Warum Griechenlands Marktgang nötig war

3. Februar 2019 / Aufrufe: 250

Mit der erfolgreich platzierten Fünfjahresanleihe bewies Griechenland seinen Gläubigern, wieder Zugang zu den Finanzmärkten zu haben und sich finanzieren zu können.

Seit etlichen Monaten gibt es eine Frage, die nach einer überzeugenden Antwort sucht, und alles zeigt, dass sie in dem Geld liegt, das Griechenland aus dem Verkauf seiner 5-jährigen Anleihe sammelte.

Manche Dinge mögen für uns offensichtlich sein, für andere jedoch nicht. Um die Einwände der anderen zu verstehen, haben wir uns in ihre Position zu versetzen.

Griechenland hätte teure IWF-Kredite schon lange ablösen können

Genau das hätten wir tun müssen, als wir das Thema der vorzeitigen Ablösung des teuren Teils des Kredits erörterten, den Griechenland dem Internationalen Währungsfonds (IWF) schuldet. Konvergierenden Einschätzungen zufolge soll der Rest des IWF-Kredits an Griechenland auf unter 10 Mrd. Euro gesunken sein, da die Quartale verstreichen und das Land alle drei Monate ungefähr 450 Mio. Euro zahlt. Die Regierung soll mit dem Fonds und den europäischen Gläubigern formlos vereinbart haben, dass ein Teil dieses Kredits – nahe bei 2 Mrd. Euro – nicht vorzeitig abgelöst werden soll, damit der IWF in Griechenland bis 2023 die Rolle haben kann, die er hat (Erstellung eines regelmäßigen Berichts auf Basis seiner Satzung). Von den übrigen 7,5 – 8 Mrd. Euro ist jedoch keine Rede.

Die durchschnittlichen Kosten des von dem Fonds geliehenen Geld werden auf 3,5% und mehr veranschlagt, angesichts des Umstands, dass Griechenland für den auf ungefähr 3,5 – 4 Mrd. Euro geschätzten teuren Teil des Kredits einen Zinssatz von über 5% zahlt. Es sei angemerkt, dass der IWF den Staaten Kredite in speziellen Zugrechten (SDR) gewährt, die ein Korb aus primären Währungen sind und jeder Staat in die gewünschte Währung konvertiert.

Als im vergangenen Herbst in Washington die Konferenz des IWF und der Weltbank stattgefunden hatte, war in einem Teil der Presse geschrieben worden, Griechenlands Finanzminister Evklidis Tsakalotos würde bei seinen Begegnungen mit IWF-Chefin Christine Lagarde das Thema der Tilgung des „teuren“ Kredits stellen werden. Mit Griechenlands laut den Verantwortlichen 30 Mrd. Euro übersteigenden kumulierten Liquiditätsreserve wäre so etwas eine leichte Sache gewesen.

Warum Griechenlands Gläubiger den Win-Win-Deal bisher „bremsen“

Trotz allem erfolgte der Deal nicht, obwohl er Gelder aus dem griechischen Staatshaushalt für Zinsen eingespart und die gemittelte Laufzeit der Verschuldung zu verlängern und ihr Profil etwas zu verbessern vermocht hätte. Auf der anderen Seite gaben ESM – EFSF im Dezember 2018 Portugal das grüne Licht, seine Schulden an den IWF vorzeitig abzulösen, ohne auch sie selbst zu bezahlen. Und dies, weil der ESFS noch Geld schuldende Länder wie Griechenland und Portugal verpflichtet sind, an den europäischen Mechanismus Kredite in selber Höhe mit jenen abzuzahlen, die sie vorzeitig an den IWF tilgen.

Viele von uns fragten sich, warum dies ab dem Moment geschieht, wo es sich um einen Deal handelte, aus dem alle gewinnen würden (win-win). Griechenland, weil es Zinsen eingespart und das Profil seiner Verschuldung verbessert hätte, und folglich der ESM als sein großer Gläubiger und schließlich auch der IWF, der das Geld brauchte um es anderweitig – beispielsweise an Argentinien – zu verleihen. (Siehe Bürokratie und ESM sind unbesiegbar!)

Die Antwort ist wohl simpel: Weil Griechenland nicht an die Märkte gegangen war um Geld zu sammeln und zu beweisen, dass es Zugang zu diesen hat. Ab dem Moment, wo es mit der 5-jährigen Anleihe bewies, sich über den Markt finanzieren zu können, änderte die Szenerie sich zum besseren.

Es wird uns also nicht überraschen, wenn wir in den kommenden Wochen hören, dass ESM – EFSF das Begehren Athens nach einer vorzeitigen Ablösung des IWF-Kredits genehmigen. Der Tausch einer Verschuldung, die Kosten von 5% und mehr hat, gegen eine Verschuldung, die Kosten von 3,6% und eine größere Laufzeit hat, ist ein guter Deal.

(Quelle: euro2day.gr)

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