Griechenlands Mittelschicht-Falle

1. August 2019 / Aufrufe: 485

In Griechenland werden weiterhin all jene die Zeche zahlen, die sie auch bisher zahlten.

Einen schönen guten Tag! Die von der neuen Regierung Griechenlands vorangetriebene Senkung der sogenannten „Einheitlichen Immobilien-Besitzsteuer“ (ENFIA) ist sympathisch bis „gottgefällig“. Für jene, die tatsächlich die steuerlichen Lasten stemmen, ist sie jedoch – bestenfalls – ein Tropfen im Ozean.

Wie selbige Regierung unter Berufung auf Angaben der Staatlichen Rechnungszentrale mitgeteilt hat, bewegen die bei der ENFIA forcierten Senkungen sich so oder so nur in einer Größenordnung von insgesamt 205 Mio. Euro, während die konkrete Steuer mit jährlich ungefähr 3,2 Mrd. Euro festgestellt wird.

ENFIA trifft hauptsächlich Griechenlands Mittelschicht

So willkommen für die Mittelschicht zwar eine Senkung der Größenordnung von 20 % (mit der er angeblich profitiert) auch sein mag, wird diese unter dem Prisma sowohl der Last, die sie insgesamt wegen der Überbesteuerung während der Dauer der Krise gestemmt hat, als auch jener, die sie speziell mittels der ENFIA auf sich nimmt, zumindest unzulänglich gemacht.

Mit den bisherigen Vereinbarungen Griechenlands mit seinen „Partnern“ und Gläubigern als gegeben, jährliche ENFIA-Einnahmen der Größenordnung von 3,2 Mrd. Euro festzustellen, auf dass rund 2,65 Mrd. Euro geschöpft werden, da die „Beitreibungsfähigkeit“ der konkreten Steuer sich bei 81 % bewegt, handelt es sich gemäß dem populären Ausdruck um ein „bereits ab den Umkleideräumen“ verlorenes Spiel. Essentiell handelt es sich um eine Vereinbarung des Typs „so viel fehlt mir und so viel will ich„, die sogar hauptsächlich die mittleren Portmonees heimsucht, da aus diesen die konkreten Einnahmen geschöpft werden können.

Wenn Griechenlands Regierung ENFIA-Senkungen einführt, die sich für die überwältigende Mehrheit der Steuerpflichtigen, die über ein Immobilienvermögen im (Einheits-) Wert von bis zu 80.000 Euro verfügen (ungefähr 3,5 Mio. von insgesamt 7,31 Mio. Steuerpflichtigen), ab 30 % bis 25 % bewegen, und zugleich Senkungen von 10 % für all jene etabliert, die ein Immobilienvermögen von über 1 Mio. Euro haben, die sehr wenige (gerade einmal 14.841 Steuerpflichtige) sind, nimmt somit die Last der Schöpfung der ENFIA wieder die Mittelschicht auf sich. Und dies, da entweder jene, die bereits das Wenigste zahlen, weil sie als schwach gelten, oder jene entlastet werden, die höheren Vermögensschichten angehören und – tatsächlich – wenige sind.

Griechenlands Mittelschicht hat weiterhin 50 % der ENFIA aufzubringen

Die von der griechischen Regierung forcierte Staffelung der ENFIA-Senkungen beginnt ab 30 % für ein Immobilienvermögen bis 60.000 Euro, sinkt auf 27 % für ein Vermögen bis 70.000 Euro und auf 25 % für all jene, die Immobilien im Wert von bis zu 80.000 Euro besitzen. Dies ist wiederum die umfangreichste Steuerzahlergruppe und entrichtet ungefähr 35 % der ENFIA.

 Dagegen deklarieren fast 1,5 Mio. Steuerpflichtige (sprich ein Anteil von ungefähr 19,5 %) ein Immobilienvermögen ab 100.000 bis 500.000 Euro und nehmen 1,546 Mrd. Euro der ENFIA bzw. ungefähr 50 % der konkreten Steuer auf sich. Ein Immobilienvermögen ab 586.000 bis zu 1 Mio. Euro wiederum deklarieren weitere 73.999 Steuerpflichtige, die 272,66 Mio. Euro an Steuern zahlen. Anders gesagt betrifft die Senkung der ENFIA für einen Immobilienvermögenswert von bis zu 1 Mio. Euro praktische die Steuerzahlergruppe mit einem Immobilienvermögen bis zu 500.000 Euro und zu einem viel geringeren Anteil die Gruppe mit Immobilien im Wert ab 500.000 bis 1 Mio. Euro …

Mit anderen Worten handelt es sich um die berühmte „Mittelschicht“, die über eine Hauptwohnung in Athen, Thessaloniki oder einem anderen urbanen Zentrum und – höchstwahrscheinlich – eine Ferienwohnung oder ein „Elternhaus“ in der Provinz verfügt. Also die, die zur Überwindung der Krise die Hauptlast trugen und nun sowohl jene, die bisher eh am wenigsten zahlten, als auch jene, die sicher über mehr verfügen, profitieren sehen, während sie selbst …

(Quelle: euro2day.gr, Autor: Nikos G. Drosos)

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