Die 200-Euro-Generation in Griechenland

30. März 2018 / Aufrufe: 973

In Griechenland nehmen die Firmen zu, die gebildetes Personal suchen, jedoch nur Hungerlöhne zahlen.

Wegen der wirtschaftlichen Krise mag in Griechenland auf dem Arbeitsmarkt in den vergangenen Jahren infolge der besonders stark gekürzten Löhne auf einem Teil des privaten Sektors die sogenannte „300-Euro-Generation“ entstanden sein, jedoch scheint dieses Phänomen sich heutzutage zu einer „200-Euro-Generation“ entwickelt zu haben.

Aufzeigend ist, dass alltäglich immer mehr Firmen, die größtenteils in Vertrieb und Produktpromotion aktiv sind, danach suchen, tatkräftige und gebildete Personen zu beschäftigen, denen sie – wie sie in ihren Anzeigen ganz klar schreiben – für eine Vollzeitbeschäftigung die Vergütung von 200 Euro bieten.

Firmen präsentieren „attraktives Paket“

Dieser minimale Verdienst, den ein junger Mensch am Monatsende bekommt, reflektiert einerseits die für Arbeitnehmer eines Teils des privaten Sektors in Griechenland herrschende tragische Verdienstlage und andererseits die Ausnutzung, die es seitens bestimmter Firmen zu geben scheint.

Mitarbeiter der Zeitung „Parapolitika“ („P“) nahmen – sich als potentielle Beschäftigte ausgebend – Kontakt zu einigen dieser Firmen auf, welche die konkrete Vergütung anbieten, wobei die Zuständigen erklärten, es gehe um eine freiberufliche Arbeit, und parallel betonten, dieser Verdienst könne steigen, wenn der Beschäftigte gewisse Vereinbarungen (Verträge) abschließt „und diverse Ziele erreicht„. Für mehr Informationen verlangten sie von uns, einen Termin zu vereinbaren, damit sie uns aus der Nähe in Zusammenhang mit dem Beschäftigungsumfeld und der von ihnen gebotenen „kontinuierlichen Ausbildung hohen Niveaus“ informieren, während sie parallel von modernen Verkaufsmethoden, aber auch Aufstiegsmöglichkeiten erzählten und ein attraktives Paket präsentierten – bei dem jedoch das einzig Sichere, das es für den Arbeitnehmer hatte, die Vollzeitbeschäftigung und die Vergütung von 200 Euro waren.

Über diesen Umstand redete mit „P“ der bekannte Arbeitsrechtler Alexis Mitropoulos, der von illegalen und verfassungswidrigen Phänomenen sprach. Wie er charakteristisch erklärte, „in letzter Zeit haben wir allgemein einen steilen Anstieg der Teilzeitbeschäftigung, einen steilen Anstieg der Ausnutzung junger Leute, eine Form einer Arbeits-Helotenschaft„, und fuhr fort und betonte, „all das sind leider illegale Phänomene, die nicht mit den Prinzipien des Schutzes bei der Beschäftigung junger Leute einhergehen„.

Unterschreitung des Mindestlohns ist ein Strafbestand

Was die Höhe der Bezüge des Arbeitnehmers betrifft, war Herr Mitropoulos entschieden und betonte charakteristisch: „In Griechenland gibt es einen von GSEE und Regierung etablierten Mindestlohn, der 586 Euro brutto beträgt. Kein Arbeitnehmer mit Vollzeitbeschäftigung darf mit weniger als diesem gesetzlich vorgesehenen Geld entlohnt werden. Folglich ist jeder Lohn unter 586 Euro rechtswidrig, ist verfassungswidrig, mit einziger Fußnote die Altersgrenze des Beschäftigten, da der Arbeitnehmer, wenn er jünger als 25 Jahre ist, dann mit 510 Euro brutto entlohnt werden kann„.

Auf der selben Wellenlänge lagen auch die Erklärungen des – ebenfalls – Arbeitsrechtlers Giannis Karouzos, der seinerseits gegenüber „P“ betonte, damit die Vergütung von 200 Euro legitim ist, muss sie an die Arbeitsstunden gekoppelt sein, anderenfalls sind strafrechtliche Sanktionen und ein Bußgeld vorgesehen. „Bei der Arbeitszeit darf es nicht sein, dass die Vergütung nicht an den Mindestlohn gekoppelt ist„, führte er bezeichnend an und fuhr – betonend – fort, „jedwede Missachtung des Gesetzes hinsichtlich dieses (Mindest-) Lohns stellt eine Straftat dar und zieht auch Verwaltungssanktionen nach sich„.

(Quelle: parapolitika.gr)

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