In Griechenland siegte die Lüge

1. November 2017 / Aufrufe: 759

Seine Arroganz demonstrierend bestätigte Griechenlands Premierminister Alexis Tsipras praktisch den Eindruck des Beginns eines erneuten Parteiregimes.

Griechenlands Regierung Tsipras – Kammenos mag nicht die Memoranden abgeschafft haben, jedoch erreichte sie etwas viel Signifikanteres für ihre Strategie: sie hat die Wörter, also ihre Bedeutung „abgeschafft“ …

Die größten Verlierer unter der SYRIZA sind Rede und Gegenrede, sprich der Dialog. Was immer man über die glänzenden Tage der bald ihren dritten Geburtstag feiernden Koalitionsregierung sagt, fast nichts hat eine Bedeutung. Außerdem ist alles ein Gesinnungsgericht: „Bist Du einer von uns? Bist Du es nicht, bist Du gegen uns“ …

Griechenlands Regierung hat die Irreführung entkriminalisiert

Wenn die Nachrichten nicht von dem Propagandamechanismus der Regierung stammen, sind sie „Desperate News„, wie uns in der vergangenen Woche der Premierminister in einer Vorführung einer Arroganz mitteilte, die das Gefühl des diesjährigen Herbstes bestätigte, nämlich dass eine (Früh-) Regimeherrschaft begonnen hat.

Die Botschaft an die Journalisten war klar: „Ihr bemüht Euch vergeblich, die Wahrheit sind wir und wir kamen um zu bleiben.“ Wie im übrigen auch der Staatsminister durchklingen ließ, wird außerdem sogar die Aktivität der „Rechten“ in den sozialen Medien überwacht. „Und sehr zu Recht„, würde jemand auf Basis der Logik sagen, mit der die Regierung jedwedem Dialog begegnet. Denn was anderes als „Rechte“ und „Zentrumsradikale“ können alle jene sein, die sie nicht unterstützen? „Better safe than sorry …„, wie auch die amerikanischen Freunde sagen würden – eine Phrase, die man auf Griechisch frei mit „es ist besser, den Esel anzubinden als hinter dem Esel herzurennen“ wiedergeben könnte.

Auf der anderen Seite braucht sich niemand sehr zu beunruhigen. Die griechische Regierung hat die Differenzierung zwischen Lüge und Wahrheit abgeschafft, sie hat die Irreführung „entkriminalisiert“ und beschwichtigt sich vorab selbst. „Manchmal mag es teuflisch anmuten, erfolgt jedoch zum Guten„, wie auch Tsipras (über Trump) sagen würde.

Gemäß ihrer Logik gibt es offensichtlich nichts Tadelnswertes, wenn alles zum Vorteil des Volkes geschieht. Und was die Hauptsache ist, sie stützen sich auf den Widerhall, den ihr (unbändiger) Populismus hat. Einen existenten und messbaren Widerhall, eine „Größe“, die niemand übersehen kann. Weil er das Leben im Land beeinflusst, wenn nicht gar bestimmt, und sich im Zentrum der Szene installiert hat.

Das absolute Böse und Gute und der Vorteil des auserwählten Volkes

Einfach gesagt, jetzt, wo die lobende Anerkennung der amerikanischen und europäischen „Freunde“ für die heutigen Regierenden in Griechenland die Illusion des „für immer“ stärken, so sehr wird auch das Empfinden gestärkt, das Volk habe ihnen den Spielraum erteilt, ungestraft zu sagen, was immer sie wollen.

Die einzige Grenze sind die Toleranz und die Belastbarkeit des Volkes. Weil die Logik besiegt worden ist. Jedweder Dialog ist von Vornherein als Versuch einer Wiederherstellung des alten Regimes verurteilt. Die Einwände, die all jene erheben, die sich auf pragmatische Fakten berufen, sind „Desperate News“, die im Maßsystem des Herrn Tsipras noch schlimmer als selbst „Fake News“ sind – was natürlich wiederum all jene sind, die kursieren und das Unglück hatten, nicht in „Non-Papers“ des Maximou (sprich der Regierungszentrale) oder in der (Partei-) Zeitung „Avgi“ oder auf left.gr veröffentlicht zu werden.

Unter uns, Herr Tsipras‘ unaufhörliche Bezugnahme auf die „Fake News“ erinnert erschreckend an die pubertäre Gegenwehr Trump’s, aber wie gesagt macht für den Vorsitzenden der SYRIZA der republikanische Präsident alles für das Gute. Etwa so funktioniert auch – mögen wir verschont bleiben – der Absolutismus. Mit religionswissenschaftlichen Bezugnahmen auf das absolute Böse und das absolute Gute und dem Vorteil des auserwählten Volkes als gemeinsamen Nenner.

Eines Tages, irgendwann in einer unbestimmten Zukunft, wird dieses Volk es satt haben. Bis dahin werden sie jedoch denken, einen Persilschein zu haben.

(Quelle: protagon.gr, Autor: Alekos Papanastasiou)

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