Was Griechenland im Energie-Poker gewinnt

6. Oktober 2018 / Aufrufe: 504

Was Griechenland im Poker um die Energievorkommen des Mittelmeers zu gewinnen hat.

Die Unterzeichnung der Verträge über Abtretung von Rechten zu Erforschung und Ausbeute von Kohlenwasserstoffen der beiden Seegebiete „nordwestlich“ und „westlich“ von Kreta bringt die beiden Erdöl-Kolosse ExxonMobil und Total nun auch offiziell nach Griechenland.

Die monatelangen Verhandlungen der „Hellenic Hydrocarbon Resources Management“ (HHRM bzw. EDEY) mit den beiden Konzernen der USA und Frankreichs aus der Nähe verfolgende Faktoren sowie auch diplomatische Quellen beobachten die Außenpolitik der beiden mächtigen Länder mittels ihrer Firmen ExxonMobil und Total und natürlich die Aufwertung der Rolle Griechenlands in der Region des südöstlichen Mittelmeers.

Noch ist ungewiss, ob es bei Kreta nutzbare Vorkommen gibt

Vor der Präsentation des diplomatischen Spiels, das in der Region aufgestellt wird, streben zuständige Faktoren eine Antwort darauf zu geben an, ob südlich von Kreta letztendlich Kohlenwasserstoffvorkommen existieren, die geeignet sind, die beiden Kolosse anzuziehen. So notieren sie den Umstand, dass die geologische Struktur des Gebiets Ähnlichkeiten mit denen des ägyptischen Erdgasfelds Zohr, wo die ENI die größte Entdeckung machte, aber auch mit denen der zyprischen AWZ zeigt.

Es ist also kein Zufall, dass die ExxonMobil, die täglich 4,4 Millionen Barrels produziert und weltweit die Erdölgesellschaft „Nummer 1“ ist, und die Total, die mit 2,6 Mio. Barrels Rang vier einnimmt, auch in Griechenland in Stellung gehen. Vorausgegangen war Zypern, wo die beiden Gesellschaften an den Erforschungen der AWZ-Felder beteiligt sind, wobei die ExxonMobil sich gegen die türkischen Drohungen sogar auf die aufsehenerregende Tiefbohrung in „Parzelle 10“ vorbereitet.

Zusätzlich sind Funktionären der EDEY zufolge die griechischen die Gewässer unterhalb von Kreta die tiefsten und schwierigsten im Gebiet des Mittelmeers und die beiden Erdölgesellschaften sind entschlossen, das wirtschaftliche Risiko ihrer Erforschung zu übernehmen. Weiter ist sehr wahrscheinlich, dass die Erdölindustrie neue Technologien erproben wird. In drei Jahren ab der Ratifizierung der beiden Kreta-Verträge im Parlament werden ExxonMobil und Total – nachdem sie die seismischen Untersuchungen angestellt haben – wissen, was genau sich in den Tiefen des der griechischen Bodens verbirgt.

Das geopolitische Schachbrett

Die Multis wollen eine signifikante Rolle bei den neuen Quellen zur Versorgung der EU mit Erdgas spielen. Wie jüngst auch Griechenlands Umwelt- und Energieminister Giorgos Stathakis sagte, ist es sehr wahrscheinlich, dass sich zu den Erdölproduktionsländern Israel, Ägypten und Zypern auch Griechenland gesellen wird.

Auf der anderen Seite verbergen sich hinter der Präsenz der beiden Erdölkonzerne auch die diplomatischen Züge der USA und Frankreichs in der zerbrechlichen Region des südöstlichen Mittelmeers. So wird der Vorantrieb der großen EastMed-Pipeline ermutigt, die Erdgaskontingente aus Israel, Zypern und Griechenland nach Italien und im weiteren Verlauf in das übrige Europa befördern wird. Gegen Ende des Jahres wird sogar auch die Unterzeichnung einer Vereinbarung zwischen den Regierungen erwartet. Wie sich auch aus den Erklärungen des Botschafters Jeffrea Paiat zeigt, treiben die USA das konkrete Projekt gegen die russische Vorherrschaft hinsichtlich der Energieversorgung der EU voran.

Parallel befinden sich jedoch diplomatischen Quellen zufolge auch Züge der USA und Frankreichs zum Aufbau von Kooperationen mit Ländern wie Israel, Zypern und Ägypten in Sicherheitsthemen im Gang. Die dynamische Gegenwart Russlands mittels seiner militärischen Beteiligung am Krieg in Syrien, aber auch Putins Erklärungen bezüglich einer ständigen Präsenz der russischen im Mittelmeer haben Washington in Bewegung gesetzt. Es wertet seinerseits seine Position in Souda und anderen Militärbasen der weiteren Region auf, während Emmanuel Macron an einer dauerhafteren militärischen Präsenz auf Zypern interessiert sein soll. Gemäß zyprischen Presseberichten ist sogar nicht ausgeschlossen, dass der französische Präsident bald die Insel der Aphrodite besuchen wird.

Die diplomatischen und militärischen Züge in der Region stehen Analysten zufolge auch mit der Energiepolitik in Verbindung, und aus diesem Grund erklärt sich auch die starke Präsenz von ExxonMobil und Total. Das Vertrauen der USA und Frankreichs gewonnen habend können Griechenland und Zypern mit auch der sich alle Nase lang zu Lasten der beiden Länder äußernden türkischen Provokanz als gegeben nur gewinnen. Die Rolle Griechenlands wird strategisch aufgewertet und speziell auf dem Energie-Schachbrett wird es immer mehr zu einem Knotenpunkt. Über sein Territorium werden die neuen Transitwege zur EU für Erdgaskontingente verlaufen. Der Anfang ist mit der Trans-Adria-Pipeline (TAP) erfolgt.

(Quelle: euro2day.gr)

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