Türkei erpresst Griechenland mit Geiseln

7. Juli 2018 / Aufrufe: 4
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Die Türkei koppelt das Thema der 2 als Geiseln inhaftierten griechischen Militärs offiziell an die Auslieferung der 2016 nach Griechenland 8 geflohenen türkischen Offiziere.

Mit einem einer Bombe gleichkommenden Schreiben an den Präsidenten des Europäischen Parlaments, Antonio Tagiani, überschreitet Ankara jede Grenze der Provokation und bringt – zum ersten Mal (auch) offiziell – die Auslieferung der 2016 nach Griechenland geflohenen 8 türkischen Offiziere direkt mit dem Thema der beiden griechischen Militärs in Verbindung, die seit mittlerweile über 4 Monaten ohne Anklage in dem Hochsicherheitsgefängnis von Edirne in Geiselhaft gehalten werden. (Wird der verrückte Sultan Griechenlands Offiziere freilassen?)

Gebt uns die 8, damit die 2 einen gerechten Prozess haben„, ist praktisch das Resümee des auf den 31 Mai 2018 datierten türkischen Schreibens, das am 06 Juli 2018 die griechische Tageszeitung „Ta Nea“ enthüllte.

Türkei gesteht Geiselnahme unverblümt ein

Das Schreiben Ankaras mit Absender den Leiter der (parlamentarischen) Delegation der Türkei in der NATO, Ahmet Berat Conkar, kommt als Antwort auf die Resolution des Europäischen Parlaments zugunsten der Freilassung der beiden griechischen Militärs.

Laut der Reportage der Zeitung „Ta Nea“ verlangt die Türkei von Griechenland, zunächst die „8“ auszuliefern, und werde dann – wie charakteristisch angeführt wird – nicht zur Freilassung der Griechen schreiten, versichert jedoch, „sie werden einen gerechten Prozess haben„, und beweist damit ein weiteres Mal, auf ihrer unnachgiebigen Haltung zu beharren. (Anmerkung: Im Umkehrschluss impliziert sich, dass die beiden Griechen bisher keinen „gerechten“ Prozess hatten und auch nicht haben werden, solange Griechenland nicht die 8 Türken ausliefert.)

Was den (übrigen) Inhalt des Schreibens betrifft, beschuldigt der türkische Amtsträger die europäischen Institutionen direkt, sich in den Fällen der beiden Griechen und der acht Türken, die es sogar als „Mörder“ und „Verbrecher“ tituliert, mit zweierlei Maß zu verhalten, und prangert nicht zuletzt den Umstand an, dass das Europäische Parlament eine Resolution zugunsten der Rückkehr / Freilassung der Griechen, jedoch nicht zugunsten der Auslieferung der Türken ausgab.

Weiter wirft es der griechischen Justiz Heuchelei vor, weil sie die türkischen „Verbrecher“ nicht herausgibt und sie ungestraft lässt. „Die türkischen Autoritäten und die türkische Gesellschaft erwarten die umgehende Auslieferung der acht Mörder und wir versichern Ihnen, dass die beiden inhaftierten griechischen Militärs einen gerechten Prozess in der Türkei haben werden„, wird bezeichnend im letzten Absatz des Schreibens angeführt.

Zum Schluss richtet es „Empfehlungen“ auch an das Europäische Parlament und merkt an, es werde erwartet, „dass es den Fall der acht Türken unparteiisch und ohne jedwede Stützung an einen Mitgliedstaat der EU tangiert„.

Wie die Türkei sich zwei griechische Geiseln besorgte

Ergänzend sei angemerkt, dass die beiden griechischen Militärs Ende Februar 2018 bei einer Grenzpatrouille in einem unwegsamen Gelände und bei witterungsbedingt extrem eingeschränkter Sichtweite den im Schnee abgezeichnerter Fußspuren möglicherweise illegaler Immigranten folgend versehentlich wenige Meter auf türkisches Staatsgebiet gelangten und dort festgenommen wurden, wobei dahingestellt bleiben mag, ob sie möglicherweise absichtlich irregeführt und in einen Hinterhalt gelockt wurden.

Derartige Vorfälle, nämlich dass Patrouillen beider Seiten geringfügig die Grenzlinie überschritten, gehörten jedenfalls eher zum Tagesgeschehen und wurden bis dahin immer innerhalb einiger Stunden formlos über den „kleinen Dienstweg“ beigelegt. Im konkreten Fall wurden die beiden griechischen Soldaten jedoch verhaftet und entgegen dem üblichen Prozedere direkt an die türkische Militärjustiz überstellt und prompt in Untersuchungshaft genommen. Seit dem 01 März 2018 sind sie in dem Hochsicherheitsgefängnis von Edirne inhaftiert, ohne dass bis heute abgesehen von dem Vorwurf der illegalen Grenzüberschreitung irgendeine konkrete Anklage gegen sie erhoben wurde.

(Quelle: iefimerida.gr)

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