Warum schikaniert Deutschland Flugpassagiere aus Griechenland?

22. März 2018 / Aufrufe: 1.968

Deutschlands Beschluss, das Schengener Abkommen für aus Griechenland eintreffende Flugpassagiere praktisch außer Kraft zu setzen, wird immer fragwürdiger.

Die Fakten bezüglich der Kontrollen an deutschen Flughäfen strafen die Deutschen Lügen: Zwar werden im Durchschnitt monatlich 3.800 „Illegale“ erwischt, die jedoch in ihrer überwältigenden Mehrheit nicht aus Griechenland kommen.

Bei den griechischen Behörden rief die Nachricht, dass Berlin die strengen – das Schengener Abkommen praktisch außer Kraft setzende – Maßnahmen in Bezug auf Personenkontrollen bei aus Griechenland eintreffenden Flügen verlängerte, große Nachdenklichkeit hervor. Und dies, weil die Fakten zeigen, dass die „Vorkommnisse“ aus Griechenland sehr wenige sind.

85% der Einreiseverweigerungen haben wirtschaftliche Gründe

Im Vergleich zu den von den Deutschen insgesamt verzeichneten „Vorkommnissen“ – wie (un-) zuverlässig diese Angaben auch sein mögen, zumal sie mit den griechischen Aufzeichnungen nicht übereinstimmen – zählen die Unregelmäßigkeiten bei (Reise-) Papieren aus Griechenland eintreffender Flugpassagiere nicht mehr als 100 Fälle im Monat.

Insgesamt beträgt die Gesamtzahl der in ganz Deutschland rechtswidrig eintreffenden Flugpassagiere durchschnittlich 3.800 Personen im Monat. Zu diesen kommen auch weitere 2.500 Fälle von Festnahmen im Land außerhalb von Flughäfen hinzu. Statistisch kommen somit von den Tausenden, die in Deutschland mit illegalen Papieren erwischt werden, nur 2,6% der „Vorkommnisse“ aus Griechenland.

Die von Deutschland und Griechenland geführten Daten differenzieren signifikant. Die in Athen geführten Angaben zeigen, dass ungefähr 85% der Einreiseverweigerungen aus wirtschaftlichen Gründen erfolgen, die Abgewiesenen also nicht über die erforderlichen Mittel verfügen, im Land zu leben bzw. ihren Unterhalt zu bestreiten.

Weiter erscheint aus den von den griechischen Behörden geführten Daten, dass bei den 368.000 Passagieren aus Griechenland gerade einmal 372 Vorfälle verzeichnet worden sind. Es geht also um einen Anteil von 0,001%, wovon sich wiederum nur 61 auf gefälschte oder manipulierte (griechische) Reisepapiere beziehen.

Griechenland wurde zur Zielscheibe, um Eindruck zu schinden

Von Interesse ist ebenfalls, dass in 197 von den obigen 372 Fällen entweder die Rückkehr der Betroffenen in ihre Herkunftsländer oder nach Griechenland angeordnet worden ist, für alle übrigen Fälle jedoch das Verfahren zur Gewährung von Asyl in Deutschland aktiviert wurde, was viele Fragen hervorruft. Außerdem ist auch die Informierung seitens der deutschen Seite nicht genau, da Quellen der Griechischen Polizei (ELAS) betonen, dass von diesen 372 Fällen die griechischen Behörden nur über 253 Fälle offiziell unterrichtet wurden. Niemand weiß, was mit den anderen Fällen geschah.

Generell macht in der „Hauptkategorie“ bezüglich gefälschter Papiere, mit denen Manche aus Griechenland nach Deutschland einzureisen versuchen, der beobachtete Anteil gerade einmal 0,4% der in ganz Deutschland „Erwischten“ aus. Dieser Prozentsatz rechtfertigt keine dermaßen strengen Schutzmaßnahmen, mit denen Griechenland zur Zielscheibe gemacht wird.

Aus diplomatischen Quellen in Athen wird betont, dass seitens der deutschen Polizei kein Problem besteht und dieses einer konkreten Taktik des deutschen Innenministeriums zugeschrieben wird, wobei der bekannte Minister de Maizière den Anfang machte. Sein Ziel war, Eindruck zu schinden und Griechenland ein praktisch inexistentes Problem anzulasten, da auch hier die Kontrollen bei den Ausreisen streng sind.

(Quelle: dikaiologitika.gr, Autor: Giannis Christakos)

  1. Uli
    22. März 2018, 07:16 | #1

    Ich wurde als Deutscher an der Grenze von Österreich nach Deutschland wie ein Schwerverbrecher gefilzt. Wahrscheinlich nur, weil mein PKW ein griechisches Kennzeichen hat. Sie haben nach Flüchtlingen und Drogen gesucht. Aus meinen Papieren konnten sie erkennen, dass ich 75 bin. Das ganze Prozedere hat eine gute halbe Stunde gedauert, und das gegen Mitternacht. Schengen existiert praktisch nicht mehr, der neue Innenminister Herrmann plant sogar eine Verschärfung der Grenzkontrollen.

  2. Kleoni
    22. März 2018, 11:25 | #2

    Griechenland wird generell zur Zielscheibe und für alle hausgemachten Probleme von Deutschland als Sündenbock abgestempelt. Wie widersprüchlich das ist, sieht man an zwei Zeitungsartikel des gleichen Tages (verschiedene Zeitungen), u.a. das Hetzblatt Focus schreibt, dass Griechenland das Türkeiabkommen sabotiert, indem es viel zu viele Flüchtlinge aufs Festland übersiedelt. In einer anderen Zeitung wird Griechenland angeprangert, weil die Zustände in den Auffanglagern auf den Inseln menschenunwürdig seien, es dort immer wieder zu schweren Zwischenfällen komme, die Verpflegung nicht (deutschem) Standard entspreche etc.
    Alle Schikanen und Diskreditierung haben immer noch das alleinige Ziel, die aktuelle Regierung zu stürzen, damit die alten Seilschaften wieder zum Zug kommen und ein Großteil der griechischen Bevölkerung – vor allem junge Fachkräfte – noch besser ausgebeutet werden könnten, damit die Gewinnmaximierung europäischer Konzerne / Investoren weiter maximiert werden können.

  3. White Tower
    22. März 2018, 17:48 | #3

    Die Grenzkontrollen der deutschen Behörden sehen für mich wie reine Schikanen aus. Die griechischen Behörden kontrollieren seit mindestens drei Jahren am Flughafen Athen sowie Thessaloniki alle Passagiere welche nach Deutschland reisen mehr oder weniger unauffällig … selbst deutsche Polizisten unterstützen griechische Polizisten in Zivil seit Jahren am Flughafen Thessaloniki und Athen …. die Kontrollen bei der Ankunft in Deutschland sind rein populistische Maßnahmen ohne wirklichen Sinn

  4. Lothar
    23. März 2018, 07:30 | #4

    Ich habe es auch erlebt. Am 23.01.18 am Flughafen Stuttgart angekommen um nach Hannover umzusteigen. Zu kontrollierende Fluggäste werden wie Aussätzige in einem abgelegenen Terminal (Terminal 4) mit dem Vorfeldbus abgeliefert. 2 geöffnete Schleusen und bummelnde Bundespolizei-Beamten. Fazit:Gebuchten Anschlussfliug verpasst und 4 Stunden später zu Hause.

    Noch schlimmer: Das „Aussätzigen“-Terminal 4 hat keine Verbindung zu den anderen Terminals ohne den Sicherheitsbereich zu verlassen (Typisch Provinzflughafen Stuttgart). Beim Wiedereintritt in den Sicherheitsbereich für den weiterflug wurden mir meine im DUTY-FREE-Shop GR gekauften Flüssigkeiten abgenommen. Verlust über 50,00 und keiner will für diese staatliche Enteignung aufkommen. Ich habe beim Bundesinnenminister angefragt, ob man in Rahmen der „WIR SCHAFFEN DAS“-Kampagne es nicht auch schaffen könnte, mich für diese Enteignung zu entschädigen. Antwort steht noch aus.

    Noch ein Tip: Beschwert Euch bei der EU-Kommission. Hier das sehr benutzerfreundliche Formular: Beschwerdeformular zur Meldung eines Verstoßes gegen das EU-Recht

Kommentare sind geschlossen