Warum Griechenlands Industrie EU-Schlusslicht wurde

5. Januar 2019 / Aufrufe: 319
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Staatliches Desinteresse, hohe Energiekosten, Überbesteuerung und mangelnder Zugang zu billigem Kapital bleiben für Griechenlands grundlegende Probleme.

Die nach der Unterbrechung der Stromversorgung nun auch formal erfolgte Schließung der Halyvourgiki, die ihre Produktion so wie so schon seit 2012 eingestellt hatte, bringt wieder die Notwendigkeit einer Unterstützung der griechischen Industrie aufs Tapet.

Trotz aller klangvollen Ankündigungen einander ablösender Regierung und der Bemühungen einzelner kleiner oder großer Unternehmen um die Stärkung ihrer internationalen Präsenz blieb in Griechenland in den fast 10 Jahren der Krise die Stützung der griechischen Industrie ein Hauptanliegen.

Griechenland scheint Memoranden nicht „genutzt“ zu haben

Wenn Zypern und Luxemburg ausgenommen werden, befindet Griechenland sich auf Basis des Anteils der Industrie an dem BIP (8,7%) auf dem letzten Rang der Europäischen Gemeinschaft. Parallel scheint das Land nicht die angeblichen Nutzen des Memorandums wie beispielsweise die niedrigeren Lohnkosten (die allerdings praktisch durch den Anstieg der Energiekosten und das Unvermögen der griechischen Industriebetriebe ausgeglichen wurde, Zugang zu billigem Kapital zu erlangen) genutzt zu haben um seine Industrie zu stärken. Der Anteil der griechischen Industrie am BIP sank zwischen 2009 und 2017 von 9% auf 8,7%, und zwar im selben Moment, wo dieser in der selben Periode in der Slowakei von 22,5% auf 34,6% und in Tschechien von 29,2% auf 35,4% anstieg.

Jedenfalls wird in Griechenland seit 2015 eine kleine Verbesserung verzeichnet, da in jenem Jahr die griechische Industrie „auf Grund lief“ und ihr Anteil an dem BIP auf 8,1% gesunken war. Entsprechend besser ist auch das Bild des Industrieproduktions-Index in den letzten drei Jahren, ohne dass sich jedoch für die Periode der Krise das negative Gesamtbild ändert. Ab 2009 bis 2017 gingen ungefähr 162.300 Arbeitsplätze in den griechischen Industriebetrieben verloren, von denen etliche nicht die Auswirkungen der vieljährigen Rezession aushielten und nicht mit der Verstärkung ihrer Exportpräsenz zu reagieren schafften.

Die Schlussfolgerungen einer mit der Unterstützung der Initiative „Griechische Produktion – Industrierat für das Wachstum“ erfolgten jüngeren Studie des „Instituts für Wirtschafts- und Industrieforschung“ (IOBE) ist bezeichnend. Wie angeführt wird, „erholt sich nach einer akuten und ausgedehnten Krise die inländische Fertigung in den letzten Jahren stetig, schneller als die Gesamtheit der Wirtschaft. Ihr ‚Gesamtabdruck‘ und ihre multiplizierende Auswirkung auf die griechische Wirtschaft bleiben stark. Im Verhältnis zu dem Bedürfnis des Landes, wieder in ein tragfähiges und langfristiges Wachstum einzutreten, ist die Verbesserung jedoch fragil und unzureichend. Die Themen der Energiekosten, der Besteuerung, der Lohnnebenkosten, der Erteilung von Genehmigungen an Unternehmen und der Finanzierung der inländischen Fertigung scheinen die Wettbewerbsfähigkeit der inländischen Fertigung immer noch negativ zu beeinflussen und stellen signifikante Hindernisse dar, ihr Potential auszunutzen und auszuweiten.

Fertigungssektor in Griechenland wurde jahrzehntelang im Stich gelassen

Michalis Stasinopoulos von der Viohalco SA, dem stärksten Industriekonzern Griechenlands mit signifikanter Präsenz auf dem Bereich der Eporte, vertrat bei der Präsentation der Studie, „der Fertigungssektor wurde jahrzehntelang im Stich gelassen. Es fehlt der Verbündete, es fehlt der Gesprächspartner und der Dialog mit dem Staat„, und fügte an: „Zur Stunde, wo Europa die Re-Industrialisierung stützt, müsste heute für Griechenland der Übergang zu einem ausgewogenen Konjunkturmodell mit einer schwungvollen und wettbewerbsfähigen Basis faktisch die absolute nationale Priorität sein.

Laut Herrn Stasinopoulos muss das neue Produktionsmodell auf der Synergie aller Produktionssektoren des Landes, der Anbindung der Produktion an die Bildung, aber auch auf einem kontinuierlichen Dialog mit dem Staat basieren, der derzeit fehlt. Weiter wiederholte er, die Schaffung eines Industrieministeriums sei unbedingt notwendig.

Die Angaben des IOBE zeigen, dass im Jahr 2009 der Fertigungsbranche ungefähr 5.940 Unternehmen mit einem durchschnittlichen Umsatz von 8,3 Mio. Euro angehörten, während ihre Anzahl im Jahr 2016 sich auf 4.560 mit Jahreseinnahmen von 9,46 Mio. Euro beschränkte. Das Problem ist jedoch, dass viele Unternehmen der Branche trotz des besseren Bildes während der drei letzten Jahre überschuldet, mit Liquiditätsproblemen und ohne Zugang zu billiger Finanzierung bleiben.

Beschränkte Exporte und gesunkene Handelsbilanz!

Ein weiteres Charakteristikum der griechischen Industrie, das alle zu betonen auslassen, die über die Ergebnisse der letzten Jahre jubilieren, ist, dass die Exporte Griechenlands sich hauptsächlich auf die Erdölprodukte (die beiden Raffinerien des Landes) und die Rohstoffe beziehen, die Exporte von Wert- und Hochtechnologie-Produkten usw., die eine größere Gewinnspanne haben, also beschränkt sind. Seit 2015 wird sogar trotz des Umstands, dass im Jahr 2017 ein Exportrekord der Fertigung bei 25,4 Mrd. Euro verzeichnet wurde, eine Verschlechterung der Handelsbilanz verzeichnet. Mit Ausnahme der Erdölraffinierungs-Produkte (Überschuss von 5,6 Mrd. Euro 2017), Basismetalle (Überschuss von gerade einmal 400 Mio. Euro 2017) und der Steinbruchprodukte (Überschuss von 30 Mio. Euro) sind die meisten Zweige der Industrie defizitär, importieren also mehr Produkte als sie exportieren.

Unter Ausnahme der Erdölprodukte haben sich für die Periode 2015 – 2017 Aluminium, Früchte und Gemüse, Zement und Marmor als Top-Produkte an Exportergebnissen auf Basis ihres Anteils, aber auch ihres offenbarten komparativen Vorteils (RCA) hervorgetan. Grundlegender Handelspartner der griechischen Verarbeitung ist die EU-28, wohin die Hälfte (bzw. unter Ausnahme der Erdölprodukte 65%) der Exporte geleitet werden.

Wie die Vertreter der Branche bei der neulich erfolgten Präsentation der Studie des IOBE vertraten, bleiben die Senkung der Energiekosten, der Besteuerung und der Lohnnebenkosten ein (unbefriedigtes) Anliegen. Was das Ziel der EU betrifft, dass bis 2020 die Industrie mit 20% zum BIP beitragen soll, wird dieses sich sehr fern befinden, wenn es in Griechenland keine ernsthaften Initiativen gibt.

(Quelle: dimokratianews.gr)

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