Wird auch Griechenland einen Salvini finden?

3. Juli 2018 / Aufrufe: 561
Einen Kommentar schreiben Kommentare

Griechenland braucht eiligst einen Salvini, der meint, was er sagt.

Der Unterschied zwischen Griechenland und Italien beruht nicht nur auf der Größe, sondern auch auf dem „Mehr“ an Ernst, über den die politische Bühne des Nachbarlands im Verhältnis zum griechischen Polit-Zirkus verfügt.

Es war kein Thema der Mühe, sondern der Art und Weise. Und wie die Deutschen bei der Fußballweltmeisterschaft das Match an die scheinbar schwachen Südkoreaner verloren, so verloren sie auch bei der Gipfelkonferenz über das Flüchtlingsthema das Match an einen ebenfalls scheinbar schwachen, liebenswürdigen und zierlichen italienischen Justizprofessor, der kurz vor dem Schlusspfiff aus den Umkleideräumen das Veto einlegte.

Italien wird seine Lektion entsprechend vergolten bekommen

Die Deutschen haben nicht zu verlieren gelernt, weder die heutigen noch die früheren. Speziell nicht gegen Schwache, die sie verachten und schmähen. Wenn Sie meine persönliche Meinung wollen, wird deswegen die harte Lektion, die neulich die „wenige Tage alte“ italienische Regierung der schießpulvergeschwärzten Kanzlerin Merkel erteilte, bald in entsprechender Münze vergolten werden.

Es ist eine sehr schwierige Schlacht, welche die neuen italienischen Führer bzw. – um uns nicht hinter Phrasen zu verstecken – dieser Eine auszutragen beschlossen: Matteo Salvini, die Dampfwalze der antisystemischen italienischen Rechten, der innerhalb weniger Wochen die … Traumschiffe mit den professionellen Schleppern der deutschen NRO in fremde Häfen wegschickte, der Macron zwang, sich bei Italien zu entschuldigen, der einen wahrscheinlichen Zerfall der (deutschen) EU innerhalb des kommenden Jahres prophezeite und schließlich den Professor Conte belesen schickte um die Gipfelkonferenz aufzumischen.

Matteo Salvini, der seine Popularität sich in Rekordzeit verdoppeln sah, spielt hartes italienisches Catenaccio. Hauptsächlich zeigt er jedoch im Gegensatz zu unseren (griechischen) Clowns, dass er meint, was er sagt. Deswegen gab Berlin für den Moment nach. Es war aus der Fassung geraten. Italien bietet sich nicht wie das Griechenland des Alexis Tsipras, des Kyriakos Mitsotakis und der Fofi Gennimata für leichte Nackenschläge an.

Italien könnte auch zu einem wahren „Kougi“ schreiten

Deutschland war also aus der Fassung geraten, Salvini bekam Wind in seine Segel, jedoch ist sicher, dass die „Panzer“ einen Gegenangriff führen werden. Und leider ist der Boden für die Kräfte der kämpferischen italienischen Rechten vermint. Die Deutschen haben die europäischen Institutionen auf eine solche Weise ausgehöhlt, dass es unmöglich ist, sich ihnen mittels Gipfelratsverfahren und labyrinthischer bürokratischer Organe wie der Kommission zu widersetzen. Es ist, als ob man auf ihrem Spielfeld und mit einem Schiri ohne Pfeife spielt. Womit wahrscheinlich das geschehen wird, was Gary Lineker sagte …

Jedoch trägt Italien den Kampf zumindest mit Würde aus. Und mit nationalem Selbstvertrauen. Und zum Schluss könnte es auch ein … Kougi in Szene setzen. Ein wahres Kougi, nicht wie das von Tsipras und Kammenos, die Stratego mit … General Quatschkopf spielten. (Anmerkung: Nachdem die Soulioten nach monatelanger Belagerung zur Kapitulation gezwungen worden waren, sprengten im Dezember 1803 die letzten in der in Kougi belegenen Kirche „Agia Paraskevi“ zurückgebliebenen Griechen die dortige Pulverkammer und somit sich selbst, aber auch viele Männer des Ali Pascha in die Luft.)

Dieser Unterschied Griechenlands zu Italien beruht nicht nur auf der Größe, wie Sie sich leicht denken können werden. Er beruht auch auf dem „Mehr“ an Ernst, über den die politische Bühne des Nachbarlands im Verhältnis zu dem griechischen Parlaments-Zirkus verfügt. Wie ebenfalls auf der Absenz einer Kaste mit … Eurohörigkeit geschlagener Auslandslakaien, von denen es in Griechenland leider viel zu viele gibt.

Conte ist weder Varoufakis noch ein „Zwergprofessor“

Diese rechten Populisten, Nationalisten, Glücksritter (und ich weiß nicht, was der … nüchterne Kyriakos Mitsotakis ihnen sonst noch anlastet) Italiens wählten mittels außerordentlich reifer Verfahren einen Professor, auf dass er sie vertritt. Sie überwanden mit Bravour den Beinahe-Putsch des germanophilen Präsidenten Mattarella und machten buchstäblich aus dem Nichts Guiseppe Conte zum Premierminister. Nur dass Conte trotz der ihm fehlenden Körpergröße nicht Varoufakis ist. Und auch kein „Zwergprofessor“, wie diverse – lassen wir uns keine Namen nennen – unsrige, die kunstvoll Griechenlands „europäische Einbahnstraße“ ausarbeiteten und sich heute als die Wischlappen der Gläubiger aufspielen.

Und deswegen bekam Italien bei der neulich stattgefundenen Konferenz auch das, was es forderte: Keinerlei Verpflichtung , Flüchtlinge aufzunehmen, keinerlei „Rückführung“ auf seinen Boden auf Quotenbasis als „Erstaufnahmeland“, organisierte Aufnahmezentren für eine Umsiedlung, Schaffung von Hot Spots … in bereitwilligen Drittländern, Mittel für die Staaten Nordafrikas zwecks Hemmung der Migrantenströme. In der Praxis erzielte es also mithilfe auch der Visegrad-Länder die de facto Revision des „Dubliner Übereinkommens„.

Was Griechenland betrifft, lassen wir es besser. Aus den transnationelen Klischees über Solidarität und Humanität heraus verpflichtete Alexis Tsipras sich, der Tante Merkel einen weiteren Gefallen zu erweisen und uns in die Gruppe der „Bereitwilligen“ einzubringen. Also zu jenen Ländern, die auf freiwilliger Basis noch einige Immigranten aufnehmen können. Sprich alle, die in Deutschland überflüssig sind …

Die Moral: Wir brauchen eiligst einen griechischen Salvini, auf dass er uns erlöst …

(Quelle: dimokratianews.gr)

  1. Diskowolos
    4. Juli 2018, 01:06 | #1

    Bravo, sehr gut und treffend geschrieben!
    Vor einigen Jahren schon las ich, dass Tsipras derjenige sozialistische Staatsschef ist, der in der Geschichte am schnellsten vor dem System umgefallen ist, welches er sonst von morgens bis abends kritisierte. Der Mann hat noch nicht einmal symbolische Widerstand gegen die finanzielle Fremdherrschaft der Eurokraten geleistet und lies sich vorher noch von Soros umdehen.
    Was man den Griechen auch vorwerfen muß, ist immer noch ihre fatale Gläubigkeit an Euro und EU. Würden sie nüchtern Bilanz ziehen, kämen sie ganz schnell darauf, das Euro-System zu verlassen. Dies wäre ein erster großer emanzipatorischer Schritt.
    Danach können sie zusammen mit Italien und den Visegrad-Staaten die Migranten-Invasion stoppen. Wozu hat dieses Land eine derartig große Marine, wenn es nicht in der Lage ist, seine Grenzen und seine Bevölkerung vor der Migrationswaffe zu beschützen?
    Griechenland kann von Italien lernen, wie man selbstbewußt auftritt, denn zur Erpressung gehören immer zwei. Im Grunde hat Hellas alle Karten in der Hand, weil nichts mehr zu verlieren. Das Land wird sonst in den nächsten 50 Jahren Protektorat der EU bleiben.

  1. Bisher keine Trackbacks

Hinweis: Kommentare werden erst nach Freischaltung durch einen Administrator sichtbar.
Bitte beachten Sie die Hinweise und Regeln bezüglich der Abgabe von Leserkommentaren.