Wird Mindestlohn für Griechenland zum Bumerang?

1. Februar 2019 / Aufrufe: 320
Einen Kommentar schreiben Kommentare

Die Anhebung des gesetzlichen Mindestlohns in Griechenland um gleich 11 Prozent ist ein zweischneidiges Messer.

Die Erhöhung des gesetzlichen Mindestlohns ist willkommen zu heißen, solange sie die Beschäftigung nicht mindert, die Einkommen stärkt und das Wirtschaftswachstum des Landes nicht untergräbt.

Was von all dem gilt jedoch für Griechenland?

Griechenland hebt Mindestlohn höher als Portugal an

Portugal, sprich das Land der Eurozone, mit dem viele Griechenland vergleichen, kam im Mai 2014 aus den Hilfsprogrammen heraus und hob den durchschnittlichen monatlichen Mindestlohn schrittweise auf 700 Euro ab Anfang 2019 (auf Jahresbasis) an. Griechenland, das erst im August 2018 aus dem 3. Memorandum herauskam, wird dagegen ab dem 01 Februar 2019 auf dem privaten Sektor einen Mindestlohn von 758,30 Euro (auf Jahresbasis) haben und damit Portugal übertreffen.

Die (offizielle) Arbeitslosenquote befindet sich in Griechenland knapp unter 19%, während sie in Portugal unter 7% liegt. Ebenfalls hat Griechenland bei der Arbeitslosenquote junger Leute im Alter von unter 25 Jahren mit 36,5% das Championat inne, gegenüber ungefähr 20% in Portugal und etwa 15% im Eurozonen-Durchschnitt. Die jungen Leute sind jene, die hauptsächlich mit dem Mindestlohn oder sogar nur dem sogenannten reduzierten Mindestlohn entlohnt werden, der nun abgeschafft wird.

Wenn also das Basiskriterium die Steigerung der Beschäftigung allgemein und der jungen Leute insbesondere war, müsste jeder zuständige – oder nicht – Politiker bei dem Thema des Mindestlohns doppelt vorsichtig sein. Wenn andererseits das Basiskriterium die Erhöhung der Einkommen der Arbeitnehmer war, ohne sich für die kurzfristigen Auswirkungen auf die Beschäftigung zu interessieren oder voraussehend, dass sie positiv sein werden, wäre eine große Anhebung des Mindestlohns erforderlich gewesen.

Wo sollte in Griechenland der Mindestlohn liegen?

Uns ist verständlich, dass in Perioden, in denen die Wirtschaft sich aufrappelt und es sich um ein Wahljahr handelt, das zweite Kriterium das erste überwiegt. Dritten – wie beispielsweise EU-Amtsträgern – ist das den konvergierenden Informationen zufolge jedoch nicht so sehr verständlich. Manche der letzteren – wir können nicht von allen sprechen – schätzen ein, die Erhöhung des Mindestlohns um 11% sei übertrieben und ein Beweis, dass Griechenland nicht aus den Fehlern der Vergangenheit lernt, die in die große Krise führten.

Ob sie in ihren Einschätzungen Recht haben oder nicht, wird sich im Lauf der Zeit zeigen. Außerdem sind die Auswirkungen solch signifikanter Entscheidungen in der Wirtschaft sowohl kurz- als auch mittelfristig. Jedenfalls haben wir das Gefühl, dass das Prespa-Abkommen das Thema überschattet und uns folglich überraschen würde, wenn all dies wegen der Flitterwochen an die Oberfläche käme, welche die Beziehungen der griechischen Regierung zu der EU steuern.

Es wäre natürlich sehr erfreulich, wenn der Mindestlohn sehr viel mehr, z. B. um 30% oder auch 50% erhöht werden könnte, ohne dass es Auswirkungen auf die Beschäftigung und die internationale Wettbewerbsfähigkeit der griechischen Wirtschaft gibt. So etwas ist jedoch selbst auch für die griechischen politischen Standards nicht realistisch.

Die sich stellende Frage ist simpel: Wo hat der griechische Mindestlohn zu liegen, damit er die Einkommen stärkt, die Beschäftigung nicht mindert und den Konjunkturrhythmus stimuliert? Auf einen ersten Blick würden wir sagen, in dieser Phase jedenfalls nicht höher als der Mindestlohn Portugals, das sich seit über vier Jahren außerhalb von Memoranden befindet, recht gute langfristige Ergebnisse und eine Arbeitslosigkeit bei 6,8% hat. Und natürlich wären wir bereit, dies zu revidieren, wenn uns glaubwürdige ökonometrische Studien das Gegenteil zeigen würde.

(Quelle: euro2day.gr)

  1. Bisher keine Kommentare
  1. Bisher keine Trackbacks

Hinweis: Kommentare werden erst nach Freischaltung durch einen Administrator sichtbar.
Bitte beachten Sie die Hinweise und Regeln bezüglich der Abgabe von Leserkommentaren.