Mythen und Wahrheiten über Zigeuner in Griechenland

4. Dezember 2017 / Aufrufe: 1
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Eine Erhebung bezüglich der gesellschaftlichen Integration der Zigeuner – Roma in Griechenland widerlegt 7 Mythen, zeigt jedoch auch 7 bittere Wahrheiten auf.

In Griechenland wimmelt es in im öffentlichen Raum erfolgenden Bezugnahmen auf die Zigeuner / Roma häufig von Stereotypen bis hin zu Äußerungen von Hass und Feindselig.

Spezieller auf lokaler Ebene, sprich in den Kommunen des Landes, ist jede Diskussion bezüglich des Themas der gesellschaftlichen Integration der Zigeuner / Roma a priori unterminiert, da sie von den üblichen Stereotypen, der belasteten Historie der Handhabung des Themas, die von heimlichen Agenden und einem Mangel an Seriosität begleitet wurde, aber auch dem Unvermögen der selbigen Zigeuner „eingekesselt“ wird, ihre eigene Intervention als organisierte Träger der Gesellschaft der Bürger zu gestalten, zu organisieren und zu entwickeln.

7 Mythen und Wahrheiten über Zigeuner – Roma in Griechenland

Die Ergebnisse aus einer jüngst durchgeführten Untersuchung – Erfassung in dem hauptsächlich von Zigeunern / Roma bewohnten Bezirk „Vlycho“ der Stadt(-gemeinde) Megara [1] widersetzen sich den in der öffentlichen Sphäre herrschenden Mythen, während sie gleichzeitig auch bittere Wahrheiten enthüllen. Um zu greifbaren und tragfähigen Resultaten zu führen, schuldet jedwede aufrichtige und systematische Bemühung um die gesellschaftliche Eingliederung der Roma, diese Mythen und Wahrheiten abzuwägen.

Die Mythen, die entkräftet werden:

  1. Die Roma sind Nomaden – sie ziehen umher – sie wollen keinen festen Wohnsitz.
    Die Überwältigende Mehrheit ist jedoch fest in dem Gebiet ansässig geworden, wobei sich fast 80% der lokalen Population dort vor wenigstens 30 Jahren erstmals niederließen!
  2. Die Roma wollen Gegenleistungen / Geld, um an Bildung, Ausbildung usw. teilzunehmen.
    68,5% der Roma in Vlycho sind daran interessiert, ohne irgendeine finanzielle Unterstützung an Aus- und Fortbildungsaktionen teilzunehmen!
  3. Die Roma haben kein Interesse, sich zu bilden.
    Über 50% der volljährigen Roma bekundeten Interesse an Ausbildung und Erwerb von Grundwissen, während ein noch größerer Anteil die Schule aus wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Gründen abbrach.
  4. „Die Roma sind eine Gesundheitsgefahr – sie lassen sich nicht impfen.“
    Über 60% der Population ist geimpft, wobei die überwältigende Mehrheit der jungen Leute im Alter von bis zu einschließlich 25 Jahren alle Grundimpfungen gemacht hat!
  5. Die Roma arbeiten nicht.
    Die tragische Wahrheit ist, dass sogar auch die Kinder arbeiten, jedoch in „formlosen“ Beschäftigungen ohne Rechte, und dabei signifikant Gefahren für ihre Gesundheit und Sicherheit ausgesetzt sind. 82% gehen einer „formlosen“ (sprich „schwarzen“) Beschäftigung nach.
  6. Die Roma leben ausschließlich von Beihilfen.
    27% haben irgend eine Sozialleistung als Haupteinkommensquelle, welche Quote sehr viel niedriger ist als auf Basis ihrer sozialen – wirtschaftlichen Situation zu erwarten wäre. Im Vergleich zu dem in Enklaven extremer Armut lebenden Nicht-Roma ist dieser Anteil sogar niedriger.
  7. Die Roma sind widerrechtliche Besetzer.
    Gerade einmal 7% scheinen auf einer widerrechtlich eingenommenen Fläche zu leben, was nicht zuletzt Resultat des diachronischen Fehlens einer Sozialwohnungspolitik in Griechenland ist.

Die bitteren Wahrheiten:

  1. Die Roma sind zu einem außerordentlich hohen Anteil Analphabeten, wobei 62% weder schreiben noch lesen können!
  2. Fast die Hälfte der Population verfügt über keinen Sozialversicherungsschutz!
  3. 95% derjenigen, die eine wirtschaftliche Aktivität ausüben, für die eine Genehmigung der Verwaltung erforderlich ist, verfügen nicht darüber.
  4. 80% der Population haben in den letzten 12 Monaten Diskriminierungen erlebt, von denen sich ungefähr die Hälfte auf Vorgänge bei den öffentlichen Behörden beziehen!
  5. 25% der lokalen Population wohnen in Baracken und 9% in Lehmhütten mit Asbestzement-Dächern. Fast jeder Dritte genießt also – mit allen negativen Konsequenzen für die breitere gesellschaftliche Integration – keinen Zugang zu einer (menschen-) würdigen und sicheren Wohnung.
  6. Die überwältigende Mehrheit der Anwohner verfügt über keinen oder einen unzulässigen Zugang zu elektrischem Strom, welche Tatsache für die durchlebte extreme Energiearmut bezeichnend ist!
  7. Über 70% der selbigen Roma sind über die Lebensbedingungen in Vlycho empört, mit signifikantesten Problemen der des Straßenbaus, des elektrischen Stroms, der öffentlichen Beleuchtung und der Sicherheit!

Komplexität und Schwierigkeit der sozialen Integration der Zigeuner

All die obigen Befunde sind aufzeigend für die Komplexität und Schwierigkeit der Interventionen zur gesellschaftlichen Eingliederung der Zigeuner / Roma, aber auch die Hürden, die alle involvierten Träger zu überwinden haben.

Mit der landesweiten Umsetzung des sogenannten „Sozialen Solidaritätseinkommens“, der Gründung des Sondersekretariats für die gesellschaftliche Integration der Roma, der Gründung der Abteilungen für Roma und der Sozialzentren, der allgemeinen gesundheitlichen und pharmazeutischen Deckung der nicht (Sozial-) Versicherten, der Gründung des schulischen Sozialamts und der Etablierung eines Rahmens für die Umsiedlung ungeeigneter Lagerstätten stellen die Entwicklungen der letzten zwölf Monate einen günstigen und unterstützenden Rahmen für die Übernahme in sich abgeschlossener Aktionen durch die lokale Selbstverwaltung in Zusammenarbeit mit den selbigen Roma dar.

Diese Aktionen schulden, den Mythen und bitteren Wahrheiten zu begegnen und zur Überbrückung einer Kluft beizutragen, die den lokalen gesellschaftlichen Zusammenhalt bedroht und einen Teil der Bevölkerung zu Ausgrenzung und multiplem Ausschluss verurteilt.

[1] Die gesellschaftliche Erhebung – Erfassung in Vlycho / Megara wurde im Rahmen einer programmatischen Vereinbarung der Bezirksverwaltung Attika mit der Kommune Megara im Rahmen der Ausarbeitung eines in sich abgeschlossenen Aktionsplan für die gesellschaftliche Integration der Roma in dem Gebiet durchgeführt (Beschluss 124/2016 des Bezirksverwaltungsrats Attika).

(Quelle: insider.gr, Autor: Dimitris Mpourikos)

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