Griechenland: Entschädigungen wegen Diesel-Gate

14. Oktober 2017 / Aufrufe: 571

In Griechenland öffnen zwei Urteile tausenden von dem VW-Abgasskandal betroffenen Fahrzeugbesitzern den Weg, Entschädigungen einzuklagen.

Zwei jüngst in Griechenland ergangene Gerichtsurteile eröffnen den „Reigen“ der Entschädigungen für ungefähr 30.000 griechische Eigentümer von Fahrzeugen der VW-Gruppe, die mit der illegalen Software zur Verfälschung der Emissionswerte ausgestattet sind.

Detaillierter entschied das Amtsgericht Athen zugunsten zweier Pkw-Besitzer, die einerseits von einer inländischen Importfirma und andererseits von der deutschen Muttergesellschaft eine Entschädigung wegen des Dieselgate-Skandals forderten.

Verbraucher müssen sich wegen kurzer Verjährungsfrist sputen

Die griechischen Gerichte fürchteten sich nicht, einen Präzedenzfall zu schaffen. Folglich kann sich nunmehr jeder Verbraucher auf die konkreten Urteile stützen und die Erfolgsaussichten bei seiner Anrufung der Justiz maximieren„, betonte gegenüber der griechischen Zeitung Eleftheros Typos der Volljurist RA Ilias Mpetzios, der gemeinsam mit Jakovos Venieris – ebenfalls Rechtsanwalt – vor Gericht auftrat.

Obligatorische Voraussetzung, damit ein Eigentümer eines VW, Audi, Seat, Skoda oder Porsche sich rechtlich gegen eine inländische Gesellschaft richten kann, ist laut Herrn Mpetzios, dass ab der Realisierung des Verkaufs nicht mehr als zwei Jahre verstrichen sind.

Die Forderungen aus einem Verkauf haben eine kurze Verjährung„, erklärt Ilias Mpertzios und ermuntert die Verbraucher, sich zu sputen, die wie immer gearteten Verfahren zum Rücktritt von dem Vertrag in Bewegung zu setzen, da ihnen der Sieg sicher ist. „Im Gegensatz zu beispielsweise den USA, wo die Firmen die Verbraucher über ihre Absicht informierten, in einer einmaligen Zahlung etliche tausend Euro zu zahlen, unternahmen in Griechenland die offiziellen Repräsentanten – sich offensichtlich auf die Annahme stützend, dass die Rechtsprechung in Griechenland langsam ist – überhaupt nichts„, kommentiert er.

Alternativ haben die griechischen Verbraucher die Möglichkeit, sich gegen die Muttergesellschaft zu wenden und sie wegen Betrugs zu verklagen.

Fahrzeuge hätten nicht als Neuwagen zugelassen werden dürfen

Gemäß dem Urteil 5285/2017 wurde das Recht auf Rücktritt von dem Vertrag über den Kauf eines Fahrzeugs VW Polo 1.6 TDi und Erstattung des Betrags von 11.005 Euro plus die Gerichtskosten durch die inländische Vertretung zugesprochen. „Das Gericht befand, dass der deutsche Konzern den griechischen Konsumenten betrog. In diesem Rahmen gibt jener das Fahrzeug zurück und erhält eine verzinste Entschädigung„, berichtet Herr Mpetzios.

Auf Basis des Urteils 5286/2017 des Amtsgerichts Athen wurde VW verpflichtet, der Besitzerin eines VW Polo 1.2 eine Entschädigung in Höhe von 5.200 Euro plus die Gerichtskosten zu zahlen. „Das Gericht urteilte praktisch die Differenz zu, die sich ergibt, wenn ein normales Fahrzeug gekauft worden wäre, während ein Betrag von etwa 1.200 Euro sich auf eine Befriedigung aus immateriellen Schaden bezog. Die Besitzerin behielt das Fahrzeug„, endet Herr Mpetzios.

Es ist anzumerken wert, dass in der Begründung des Urteils angeführt wird, dass die Fahrzeuge VW Polo nicht die Norm Euro5 bezüglich der Schadstoffemissionen erfüllten und daher nicht den Beschreibungen der Verkäufer entsprachen. Ebenfalls akzeptierte das Gericht, dass der verkaufenden Firma, aber auch der offiziellen Importgesellschaft Zum Zeitpunkt des Verkaufs des Fahrzeugs nicht bekannt war, dass die Abgasverordnung Euro5 hinsichtlich der Stickoxid-Emissionen nicht erfüllt wurde. Somit entsprechen die konkreten Fahrzeuge nicht den europäischen Vorschriften und hätten in Griechenland nichts als Neuwagen zugelassen werden dürfen.

(Quelle: eleftherostypos.gr, Autorin: Angeliki Velesioti)

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