Versteigerungen drohen Griechenlands Wohnungsmarkt zu sprengen

26. Januar 2018 / Aufrufe: 1.602

Bei Bauunternehmern und Immobilieneigentümern in Griechenland herrscht Besorgnis wegen eines möglichen neuen Zusammenbruchs der Wohnungspreise.

Zusammen mit den von der griechischen Regierung mit den Gläubigern vereinbarten (Zwangs-) Versteigerungen tausender Immobilien zieht eine Bedrohung auf, die den griechischen Immobilienmarkt in die Luft zu sprengen vermag.

Die von Griechenland eingegangene Verpflichtung, bis 2021 zu 130.000 Versteigerungen zu schreiten, und hauptsächlich der Umstand, dass allein in diesem Jahr (2018) in den nächsten 11 Monaten 10.000 Immobilien „unter den Hammer“ kommen müssen, ruft bei den Marktspezialisten Schrecken hervor. (Anmerkung: 2019 – 2021 sollen jährlich 30.000 Immobilien zur Zwangsversteigerungen gebracht werden.)

In Griechenland entstehen zwei parallele Immobilienmärkte

Der Wohnungsmarkt in Griechenland befindet sich seit 2009 und nachfolgend in einem halbtoten Zustand, wobei die Immobilientransaktionen jährlich 10.000 – 15.000 nicht übersteigen und mit einem auf über 200.000 Einheiten geschätzten „Stock“ alter und neuer Häuser. Also mit einer dermaßen großen Anzahl unverkaufter Wohnungen, die nicht abnimmt, weil das Interesse – hauptsächlich wegen der Bremse der Banken bei der Zuteilung neuer Kredite – gering ist. Wenn also ein dermaßen großer Bestand nicht „verdaut“ werden kann, ist es unmöglich, dass der Markt auch die zigtausend Häuser verkraftet, die unter den Hammer kommen werden, zumal zu außerordentlich niedrigen Preisen.

Faktoren des griechischen Immobilienmarkts fragen sich, was mit den Werten der heute einen Käufer suchenden Immobilien geschehen wird, wenn ganze Vermögen zur Versteigerung kommen werden, also der zum Verkauf geratende Gebäudebestand noch mehr anwachsen wird. In vielen Gebieten des Landes wird sogar damit gerechnet, dass es einen … formlosen Preiskampf geben wird, da fortan zwei Märkte existieren werden:

Der eine ist der primäre Markt, auf dem Bauunternehmer oder Privatleute ihr Vermögen verkaufen und solche Preise verlangen, die sie zu bekommen können einschätzen. Der andere Markt ist der neue Sekundärmarkt, wo es die Immobilien geben wird, die von den Banken oder von dem Staat gepfändet und mittels der elektronischen Versteigerungen zum Verkauf kommen werden.

Sogar auch das Szenarium, dass selbige Banken die meisten versteigerten Immobilien selbst kaufen, erscheint nicht fähig, einen Fall der Preise zu „bremsen“, da die Banken irgendwann ihre Portefeuilles veräußern werden müssen um Bargeld einzunehmen. Die Bauunternehmer wiederum schätzen ein, nicht verkaufen können zu werden, da es in der selben Gegend konkurrierende Immobilien zu niedrigeren Preisen geben wird. Und zum Schluss werden sie gezwungen sein, die Preise ihrer eigenen Immobilien noch mehr zu senken.

Es sei in Erinnerung gerufen, dass in den Jahren der Krise die Preise bei den Wohnungen auf Basis der offiziellen Angaben um über 40% gesunken sind, jedoch übersteigt der Rückgang in vielen Gebieten sogar auch 60%. Aus dieser Situation resultiert, dass die Marktwerte in vielen Gebieten – speziell Athens – unter den Einheitswerten liegen.

Versteigerungsflut wird zu Verzerrungen bei Einheitswerten führen

Es wird erwartet, dass die „Flutung des Eimers“ des Immobilienmarkts mit billigen Immobilien per Versteigerungen auch Verzerrungen im System der Ermittlung der Einheitswerte verursachen wird, die zu dieser Stunde die von dem Finanzministerium eingestellten speziellen Schätzer vornehmen.

Der finale Bericht mit den Preisen je Zone, den sie bald übergeben werden, wird schließlich große Unterschiede zu den in wenigen Monaten auf dem Markt geltenden Verhältnissen haben, wenn das Angebot steigen werden wird, ohne dass es eine entsprechende Nachfrage gibt. Außerdem werden sich alle, die eine Immobilie zu kaufen wünschen, den elektronischen Versteigerungen zuwenden, mit denen die Banken beginnen werden, da sie sowohl bessere Preise erzielen als auch von selbigen Banken finanziert werden können.

Es sei in Erinnerung gerufen, dass jüngst die internationale Agentur Fitch in ihrem Bericht mit Titel „Global Housing Mortgage Outlook“ einschätzte, Norwegen, Griechenland und Großbritannien werden die drei einzigen Länder sein, die in diesem Jahr keinen Anstieg bei den Preisen sehen werden. Fitch erwartet, dass die Liquidität der griechischen Banken trotz der wie immer gearteten Anzeichen einer Verbesserung schwach und die Finanzierungskosten hoch bleiben werden.

(Quelle: tanea.gr, Autor: Vasilis Kanellis)

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