Der „Goldjunge“ der Gläubiger Griechenlands

4. Oktober 2017 / Aufrufe: 828
Einen Kommentar schreiben Kommentare

Wie Premierminister Alexis Tsipras zum Lieblingskind der Gläubiger Griechenlands wurde.

Wir erinnern uns immer noch an das Titelblatt einer regierungsnahen Tageszeitung am Tag nach dem Referendum in Griecenland, auf dem Jeroen Dijsselbloem mit einem ungläubigen Ausdruck über die 63% abgebildet war, die das „Nein“ bekommen hatte.

Seitdem passierten viele Dinge und hauptsächlich zwei Memoranden das Parlament, ohne dass auch nur eine einzige Nase blutete. Mario Draghi, der die griechischen Banken „dicht machte“, wurde zum Faktor, der zugunsten der griechischen Positionen Druck auf den IWF ausübt, während Dijsselbloem vom Vertreter der „Zinswucherer“ zu einem begeisterten Unterstützer des Premierministers Alexis Tsipras wurde.

„Liebe“ der Gläubiger zur SYRIZA lässt sich leicht erklären

Ich bewundere Alexis Tsipras, der bewies, ein erfolgreicher Politiker und fähig zu sein, das Land auf den Weg der Stabilität zu führen. Es ist nicht nötig, dass ich jeder seiner Ansichten und politischen Initiativen zustimme. Tsipras hat sich – wie geschuldet – den Dingen gewachsen gezeigt„, meinte am 01 Oktober 2017 in einem Interview der Vorsitzende der Eurogruppe, der sich sogar für die Durchführungen der griechischen Parlamentswahlen im Jahr 2019 aussprach (Anmerkung: und damit dem Oppositionsführer und Vorsitzenden der Nea Dimokratia Kyriakos Mitsotakis, der beharrlich vorgezogene Neuwahlen fordert, einen herben „Dämpfer“ verpasste).

Das „Zuneugung“ der Gläubiger Griechenlands für die Regierung der SYRIZA lässt sich leicht erklären. Herr Tsipras, der die Memoranden zerrissen hätte, gab allen Forderungen der Gläubiger statt. Das staatliche Vermögen ging für 99 Jahre auf den „Superfonds“ (sprich sogenannten Privatisierungsfonds) über, in dem die Troika ein Veto-Recht hat, die Renten werden ab 2019 erneut um weitere 18% gekürzt werden, der Einkommensteuer-Freibetrag wird auf 5.400 Euro gesenkt werden und Griechenland muss bis einschließlich 2022 bestialische jährliche (Primär-) Überschüsse von 3,5% präsentieren.

All dies wurde ohne die geringste Gegenreaktion ratifiziert. Etliche der „Wutbürger“ der Vergangenheit sind auf Abruf in Posten eingesetzt oder mit Zeitverträgen eingestellt worden, die „Kämpfer“ der SYRIZA dienen Ministern – mit dem Resultat, dass im „Widerstand“ so erbarmungswürdige Menschen wie der Arbeitslose geblieben sind, der jüngst in den Knast gesteckt wurde, weil er – wie ihn in der Vergangenheit Herr Tsipras ermunterte (!) – keine Mautgebühren zahlte.

Es ist sicher, dass die Regierung der Nea Dimokratia (ND) diese Maßnahmen nur unter „Straßenkämpfen“ hätte durchsetzen können. Die SYRIZA hat dagegen keinerlei Problem, das zu verabschieden, wofür sie als Opposition „Volksgerichte“ forderte. Herr Tsipras ist das geliebte Kind der Gläubiger Griechenlands, jedoch fügt er dem Land Schaden zu. Die Maßnahmen, denen er statt gibt, recyceln die Krise, fachen die Rezession an und passen letztendlich nur der Troika in den Kram. Es bedarf einer Änderung der Politik und demzufolge auch eines politischen Wechsels.

(Quelle: eleftherostypos.gr)

  1. karnapas
    4. Oktober 2017, 14:03 | #1

    Natürlich ist Tsipras / Syriza so an die Wand genagelt, dass Stillhalten / Willfährigkeit / Nachgeben Applaus von der falschen Seite bekommt. PASOK und ND hatten zwischen 2008 und 2015 doch Zeit und Gelegenheit genug, der Krise / der Toika anders zu begegnen. Wären die noch an der Regierungsmacht, hätte der Niederländer heute den Ehrennamen Dijsselbloemakis.

  2. Kara
    5. Oktober 2017, 19:42 | #2

    Aber alle sind in Griechenland noch so blöde und zahlen treu und brav ihre Einkommensteuer für Beträge die den Namen Einkommen nicht verdienen.

  1. Bisher keine Trackbacks

Hinweis: Kommentare werden erst nach Freischaltung durch einen Administrator sichtbar.
Bitte beachten Sie die Hinweise und Regeln bezüglich der Abgabe von Leserkommentaren.