Korruption war in Griechenland die Regel

5. November 2018 / Aufrufe: 211
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Einer aktuellen Meinungsumfrage der RASS zufolge halten Griechenlands Bürger das alte politische System für eng mit der Korruption verflochten.

Die landesweite Erhebung des Meinungsforschungsunternehmens RASS für Rechnung der griechischen Zeitung „Nea Selida“ bestätigt die völlige Abkehr der Bürger von dem alten politischen System, in dessen Jahren die Korruption und Verflechtung der Macht mit dem Unternehmertum genährt wurden und Phänomene à la Akis Tsochatzopoulos und Giannos Papantoniou blühten.

Fast sechs von zehn Teilnehmern (57,5%) antworten, für die Lage, in der Griechenland sich heute befindet, sei die Regierungsführung der Nea Dimokratia (ND) und PASOK verantwortlich, während 29,8% antworten, die Regierungsführung der SYRIZA sei dafür verantwortlich.

Korruption war in Griechenland keine Ausnahme, sondern die Regel

Die jüngst erfolgte Einweisung des ehemaligen Ministers Giannos Papantoniou der Regierungen unter Simitis in Untersuchungshaft brachte wieder die Werke und Tage der Periode 1996 – 2014 ins Rampenlicht, damals, als das „starke Griechenland“ der Modernisierung aufgebaut wurde, was für etliche der Protagonisten jener Periode mit gerichtlichen „Abenteuern“ und in den Gefängniszellen endete.

Sich an jene Epoche erinnernd antworten die Bürger heute, in den Jahren des Regimewechsels seien die Phänomene à la Akis und Giannos keine Ausnahme, sondern die Regel gewesen. Mehr als sieben von zehn (71,9%) sind dieser Ansicht und grade einmal 20,5% vertreten, es seien Ausnahmen gewesen, während 7,6% keine Stellung nehmen.

Auf die Frage, ob die Inhaftierung die „Änderungsbewegung“ (KINAL) oder das politische System insgesamt beeinflusse, antworten 65,3% „das gesamte politische System“ und 23,1% „die KINAL“. Mit der ersten Frage bezüglich der Situation in Griechenland in Relation gebracht ergibt sich die Schlussfolgerung, dass Griechenlands Bürger die die Regierungen nach dem Regimewechsel allesamt mit der Korruption verbunden haben.

Ein interessanter Befund der Erhebung betrifft das sogenannte „Abkommen von Prespes“ (zwischen Griechenland und der Ehemaligen Jugoslawischen Republik Makedonien / FYROM), da der größte Teil der Befragten nicht möchte, dass es einen Anlass für den Sturz der Regierung darstellt. Konkret wird in der Ergebung gefragt, „Soll die ND einen Misstrauensantrag stellen um den Sturz der Regierung anzustreben?„, wozu sich 45,3% mit „nein“ und 2,9% mit „eher nicht“ äußern, wogegen 41,3% mit „ja“ und 2,8% mit „eher ja“ antworten.

Direktwahl des Staatspräsidenten und Verhältniswahlrecht

In der Demoskopie der RASS bildet sich die Meinung der Bürger auch bezüglich der Verfassungsrevision ab, wobei der größte Teil (77% ja, 18,7% nein) der Befragten sich für die Wahl des Staatspräsidenten durch das Volk und die Einführung der Verhältniswahl (56,6% ja, 29,9% nein) bei den Parlamentswahlen ausspricht.

Hinsichtlich der Trennung von Staat und Kirche liegt das „ja“ mit einem geringen Abstand vor dem „nein“ (52,7% gegenüber 43%).

Auf die Frage, wer näher bei dem Bürger sei, sprechen sich 26,7% für Alexis Tsipras und 24,8% für Kyriakos Mitsotakis aus. Danach gefragt, wer ihrer Meinung nach mehr von Interessen abhängiger sei, benenn 28,6% Kyriakos Mitsotakis und 18,3% Alexis Tsipras.

(Quelle: neaselida.gr)

  1. GR-Block
    5. November 2018, 14:28 | #1

    … wer ihrer Meinung nach mehr von Interessen abhängiger sei, benenn 28,6% Kyriakos Mitsotakis und 18,3% Alexis Tsipras.
    … dass Griechenlands Bürger die Regierungen nach dem Regimewechsel (1974) allesamt mit der Korruption verbunden haben.

    Es ist ein weiter Weg … der Erkenntnis. Die sieben mageren Jahre der Militärdiktatur waren eine westliche Notbremse, um politische Entwicklungen in GR zu blockieren. Nach dem Regimewechsel wurde ein Erzkonservativer ohne Wahl zum Premierminister ernannt, der sofort einen allerdings vergeblichen Versuch startete, durch eine weitere Volksabstimmung den deutschen „König der Hellenen“ wieder zu installieren. Weil dies aber fehlschlug, boten sich die deutschen Parteien der „bürgerlichen Mitte“ an, sich um die politische Willensbildung der Griechen zu kümmern. Es entstanden die beiden Parteien ND und PASOK des deutschlandfreundlichen Konstantinos Karamanlis und amerikafreundlichen Andreas Papandreou, der übrigens über Kostas Simitis und dessen Bruder Spyros ausgezeichnete Beziehungen auch zu D unterhielt.
    Mit viel deutschem Geld wurden Karrieren aufgebaut, Wirtschaftsverflechtungen geknüpft. Gegen die Mehrheit des Volkes und der lokalen Unternehmer unterschrieb Karamanlis (ND) den Beitritt 1981 in die EWG und Papandreou (PASOK) fing nach seiner Wahl im gleichen Jahr den Sturm der Entrüstung auf. Zwei Legislaturperioden später musste dreimal gewählt werden, bis endlich Papa Mitsotakis (ND) mit einem Parlamentssitz Mehrheit die Regierung übernahm, um in Maastricht den Beitritt zum Binnenmarkt zu unterschreiben, bevor er zur Beruhigung des Volkes wieder an Papandreou (PASOK) übergab.

    Das war die Zeit als (nicht nur) in D die Korruptionsgesetze verschärft wurden. Schmidt und v.a. Kohl ließen alle juristischen Hemmungen fallen, sodass mit dem Binnenmarkt Schmiergeldzahlungen speziell ins Ausland im noch größeren Maße steuerlich abzugsfähig wurden, sodass die deutschen Untertanen die Auslandskorruption ihrer Feudalherren kofinanzieren mussten. Erst 1993 kam das im Bonner Parlament zur Sprache (siehe „Deutscher Bundestag, Antrag 12/4104„).
    Dazu wurden begleitend die Schwarzgeldreserven deutscher Konzerne auf ein – nach Prof. Friedrich Schneider, Universität Linz – noch nie dagewesenes Maß aufgestockt, indem die juristische Bekämpfung der Schattenwirtschaft systematisch eingeschränkt wurde, bis nach der EURO-Einführung (siehe „German Shadow Economy„).

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