Steuerfallen in Griechenland bei gemeinsamen Bankkonten

5. März 2018 / Aufrufe: 570

Worauf in Griechenland bei gemeinsam geführten Bankkonten zu achten ist um fatale Steuerfallen zu vermeiden.

Unsere Erfahrung aus der Konfrontation mit Steuerprüfungen in Griechenland ist, dass viele Steuerpflichtige sich mit der Verhängung von Schenkungs-, Erbschafts- oder Einkommensteuern konfrontiert fanden, weil die Kontrollbehörde annahm, Transaktionen auf gemeinsamen Bankkonten hätten eine Schenkung, eine Erbschaft oder einen Vermögenszugewinn aus unbekannten Anlass verschleiert.

Der nachstehende Text zielt darauf ab, auf einfache Weise die steuerlichen Themen gemeinsamer Bankkonten bzw. Bankgeschäfte und die Fallen zu erklären, die sie für die Steuerpflichtigen bergen.

Steuerfallen in Griechenland bei Oder-, Und- und Auslandskonten

Zum besseren Verständnis der sich ergebenden Themen ordnen wir die sogenannten gemeinsamen Konten folgenden Kategorien zu:

  1. Gemeinsame Bankkonten (Gemeinschaftskonten / Oder-Konten) nach Gesetz 5638/1932.
  2. Unteilbare oder verbundene Konten (Und-Konten) nach Gesetz 2961/2001 (Erbschaftssteuer-Verordnung).
  3. Gemeinsame Konten bei Banken im Ausland (Auslandskonten).

a. Gemeinsame Konten (Oder-Konten) des Gesetzes 5638/1932 (über Guthaben auf einem gemeinsamen Konto) sind jene Konten, die eine Klausel umfassen, dass ihre Nutzung jeder Mitinhaber ohne die Mitwirkung der übrigen tätigen kann. Artikel 2 dieses Gesetzes sieht vor: „Bezüglich ihrer Guthaben kann zusätzlich die Klausel gesetzt werden, dass bei Ableben eines jeden der Berechtigten das Guthaben und diesbezügliche Konto von Rechts wegen den übrigen Überlebenden bis zu deren Letztem zufällt. In diesem Fall fällt ihnen das Guthaben frei von jedweder Erbschaftssteuer oder anderen Abgabe zu. Dagegen erweitert diese Befreiung sich nicht auf die Erben des letzten verbliebenen Berechtigten.

Dies bedeutet, dass im Fall des Versterbens eines Mitinhabers eines gemeinsamen Kontos die anderen Mitinhaber automatisch seinen proportionalen Anteil übernehmen, während die Erben des Verstorbenen keinen Anspruch an seinem Anteil haben können.

Es ist anzumerken, dass in Fällen, in denen ein Mitinhaber auch Erbe ist, zwar kein Thema einer Erhebung einer Erbschaftssteuer, jedoch auch keine Befreiung von der Pflicht zur Abgabe einer Deklaration zur Erbschaftssteuer besteht. Dies ergibt sich aus der Kombination der Bestimmungen des Artikels 61 Par. 10 des Gesetzes 2961/2001 und des Runderlasses POL 1274/30/11/2001.

Bei der steuerlichen Überprüfung – speziell von Überweisungen ins Ausland – rechnet die Kontrollbehörde das gemeinsame Bankkonto proportional den Mitinhabern zu und es obliegt dem kontrollierten Steuerpflichtigen, wenn er sich auf ein unterschiedliches Verhältnis beruft, seine Behauptung mit jedem geeigneten Mittel zu beweisen.

b. Unteilbare oder verbundene Konten (Und-Konten) sind Konten, die von mindestens zwei Personen eröffnet werden, die gemeinsam handeln müssen um Abhebungen zu tätigen (Artikel 10 des Gesetzes 2961/2001).

Diese Konten werden nicht von Gesetz 5638/1932 abgedeckt und können folglich analog zum Fall einer Erbschafts- oder Schenkungssteuer unterzogen werden. Für die Erhebung von Steuern wird angenommen, dass sie den für die Bewegung dieser Konten gemeinsam Handelnden zu gleichen Teilen gehören, jedoch können sowohl die Kontrollbehörde als auch die Steuerpflichtigen das Gegenteil nachweisen.

c. Gemeinsame Konten bei Banken im Ausland (gemeinsam geführte Auslandskonten). Wie sich bei Überprüfungen von Steuerpflichtigen ergeben hat, ist die Position der Steuerverwaltung, dass diese Konten nicht von dem Gesetz 5638/1932 abgedeckt werden und im Fall des Todes eines Mitinhabers die übrigen Mitinhaber aufgefordert werden können, in Griechenland Erbschaftssteuer zu zahlen. Ebenfalls fordert die Prüfbehörde in vielen Fällen, dass die Quelle / Herkunft der auf diesen Konten angelegten Gelder gerechtfertigt wird, und erhebt Themen eines ungerechtfertigten „Vermögenszuwachses“.

Angesichts des vorstehend Angeführten haben Steuerpflichtige, die Mitinhaber gemeinsamer Konten bei Banken des Auslands sind, die Möglichkeit zu untersuchen, sich der Regelung des Gesetzes 4446/2016 bezüglich einer freiwilligen Offenlegung von Einkommen zu unterwerfen, und auch den anstehenden (mit dem Jahr 2016 als Referenz dienenden mittlerweile erfolgten) „automatischen Informationsaustausch“ zu berücksichtigen – der bedeutet, dass die griechische Kontrollbehörde bald über die Daten griechischer Anleger bei Auslandsbanken verfügen wird (bzw. mittlerweile verfügt!).

(Quelle: forologikanea.gr, Autoren: Tzeni Panou und Giorgos Samothrakis, zuständig für die Steuerabteilung der ASnetwork.)

Ergänzend sei angemerkt und betont, dass für sogenannte „Steuerausländer“ die Führung eines Bankkontos in Griechenland, gleich ob als alleiniger oder gemeinschaftlicher Kontoinhaber, im Regelfall den Erwerb eines realen Einkommens (sei es auch nur in Form einer 0,01 Euro betragenden Zinsgutschrift) in Griechenland impliziert und sie damit in Griechenland zumindest „bedingt“ steuerpflichtig werden!

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