Heimliche Strompreiserhöhungen in Griechenland

6. November 2018 / Aufrufe: 1
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Griechenland ist mit Erhöhungen des Endpreises der Kilowattstunde um bis zu 18 Prozent wieder einmal Champion der EU.

Wegen der von der Regierung bezüglich der Gewährung sogenannter Gemeinnütziger Dienste (YKO) beschlossenen Änderungen blähten die Stromrechnungen der Haushalte sich im ersten Halbjahr des Jahres im Verhältnis zum zweiten Halbjahr des Vorjahres um bis zu 18% auf.

Wie aus den neuen Angaben der Eurostat (die letzte Aktualisierung erfolgte am 23 Oktober 2018) hervorgeht, stieg in Griechenland der von den Haushalten einschließlich auch der Steuern und Belastungen gezahlte Endpreis der Kilowattstunde in der Verbrauchskategorie bis zu 1.000 Kilowattstunden um 18% und in den mittleren (1.000 bis 2.500 Kilowattstunden) und höheren (2.500 bis 5.000) Verbrauchskategorien um über 15% an.

Griechenland hat trotz enormer Erhöhungen relativ günstige Strompreise

Die in Griechenland – wie immer aus offiziellem Preiserhebungen der Eurostat hervorgehenden – erfolgten Erhöhungen sind im Vergleich zu den übrigen Ländern der EU die höchsten. Jedenfalls ist anzumerken wert, dass der Verbraucherendpreis der Kilowattstunde trotz der großen Preiserhöhungen einer der billigsten auf dem alten Kontinent bleibt. Konkreter rangiert Griechenland auf Platz 12. Lassen wir uns die Fakten jedoch die detailliert betrachten:

Tarifstufe 2.500 – 5.000 Kilowattstunden monatlich

Für die Kategorie der Verbräuche elektrischer Energie ab 2.500 bis 5.000 kWh monatlich stieg der Preis je Kilowattstunde um 15,1% an. Im ersten Halbjahr des Jahres 2018 betrug er 0,1866 €/kWh und im zweiten Halbjahr 2017 war er mit 0,1620 €/kWh verzeichnet worden. Wenn die Steuern sogenannten (staatlich) regulierten Belastungen abgezogen werden, ergibt sich jedoch, dass die Wettbewerbsstrompreise sich nur unmerklich änderten. In diesem Jahr waren es 0,1132 €/kWh, während im zweiten Halbjahr des Vorjahres 0,1090 €/kWh verzeichnet worden waren. Somit ergibt sich ungezwungen die Schlussfolgerung, dass der größte Teil der Erhöhung aus den indirekten Belastungen und Steuern herrührte.

In der selben Verbrauchskategorie werden direkt nach Griechenland die größten Erhöhungen in Spanien (9,4%), Holland (9%), Slowakei (8,5%), Kroatien (6%) und Tschechien (5,7%) festgestellt.

Tarifstufe 1.000 – 2.500 Kilowattstunden monatlich

Für die Kategorie der Verbräuche ab 1.000 bis 2.500 kWh im Monat betrug der Preis der Kilowattstunde, mit dem die Haushalte die Rechnungen bezahlten, im ersten Halbjahr des Jahres 0,1914 €/kWh. Im vorherigen Halbjahr des Jahres 2017 betrug er 0,1660 €/kWh. Die Erhöhung war 15,3%. Wenn die Steuern und regulierten Belastungen abgezogen werden, ergibt sich jedoch, dass der Wettbewerbs-Energiepreis, also der Stromnettopreis sank – wenn auch nur marginal. Dennoch gestaltete er sich von 0,12 €/kWh im zweiten Halbjahr 2017 auf 0,1175 €/kWh im ersten Halbjahr 2018.

Die Griechen haben auch hier die höchste Belastung. Es folgen Spanien mit einem Anstieg um 9%, die Slowakei mit 8,5%, Zypern mit 8,2% und Tschechien und Kroatien mit jeweils 6%.

Tarifstufe bis 1.000 Kilowattstunden monatlich

In der Tarifstufe des niedrigen Verbrauchs von bis zu 1.000 Kilowattstunden im Monat stieg der Endpreis der Kilowattstunde um 18%, da er von 0,2070 €/kWh auf 0,2450 €/kWh hochschnellte. In diesen Fällen enthüllt sich, dass nach Abzug der Steuern und regulierten Belastungen die Erhöhungen des Nettopreises wieder bei 18% lagen. Im ersten Halbjahr des Jahres betrug er 0,1707 €/kWh,  gegenüber 0,1440 €/kWh im zweiten Halbjahr 2017.

Bei diesen Belastungen verliert Griechenland … das Zepter des Landes mit den größten Erhöhungen. Primus war Zypern mit 23,4%, gefolgt von Lettland mit 19,4%, drittes war unser Land mit 18%, danach kommen Frankreich mit 15,7%, Estland mit 12,1% usw.

Abgaben machen in Griechenland bis zu 50% der Stromrechnung aus

Die Rechnungen der griechischen Familien werden zu 40% bis 50% mit Steuern und den sogenannten regulierten Belastungen belastet. Mit dem Umstand als gegeben, dass 2018 weder die regulierten (Netz-) Belastungen wie jene für Verteilung und Transport, aber auch Mehrwertsteuer und Sonderverbrauchssteuer nicht erhöht wurden, ergibt sich, dass dort, wo nicht die Versorgungsgesellschaften die Preise erhöhten, die Erhöhungen aus den YKO-Belastungen herrührten. Diese wurden von der griechischen Regierung beschlossen und betrafen die Änderung der YKO-Staffelungen, und zwar – wie sich zeigt – mit Auswirkungen auf die Mehrheit der Haushalte.

Derweilen und Informationen zufolge wird heute (06 November 2018) – sofern nichts dazwischen kommt – die Unternehmensleitung der Öffentlichen Elektrizitätsgesellschaft (DEI) dem Vorstand die Berechnung von je 1 Euro für die auf Papier gedruckten und per Briefpost verschickten Rechnungen zur Genehmigung vorschlagen. Konkreter und wie Quellen anführen, strebt die Gesellschaft an, die Verbraucher von der Papiernutzung abzubringen … und sie dem „elektronischen“ (sprich per E-Mail erfolgenden) Versand der Rechnungen zuzuwenden.

Im übrigen ist die Belastung von 1 Euro pro Rechnung in dem unternehmerischen und strategischen Plan des öffentlichen Unternehmens umfasst und hat die Modernisierung des Profils der DEI zum Zweck. Allerdings ist wahrscheinlich, dass von dieser Belastung auch nicht die Fälle der Haushalte ausgenommen werden, die nicht die Möglichkeit haben, die entsprechende Technologie zu nutzen um ihre Stromrechnungen in digitaler Form zu erhalten.

(Quelle: euro2day.gr)

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