Die wirklichen Hinergründe des Bankrotts Griechenlands

10. Juli 2018 / Aufrufe: 1.763
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Das gigantische Anwachsen des öffentlichen Sektors, aber auch das Konsummodell und die Lebensweise seiner Bürger führten Griechenland in den Verfall.

Mit dem Verstreichen der Jahre fragen Griechenlands Bürger sich zunehmend, wie wir beim Bankrott und den Memoranden ankamen, während die Massenmedien und ein Teil der politischen Welt von Zeit zu Zeit ein Thema einer Erforschung und Suche nach Verantwortungen und Verantwortlichen aufgreifen, auch wenn sie sich streiten, ob die Erforschung ab 2010 oder ab 2009 oder noch weiter zurück beginnen soll – mit dem Ergebnis, dass keinerlei essentielle Untersuchung bezüglich dieses Themas erfolgt ist.

Leider sehen wir in Griechenland üblicherweise den Baum, verlieren jedoch das Bild des Waldes, und so sehen alle die Symptome der Krankheit, suchen jedoch nicht nach dem Grund, weil – wenn sie nach den Gründen für den Verfall des Landes suchen würden – die Nachforschung tief in die Vergangenheit zurückzuführen hätte.

Wie Griechenland in Bankrott und Memoranden getrieben wurde

Eine Untersuchung, warum Griechenland in den Bankrott und die Memoranden geführt wurde, hätte Sinn, jedoch denke ich nicht, dass das Parlament sie mit seriösen Motiven durchführen könnte, weil diese Untersuchung sicher die ungeheure diachronische Verantwortung der politischen Welt beweisen würde. Das Richtige wäre, dass eine solche Untersuchung ab den ersten Jahren des Regimewechsels beginnt und mit wissenschaftlichen Kriterien nicht nur tiefgehend das Thema der Verschuldung, sondern auch der eventuellen Konjunkturpläne in Abhängigkeit von der Funktionsweise unseres politischen Systems analysiert wird.

Es ist sicher, dass eine derartige Untersuchung beweisen wird, dass die falschen Züge ab den ersten Jahren des Regimewechsels mit diversen Verstaatlichungen (z. B. der Emporiki- / Handelsbank) beginnen und nach 1981 mit dem gigantischen Anwachsen des öffentlichen Sektors mit exzessiven Einstellungen im öffentlichen Dienst, mit einer Einführung von Zulagen des Typs „pünktliches Erscheinen am Arbeitsplatz„, mit einer angeblichen „Umstrukturierung“ bankrotter Unternehmen und Aufnahme von Krediten, die anstatt produktiver Projekte einen unbändigen Konsumismus stützten, der sich wiederum wegen Nichtexistenz einer griechischen Produktion auf zahlreiche Importe von Gütern für eine luxuriöse Lebensweise stützte.

Der Regimewechsel stellte objektiv ungekannte Freiheiten für den griechischen Bürger sicher, kultivierte aber auch ein für das Land katastrophales Lebensführungsmodell, wobei die Parteien einen großen öffentlichen Sektor verlangten um mittels des Besitzes der Macht einen Masseneinfluss zu bekommen, mit Anstellung der beruflosen Sprösslinge der „Nomenklatur“ in der Verwaltung öffentlicher Träger, aber auch einfacher Bürger – Anhänger als Beamte im öffentlichen Dienst, was dessen gigantisches Anwachsen, eine vetternwirtschaftliche Personalbesetzung, aber auch Ineffizienz zur Folge hatte.

Das Schlimmste ist, dass wir parallel zu all dem im Rahmen einer Anziehung von Wahlkundschaft an dem Punkt angelangten, dass auf dem weiteren öffentlichen Sektor Personen im Alter und 45 und 50 Jahren pensioniert werden (und zwar mit hohen Bezügen). In jener Epoche „verfußballten“ unsere politischen Parteien das politische Leben, indem sie das Modell des „Fan-Bürgers“ kultivierten, der schuldet, nicht über die Rechtswidrigkeiten seiner Partei zu sprechen, und seine Hingabe mit irgend einer Beteiligung an dem Besitz der Macht, also einer „Gefälligkeit“ vergütet bekommt.

Diverse Ehrbare, mit Mut, die zu Anklagen zu schreiten wagten, wurden von dem System als „nicht Angepasste marginalisiert“, wie V. Filias in seinem Buch „Das Unvergessliche und das Vergessene“ (Verl. Papazisi, S. 405), „nie in der Vergangenheit (unter Ausnahme vielleicht der Periode unter Voulgaris, dem ausgewählten Umhang), im vergangenen Jahrhundert, war das Leben in diesem Land an diesem Punkt eines Verfalls angelangt. Eines Verfalls und Zusammenbruchs aller diachronischen Werte, die einer Gesellschaft die Grundlage geben um konstituiert zu funktionieren und nicht zu zerfallen.

Verschuldung wird Griechenland noch jahrzehntelang tyrannisieren

Der Schreiber ist kein Ökonom, sah jedoch mit dem allgemeinen Menschenverstand die nahende Katastrophe mit der Überschuldung des Landes und seiner Bürger. Als Präsident der Rechtsanwaltskammer Thessaloniki war von mir eine Resolution vorgeschlagen und von uns am 16/11/2006 ausgeben worden, mit der wir die Überschuldung der griechischen Bürger unter Verantwortung auch des Banksystems monierten, das in jener Periode mit einem Trommelfeuer irreführender Werbungen aus den Medien die Bürger verführte und dazu trieb, „Feiertagskredite“ und Urlaubskredite“ aufzunehmen, und zu dem gigantischen Anwachsen eines katastrophalen Konsumismus beitrug (damit die Resolution bewahrt bleibt, wird sie vollständig im Anhang meines Buchs mit Titel „Mit dem Blick in die Zukunft“ republiziert, Verl IANOS 2014), und unsere Beunruhigung zum Ausdruck bringend verlangten wir von der Regierung, aber auch der Staatsanwaltschaft eine Untersuchung und die Ergreifung von Maßnahmen … . Im Taumel des unbändigen Konsumismus wurde uns jedoch einfach als „Störenfrieden“ begegnet …

Ich wiederhole all dies angesichts des Umstands, dass sich in diesem Monat 44 Jahre seit dem Regimewechsel des Jahres 1974 jähren, der die Demokratie brachte und festigte, dabei Freiheiten für die Bürger sicherstellend, jedoch wurde mit Verantwortung jener, die Macht ausübten, leider auch ein Modell einer Lebensweise kultiviert und durchgesetzt, die für das Land katastrophal war, weil es dieses in den Bankrott und einen Verfall führte und die Zukunft auch der noch gar nicht geborenen Griechen angesichts der Tatsache verpfändete, dass die Verschuldung Griechenland noch viele Jahrzehnte lang tyrannisieren wird, während die Mehrheit der politischen Welt leider immer noch Sklave dieser Mentalität ist und offensichtlich die Vision und der Wille für wirkliche Reformen fehlen, die eine Perspektive für das Land schaffen könnten.

(Quelle: dimokratianews.gr, Autor: Dimitris Garoufas, Rechtsanwalt, ehemaliger Präsident der Rechtsanwaltskammer Thessaloniki)

  1. W.Kern
    11. Juli 2018, 08:41 | #1

    BRAVO, ein griechischer Kommentar, der das Problem genau beschreibt und die Schuld nicht dauernd bei anderen sucht.

  2. Gerd Heym
    11. Juli 2018, 19:37 | #2

    Ich ziehe meinen Hut vor Ihnen. Doch glauben Sie mir, der Krieg gegen die Dummheit ist verloren.

  3. GR-Block
    12. Juli 2018, 02:21 | #3

    Jaja, „die wirklichen Hinergründe des Bankrotts Griechenlands“ werden für immer unter der Dummheit der ewig Gestrigen begraben bleiben. Seit Jahrzehnten lancieren dubiose Organisationen wie die OECD, das „gigantische Anwachsen des öffentlichen Sektors“ in GR sei eine Mär und vertreten öffentlich: „With less than 8% of the labour force employed by the government, Greece has one of the smallest government workforces among OECD countries.

    Und schon behaupten „Fachleute“, genau das mache es korrupten europäischen Multis leicht, die Demokratie durch Schmiergelder im Flick’schen Ausmaß nachhaltig zu untergraben. Wie perfide ist es, ausgerechnet die noch kriminelleren nordischen Länder anzuführen. Dort sei jeder Dritte Beschäftigte in der Staatsverwaltung, weswegen die Korruption der FUKG-US Staaten dort nicht durchkäme.

    Auch wird es für immer ein Geheimnis bleiben, wie es der „konsumbesessene“ Grieche schafft, schon seit Generationen zu den niedrig-BIP-Ländern der westlichen Welt zu zählen. Wie er sein für einen „Wessi“ viel zu niedriges BIP schamlos ausnutzt um der Welt vorzugaukeln, er habe überzogene Staatsausgaben, Militärausgaben, Schattenwirtschaft … . Dabei ist er im europäischen Vergleich (pro Kopf) kaum Mittelmaß. Die typisch griechische Selbstüberschätzung!

    Dieses kriminelle Volk hat sogar seine dritte Gewalt bemüht, um zu verschleiern „wie Griechenland in Bankrott und Memoranden getrieben wurde„. Seine populistische Justiz hat allen Ernstes geurteilt, dass 2010 Papandreou die Statistiken von 2009 zum Schlechten manipulieren ließ um SEINE Agenda 2010 durchzusetzen und damit einen IWF-Kredit zu legitimieren. Und weil der Ex-Ministerpräsident Immunität genießt, haben die Richter stattdessen den vollkommen unschuldigen Chef der Statistikbehörde wegen Begünstigung rechtskräftig verurteilt. Trotz demokratischer Einflussnahme durch die EU-Führung, wurde das totalitäre Urteil vom Obersten Gerichtshof im Juni 2018 bestätigt. Da kann sich dem Ex-Chef der Rechtsanwaltskammer der Magen umdrehen, wenn seine Klienten derart terrorisiert werden.

    Und, um der Lüge das Sahnehäubchen aufzusetzen, behaupten sie, die Finanzmisere hätte mit der Deindustrialisierung nach dem EWG-Beitritt begonnen. Der Binnenmarkt hätte die nationalen Märkte für Konzerne geöffnet, ohne sie zu zwingen, im selben Maße Arbeitsplätze zu schaffen. Dieser Zusammenhang ist ja mathematisch vollkommen absurd.
    Man behauptet sogar, die neue Nähe griechischer Politiker zu deutschen Unternehmen habe geschadet anstatt wie in D nützlich zu sein. Man solle griechische Klientelnetzwerke wie in D steuerlich begünstigen, damit sie wieder in Athen investieren, anstatt alles dem ausländischen „Investor“ zu überlassen.

  4. Moppel
    12. Juli 2018, 23:03 | #4

    Wie so oft liegt die Wahrheit wohl irgendwo in der Mitte. Fakt ist jedenfalls, dass in Griechenland jahrzehntelang eine „Blase“ aufgepustet wurde, die irgendwann platzen musste. Ebenso steht außer Frage, dass die griechische Blase schließlich gezielt zum Platzen gebracht wurde um anderen Ländern die Möglichkeit zu geben, die Luft der eigenen Blasen geregelt abzulassen bzw. umzupumpen.

    Was die Zukunft „auch der noch gar nicht geborenen Griechen“ betrifft, ist diese – zweifellos bewusst, bösgläubig, vorsätzlich und praktisch immer niedere Motive verfolgend – wenn nicht gar für immer und ewig, so doch zumindest auf Jahrzehnte verpfändet worden, was allerdings entsprechend auf fast die gesamte Welt zutrifft.

    Manche wird es früher, andere später treffen, letztendlich werden jedoch alle für die Sünden der Altvorderen einstehen müssen …!

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