Griechenland stehen 40 Jahre Austerität bevor

6. August 2018 / Aufrufe: 1.060
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In den letzten 10 Jahren schrumpften nur in 4 Ländern die Wirtschaften mehr als in Griechenland, wobei 2 der besagten Ländern von Bürgerkriegen heimgesucht wurden.

Die amerikanische Zeitung „Washington Post“ (WP) berichtet, auf Basis der letzten Vereinbarung über den Ausgang aus dem „Programm“ werde angenommen, dass Griechenland bis 2060 jährliche Primärüberschüsse in Höhe von (durchschnittlich) wenigstens 2,2% des BIP zu haben hat.

Und ja, das bedeutet weitere vier Jahrzehnte der Austerität. Womit es nicht merkwürdig ist, dass die griechische Wirtschaft bis 2030 nicht (wenigstens) auf die Niveaus des Jahres 2008 zurückkehren können werden wird.

Griechenlands Wirtschaft schrumpfte mehr als nach einem Krieg!

Nach acht Jahren der Rettungsprogramme, Schwierigkeiten und weiteren Hilfssprogrammen schickt die griechische Wirtschaft sich an, wieder auf ihre Füße zu kommen. Oder zumindest das, was von ihr übrig geblieben ist.

Dies führt in einem Artikel die Washington Post an, die Griechenland als einen der größten wirtschaftlichen Fehlschläge charakterisiert und die Situation mit jener vergleicht, der man nach einem Krieg oder einer Revolution begegnen würde. Laut der amerikanischen Zeitung hatten in dem letzten Jahrzehnt nur vier Länder ein geringeres Wachstum als Griechenland: Libyen, Jemen, Venezuela und Äquatorialguinea, während – wie die WP anführt – der IWF über keine Angaben zu Syrien verfügt, das höchstwahrscheinlich ebenfalls der Liste angehörte.

Die beiden ersten Länder wurden im größten Teil des Jahrzehnts von einem Bürgerkrieg verwüstet, während Venezuela und Äquatorialguinea zwei in der Korruption versunkene „Petro-Diktaturen“ sind. Selbst die Ukraine, deren Wirtschaft 2009 sehr hart geschlagen wurde und die 2014 in einen Stellvertreterkrieg mit Russland verwickelt wurde, schlug sich besser als Griechenland. Konkreter schrumpfte in der besagten zeitlichen Periode die ukrainische Wirtschaft um 17,8%, die griechische dagegen um 23,6%.

Griechenland soll jahrzehntelang absurde „Überschüsse“ liefern

Die Washington Post berichtet, auf Basis der letzten Vereinbarung über den Ausgang aus dem sogenannten Programm (sprich den „Memoranden“) werde angenommen, dass Griechenland bis 2060 einen Primärüberschuss in Höhe von wenigstens 2,2% des BIP zu haben hat.

Und ja, das bedeutet weitere vier Jahrzehnte der Austerität. Womit es nicht merkwürdig ist, dass die griechische Wirtschaft bis 2030 nicht auf die Niveaus des Jahres 2008 zurückkehren können werden wird. Das ist, was Europa als Erfolg bezeichnet: eine Wirtschaft, die dermaßen geschrumpft ist, als ob sie einen Krieg durchgemacht zu haben scheint„, lautet es in dem Epilog des Artikels.

(Quellen: dikaiologitika.gr, washingtonpost.com)

  1. Anton
    6. August 2018, 12:58 | #1

    Nur anders als Libyen, Jemen, Venezuela und Äquatorialguinea ist die Situation in Griechenland Resultat einer neoliberalen Wirtschaftspolitik. Die aktuelle Situation in Griechenland ist also ein Beweis dafür: Austeritätspolitik ist identisch mit der Zerstörung einer Nation, nur ohne Militär und Bürgerkrieg. Vier weitere Jahrzehnte der Austerität sind somit also nur vier weitere Jahrzehnte Zerstörung.

  2. Kleoni
    6. August 2018, 15:41 | #2

    Da es z.B. für deutsches Geld in Deutschland nirgends mehr Zinsen gibt, (miss)brauchen die finanzstarken Euroländer arme Länder wie Griechenland, um dort ihre Gelder unter dem Deckmantel eines Rettungsschirm ihre Gelder zinsbringend anzulegen. Immerhin mussten in den vergangenen Jahren 1,9 Milliarden an Zinsen von einem Grossteil der griechischen Bevölkerung aufgebracht werden auf Kosten einer nicht mehr existierenden medizinischen Grundversorgung, hoher Arbeitslosigkeit und damit verbunden Verarmung sowie oft auch noch Verlust des Wohnraums. Zusätzliche Ausbeutung erfolgt, indem gut – auf Kosten der Eltern – ausgebildete junge Menschen in der Heimat keine Arbeit finden und daher willkommene Resourcen sind, den Fachkräftemangel z.B. in Deutschland zu beheben. Nach dem 2. Weltkrieg wurden Deutschland die Schulden- und Reparationszahlungen erlassen und Gelder für den Wiederaufbau flossen. Nach der wirtschaftlichen Zerstörung Griechenlands ist bis jetzt – ausser heisser Luft und leeren Versprechungen – nichts aber auch gar nichts getan worden, um Griechenland den Weg in die wirtschaftliche Unabhängigkeit zu erleichtern. Aber wie o.a. einen Goldesel gibt man nicht aus der Hand.

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