Bilder des Elends von Lesbos in Griechenland

1. Januar 2018 / Aufrufe: 890

In dem Hot Spot Moria auf Griechenlands Insel Lesbos existieren zwei parallele Welten, wo Hunger, Kälte, katastrophale Hygiene und all das andere Leid zusammentreffen.

Der überraschende Besuch des Ministers für Migrationspolitik, Giannis Mouzalas, im „Hot Spot“ bei Moria am Weihnachtstag ist bezeichnend für das große Problem der Überbelegung, dem die konkrete Einrichtung zur Beherbergung von Flüchtlingen und Immigranten auf der griechischen Ägäis-Insel Lesbos sowie auch die entsprechenden Einrichtungen auf den Inseln Chios und Samos begegnen.

Eine Überbelegung, die einerseits mit der Anzahl der Ankünfte aus der Türkei, andererseits mit der Politik der griechischen Regierung und der EU bezüglich der „Einschränkung“ der Weiterleitungen in einer ersten Phase von den Inseln auf Griechenlands Festlands und im weiteren Verlauf in andere Länder der EU zu tun hat.

Parallele Welten im Auffanglager auf Griechenlands Insel Lesbos

Es ist keineswegs zufällig, dass gemäß den offiziellen Angaben der alltäglichen Pressemitteilungen der Hafenwacht der griechischen Küstenwacht trotz der Tatsache, dass die Ströme der über die Türkei eintreffenden Flüchtlinge und Immigranten im Vergleich zu 2016 höchst signifikant zurückgegangen sind, und obwohl es Winter ist, mit schlechtem Wetter und anstehenden Feiertagen, allein in den vier Tagen 19 – 22 Dezember 2017 in acht verschiedenen Fällen 491 von der Türkei über das Meer kommende Flüchtlinge / Immigranten gerettet wurden.

Journalisten der Zeitung „Parapolitika“ besuchten die Insel Lesbos, das Auffanglager bei Moria, das staatlich ist, sowie auch die entsprechende Einrichtung bei „Kara Tepe“, die der Kommune (sprich Gemeindeverwaltung) der Insel gehört, und sprachen mit den einheimischen Zuständigen, aber auch mit einfachen Leuten.

In der Beherbergungseinrichtung bei Moria gibt es zwei parallele Welten, wo das Elend, der Hunger, die Kälte, die schlechten hygienischen Verhältnisse und all das andere Leid gesammelt zusammen existieren: es gibt die formale organisierte Anlage innerhalb der umzäunten alten Kaserne des griechischen Militärs und das infolge der ungeheuren Überbelegung der organisierten Einrichtung außerhalb dieser entstandene provisorische … „Camp“ mit Zelten und jedwedem anderen, was eine provisorische Unterkunft zu bieten mag.

Der Zugang zu der organisierten Beherbergungseinrichtung bei Moria ist den Journalisten verboten, in die daneben befindliche Zeltstadt, die unter Verwendung jedweden verfügbaren Materials geschaffen worden ist, kann sich jedoch praktisch jeder begeben und alles fotografieren. Und dort begegnet man dem personifizierten Elend. Die Sicherheits-, Hygiene- und Überlebensbedingungen sind inexistent. Männer, Frauen, Kinder, gleich ob miteinander bekannt oder nicht, leben unter gemeinsamen Zelten – mit all den Problemen, die aus einem solchen erzwungenen Zusammenleben entstehen.

In dem „Beherbergungszentrum“ der Kommune Mytilini (sprich der „Hauptstadt“ der Insel Lesbos) bei Kara Tepe, wo nur Familien oder Einzelpersonen mit ihren minderjährige Kindern angelangen, ist die Lage dagegen völlig anders. Es gibt kleine Bungalows für jede Familie, Sportplätze nebst Fußball- und Basketballfeld für die Kinder und sogar auch eine „Tee-Ecke“ (tea corner) für das in der gesamten arabischen Welt populäre Getränk.

Dies sind die beiden Seiten ein und der der selben Münze und betreffen die Flüchtlinge / Immigranten auf der selben Insel.

Psychische Störungen, Gewalt, sexuelle Übergriffe im Hot Spot Moria

Die „Ärzte der Welt“ haben eine organisierte Stelle „vor Ort“, genau vor dem Zugang zur Einrichtung bei Moria. Die erste erfolgende Beobachtung ist, dass die sie beschäftigenden Fälle psychischer Natur dramatisch zugenommen haben, und zwar wegen der misslichen Lebensbedingungen, hauptsächlich aber, weil die Flüchtling keinerlei Licht am Ende des Tunnels ihres „Abenteuers“ sehen.

Den Angaben der „Ärzte“ zufolge hatten ab Ende 2016 und im ersten Halbjahr 2017 rund 1/3 der Patienten (35 von 99, die sich an die „Arzte“ wendeten) psychologische Probleme, während der Dauer des Sommers 2017 nahm der Anteil zu und erreichte im August 3/4 (22 von 30 Patienten allein für den konkreten Monat). Sieben von zehn Fällen, die sie wöchentlich beschäftigten, standen mit der psychischen Gesundheit der Flüchtlinge in Zusammenhang, und gerade einmal nur drei bezogen sich auf Erkrankungen, kleine Verletzungen usw.

Gewalt und sexuelle Angriffe in dem Lager sind zwei weitere ernsthafte Deliktquellen. Auf Lesbos begegneten in den neun Monaten Januar – September 2017 insgesamt 213 Personen ernsthafter sexueller Gewalt innerhalb der Einrichtung oder etwas außerhalb dieser, sprich in der nebenan liegenden … Zeltstadt. Und wir sehen eine kontinuierlich ansteigende Tendenz ähnlicher Vorfälle: von 14 im Zeitraum Oktober – Dezember 2016 auf 63 im Januar – März 2017, auf 64 im April – Juni 2017 und 86 im Juli – September 2017.

(Quelle: parapolitika.gr)

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