation erinnert die griechische Regierung an ihre Verpflichtung, die verabschiedeten internationalen Arbeitsabkommen umzusetzen, und richtet sich auch mit dem Hinweis an die Troika, dass die internationalen Abkommen ihren Interventionen wirtschaftlichen Charakters klare Grenzen setzen. Parallel betont die ILO gegenüber der Regierung die Notwendigkeit, mit Taten zu der Gewährleistungen der kollektiven Autonomie, aber auch der Autonomie der kollektiven Verhandlung zu schreiten.

Die Folgerungen des Berichts der ILO werden direkt an die zuständigen Kontrollgremien der ILO übermittelt werden, um Beschlüsse über die Beschwerden der GSEE zu erlassen.

(Quelle: Vradyni)

Untersuchung der Kredite an Parteien in Griechenland

30. November 2011 / Aufrufe: 353 9 Kommentare

In Griechenland soll ein Wirtschaftsstaatsanwalt die Vergabe von Bankkrediten in Höhe von über 240 Millionen Euro an die beiden großen politischen Parteien untersuchen.

Anlässlich der Veröffentlichungen über die mit zukünftigen staatlichen Zuschüssen besicherten Kredite, welche die politischen Parteien in Griechenland von Banken erhalten haben sollen, wird der Wirtschaftsstaatsanwalt Grigoris Peponis die Vergabe von Krediten an die beiden großen Parteien Nea Dimokratia und PASOK untersuchen. Gegenstand der durchzuführenden Voruntersuchung wird die Überprüfung sein, ob die Kredite angesichts der Tatsache “ungewiss” sind, dass noch gar nicht bekannt ist, ob die Parteien in Zukunft die selben Beträge der bisher erhaltenen staatlichen Subventionen erhalten werden.

Das Einschreiten des Wirtschaftsstaatsanwalts in Zusammenhang mit dem Thema der Kredite der Parteien hatte der Abgeordnete der “Demokratischen Allianz” Leftheris Avgenakis verlangt, der sich auf Daten bezüglich der Finanzierung der Fraktionen bezog und die Angelegenheit als “Skandal” charakterisierte. Der Abgeordnete, der im Rahmen der Untersuchung als erster Zeuge zur Aussage vorgeladen werden wird, sprach in einer parlamentarischen Anfrage von einer “unerhörten Überschuldung der Parteien PASOK und Nea Dimokratia“, deren Schulden “das öffentliche Empfinden provozieren“.

PASOK und Nea Dimokratia sind mit über 244 Millionen Euro verschuldet

Laut den von Leftheris Avgenakis zitierten Daten erhielt im Jahr 2010 analog zu den bei den letzten nationalen Wahlen erzielten Stimmanteilen die PASOK-Partei Zuschüsse in Höhe von ungefähr 20 Millionen Euro und die Nea Dimokratia (ND) etwa 15,5 Millionen Euro. Im ersten Quartal 2011 bekamen laut Herrn Avgenakis die Parteien insgesamt 13.505.000 Euro, wovon fast 12.300.000 Euro staatliche Subventionen und 1.205.000 Euro Zuschüsse für Forschungszwecke waren.

Wie der Abgeordnete argumentiert, haben PASOK und Nea Dimokratia bei den Banken bis heute Kredite in Höhe von 244,2 Millionen Euro aufgenommen, mit größtem Schuldner die Nea Dimokratia, die mit 120 Millionen Euro verschuldet ist, während laut den Darlegungen des Abgeordneten die PASOK-Partei mit 114 Millionen Eurobei den Banken in der Kreide steht.

(Quelle: in.gr)

Statistische Daten Griechenlands waren nicht verfälscht

21. November 2011 / Aufrufe: 721 6 Kommentare

Die Europäische Kommission gesteht ein, dass die volkswirtschaftlichen Daten, auf deren Basis Griechenland in die Eurozone aufgenommen wurde, doch nicht verfälscht waren.

Griechenland steht in Europa und der ganzen Welt in dem Ruf, seine statistischen Angaben verfälscht zu haben, um im Jahr 1999, als über seinen Beitritt zur Eurozone entschieden wurde, ein geringeres volkswirtschaftliches Defizit auszuweisen. Die Europäische Kommission gesteht inzwischen allerdings ein, dass Griechenland die Voraussetzungen für seinen Beitritt zu der Eurozone damals tatsächlich erfüllt hatte, wogegen Frankreich, Spanien, Portugal und möglicherweise sogar auch Deutschland sich für ihren Beitritt zum Euro logistischer Alchemie bedienten.

Die Datenbank AMECO der Generaldirektion für wirtschaftliche und finanzielle Angelegenheiten (DG ECFIN) der Europäischen Kommission zeigt, dass Griechenland ein Defizit der Zentralregierung in Höhe von 3,07% des BIP für das Jahr 1999 hatte, in dem auch über seine Beteiligung an der Wirtschafts- und Währungsunion (WWU) entschieden wurde, um dieser zwei Jahre später beizutreten. Die erst Jahre später rückwirkend hervorgerufene Überschreitung der Defizitgrenze beruht auf der Änderung der Weise der Verbuchung militärischer Ausrüstungen während der volkswirtschaftlichen Inventur im Jahr 2004 unter Finanzminister Giorgos Alogoskoufis.

Geänderte Buchung der Rüstungsausgaben erhöhte Defizit rückwirkend

Bis 2004 wurden die Verteidigungsausgaben im Etat verbucht, wenn die Übergabe der militärischen Ausrüstung erfolgte. Mit der Neuberechnung wurde jedoch die Weise der Verbuchung geändert, indem die Aufwendungen im Jahr der Vertragsabschlüsse verbucht wurden, was zum Ergebnis hatte, dass Aufwendungen in vergangene Jahre transferiert wurden und somit das Defizit des Jahres 1999 rückwirkend auf über 3% des BIP stieg.

Die Ironie bei der Sache ist, dass laut einer in dem Thema bewanderten Volkswirtin die Eurostatt anwendet die Methode anwendet, gemäß welcher die Ausgaben für militärische Ausrüstung bei deren Übernahme im Haushalt verbucht werden. Griechenland hat jedoch während der ganzen Zeit nicht die Verbuchung der Aufwendungen gemäß der selben Methode verlangt, um den Ruf des Landes los zu werden, das die anderen betrogen hat, um in die WWU zu gelangen.

Beitritt zur Währungsunion mit zweierlei Maß

Es ist anzumerken, dass Frankreich, das den Euro 1999 einführte, im Jahr 1997, in dem über seine Teilnahme am Euro entschieden wurde, im Vergleich zu Griechenland ein höheres Jahresdefizit hatte: Frankreichs Neuverschuldung belief sich in dem konkreten Jahr auf 3,31% des BIP. Die revidierten Daten zeigen jedoch auch ebenfalls, dass im Jahr 1997 weder Spanien noch Portugal das volkswirtschaftliche Kriterium für die Beteiligung am Euro erfüllten. Vorstehende Länder führten den Euro 1999 ein, also zwei Jahre vor Griechenland. Für 1997 betruf das Defizit Spaniens 3,37% und Portugals 3,38% des BIP. Noch beeindruckender ist der Asteriskus, der in der AMECO neben dem Namen Deutschlands steht, worauf sich Kostas Simitis in der “Le Monde” überhaupt nicht bezog (siehe Griechenlands Schwert ist eine Wasserpistole).

Laut der AMECO belief sich also das volkswirtschaftliche Defizit Deutschlands im Jahr 1997 auf 2,64% des BIP. Bei der Berechnung wurden jedoch nicht die mit der Wiedervereinigung Deutschlands in Verbindung stehenden Schulden und die von der Bundesregierung 1995 übernommenen Vermögensteile einbezogen, die sich auf 116,3 Mrd. Euro belaufen. Darin enthalten sind die allbekannte Privatisierungsgesellschaft “Treuhand”, die “Deutsche Kredit Bank” und die Wohnungsbaugesellschaften der DDR.

Wahrscheinlich hat Deutschland all dies ausgeklammert, weil anderenfalls sein Defizit möglicherweise über 3% des BIP gestiegen wäre. Das Defizit der Zentralregierung musste in dem Jahr, in dem der Antrag des an dem Beitritt zur Währungsunion interessierten Landes untersucht wurde, jedoch obligatorisch unter 3% des BIP liegen. Das volkswirtschaftliche Kriterium war eins der Kriterien, welche die Beitrittskandidaten auf Basis des Maastrichter Abkommens erfüllen mussten.

Defizite und Überschüsse der Zentralregierungen Europas

Land / Gebiet 1999 1997
EU (27 Länder) - 0,98% - 2,64%
EU (15 Länder) - 0,86% - 2,56%
EU (17 Länder) - 1,41% - 2,74%
EU (16 Länder) - 1,41% - 2,74%
EU (12 Länder) - 1,38% - 2,73%
Belgien - 0.64% - 2,25%
Bulgarien 0,10% 0,83%
Tschechien - 3,71% - 3,80%
Dänemark 1,34% - 0,60%
Deutschland ** - 1,46% - 2,64%
Estland - 3.46% 2,16%
Irland 2,72% 1,12%
Griechenland - 3,07% - 5,89%
Spanien - 1,42% - 3,37%
Frankreich - 1, 76% - 3,31%
Italien - 1,73% - 2,67%
Zypern - 4,32% - 5,01%
Lettland - 3,86% 1,48%
Lithauen - 2,82% - 11,74%
Luxemburg 3,40% 3,66%
Ungarn - 5,41% - 5,87%
Malta - 7,74% - 7,70%
Holland 0,41% - 1,25%
Österreich - 2,31% - 1,81%
Polen - 2,31% - 4,63%
Portugal - 2,69% - 3,38%
Rumänien - 4,41% - 4,42%
Slowenien - 3,05% - 2,37%
Slowakei - 7,42% - 6,31%
Finnland 1,56% - 1,42%
Schweden 0,92% - 1,54%
Großbritannien 0,92% - 3,17%
Island 1,15% - 0,03%

** In der Berechnung ist nicht die Übernahme von Schulden und Vermögensteilen durch die deutsche Bunderegierung im Jahr 1995 in Höhe von 116,3 Mrd. Euro enthalten.

Quelle: Eleftherotypia