Fünftes Memorandum für Griechenland wird wahrscheinlicher

7. Oktober 2017 / Aufrufe: 770
Einen Kommentar schreiben Kommentare

Dem vernichtenden Zwischenbericht Oktober 2017 des INE GSEE zufolge untermauert nichts, dass sich in Griechenland eine haltbare konjunkturelle Dynamik einstellen wird.

Berücksichtigt man die von dem Institut für Arbeit (INE) der GSEE veröffentlichten Angaben, könnte man die Träume des griechischen Premierministers Alexis Tsipras von einem Ausgang aus den Memoranden im August 2018 als „Sommernachtsträume“ charakterisieren.

Wie Giorgos Argitis betonte, „sucht Griechenlands Wirtschaft nach einem aufsteigenden Ausweg, jedoch untermauern die Fakten und die alltäglichen Gegebenheiten nicht, dass wir uns vor einer haltbaren konjunkturellen Dynamik befinden„. Weiter ergeht im dem Bericht des INE die Rede von der heftigen Überbesteuerung und einer Arbeitslosigkeit bei 28,7%.

Griechenlands derzeitige Primärüberschüsse sind nicht haltbar

Der wissenschaftliche Leiter des Instituts bezweifelte die Einschätzungen der griechischen Regierung bezüglich eines Wachstums im Jahr 2018 um 2,8%, wobei er von „Illusionen, Selbsttäuschungen und unbegründeten Einschätzungen“ sprach. Er merkte an, die Zielvorgabe für das Jahr 2018 werde nicht erreicht werden, und ergänzte, dies werde neue Maßnahmen bedeuten. „Die matten Anzeichen einer Verbesserung der Fakten stellen keine Änderung des wirtschaftlichen Klimas dar„, fügte er an und charakterisierte das sogenannte gerechte Wachstum als „Witz“.

Auf der selben Wellenlänge betonte der Vorsitzende der GSEE, Giannis Panagopoulos, Griechenlands Wirtschaft bleibe auf dem Tiefpunkt des Absturzes, an dem sie sich nach 2013 wiederfand, und es existieren keine Fakten, die für den „Beginn ihres dynamischen Wachstums“ sprechen. Die Politik der inländischen Abwertung vermag diese Voraussetzungen nicht zu schaffen, merkte er an und ergänzte, „die derzeitigen Primärüberschüsse sind weder tragfähig noch haltbar„. Weiter schätzte er ein, Griechenland werde auch nach 2018 unter Vormundschaft bleiben und die vorsorgliche Hilfs- / Kreditlinie werde dem Land nur mit der Unterzeichnung eines neuen (dann fünften!) Memorandums gewährt werden. Schließlich charakterisierte er die Erzählungen der Regierung bezüglich einer Lösung für die Verschuldung und der Entlassung des Landes aus der Aufsicht (seiner Gläubiger) als „in der Luft hängend„.

Griechenlands Wirtschaft sucht weiterhin nach einem dynamischen Mechanismus zur Schaffung von Einkommen und Liquiditätsflüssen

Die sich aus dem Zwischenbericht Oktober 2017 des INE GSEE (PDF, ca. 1,9 MB, nur auf Griechisch!) mit dem Titel „Die griechische Wirtschaft und die Beschäftigung“ ergebenden grundlegenden Folgerungen sind Folgende:

1. Griechenlands Wirtschaft steht an einem Wendepunkt. Zum zweiten Mal nach 2014 sucht sie nach einem Ausweg aus ihrer fragilen Stabilisierung auf dem niedrigen Aktivitätsniveau, auf dem sie sich nach der großen Rezession der Periode 2010 – 2013 befindet.

2. Die makroökonomischen und produktionsbezogenen Wandlungen, die essentielle Voraussetzungen für einen Übergang der griechischen Wirtschaft zu einem dynamischen und haltbaren Aufschwung schaffen würden, werden nicht beobachtet.

3. Die Investitionen haben sich auf einem um 63% niedrigeren Niveau als im 1. Quartal des Jahres 2008 stabilisiert, was das riesige Investitionsvakuum offenbart macht, in das die Wirtschaft gelangt ist. Auf Basis des durchschnittlichen Anstiegs der Investitionen des Jahres 2016 wird veranschlagt, dass das Volumen der Investitionen im 1. Quartal des Jahres 2033 auf dem Niveau des 1. Quartals des Jahres 2008 angelangen wird.

4. Der Konsum hat sich auf einem um 24 Prozentpunkte niedrigeren Niveau als im entsprechenden 1. Quartal des Jahres 2008 stabilisiert. Mit den anstehenden Austeritäts-Maßnahmen als gegeben wird jedoch auch dieses Niveau ohne einen starken Beschäftigungs- und Einkommensschock in der Wirtschaft nicht haltbar sein.

5. Das Volumen der Exporte Griechenlands in realen Termini liegt weit davon entfernt, zu einem grundlegenden Wachstumshebel der griechischen Wirtschaft zu werden.

6. Es werden hohe Quoten der Unterbeschäftigung, die sich während der Dauer der Jahre der Krise fast verdreifacht hat (von 99.000 Arbeitnehmern im Jahr 2008 auf 267.000 im Jahr 2017) und der enttäuschten / resignierten Arbeitslosen beobachtet, die sich in der entsprechenden Periode ebenfalls mehr als verdreifacht haben.

7. Die signifikante Zunahme der unsicheren Arbeitsplätze beeinflusst die Änderung der Löhne, da 2016 der durchschnittliche Lohn der Teilzeitbeschäftigten 397,67 Euro betrug. Diese Entwicklung führt ernsthafte makroökonomische Auswirkungen herbei, da sie praktisch als heimlicher Austeritäts-Mechanismus funktioniert.

8. Obendrein erhalten 34,% der Vollzeitbeschäftigten und 42,13% der Teilzeitbeschäftigten laut den Angaben der „Europäischen Gemeinschaftsstatistik über Einkommen und Lebensbedingungen“ (EU-SILC) für 2015 unter dem gesetzlichen Mindestlohn liegende Bezüge. Die Tatsache, dass sich immer mehr Arbeitnehmer an oder unterhalb der Armutsgrenze bewegen, ist ein Indiz für den fragilen Zustand der griechischen Gesellschaft.

Die Einschätzung des INE GSEE ist, dass die griechische Wirtschaft weiterhin nach einem dynamischen Mechanismus zur Schaffung von Einkommen und Liquiditätsflüssen sucht, der haltbare expansive Tendenzen auf dem realen Sektor aktivieren, neue Vollzeitbeschäftigungsarbeitsplätze schaffen und die Bonität und Liquidität des Banken- und öffentlichen Sektors der Wirtschaft in Griechenland verbessern wird. Ein solcher Mechanismus ist Voraussetzung für den essentiellen Ausgang des Landes aus der Schuldenkrise und die Schaffung tragbarer Primärüberschüsse, die es von der Vormundschaft seiner Gläubiger entbinden werden.

(Quelle: eleftherostypos.gr)

  1. Alfons
    7. Oktober 2017, 14:42 | #1

    Leider ist diese negative Einschätzung wohl sehr realistisch. So stagnieren zwar auch in anderen EU-Staaten die Investitionen. Diese haben jedoch meist mehr Möglichkeiten zur Finanzierung von Konjunkturprogrammen, was jedoch entweder Direktinvestitionen oder einen Spielraum für Schulden voraussetzt (Investitionen kosten zunächst Geld). Der Staat ist jedoch, wegen der Schulden, mit eigenen finanziellen Aktivitäten, zum Sparen verdammt. Alles wird hauptsächlich durch Einsparungen ersetzt bzw. muss ersetzt werden, um Schulden zu tilgen. Man setzt auf nackte Werte (Überschuss) ohne auch nur ansatzweise zu berücksichtigen, wie diese zustande kommen und was überhaupt nachhaltig sein kann.

  1. Bisher keine Trackbacks

Hinweis: Kommentare werden erst nach Freischaltung durch einen Administrator sichtbar.
Bitte beachten Sie die Hinweise und Regeln bezüglich der Abgabe von Leserkommentaren.