Griechenland wurde zu einer modernen Kolonie

10. August 2018 / Aufrufe: 332
Einen Kommentar schreiben Kommentare

In Griechenland mag sich die Agenda geändert haben, das Klima bleibt jedoch das selbe!

Griechenland ist ein „anderes“ Land: armseliger, verwundbarer und mit allen Charakteristika einer modernen (Schulden-) Kolonie behaftet.

Trotz der nach den jüngsten mörderischen Bränden erfolgten Änderung der (politischen) Agenda beginnt demnächst formal die post-memorandische Periode.

Griechenland wird lange an den Wunden der Memoranden leiden

Die Epoche, in der wir uns derzeit befinden, ist tatsächlich „anders“. Allein die Titelseiten der Zeitungen anschauend wird man feststellen, dass die Thematik kaum noch etwas mit all dem zu tun hat, was sie vor 2 – 3 Jahren schrieben.

Merkel, Eurogruppe, ELA, die ausländischen Ratingagenturen und alles, was uns hier in Griechenland acht Jahre lang beschäftigte, wurden wieder zu Ein- oder Zweispaltern. Die neuen Begriffe und Wörter, die wir gelernt hatten (swap, haircut, capital controls), begannen in Vergessenheit zu gelangen, und die zwangsweise … „Spezialisierung“ des griechischen Volks in Themen, die eigentlich nur Technokraten beschäftigen sollten, fand – wie es in jedem normalen Land zu geschehen hat – endlich ein Ende.

Die Agenda änderte sich also. Das Klima blieb jedoch das selbe. Und es wird für sehr lange Zeit so bleiben, da die Wunden aus den Memoranden tief und ihre Folgen unvermeidbar sind. Von welcher post-memorandischen Periode spricht also die SYRIZA, wenn die Gesellschaft weiterhin ächzt und kein Licht am Ende des Tunnels sieht?

Die Arbeitslosigkeit bleibt auf Höchstständen, die Steuern und Abgaben lassen Arbeitnehmer und Gewerbetreibende nicht zu Atem kommen, der Bürokratie geht es – kleine und große Investitionen verhindernd – blendend, viele staatliche Strukturen präsentieren ein Bild des Verfalls, die Renten werden noch mehr gekürzt werden.

Griechenland wird noch jahrzehntelang „gefesselt“ bleiben

Alle, die Griechenland in den Jahren der Krise auf der Suche nach einer besseren Zukunft im Ausland verließen, hatten konkrete Gründe, aus denen sie dies taten. Ist heute auch nur ein einziger davon weggefallen, damit sie zurückkehren? Nein … .

Die Situation ist unverändert die selbe. Und hauptsächlich deutet nichts darauf hin, dass sie sich in unmittelbarer Zukunft ändern kann. Wer an Händen und Füßen mit Krediten gefesselt ist, hat nicht viele Spielräume für Manöver. Griechenland wird sich noch jahrzehntelang in dieser Situation befinden. In diesem Sinn, Gute Nacht!

Lassen wir uns also keine Märchen verkaufen. Der Aufschwung wird nicht von dem einen auf den anderen Tag kommen. Er erfordert Zeit, aber hauptsächlich auch weiteres Blut. Die leidende Gesellschaft weiß das und lässt sich – gleich wie viel die Parteien diesmal versprechen – nicht mehr übertölpeln.

Die Griechen „gehören“ Banken, Finanzamt und ausländischen Fonds

Die post-memorandische Epoche bringt jedoch auch noch mehr mit sich. Nämlich all das, was geschah und wir nicht mehr zu ändern vermögen:

  • Erstens und hauptsächlich die Abtretung unseres nationalen Vermögens für 99 Jahre! Das sollen wir nicht vergessen.
  • Die Einebnung / Eliminierung des Mittelstands.
  • Den Ausverkauf gewinnbringender staatlicher Unternehmen.
  • Die Immunität der von den Gläubigern eingesetzten Handlanger.
  • Die Verjährung der wirtschaftlichen Verbrechen der Vergangenheit, für die niemand bezahlte / büßte.
  • Die Abtretung der griechischen Banken an die ausländischen Fonds.

Quae scripta manet. Und es wird uns auf immer verfolgen. Von da an wird also die post-memorandische Periode beginnen. Von dem, was wir (ab-) gaben. Das ist der Ausgangspunkt, deswegen bleibt der Weg weiterhin dunkel und düster.

Griechenland ist ein „anderes“ Land. Armseliger, verwundbarer und mit allen Charakteristika einer modernen Kolonie. Höchstwahrscheinlich wird es für viele Jahre eine solche bleiben. Griechenland wird den Griechen gehören, die Griechen werden jedoch den Banken, dem Finanzamt und den ausländischen Fonds gehören. Das ist der große Unterschied.

(Quelle: dimokratianews.gr, Autor: Dimitris Rizoulis)

  1. Anton
    10. August 2018, 15:37 | #1

    Na, eine Lösung gibt es durchaus. Sich als Staat für zahlungsunfähig zu erklären, etwas, was für einzelne Wirtschaftsunternehmen normal ist. Der Unterschied von Privatinsolvenz und Staatsinsolvenz besteht nur darin, dass im zweiten Fall alle Staatsbürger haften, obwohl sie nur wenig für die Verschuldung können. Ansonsten ähneln sich die Maßnahmen: Verkauf der noch vorhandenen Werte (Privatisierung), Kürzung des Schuldners auf ein existenzielles Minimum usw. Naheliegend ist solche Bankrotterklärung, wenn das Ergebnis der Befriedigung von Gläubigerforderungen sich nicht mehr davon unterscheidet, als wenn man gleich auf das Nötigste verzichtet und jede Forderungsbegleichung abgelehnt hätte. Hinzukommt im „Fall“ Griechenland ja noch, dass der „Insolvenzverwalter“ nicht nur die Schulden verwaltet, sondern diese sogar erhöht hat. Und hier liegt ein großer Vorteil der Staatsinsolvenz: Was sich da die Gläubiger beim Schuldner gesichert haben (z.B. die Flughäfen), können sie nicht einfach woandershin mitnehmen. Und wenn nun schon alle BürgerInnen die Folgen der Verschuldung tragen sollen, warum sollten sie dann nicht mitreden und mitentscheiden dürfen?

  1. Bisher keine Trackbacks

Hinweis: Kommentare werden erst nach Freischaltung durch einen Administrator sichtbar.
Bitte beachten Sie die Hinweise und Regeln bezüglich der Abgabe von Leserkommentaren.