Ist Griechenland von den Märkten ausgeschlossen?

5. Oktober 2018 / Aufrufe: 312

Griechenland hat seit dem Ausgang aus dem dritten Memorandum keine Anleihe emittiert. Bedeutet das jedoch, dass es von den Finanzmärkten ausgeschlossen worden ist?

Der jüngst erfolgte Gang Zyperns an die Finanzmärkte mit der Emission einer 10-jährigen Anleihe entfachte erneut die Diskussion rund um das Thema des Marktgangs Griechenlands.

Wie so viele Themen ist auch dieses Gegenstand einer politischen Auseinandersetzung auf dem Weg zu den kommenden Wahlen geworden.

Kann Griechenland an die Finanzmärkte gehen oder nicht?

Es ist offensichtlich, dass die Partei der amtierenden Opposition (sprich die Nea Dimokratia / ND) es als Argument nutzt, um die „Erfolgsstory“ der Regierung über den Ausgang aus den Memoranden zu schwächen. Mit der griechischen politischen Denkweise als gegeben würde es nicht überraschen, wenn es Regierungs-Amtsträger gäbe, welche die Emission einer Anleihe wünschen / verlangen um die Argumentation der ND abzuweisen.

Wenn wir die politischen Fechtkämpfe beiseite lassen, werden wir feststellen, dass es zu diesem Thema zwei Ansichten gibt. Gemäß der ersten Ansicht beweist die Enthaltung Griechenlands von einer neuen Emission, dass das Land den Zugang zu den Märkten verloren hat. Ein normales Land würde zu normalen Emissionen schreiten, um die Kurve der Renditen zu „fixen“ und das Signal zu geben, ohne weiteres Kapital schöpfen zu können.

Gemäß der zweiten Ansicht kann Griechenland an die Märkte gehen und eine in 5 bis 10 Jahren auslaufende Anleihe über Beträge der Größenordnung von 1,5 – 2 Mrd. Euro und zu Zinssätzen emittieren, die nahe bei den heutigen Marktniveaus liegen. Es wird eingeschätzt, dass unter den heutigen Gegebenheiten die 10-jährige Anleihe eine Rendite der Größenordnung von 4,25% – 4,50% und die 5-jährige Anleihe von höchstens 3,5% haben sollte. Die Anhänger dieser Ansicht vertreten jedoch, dass Griechenland ab dem Moment, wo es das Geld nicht braucht und sich später bessere Konditionen ergeben könnten, dies nicht jetzt tun muss um einzig und allein zu beweisen, dass es an die Märkte zu gehen vermag.

Offensichtlich setzen die Anhänger der zweiten Ansicht auf gute Nachrichten von den internationalen Rating-Agenturen – wie z. B. Moody’s und der kanadischen DBRS – in den kommenden Wochen. Wahrscheinlich auf die Hochstufung der Kreditwürdigkeit Griechenlands in die Kategorie „BB“ von einer weiteren Agentur nach der Fitch Ratings im Sommer 2018.

Griechenlands Liquiditätsreserve beträgt über 30 Mrd. Euro

Was das Liquiditäts-Polster betrifft, übersteigt dieses unter Berücksichtigung aller jeweiligen Teile mittlerweile 30 Mrd. Euro. Davon befinden sich ungefähr 16 Mrd. Euro auf dem Rücklagenkonto (buffer account) geparkt, ungefähr 5 Mrd. Euro auf dem Sonderkonto für die Tilgung der Verschuldung und etwa ungefähr 12 Mrd. Euro des Fiskus auf Konten bei den Handelsbanken und der Griechischen Bank.

All das stimmt. Die Frage bleibt jedoch bestehen. Ist Griechenland von den Märkten ausgeschlossen oder nicht? Die „Autopsie“ würde sicherlich zeigen, welche der beiden Ansichten richtig ist. Unsere Ansicht war und ist, dass Griechenland ein regulärer Emittent werden muss, selbst wenn es das Geld wegen des großen Liquiditäts-Polsters nicht braucht. Außerdem wurde letzteres nicht geschaffen um aufgebraucht zu werden, sondern den Gang des Landes an die Märkte zu besseren Konditionen zu erleichtern und in einer Periode eines außerordentlichen Notfalls genutzt zu werden.

Das bedeutet zwar nicht, dass Griechenland in dem nächsten Zeitraum auf Biegen und Brechen eine Anleihe emittieren muss, wenn die Autoritäten begründet einschätzen, es werde gute Nachrichten von diversen Rating-Agenturen, der Ausführung des Haushaltplans usw. geben, die von de Märkten nicht schon vorweggenommen worden sind. Jedoch muss das Land dies zu einem Zeitpunkt bis Ende Oktober – November 2018 tun und zusätzlich sein Anleihen-Emissionsprogramm für das Jahr 2019 bekanntgeben. Und Vorher hat Athen zum Rückkauf des mit dem den höchsten Zinssatz behafteten Teils des IWF-Kredits zu schreiten, wie es indirekt auch die Eurogruppe genehmigt hat.

(Quelle: euro2day.gr)

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