Griechenland: Es gibt ein Leben auch ohne Krücken

20. Februar 2018 / Aufrufe: 626

Griechenland wird auch nach dem im August 2018 auslaufenden Memorandum unter strenger Beaufsichtigung stehen, bis es zwei Drittel seiner Verschuldung getilgt hat.

Griechenland ist in die Endgerade zum Schluss des – formal im August 2018 auslaufenden – dritten „Memorandums“ eingetreten, dabei der Spur Portugals mit vier Jahren Verspätung folgend. Trotz der Unterschiede können nützliche Schlussfolgerungen geschöpft werden.

Als Portugal im Frühjahr 2014 erwartete, aus dem Memorandum heraus zu kommen, und so in die Fußstapfen Irlands trat, das dies wiederum Ende 2013 schaffte, hatte es sich einem mächtigen Gegner zu stellen, nämlich Deutschlands Finanzminister Wolfgang Schäuble.

Portugal schaffte, was Griechenland immer noch nicht fertig brachte

Herr Schäuble war der Ansicht, Portugal hätte unter dem Status eines Memorandums oder zumindest einer sehr viel strengeren Beaufsichtigung als jener bleiben müssen, die für ihre „Kür“ erfüllenden Länder vorgesehen ist. Mit der Unterstützung der Bundeskanzlerin Angela Merkel, die sich gegen Herrn Schäuble auf die Seite der damaligen zentrums-rechten Führung Portugals und anderer europäischer Führer stellte, schaffte das kleine iberische Land, im Mai 2014 „entlassen“ zu werden.

Portugal hatte bereits einige Quartale mit einem positiven Konjunkturrhythmus und die erfolgreiche Vollendung 11 sogenannter Bewertungen seit Sommer 2011 hinter sich. Zusätzlich hatte es seine Kräfte auf dem (Finanz-) Markt ab Herbst 2012 getestet, wobei es mit hohen Zinssätzen begann, jedoch fortfuhr, sich 2013 und in den ersten Monaten des Jahres 2014 Geld zu leihen. Das Resultat war, eine Liquiditätsreserve in Höhe von ungefähr 15,5 Mrd. Euro kumuliert zu haben, als es im Mai 2014 aus dem Memorandum heraus kam, und somit einen großen Teil der Aufwendungen der Jahre 2014 und 2015 deckte

Natürlich war von da an der Weg nicht immer eben. Wenige Monate, nachdem die neue linke Regierung des Herrn Costa mit der Beendigung der Austerität als Slogan Ende 2015 die Macht übernahm, bewahrheiteten sich die Zweifel bezüglich des Kurses der Wirtschaft Portugals. Funktionäre des IWF und europäische Amtsträger führten in ihren persönlichen Gesprächen mit Personen wie unserer Wenigkeit sogar an, Portugal werde möglicherweise erneut in ein Memorandum geraten. Letzteres fand jedoch nicht statt.

Dagegen beschleunigte Portugals Wirtschaft ihren Gang, was die portugiesische Regierung auf die Steigerung der sozialen Aufwendungen und des gesetzlichen Mindestlohns zurückführte, der jedoch im Vergleich zu dem entsprechenden Mindestlohn in Griechenland niedriger bleibt. Weiter bleibt Portugal hinsichtlich abrupter Stimmungswechsel auf den Finanzmärkten zweifellos verwundbar. Das Land ist jedoch im Gegensatz zu Griechenland in eine Normalität eingetreten, obwohl etliche dritte Beobachter betonen, dass es auf diversen Sektoren vergleichsweise größere Probleme hat.

Griechenland wird noch lange Europas Schuldenkolonie bleiben

In Griechenland wird das politische Thermometer auf hohen Niveaus gehalten, wobei Regierung und amtierende Opposition häufig „Stiche“ hinsichtlich der Periode nach dem erwarteten Ende des dritten Memorandums im August 2018 austauschen, um in der öffentlichen Meinung Punkte zu gewinnen.

Die SYRIZA-Regierung möchte die politische Saga von dem Ende der memorandischen Periode und dem „sauberen“ Gang an die Finanzmärkte nutzen, und die amtierende Opposition will sie widerlegen. Die „Wirte“ wiederum, also die Amtsträger der Eurozone, haben jedoch mitgeteilt, Griechenland sei ein differenter Fall und werde unter einer strengeren Beaufsichtigung stehen, bis es 75% seiner Schulden an diese getilgt hat.

Griechenland hat nicht viele Optionen. Es kann jedoch – mit den wie immer gearteten Unterschieden und Ähnlichkeiten – den Fall Portugals berücksichtigen

(Quelle: euro2day.gr)

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