Griechenland bleibt Verschuldungs-Champion Europas

28. Januar 2018 / Aufrufe: 814

Griechenland hatte auch im dritten Quartal 2017 in der Eurozone die höchste Verschuldung im Verhältnis zu seinem BIP, gefolgt von Italien und Portugal.

Den am 24 Januar 2018 von dem Statistischen Amt der Europäischen Union (Eurostat) veröffentlichten Angaben zufolge belief die öffentliche Verschuldung Griechenlands sich im dritten Quartal 2017 auf 177,4% des BIP.

Im Verhältnis zum zweiten Quartal 2017 stieg die griechische Verschuldung um 1,3%, während im Vergleich zum dritten Quartal 2016 das Verhältnis der Verschuldung zum BIP um 0,5% zurück ging.

Griechenlands Kreditschulden bei 143,5% seines BIP

Aus den selben Angaben geht hervor, dass von der 177,4% des BIP betragenden öffentlichen Verschuldung Griechenlands 143,5% auf Kredite entfallen. In absoluten Zahlen wiederum stieg die griechische Verschuldung auf 313,5 Mrd. Euro an, gegenüber 309,1 Mrd. Euro im zweiten Quartal 2017 und 311,3 Mrd. Euro im dritten Quartal 2016.

Hinsichtlich der Eurozone in ihrer Gesamtheit gestaltete sich Ende des dritten Quartals 2017 das Verhältnis von Verschuldung zu BIP auf 88,1%, gegenüber 89,0% Ende des zweiten Quartals 2017. In der EU der 28 sank die Verschuldung von 83,3% auf 82,5%. Im Vergleich zum dritten Quartal 2016 ging das Verhältnis der öffentlichen Verschuldung zum BIP ebenfalls sowohl in der Eurozone (von 89,7% auf 88,1%) als auch in der EU der 28 (von 82,9% auf 82,5%) zurück.

Öffentliche Verschuldung in Europa im 3. Quartal 2017 (Verhältnis zum BIP in %)
Öffentliche Verschuldung in Europa im Verhältnis zum BIP im dritten Quartal 2017

Laut den Angaben der Eurostat hatte im dritten Quartal 2017 Griechenland die höchste Verschuldung in der EU, gefolgt von Italien mit 134,1% und Portugal mit 130,8% des BIP, während die niedrigste Verschuldung Estland mit 8,9%, Luxemburg mit 23,4% und Bulgarien mit 25,6% hatten. Der größte Anstieg bei der Analogie von Verschuldung zu BIP im Vergleich zum zweiten Quartal 2017 wurde in Griechenland (+1,3%) und Belgien (+0,9%) beobachtet, während der größte Rückgang in Tschechien (-4,3%) und Zypern (-2,9%) verzeichnet wurde.

Im Vergleich zum dritten Quartal 2016 wurde der größte Anstieg bei der Analogie von Verschuldung zu BIP in Italien (+2%), Luxemburg (+1,7%) und in Frankreich (+1%) notiert, während der größte Rückgang in Zypern (-7,4%), Holland (-4,5%), Malta (-4,4%) und Deutschland verzeichnet wurde.

(Quelle: iefimerida.gr)

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  1. GR-Block
    28. Januar 2018, 14:52 | #1

    Ja ja, der virtuelle Schuldenstand ist und bleibt hoch. Das muss in einer „Bad Bank“ nunmal so sein. Tatsächlich aber ist die Bonität inzwischen bei „B“ angelangt (S&P Januar 2018). Und nur die zählt, wenn es darum geht „Investoren“ anzulocken.
    Dass die Staatsschulden des dritten Quartals von 2016 auf 2017 angestiegen sind, spielt keine große Rolle, es ist nur eine Momentaufnahme. Bevor wir uns also voreilig die ND herbeiwünschen, vergleichen wir besser die Staatsschulden vom ganzen Jahr. Und die sehen bis zum dritten Quartal im Schnitt gar nicht so schlecht aus. Sobald alle Zahlen für 2017 da sind, haben wir Klarheit.

    2016
    1.Q 309,2
    2.Q 315,4
    3.Q 311,3
    4.Q 315,0

    2017
    1.Q 310,7
    2.Q 309,1
    3.Q 313,5
    4.Q ?

  2. Alfons
    28. Januar 2018, 16:29 | #2

    Hierzu ist wichtig, neben der Schuldenquote auch die absolute Schuldenhöhe zu betrachten. Dies betrifft z.B. die reale Belastung der Gläubiger. So ließen sich (theoretisch als „Abschreibung“) 313 Mrd Euro Griechenlands leichter verkraften, als die 2 Billionen Italiens. Das bedeutet jedoch, dass mit deutlich weniger Geld ein deutliche bessere Schuldenquote im Falle Griechenlands erzielen ließe als im Falle (z.B.) Italiens – OHNE das sich am BIP irgendwas ändern müsste. Dieser Mechanismus ist z.B. sehr bedeutend für die aktuelle Gläubigerpolitik. Denn sie setzt nur auf das BIP, statt auf Schuldenabbau durch Teilerlässe oder zumindest auf eine Kombination von beidem. Damit steht Griechenland aufgrund seiner speziellen BIP-Bedingungen zwangsläufig mehr unter Druck als z.B. Italien oder gar Deutschland. In der EU gleichen sich ja schwächere Wirtschaftsregionen mit stärken ja auch nicht aus, wie es z.B. innerhalb der nationalen Ökonomie der Fall ist. In sofern ist die Betrachtung der reinen Schuldenquote immer im Aussagewert begrenzt. Was die EU als ganzes betrifft kann diese grundsätzlich nicht überleben, wenn keine Ausgleichsmechanismen existieren bzw. diese einseitig sind (günstig für Gläubiger, ungünstig für Schuldner).

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