Griechenland braucht keine weiteren Illusionen

9. Oktober 2017 / Aufrufe: 739
Einen Kommentar schreiben Kommentare

Griechenland braucht nicht noch mehr Illusionen und Visionen, sondern eine politische Wende mit einem realistischen Programm und umsetzbaren Lösungen.

Als Griechenlands Premierminister Alexis Tsipras im vergangenen Jahr in eine schwierige politische Position gelangt war, hatte er die Fehler in der katastrophalen Verhandlung des Jahres 2015 auf die politischen Illusionen zurückgeführt, die er in Zusammenhang mit der Haltung der Gläubiger, aber auch mit dem Plan seines Finanzministers Yanis Varoufakis hatte.

Die zentrale Regierungslinie zum Ausdruck bringend hatte der stellvertretende Regierungschef Giannis Dragasakis erklärt, wenn Griechenland mit einem Grexit drohen würden, würden sie (die Gläubiger) darum betteln, dem Land Geld zu leihen. Aber auch der Premierminister selbst meinte, sobald er Angela Merkel seine Pläne präsentieren würde, würde sie darum flehen, Griechenland Geld zu leihen.

Selbstbetrug der Regierung Griechenlands geht weiter

Diese Illusionen kamen die griechische Wirtschaft und das griechische Volk teuer zu stehen. Mit zwei neuen Memoranden, die Herr Tsipras unterzeichnete, und mit dutzende Mrd. Euro schweren Maßnahmen harter Austerität, die dem Rücken der griechischen Steuerzahler aufgebürdet wurden. Das Thema ist jedoch, dass die Illusionen des Herrn Tsipras auch heute zu bestehen fortfahren und die Basislinie der Regierung auf allen Sektoren der Regierungsführung darstellen.

Das Finanzministerium hegt bereits jetzt fiskalische Illusionen, indem es den Vorentwurf des Haushaltsplans 2018 mit Größen präsentiert, die unerreichbar sind. Der berühmt-berüchtigte Primärüberschuss des Jahres 2017 ist ebenfalls in einem hohen Grad fiktiv, und zwar wegen des (inländischen) Zahlungsstopps des Fiskus und der Verzögerung der Ausgaben, wie es beispielsweise mit der Bewilligung der Renten geschieht. Das Arbeitsministerium lebt seine eigene Illusion, indem es den Einheitlichen Träger für Sozialversicherung (EFKA) als Überschüsse erzielend darstellt, während die Kassen defizitär sind und die Überschüsse aus der Nichtgewährung von (fälligen) Renten herrührt.

Im Bildungswesen nährt die politische Führung ihre eigenen Illusionen und behauptet, alles laufe gut, während an den Schulen die Unterrichtsstunden gekürzt wurden und an den Universitäten keine Bücher verteilt werden, weil die Verleger nicht bezahlt werden. Sogar auch bei der öffentlichen Sicherheit versucht die Regierung, sich Erfolge wie den glücklichen Ausgang der Lempidakis-Entführung zu eigen zu machen, der auf den operativen Fähigkeiten der Griechischen Polizei (ELAS) beruht, die man ihr Werk vollbringen ließ. Die Chaoten im Athener Stadtbezirk Exarchia und in den Universitäten agieren dagegen ungestört, weil die Polizei auf höheren Befehl nicht eingreift.

SYRIZA hat Griechenlands Staat zum Erliegen gebracht

Auf dem Bereich des Unternehmertums existiert eine weitere Illusion des Herrn Tsipras, der die Ausländer aufruft, in Griechenland zu investieren, während zur selben Stunde die SYRIZA und das halbe Kabinett Hindernisse errichten und sogar auch die (noch) in Griechenland in Betrieb befindlichen Unternehmen in die Nachbarländer vertreiben.

Griechenland braucht keine weiteren Illusionen und auch keine angeblich kühnen Pläne. Der Staat hat unter der Regierungsführung der SYRIZA zu funktionieren aufgehört. Das Land hat zu funktionieren aufgehört und versinkt in einer gefährlichen Stagnation. Es braucht einen politischen Wechsel, mit einem realistischen Programm und umsetzbaren Lösungen. Wir brauchen weder Illusion noch Visionen à la Tsipras, sondern eine schrittweise Tangierung und Bewältigung der Situation, auf dass die Bürger hören, was wirklich nötig ist, damit die Haushalte und die Unternehmen zu Atem kommen, die Wirtschaft sich erholt und mit den Illusionen der SYRIZA Schluss gemacht wird.

(Quelle: eleftherostypos.gr)

  1. karnapas
    10. Oktober 2017, 18:29 | #1

    Der griechische Staat hat ca. 2009 mit Beginn der sog. Finanzkrise aufgehört zu funktionieren – unter der Berücksichtigung, dass er bis dahin auch nur für wenige funktioniert hat, die reich geworden und / oder geblieben sind. Zu dem damaligen Zeitpunkt wäre die Troika bzw. Schäuble u. Merkel u. Dysseldoof erpressbar gewesen, aber da hiess der Finanzministers eben noch nicht Yanis Varoufakis. Kühne Pläne heute sind ein Ding – ich gebe aber immer wieder zu bedenken, dass mit PASOK und ND der Betrug, der Ausverkauf und das Elend heute grösser waren.

    Ich lebe viel in Berlin, viel in Griechenland. Bereits seit 2010 ist in der deutschen Hauptstadt deutlich vermehrt ein Zuwachs der jungen Intelligenz aus den südeuropäischen ‘Krisenstaaten’ zu vermerken – da hatte die Flucht bereits begonnen.
    Zum Grexit: im deutschen TV läuft gerade ab und dann anlässlich des Amtswechsels des bisherigen deutschen Finanzministers Wolfgang (aka: der schwarze Koffer) Schäuble die Wiederholung seiner Drohung gegenüber Y. Varoufakis 2015 : in 24 ours is over ! Natürlich wollte Schäuble 2015 Griechenland aus dem Euro !

  2. GR-Block
    10. Oktober 2017, 22:59 | #2

    Griechenland braucht nicht noch mehr Illusionen und Visionen“ – Blödsinn, in GR wurden von der EU echte Visionäre mundtot gemacht und falschen Illusionären das Wort erteilt. Dieses …
    – λεφτά υπάρχουν = Geld ist vorhanden, oder
    – μαζί τα φάγαμε = zusammen haben wir es gefressen (verjubelt) und
    – σκίζω τα μνημόνια κάθε μέρα = ich zerreiße die Memoranden Tag für Tag
    hat die Griechen gründlich desillusioniert.

    Den ersten Ausspruch tat, voll geheuchelter Empörung, ausgerechnet jener Sozialist, der bei Amtsantritt die Staatsfinanzen so manipulierte, dass das Defizit 2009 durch die Decke ging. Und das nur, um seinem konservativen Vorgänger eins auszuwischen und bei seinem Sozialistenkollegen vom IWF einen Kredit zu beantragen.
    Den zweiten Spruch hat einer verbrochen, der so fett ist, dass er lächerlich aussah, als er andeuten wollte, er hätte dem Volk beim Fressen auch nur einen Krümel übrig gelassen.
    Den Vogel hat aber jener Dritte abgeschossen, der vehement gegen das erste (sozialistische) Memorandum agitierte. Als der Ministerpräsident die weitere Kreditaufnahme verweigerte, bot jener sich an, einen doppelt so hohen (virtuellen) Kredit anzunehmen, um für die EU „den EURO zu retten“. Als der Konservative danach laut tönte, dass er jetzt GR aus den Memoranden herausführen werde, und wider erwarten schaffte, aus dem Volk einen Primärüberschuss heraus zu pressen – „und zwar wegen des (inländischen) Zahlungsstopps des Fiskus und der Verzögerung der Ausgaben, wie es beispielsweise mit der Bewilligung der Renten geschieht“ – wurde er von den Eurogroup-Kollegen fallen gelassen, sein Kredit eingefroren.

    Der jetzige (radikale) Illusionist hat es schlauer gemacht. Er nahm sich einen echten Rocker und verschreckte die Eurogroup so sehr, dass sie glücklich waren, als er wenigstens ein kleines Memorandum unterschrieb. Seit zwei Jahren lancieren sie vergeblich in der Presse, die Griechen seien über Tsipras demaßen verärgert, dass sie sich die alten deutschen Klientelnetzwerke in Athen zurück wünschen. Aber der „Schäublismus“ ist vorbei, endgültig. Jetzt kehrt wieder die Normalität ein. GR zahlt brav seine Zinsen für die 32 Mrd Kredit vom IWF und die EU muss ihren Wählern langsam beichten, dass der Rocker recht hatte: „Was immer eure Politiker beschließen, es wird immer darauf hinaus laufen, dass ihr am Ende bezahlt!“ Und so kommt es jetzt. Von den veruntreuten 320 Mrd. € sind nur 10% ein realer Kredit, für den GR grade stehen wird, nämlich vereinbarungsgemäß der Teil vom IWF. Der Rest wird als eine direkte Subventionierung der westeuropäischen Privatwirtschaft abgeschrieben und hat mit GR nichts zu tun … oh VarouFUKG-US!

    Kein Wunder, dass die schwarze Null sich rechtzeitig davon macht. Schäuble holt jetzt seine ausstehenden Beraterverträge ein.

  1. Bisher keine Trackbacks

Hinweis: Kommentare werden erst nach Freischaltung durch einen Administrator sichtbar.
Bitte beachten Sie die Hinweise und Regeln bezüglich der Abgabe von Leserkommentaren.