Siemens schließt historische Pitsos-Fabrik in Griechenland

21. Oktober 2017 / Aufrufe: 994
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Siemens schließt eine der ältesten Fabriken Griechenlands, und zwar möglicherweise, um sich vor einer im Siemens-Skandal vereinbarten Wiedergutmachung zu drücken.

In Griechenland gab die BSH Hellas (Pitsos) den Beschluss bekannt, ihre Fabrik im Athener Stadtbezirk Renti zu schließen. Es handelt sich um eine der ältesten Fabriken des Landes, die nach dem Aufkauf der im Jahr 1865 gegründeten Pitsos durch die Bosch-Siemens Hausgeräte GmbH in BSH Hellas umbenannt wurde.

Die Leitung der Gesellschaft gab bekannt, die Anlage werde noch für ein Jahr – bis Ende 2018 – in Betrieb bleiben und danach schließen. Es ist bereits ein Programm zum Abbau der Belegschaft mit dem Ziel auf den Weg gebracht worden, die Folgen der Schließung zu mildern.

BHS Hellas „versüßt“ die bittere Pille mit einem generösen Sozialplan

Die Firmenleitung der BHS Hellas teilte den 250 Beschäftigten mit, in ein optionales Ausscheidungsprogramm („Sozialplan“) mit besonders günstigen Bedingungen eintreten zu können. Das Programm begann am 02 Oktober 2017 und wird am 10 November 2017 zur Vollendung kommen. Ihrer Erklärung zufolge „wird ab dem 01 Januar 2018 die Fabrik die Herstellung keines der Produkte des Konzerns mehr unterstützen können, was den Beschluss zur Einstellung ihrer Produktionstätigkeit zur Folge hat„.

Immerhin hatte die Fabrikanlage jüngst noch eine (sich auf 140.000 Einbau-Backöfen „Bosch“ beziehende) signifikante Bestellung sichergestellt, die ihren Betrieb bis Ende 2018 gestatten wird, und danach wird sie ihren Betrieb einstellen.

152 Jahre ununterbrochener Präsenz der Pitsos in Griechenland

Die Bosch-Siemens Hausgeräte GmbH hatte im 1970er Jahrzehnt die im Jahr 1865 gegründete bekannte griechische Haushaltsgeräte-Firma PITSOS aufgekauft. Die Pitsos-Fabrik ist seit 1909 in dem Athener Stadtbezirk Renti in Betrieb.

Der deutsche Konzern wiederum stellt den größten Haushaltsgeräte-Hersteller in Europa dar, der sich aus dem Joint Venture der Robert Bosch GmbH und Siemens AG ergab. Die BSH, an der die BOSCH – SIEMENS HAUSGERÄTE GmbH und die SIEMENS A.E. HELLAS zu gleichen Teilen beteiligt waren (Joint Venture 50% – 50%), erwarb im Jahr 1976 die Mehrheit (60%) der Aktien der PITSOS.

2014 verkaufte die Siemens ihre Beteiligung an den Bosch-Konzern und heute wird die BSH Haushaltsgeräte SA vollständig von dem multinationalen Konzern BSH GmbH kontrolliert. Es sei angemerkt, dass die Firma nicht der Zuständigkeits-Sphäre der Bosch Hellas angehört.

Die Problematik der deutschen Eigentümer bezog sich darauf, dass die griechische Produktionsanlage einen großen Teil ihrer Umsätze verloren hat, die innerhalb weniger Jahre von ungefähr 250 Mio. Euro auf 100 Mio. Euro und noch niedriger sanken. Die Anlage war als nicht überlebensfähig beurteilt worden und es waren verschiedene Alternativen untersucht worden, damit ihr Betrieb fortgesetzt wird. Die ernsthafteste von diesen war, die Scheibenwischer-Produktion des deutschen Konzerns in die griechische Produktionsanlage zu verlegen, was jedoch nicht voranschritt.

Entzieht Siemens sich mit der Schließung der Pitsos-Fabrik Verpflichtungen?

Außer einer Produktionsanlage für Haushaltsgeräte in Agios Ioannis / Renti und Lagerstätten in Aspropyrgos / Attika verfügt die BSH Haushaltsgeräte über ein vollständiges landesweites Service-Netz für Haushaltsgeräte, mit zentralen Einrichtungen in Athen, Thessaloniki, Patras, Heraklion (Kreta) und angeschlossenen Werkstätten in ganz Griechenland.

Im vergangenen Sommer (2017), aber auch schon vorher hatten der Betriebsrat und der Panhellenische Metallarbeiter-Verband mit Schreiben an den griechischen Premierminister und Regierungsmitglieder gewarnt und moniert, Siemens führe die Fabrikanlage in die Schließung. Und dies, weil Berichten zufolge die konkrete Fabrik indirekt Gegenstand der Vergleichs-Vereinbarung der Siemens mit dem griechischen Staat im Jahr 2011 darstellte, welche Vereinbarung eine (jedoch nicht näher benannte) Investition in Höhe von 60 – 100 Mio. Euro für die Modernisierung und Verlegung der Anlage nach Magoula vorsah. Die Siemens-Leitung hatte diese Verpflichtung jedoch bestritten.

(Quelle: dikaiologitika.gr)

Warum drängte Griechenlands Regierung nicht auf die Erfüllung der von Siemens eingegangenen Verpflichtungen?

Das Thema der Schließung der Pitsos-Fabrik gelangte mit einer an Wirtschaftsminister Dimitrios Papadimitriou gerichteten einschlägigen Anfrage, die von der Abgeordneten der Nea Dimokratia (ND) Dora Mpakogianni eingereicht wurde, auch vor das griechische Parlament.

Laut Dora Mpakogianni plant die Gesellschaft, die Produktionslinie in die Türkei zu verlagern, wo das unternehmerische Umfeld freundlicher ist. Die 250 Beschäftigten der Anlage werden somit in die Arbeitslosigkeit geführt. Die in letzter Zeit von einer Stützung des Unternehmertums und Anziehung von Investitionen redende Regierung interessierte sich nicht für den Verlauf des Betriebs einer der größten Fabriken des Landes. Sie übte praktisch keinerlei Druck auf die Muttergesellschaft aus, damit diese ihre Verpflichtungen realisiert.

Konkret fragte Frau Mpakogianni den Wirtschaftsminister:

  • Zu welchen Handlungen schritt die Regierung, damit die Fabrik der BSH HELLAS in Betrieb bleibt?
  • Überprüfte die Regierung, ob die Siemens die Verpflichtungen einhielt, die sie mit der Vereinbarung einging, die sie mit dem griechischen Statt traf?
  • Aus welchem Grund übte die Regierung keinen Druck aus, damit die Vereinbarungen bezüglich einer Investition realisiert werden und der Betrieb der Fabrik fortgesetzt wird?

(Quelle: dikaiologitika.gr)

  1. Kleoni
    21. Oktober 2017, 19:24 | #1

    Könnte es sein, dass gewisse Kräfte in Deutschland interveniert haben und es der griechischen Marionettenregierung nicht gestattet wurde, weitere Schritte gegen Siemens zu unternehmen? Mich würde es nicht wundern.

  2. Elenika
    25. Oktober 2017, 18:06 | #2

    Wann kapiert man in Griechenland endlich, dass mit Unterstützung durch den Staat der Ausverkauf längst stattfindet? Deutschland rechnet mit Griechenland die Schmach des 2. Weltkriegs ab, da hat man in den Vertriebenenvereinen doch jahrzehntelang lang dran gebastelt.

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