Wird Griechenland neue Krücken brauchen?

9. Januar 2018 / Aufrufe: 709

Angesichts des im Sommer 2018 auslaufenden Memorandums stellt sich die Frage, ob Griechenland aus eigener Kraft auf die Beine kommen oder neue Krücken brauchen wird.

Wird Griechenland aus seinen eigenen Kräften und ohne externe Hilfe – wie beispielsweise Irland, Portugal und Zypern – voranschreiten können, wie es im übrigen auch die Regierung des Landes wünscht? Oder wird dem am 20 August 2018 auslaufenden Rettungsprogramm ein ähnliches folgen, wie es etliche Analytiker erwarten?

Dies ist die Frage, die Bloomberg in einem Griechenland gewidmeten Artikel stellt, worin betont wird, wie kritisch das Jahr 2018 für die Wirtschaft des Landes ist und welch maßgebliche „Wette“ der Ausgang aus dem Programm im August ist. Parallel führt die Agentur auch zehn kritische Schritte an, die zu befolgen sind, damit dieser Kurs erfolgreich ist.

Dekalog für einen „sauberen“ Ausgang Griechenlands aus den Memoranden

Fabio Balboni, Ökonom der HSC, merkt an, die Dinge scheinen sich für Griechenland besser zu zeigen. Er ergänzt jedoch, „ein ’sauberer‘ Ausgang (aus dem Programm bzw. Memorandum) könnte sich als schwierig erweisen, wenn die Mitglieder der Eurozone nicht zu einer essentiellen und glaubwürdigen Erleichterung der griechischen Verschuldung schreiten„.

Die kommenden acht Monate werden also maßgeblich sein und die Herausforderungen – Meilensteine, denen Griechenland zu begegnen hat, sind laut der Agentur:

  1. Bis zum 17 Januar 2018 hat das griechische Parlament das Gesetz mit den vorab zu erfüllenden Bedingungen für die Vollendung der dritten Bewertung zu verabschieden. Dies ist eine Voraussetzung, damit bei der Eurogruppe am 22 Januar 2018 die Genehmigung für die Auszahlung der (Unter-) Rate erteilt wird.
  2. Bis zum Ende des selben Monats müssen die Szenarien für die Stresstests der griechischen Banken vollendet worden sein. Die Banken Griechenlandes werden das Verfahren des Nachweises ihrer hinreichenden Kapitaldeckung früher als die übrigen Banken der EU vollendet haben müssen.
  3. Bis Anfang Februar 2018 wird Griechenland in seiner Bemühung, wieder vollen Zugang zu den Finanzmärkten zu erlangen, eine neue Anleihe mit einer Laufzeit von drei bis sieben Jahren emittiert haben müssen.
  4. Während der ersten Zehn Tage des Februars 2018 wird der ESM die Unterrate aus dem Rettungsprogramm auszuzahlen haben. Die Summe, die Griechenland erhalten werden wird, ist noch nicht vereinbart, soll laut dem griechischen Finanzminister jedoch wenigstens 5,5 Mrd. Euro betragen.
  5. Im Februar 2018 werden die griechischen Banken mit der Übermittlung von Daten an die Griechische Bank und die europäischen Behörden bezüglich der Durchführung der Stresstests zu beginnen haben.
  6. Die griechische Regierung erwartet, dass die Gläubiger im Februar 2018 die Beratungen über eine weitere Erleichterung der griechischen Verschuldung beginnen werden.
  7. Anfang März 2018 wird der Beginn der vierten Bewertung erwartet und Griechenland will fristgerecht weitere 82 erforderliche Maßnahmen vollenden.
  8. Das kritische Treffen der Gläubiger wird zwischen dem 20 und 22 April 2018 in Washington erfolgen. Es ist die Frühjahrskonferenz des Internationalen Währungsfonds (IWF), bei der es am wahrscheinlichsten ist, dass die Erleichterung der Verschuldung, aber auch diskutiert wird, wie es mit Griechenland weitergehen soll.
  9. Im Mai 2018 werden die Ergebnisse der Stresstests bekannt gegeben werden und es wird sich die Größe des Problems und die Notwendigkeit zur Bereitstellung neuer Gelder seitens der Gläubiger oder nicht zeigen.
  10. Anfang Juni 2018 muss die vierte Bewertung vollendet worden sein und sie haben bei einer Einigung sowohl über die Bedingungen einer weiteren Erleichterung der Verschuldung als auch die Verpflichtungen Griechenlands nach dem Ende des Programms angelangt zu sein.

Die griechische Regierung schließt die Möglichkeit aus, es werde ein neues (Memorandum, Hilfs-, Rettungs- oder wie auch immer genanntes) Programm geben, eine Person mit Kenntnis der Verhandlungen führt berichtet jedoch, europäische Amtsträger haben davon gesprochen, es werde eine Art „Anschlussvereinbarung bis 2022“ angesichts der Tatsache geben, dass Griechenland sich bis dahin zu Primärüberschüssen der Größenordnung von 3,5% seines BIP verpflichtet hat.

(Quelle: mignatiou.com)

  1. Kleoni
    9. Januar 2018, 10:00 | #1

    ich zweifle sehr, ob die reichen Wirtschaftsvögte bereit sind, einem geknechteten Land wieder etwas mehr Luft zum atmen zu geben, bevor nicht das letzte lukrative Stückchen an deren „Investoren“ zur Gewinnmaximierung ans Ausland verschachert ist. Auch die Gelder aus dem Tourismus fliessen inzwischen in immer grösserem Umfang an ausländische Konzerne und diese diktieren dann Billiglohn und dazu noch schlechte Arbeitsbedingungen. Im Klartext weitere Sklavenarbeit, die einem grossteil der griechischen Bevölkerung aufgezwungen wird. Griechenland hat einmal mehr wieder die Wahl zwischen Pest und Cholera.

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