8 Themen, die Griechenlands Zukunft bestimmen werden

8. Mai 2018 / Aufrufe: 685

Für Griechenland naht das Ende der Epoche der Memoranden, jedoch bleibt nach wie vor unklar, wie es am Tag danach weitergehen soll.

Der 20 August 2018, sprich der Tag des Herauskommens Griechenlands aus dem laufenden Programm („Memorandum“) rückt immer näher, die Einzelheiten darüber, was am Tag danach geschehen wird und wie Griechenland seinen Weg gehen wird, bleiben jedoch trübe.

Die Agentur Bloomberg verzeichnet in einer Analyse die acht Fragen rund um den Ausgang Griechenlands aus den Memoranden, und die Antworten darauf werden die Zukunft Griechenlands sowie bestimmen, ob Athen zur Normalität zurückzukehren schaffen wird.

1. Wird Griechenland eine Erleichterung seiner Verschuldung bekommen?

Die Eurozone hat sich auf eine Erleichterung der Bedingungen für die Abzahlung der auf 320 Milliarden Euro veranschlagten Verschuldung Griechenlands geeinigt, jedoch bleiben zwischen den Gläubiger signifikante Punkte strittig. Die bedeutsamsten von diesen sind, welche Kredite umgeschuldet werden sollen, welcher der Verlauf des Primärüberschusses sein wird und – allem voran – ob die Erleichterung der Verschuldung umgehend und ohne Bedingungen oder schrittweise und unter konkreten Auflagen gewährt werden wird.

Deutschland und andere Gläubiger glauben letzteres, andere jedoch – darunter der Internationale Währungsfonds (IWF), die Europäische Zentralbank (EZB) und Frankreich – vertreten, um glaubhaft zu sein müsse die Erleichterung mit dem Ende des laufenden Programms / Memorandums und ohne Bedingungen erfolgen.

2. Wie eng und streng wird die Beaufsichtigung Griechenlands sein?

Obwohl Griechenland klargestellt hat, einen „sauberen“ Ausgang (aus den Memoranden) im August 2018 zu wünschen, bedeutet die riesige Last seiner Verschuldung, dass es für etliche Zeit unter enger Beobachtung stehen wird. Diese Beaufsichtigung wird im Verhältnis zu Staaten wie Portugal und Irland strenger sein und regelmäßige Kontrollen umfassen, obwohl noch nicht klar ist, wie die Beaufsichtigung an die Disziplin der griechischen Seite gekoppelt werden wird.

Jedenfalls stellt – im vergangenen Monat Benoit Coeuré, Mitglied des geschäftsführenden Vorstands der EZB, erklärte – ein starker Rahmen, der Griechenland in Wachsamkeit halten wird, den Schlüssel für seine Rückkehr an die Finanzmärkte dar.

3. Wird der Internationale Währungsfonds sich involvieren?

Der Internationale Währungsfonds vermied, sich an dem dritten Programm finanzierend zu beteiligen und vertrat dabei, Europa müsse zuerst die Tragfähigkeit der griechischen Verschuldung sicherstellen. Und es mag merkwürdig anmuten, über die Beteiligung des IWF an einem Programm zu diskutieren, das in dreieinhalb Monaten ausläuft, jedoch ist die positive Meinung des IWF aus zwei Gründen erforderlich:

  • Erstens haben die Parlamentarier „feindlicher“ Länder wie Deutschland keine Lust, das grüne Licht für auch weitere Kredite an Griechenland ohne die Seriosität zu geben, die der IWF verleiht.
  • Zweitens würde die Beteiligung des IWF bedeuten, dass der Fonds die griechische Verschuldung für tragbar hält, und dies wäre in den Augen der Gläubiger eine sehr signifikante Anerkennung.

4. Wird Griechenlands Zugang zu den Finanzmärkten leicht sein?

Griechenland möchte nach der Vollendung des Programms die präventive Kreditlinie vermeiden. Kurzfristig können seine Finanzierungsbedürfnisse aus Anleiheverkäufen und Geldern aus dem Programm bis ungefähr 2020 gedeckt werden.

Längerfristiger sind die Dinge jedoch vielleicht schwieriger, und dies wird möglicherweise davon abhängen, wie die Investoren die Tragfähigkeit der griechischen Verschuldung und die wirtschaftlichen Perspektiven des Landes sehen.

5. Gibt es ausländische wirtschaftliche Gefahren?

Nach einer tiefen Rezession hofft Griechenland auf einen haltbaren wirtschaftlichen Aufschwung in den kommenden Jahren, sei es auch, wenn sein Wachstum im Verhältnis zu dem übrigen Europa geringer ist. Die EU senkte ihre Prognosen über ein Wachstum in Griechenland auf 1,9% in diesem Jahr und 2,3% im Jahr 2019, gegenüber vorher für beide Jahre vorgesehenen 2,5%.

Die griechische Wirtschaft bleibt verwundbar für Schwächen in der Eurozone sowie auch für Gefahren aus dem Anstieg der Zinssätze und der Normalisierung der Geldpolitik.

6. Was wird mit Griechenlands Banken geschehen?

Die größten griechischen Banken gingen aus den jüngsten Stresstests der EZB unversehrt hervor, was bedeutet, dass die für eine mögliche Rekapitalisierung der Banken zurückgelegten fast 20 Mrd. Euro nun frei für einen anderen Zweck verwendet werden können. Trotz dieser Resultate begegnen die griechischen Banken jedoch weiterhin großen Herausforderungen, wie unter anderem den leistungsgestörten Krediten, die mit fast 50% der Summe der Kredite die höchsten in Europa sind.

7. Werden die wirtschaftlichen Reformen aufhören?

Während der größten Dauer der vergangenen zehn Jahr ist Griechenland in häufig „ereignisreiche“ Verhandlungen mit seinen Gläubigern über die Bedingungen seiner Finanzierung verwickelt. Mit den erforderlichen Krediten als Gegenleistung, um dem Bankrott zu entgehen, musste es Ordnung in seine Finanzen bringen, Privatisierungen zustimmen und harte Reformen umsetzen.

Das Thema ist, ob Griechenland zuverlässig (genug) ist, signifikante Reformen von allein zu realisieren, da viele sich sorgen, ohne „Karotte vor der Nase“ sei ungewiss, wie sehr die griechische Regierung der Durchsetzung von Reformen auf dem Arbeitsmarkt oder den sogenannten strukturellen Reformen gewidmet sein wird, wenn sie keine „Motivationen“ hat.

8. Werden die politischen Entwicklungen die Dinge verkomplizieren?

Die Wahlen bringen die politischen Führer manchmal in Versuchung, Versprechungen zu machen, die sie nicht einhalten können, und zumal manche Analysten sogar noch im kommenden Herbst 2018 Wahlen in Griechenland erwarten, ist die Gefahr „kostspieliger“ politischer Zusagen groß.

Die nächste griechische Regierung wird seit Mai 2010 die erste sein, die (selbst) für ihre wirtschaftlichen Politiken verantwortlich sein wird, folglich wird von den Wahlurnen und den Märkten allein nur diese für das Gute und Schlechte als verantwortlich beurteilt werden.

(Quellen: sofokleous10.gr, bloomberg.com)

Kommentare sind geschlossen