Airbnb vertreibt in Griechenland Studenten, Lehrer, Ärzte aus Korfu

18. März 2018 / Aufrufe: 1.240

In Korfu haben wie auch in anderen Regionen Griechenlands die Kurzzeitvermietungen per Airbnb den Wohnungsmarkt leergefegt und zu verrückten Mieterhöhungen geführt.

Die Mieten in Korfu auf der gleichnamigen Insel in Griechenland sind in die Höhe geschossen, da laut den Immobilienmaklern mehr als 2.500 Wohnungen in der Inselhauptstadt, aber auch ihren Vororten nur über Airbnb angeboten werden.

Die wenigen auf dem lokalen Wohnungsmarkt verbliebenen Mietwohnungen werden zu unerschwinglichen Preisen zur dauerhaften Vermietung abgegeben, wobei Einliegerzimmer / Einzimmerwohnungen 400 Euro tangieren, während Drei- und Vierzimmerwohnungen bei 600 – 700 Euro beginnen und bis zu 1.000 Euro erreichen, wenn sie sich in einem guten Zustand befinden, wogegen in Neubauten die Miete für eine Wohnung von 100 Quadratmetern in der Stadt Korfu sogar auch bis zu 1.500 Euro im Monat erreichen kann.

Kurzzeitvermietungen führen zu unerschwinglichen Wohnungsmieten

Wie Makler in Korfu der griechischen Nachrichtenagentur ANA-MNA berichten, stellte dieser steile Anstieg der Mieten sich ausschließlich und allein wegen der unkontrollierten Bereitstellung der Wohnungen über Airbnb ein. Die „verrückten“ Erhöhungen bei den Mietpreisen schafften es, in diesem Jahr hunderte Studenten von der Insel fernzuhalten, die entweder ab dem ersten Monat ihres Studiums enttäuscht „das Handtuch warfen“ oder sich mit dem Vermieter für einen kleinen Zeitraum, jedoch unter der Vereinbarung arrangierten, die Wohnung zu Beginn der touristischen Saison kurz vor Ostern, also kurz vor Beginn ihrer Examensperiode zu verlassen.

Einem großen Problem begegneten wegen der mittlerweile „an die Decke“ geschossenen Wohnungsmieten auch die neu angekommenen Lehrkräfte, die sich schließlich entschieden, entweder fernab der Stadt in irgendeinem abgelegenen Dorf zu wohnen oder unverrichteter Dinge abzureisen und ein weiteres Jahr in der Arbeitslosigkeit zu bleiben.

Was die Jungärzte betrifft, wählten viele von ihnen, ihre Facharzt-Ausbildung in anderen Krankenhäusern des Landes anzutreten, wo sie es sich wirtschaftlich leisten können würden, obwohl die Bezirksverwaltung der Ionischen Inseln Beschlüsse gefasst hat und bereits auf etlichen Inseln des Ionischen Meers Assistenz- und Dienstärzten für die gesamte Dauer ihres Vertrags oder ihrer Ausbildung kostenlose Verpflegung, eine geeignete Bleibe oder auch finanzielle Zulagen für die Deckung ihrer Bedürfnisse gewährt.

Airbnb brachte Korfus Immobilienmakler um 80% ihrer Umsätze

Von der ganzen Situation konnten auch die Immobilienmakler nicht unbeeinflusst bleiben, die – wie sie gegenüber der ANA-MNA betonen – „ihre Umsätze in den beiden letzten Jahren um 80% fallen sahen„, da mittlerweile der einzige ihnen verbliebene Gegenstand ihrer Tätigkeit der teure Verkauf und nicht die Vermietung der Wohnungen ist.

Die Korfioten sind ihrerseits dem absoluten „Run“ verfallen haben sich auf die Renovierungen und provisorischen Möblierungen ihrer Häuser gestürzt, um sie über Airbnb den Touristen anzubieten und so ihre Einnahmen zu steigern. Es sind sogar nicht Wenige, die während der Dauer der touristischen Saison ihre Habe zusammenpacken, ihre Häuser verlassen und in ihren fernen Heimatdörfern ziehen, um dem „goldenen“ Airbnb-Touristen sogar auch das Bett zur Verfügung zu stellen, in dem sie sonst selbst schlafen.

(Quelle: amna.gr)

  1. barbarundi
    18. März 2018, 18:07 | #1

    Das kann ich nur bestätigen. Einer unserer beiden Tierärzte auf der Insel hat jüngst das Handtuch geworfen, nachdem ihm sowohl die Wohnung als auch die Praxis gekündigt wurde. Seine Vermieter wittern das große Geschäft mit Airbnb-Touristen. Jetzt arbeitet er in Deutschland und wir haben das Nachsehen. Langfristig wächst da eine schwer zu kontrollierende Konkurrenz für den regulären, weil steuerzahlenden Fremdenverkehr heran.

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