Drohende Kollision zwischen Türkei und Griechenland

14. Februar 2018 / Aufrufe: 1.385

Angesichts der letzten Zwischenfälle in der Ägäis scheint die Türkei Schritt für Schritt auf eine offene Kollision mit Griechenland zuzusteuern.

Das traurig paradoxe in von allgemeinen Verfallsphänomenen begleiteten unsicheren historischen Situationen ist, dass das strategische Denken sich trübt, je intensiver ein Volk es braucht„, schrieb Panagiotis Kondylis im Anhang seines Buches „Kriegstheorie“ mit Titel „Griechisch-Türkischer Krieg“ (Verlag Themelio, 1997).

Heute, 20 Jahre nach der obigen schmerzhaften Feststellung / Prognose des Panagiotis Kondylis, fahren die politischen Kräfte Griechenlands darin fort, die offensichtlichen Tatsachen zu unterschätzen, den Kopf in den Sand zu stecken und zu hoffen, dass „Freunde“, „Partner“ und „Alliierte“ den Schutz des Landes übernommen haben.

Erdogan droht Griechenland offen mit Krieg

Ankara geht derweilen nach der mit der Krise des Jahres 1996 erzielten „Ausgrauung“ der Imia-Inseln einen Schritt weiter, indem es die Felsinseln de facto von dem griechischen „Rumpf“ isoliert. Gleichzeitig versucht – wie am 12 Februar 2018 in To Pontiki berichtet – die türkische Regierung, ihre erfolgreiche Taktik in die „Ausschließliche Wirtschaftszone“ (AWZ) Zyperns zu verlagern. Die Beziehung zwischen Ägäis (Imia) und türkischer AWZ unterstrich auch selbiger Präsident der Türkei, Tayyip Erdogan, in seinen Erklärungen:

Sie sollen nicht denken, wir beobachten nicht die Forschungen im Seegebiet bei Zypern, mit den Untersuchungen in der AWZ, und die Bewegungen bei den Inselfelsen … . Wir warnen alle, die irrige Einschätzungen auf Zypern und in der Ägäis anstellen, keine falschen Züge zu machen. Ihre Raffinessen werden ihnen vergehen, wenn sie unsere Flugzeuge, unser Heer und unsere Flotte sehen„, drohte der Präsident der Türkei.

Nach dem letzten ernsthaften Zwischenfall (Feindseligkeit) bei Imia (nur aus Glück wurde in der Nacht des 02 Februar 2018 die Versenkung eines Patroillenboots der griechischen Küstenwacht durch ein doppelt so großes türkisches Kriegsschiff abgewendet, welches das griechische Schiff in der Mitte zu durchtrennen versuchte) schritt Athen zu den erforderlichen diplomatischen Protesten (Schritten) an die Türkei.

Der Schutz durch andere ist in der Regel sehr teuer

Der griechischen Regierung ist jedoch bekannt, dass die türkischen Absichten mit Protesten nicht gestoppt werden können. Und was die griechische Regierung ebenfalls feststellt, sind die beschränkten operativen Möglichkeiten der griechischen Streitkräfte im Verhältnis zu der überbewaffneten und auf einen Krieg vorbereiteten Türkei. Dieser Umstand treibt Athen faktisch zur Suche nach Versprechen und Zusagen auf Schutz von Partnern (Europäern) und Alliierten (Amerikanern).

Einfach gesagt, in einem Moment, wo die Regierung ihre eigene „success story“ (Senkung der Verschuldung, Ende der Memoranden und Wahlen mit dem alten politischen System an den Wäscheklammern der Novartis aufgehängt) „organisiert“, stellt sie fest, dass die Gewährleistung der vitalen Interessen des Landes nicht von seinen eigenen Kräften, sondern von dem Schutz der Partner (Europäer) und der Alliierten (Amerikaner) abhängt.

Offensichtlich ignoriert die griechische Regierung außer der jüngsten Geschichte auch noch zwei weitere große Wahrheiten in den internationalen Beziehungen: Erstens, niemand wird für Deine Rechnung das verteidigen, was Du nicht selbst zu verteidigen in der Lage bist. Zweitens, der Preis für den Schutz ist in der Regel sehr teuer …

(Quelle: topontiki.gr, Autor: Dimitris Milakas)

  1. M.E.
    14. Februar 2018, 20:49 | #1

    Auch wenn sich Griechenland damals auf die Seite des Aggressors Großbritannien geschlagen und zum Untergang Deutschlands beigetragen hat, müssen wir den Griechen gegen die Türken beistehen. Verdient haben sie es wirklich nicht, aber die Absichten der Türken sind meiner Meinung nach für alle Länder Mitteleuropas gefährlich. Was ich nicht verstehe ist, warum die Russen mit ihrem Erzfeind Türkei so dicke geworden sind. Im Betrügen und ein doppeltes Spiel zu treiben vermag den Türken keiner das Wasser zu reichen, da kann es nur eine klare Kante geben.

  2. 0177translator
    14. Februar 2018, 20:51 | #2

    Erdogan hat sich mit Putin arrangiert. (Letzterer soll ihn Stunden vor dem Putsch gewarnt haben, das da was gegen ihn läuft.) Und der glorreiche Westen, auf den die Griechen hoffen, ist bankrott und überschuldet. Dollar, Euro, Pfund und Yen sind Leichen auf Urlaub. Stolpert einer, stürzen alle. Kettenreaktion, Börsencrash, die Schulden-Blase platzt, 1929 läßt grüßen. Dann hat der Westen eigene Probleme. Mit den Polen war es 1939 auch so. Erst wiegte man sie mit Versprechungen in falscher Sicherheit, man würde ihnen gegen Aggressoren beistehen, und dann warf man sie Hitler und Stalin zum Fraß vor. 1945 in Potsdam verriet man sie erneut, 1975 in Helsinki wurden sie ebenso übergangen. Liebe Griechen, ihr solltet schnellstens in Moskau an die Kreml-Tür klopfen, sonst holt Euch der Teufel.

  3. GR-Block
    15. Februar 2018, 01:35 | #3

    „…scheint die Türkei Schritt für Schritt auf eine offene Kollision mit Griechenland zuzusteuern.“
    Da heißt es, ruhig Blut Alexi! Eigentlich hat Arkadaş Erdoğan lediglich ein innenpolitisches Problem und möchte deshalb durch Muskelnaufblähen davon ablenken.
    Sein gezielter Krieg gegen die syrischen Kurden gerät im eigenen Land immer mehr in die Kritik der 10-20 Mio türkischen Kurden. Wenn er in Syrien zu einem Vernichtungsschlag ausholt, dann bricht zuhause die kurdische Revolution aus. Tut er nichts, dann bildet sich evtl. eine geopolitisch relevante Kurdische Region vor der Haustür mit katastrophalen Folgen für die Einheit der „türkischen“ Nation.
    Diesen Krieg kann er also zu hause gar nicht gewinnen. Deshalb sucht er unbedeutende Nebenkriegsschauplätze und hofft so bei seinem Volk zu punkten, während er sich dessen Brüder und Schwestern in Syrien vorknöpft. Er riskiert einen Krieg um ein paar Felsen in der Ägäis, damit man nicht mehr nach Syrien schaut.
    Fatal für ihn ist aber sein Kampf um Anteile an den Kohlenwasserstoffen vor Zypern. Auch das muss er als Augenwischerei für seine Wähler tun. Während er vorgaukelt für die Interessen der zypriotischen Türken zu kämpfen, werfen jene ihm vor, dass eine vereinte Insel das Problem erst gar nicht hätte. Zu allem Übel hat die Türkei in den vergangenen Jahrzehnten ausgerechnet Kurden in Zypern angesiedelt, um „türkische“ Ansprüche auf die besetzten Gebiete zu legitimieren. Immer schneller muss er widersprüchliche Entscheidungen treffen. Das fliegt ihm jetzt um die Ohren.
    Erst schießt er die Russen ab, dann kooperiert er mit ihnen. Erst spielt er den amerikanischen Wachhund der Region, dann knurrt er sein Herrchen an. Erst bewaffnet er die Kurden gegen Assad, dann bewaffnen ihn die Deutschen gegen die Kurden.

    Und da glaubte der alte Odysseus ernsthaft, die Entscheidung zwischen Skylla und Charybdis sei ein großes Dilemma gewesen. Der kannte Arkadaş Erdoğans innenpolitische Probleme nicht.

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