Griechenland: „Bestechung“ zwecks Stimmenkauf

1. Juli 2019 / Aufrufe: 269
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Der Klientelstaat in Griechenland würde nicht existieren, wenn nicht beide seiner Komponenten, nämlich die Verkäufer und die Kunden existieren würden.

Wenn ein Kandidat im Rahmen seiner Wahlkampfkampagne die Stimme eines Bürgers zu kaufen versucht, indem er ihn mit einem Geldbetrag verlockt, versteht sich von selbst, dass er strafrechtlichen Sanktionen begegnen wird, wenn seine Handlung bemerkt wird. Und zu Recht!

Griechenlands Regierung ist jedoch „legitimiert“, nur wenige Tage vor den Wahlen tausende Bürger zu „bestechen“, indem sie diese mit „Wahlkampfgeschenken“ in Form außerordentlicher Beihilfen überschüttet. Und sie wendet diese Praxis sogar zum zweiten Mal an, da sie auch vor den jüngsten Kommunal- und Europawahlen 2019 genau das Selbe tat!

Hat Griechenland die Politiker, die ihm … gebühren?

Und trotzdem … . Wenn man es sich recht überlegt, ist das diese Handlungsweise der Regierenden im Wesentlichen stigmatisierende Charakteristikum nicht der selbige Versuch, die Stimme der Bürger zu kaufen, sondern allem voran, dass sie glauben, ein solcher Versuch werde Erfolg haben! Dies ist offensichtlich etwas, zu dem wir ihnen das Recht gaben, es in Erwägung zu ziehen.

Der Klientelstaat würde nicht existieren, wenn nicht beide seiner Komponenten, also die Verkäufer und die Kunden existieren würden. Und gemäß den Gesetzen des Markts gibt es ohne Nachfrage auch kein Angebot. Unter diesem Aspekt sollten jene, die sich die Regierung unter Premierminister Alexis Tsipras des Versuchs zu beschuldigen eilen, die Simmer der Bürger zu kaufen, zuerst über den Grad ihres eigenen quantitativen und qualitativen Beitrags zur Entstehung dieser Situation nachdenken.

Wenn die Kriterien zur Wahl der die Schicksale des Heimatlands und der griechischen Gesellschaft handhabenden Menschen sich in diversen „Sozialbeihilfen“ oder einigen Prozentpunkten der Anhebung des gesetzlichen Mindestlohns erschöpfen, sollten wir uns nicht beschweren, wenn diese Menschen unsere Würde auf ihre Krämerwaage legen.

Im antiken Griechenland wurde politisches Desinteresse geahndet

Diese eigentümliche Beziehung zwischen Verkäufern und Kunden ist sogar auch von der Tatsache charakterisiert, dass die „Leistungen“ der Ersteren praktisch aus der Arbeit und Mühe Letzterer, ihrem alltäglichen Kampf um das Überleben und die Sicherstellung eines würdigen Lebenshaltungsniveaus für sie selbst und ihre Kinder herrührt. Praktisch akzeptieren wir also, dass die selbstverständlich Pflicht eines Staats zur Sicherstellung dieser Voraussetzungen für seine Bürger mittels eines elendigen beiderseitigen „Kuhhandels“ zu einem Anreiz zur Aufrechterhaltung und Ausbreitung eines korrupten Systems der Machthandhabung verkommt. Solange dieser Zustand sich hinzieht, wird sich die Dreistigkeit der Regierenden aufblähen und die Unterwürfigkeit der Staatsangehörigen ausweiten.

Die Akzeptanz dieser Weise der Funktion des Staats und der Handhabung der Macht hat unter anderem auch das Desinteresse der Bürger an den gemeinen Angelegenheiten, die Enthaltung der fähigen und uneigennützigen Personen von den politischen Verfahren und Vorgängen und das blinde Vertrauen in den Autopilot der gesellschaftlichen Abwertung zur Folge.

Wie Hélène Ahrweiler schreibt, wurden im antiken Griechenland in Perioden von Krisen und Brüchen den Bürgern, die sich nicht für die öffentlichen Angelegenheiten interessierten, eine Geldstrafe auferlegt. Heutzutage könnte man dagegen sagen, dass die Nichtbeteiligung der Bürger angestrebt, ermuntert und prämiert wird. Vielleicht, damit Manche schmerzloser ihren Job machen …

(Quelle: dimokratianews.gr, Autor: Giannis Kouriannidis, Direktor der Zeitschrift „Endochora“)

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