Griechenlands Opfer waren umsonst

20. März 2019 / Aufrufe: 577
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Der deutsche Ökonom Dr. Joachim Starbatty vertritt, mit den Memoranden seien Griechenlands Opfer von 10 Jahren umsonst gewesen.

Ihr Griechen habt eine große Anstrengung für nichts unternommen„, meint der unabhängige Europa-Abgeordnete und Wirtschaftsprofessor Dr. Joachim Starbatty.

Dr. Joachim Starbatty ist unabhängiger Europa-Abgeordneter (er wurde mit der Alternative für Deutschland – AfD gewählt) und ist ebenfalls Professor für Wirtschaft an der Universität Tübingen und einer der in Deutschland und international angesehensten Ökonomen. Seine Wirtschaftsplattform war eins der Sprungbretter, das die nationalistische AfD nutzte um ihre Anteile in die Höhe zu katapultieren. Dr. Starbatty kehrte der Partei den Rücken, jedoch nicht seinen Ansichten.

Griechenland verlor mit den Memoranden 10 Jahre

In einem in seinem Büro im Europa-Parlament an „Dimokratia“ gegebenen Interview bringt Dr. Starbatty seine Überzeugung zum Ausdruck, die Opfer der Griechen mit den Memoranden seien umsonst gewesen, und schlägt vor: Drachme für Griechenland, Mark für Deutschland, Lira für Italien usw. Für ihn ist die Auflösung der Eurozone die idealste Lösung.

Wie erscheint Ihnen Griechenland? Welche ist Ihre Ansicht bezüglich der Griechen?

Auf der Schule habe ich Altgriechisch gelernt. Ich besuche Euer Land regelmäßig und glaube, dass es feine, gastfreundliche, herzliche und sympathische Menschen hat. Meine Ansicht über das Land und die Leute ist absolut positiv.

Haben Sie bezüglich der griechischen Wirtschaft die selbe Ansicht?

Man sagt, in Berlin gebe es mehr Baukräne als Bäume. Die Kräne zeigen zu einem Grad die Bauaktivität und allgemein das Wachstum. In Athen sah ich nur zwei Kräne, also keine Bauaktivität, kein Wachstum.

Wollen Sie sagen, dass so viele Jahre der Opfer umsonst waren?

Ja, sie waren umsonst. Ihr unternahmt eine große Anstrengung für nichts. Ihr verlort 10 Jahre.

Eine Europäische Union wird es auch ohne Euro geben

Wo machen Sie die Wurzel des Übels ausfindig?

Sie haben sicherlich die große Diskussion gehört, die über die Fake News, die unwahren Nachrichten geführt wird. Und Europa hat seine eigenen Fake-Nachrichten: eine davon ist der Erfolg der gemeinsamen Währung, des Euro. Jüngst wurden 20 Jahre Euro gefeiert und es waren sechs Präsidenten europäischer Institutionen, die allen Lügen darüber erzählten, wie erfolgreich die gemeinsame Währung und die Eurozone seien.

Die Eurozone ist eine Währungsunion von Ländern, die verschiedene Interessen, verschiedene Wirtschaften und verschiedene Entwicklungsniveaus haben. Beispielsweise hat Italien seit 2000 kein Wachstum! Früher konnte das Land – seine Währung abwertend – die wegen des Anstiegs der Inflation oder des Rückgangs der Produktivität verlorene Wettbewerbsfähigkeit wiederherstellen. Nun kann es dies nicht tun.

Andererseits lagen Griechenlands Zinssätze, bevor Ihr in die Eurozone eingegliedert wurdet, über 20%, manchmal schrittet Ihr zu Währungsabwertungen und hattet eine größere Inflation. Danach folgten Eure Zinssätze denen Deutschlands. Sie sanken auf 4%. Während der Dauer des Verbleibs im Euro stiegen die Löhne um 40%, in Deutschland dagegen überhaupt nicht. Das hatte zur Folge, dass Eure Wettbewerbsfähigkeit sinkt. Ab dem Moment, wo Ihr nicht zu einer Währungsabwertung schreiten konntet, bedeutete dies, dass Ihr gezwungen wart, obligatorisch die Steuern zu erhöhen, die Löhne zu senken, den Sozialstaat zu beschneiden.

Ist der Euro auch für Deutschland ein Problem?

Für Deutschland ist die Währung sehr weich und deswegen sind wir gezwungen, viel zu exportieren. Wir sind an einem Punkt angelangt, 48% unserer Produkte und Dienstleistungen zu exportieren.

Sie beziehen sich auf die gemeinsame Währung als das Grundproblem für die Vollendung Europas. Kann die Europäische Union sich jedoch halten, wenn die Eurozone sich auflöst?

Es existierte eine Europäische Union vor dem Euro, sie wird auch nach dem Euro existieren.

Wenn Sie uns alles, was Sie aus dem in der Besatzungszeit von Griechenland genommenen Zwangskredit schulden, sowie auch die Kriegsreparationen zahlen würden, wäre dann für unser Land nicht alles besser?

Diese Überlegung höre ich häufig im Europa-Parlament von Notis Marias. Zu diesem Thema vermag ich jedoch keine Stellung zu beziehen. Ich kenne es nicht gründlich genug – und außerdem muss man wenigstens Rechtsanwalt sein um es zu beurteilen …

Die Großbanken drängten Merkel, den Grexit abzuwenden

Sie sagten zu Beginn unserer Unterhaltung, Griechenland habe 10 Jahre verloren. Die Periode der Memoranden war also praktisch für nichts. Maître dieser „Vereinbarung“ war Deutschland. Stellt das also nicht ein ungerechtes Verhalten seitens Ihrer Regierung gegen Griechenland dar?

2010 war Griechenland bereits bankrott, damals meinten Finanzminister Schäuble und Bundeskanzlerin Merkel, es wäre gut für Griechenland, die Eurozone zu verlassen. Griechenland hätte seine Währung abgewertet und danach wären die Investitionen gekommen, damit Wachstum entsteht. Dann kamen alle großen Banken zu Frau Merkel und Herrn Schäuble und sagten, bei den griechischen Anleihen exponiert zu sein. Die (deutschen, französischen, italienischen und hauptsächlich britischen) Banken hatten viele griechische Anleihen und so gelangten wir bei der Schaffung der Pakete zur Rettung der griechischen Wirtschaft an.

Eine der Folgen dieser Geschichte war, dass am 7 und 8 Mai 2010 in Brüssel der ‚Rettungsfallschirm‘ der 750 Milliarden Euro entstand, der Ländern gegeben werden würde, die entsprechenden Problemen wie Griechenland begegnen würden. Die Überlegung war, wenn Griechenland aus der Eurozone ausgeschlossen werden würde, wären dann auch andere Länder wie Italien, Portugal, Spanien gefolgt und es hätte keine Eurozone mehr gegeben …

(Quelle: dimokratianews.gr, Interview an Panagiotis Liakos)

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