Griechenland: Tourismus gefährdet sozialen Zusammenhalt

1. September 2017 / Aufrufe: 1.480

Der ausufernde Massentourismus gefährdet den sozialen Zusammenhang und die Infrastrukturen auf der Insel Santorin in Griechenland.

Laut einem Artikel der britischen Zeitung Guardian lauern wegen des riesigen Volumens an Touristen, die Griechenlands Ägäis-Insel Santorin besuchen, signifikante Gefahren für den gesellschaftlichen Zusammenhang, die Infrastrukturen, aber auch die Umwelt.

Die zwei Millionen Touristen, die es in diesem Jahr auf die Insel führen wird, sind sicherlich eine Nummer, von der in einem Land, das vom Tourismus abhängig ist, und in einem Land, wo 23% der Bevölkerung arbeitslos sind und nicht einmal die grundlegenden Güter zu bezahlen vermögen, viele andere Inseln nur träumen könnten.

Gesellschaftliche und wirtschaftliche Spannungen wegen Massentourismus

In diesem Jahr werden zum ersten Mal 141 Hotels – gegenüber 35 im Jahr 2013 – geöffnet bleiben und die diesjährige touristische Periode verlängern. Eine Szenerie, die zu jener des Jahrzehnts der 50er Jahre und der massenhaften Auswanderung nach dem verheerenden Erdbeben diametral entgegengesetzt ist. Jedoch hat der Erfolg der Insel Santorin einen entsprechenden Preis. Der imposante Anstieg des Tourismus hat zu gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Spannungen geführt und schafft eine unerträgliche Belastung bei den Infrastrukturen der Insel, während die ständigen Bewohner der Insel in Aufruhr versetzt sind.

Die Bevölkerung ist in die Höhe geschossen, weil jeder hier arbeiten möchte„, erklärt gegenüber der Zeitung Guardian der Oberbürgermeister der Insel, Nikos Zorzos, und ergänzt: „Mittlerweile leben hier ständig mehr als 25.000 Menschen und wir haben jährlich ungefähr 150 Geburten, wahrscheinlich die (verhältnismäßig) höchste Anzahl in Griechenland. Wir haben aber keine Spielplätze oder die entsprechenden Strukturen, um die neuen Gegebenheiten stützen zu können.

Er selbst warnt sogar auch vor einer Umweltkatastrophe. Die Bautätigkeiten haben einen solchen Punkt erreicht, dass sich wenigstens 11% der Fläche der Insel mit Zementgebäuden gefüllt haben. Es existieren mehr als 1.000 Betten pro Quadratkilometer, mehr als auf jeder anderen griechischen Insel nach Kos und Rhodos. Dabei geht es um eine Insel von gerade einmal 76 Quadratkilometern, auf der man jedoch mehr als 700 Gastronomie-Einrichtungen begegnet, wobei deren Mehrzahl sich in der Inselhauptstadt Fira befindet.

Einwohner können sich das Leben auf Santorin kaum noch leisten

Es existiert eine Übersättigung. Der Druck ist sehr hoch„, merkt Nikos Zorzos an und bringt sein Missfallen über das Fehlen wirtschaftlicher und umweltbezogener Tragfähigkeit zum Ausdruck, da Santorin die Probleme bekommen hat, denen man auch in einer Stadt begegnet. Ebenfalls ist – wie er sagt – der Wasserverbrauch um 46% gestiegen, wobei er betont, dass die Versorgung gesteigert werden müsse, was jedoch unmöglich sei, da es kein Geld für Forschungen gebe.

Seine Beunruhigung bringt auch der Vorsitzende des Verbands der Hoteliers von Santorin, Manolis Karamolegkos zum Ausdruck. „Der Ruf der Insel ist eine Quelle der Freude, gleichzeitig erschreckt er mich aber auch„, gesteht er ein und fügt an: „Ich sorge mich über das Morgen. Der Tourismus bedroht den gesellschaftlichen Zusammenhang. Die Leute bauen überall Häuser oder vermieten ihre Wohnungen (an Touristen).

Zur selben Stunde vermögen alle, die beispielsweise in Krankenhäusern und Schulen der Insel arbeiten, nur mit Müh und Not den immer höher steigenden Preisen entsprechen. Bezeichnend ist der Fall von Lehrern, die morgens in der Schule und am Abend als Kellner arbeiten.

(Quellen: dikaiologitika.gr, theguardian.com)

  1. Kleoni
    1. September 2017, 09:45 | #1

    Leider passiert auf Santorin genau das Gleiche wie auf Sylt, wo sich die einheimische Bevölkerung sich eine Wohnung auf Sylt nicht mehr leisten können, mit dem Unterschied, dass dort, zwar mit viel Mühe und Zeitverlust, das Pendeln vom Festland aus zur Arbeit möglich ist.
    Auf Santorin wird die einheimischen Griechen zweimal ausgeplündert, einmal durch Dumpinglöhne und zum anern über überteuerte Mieten. Der Raubkapitalismus zerstört nicht nur gewachsene soziale Strukturen, sondern es entwickelt sich immer mehr eine „Ellbogengesellschaft“ wo nur noch die Rücksichtslosesten sich am Kuchen bedienen können.

  2. windjob
    1. September 2017, 12:13 | #2

    Wir waren seit 1982 mehrfach in Santorini. Es ist eine wunderschöne Insel. Unser erster Hund hiess Thira. Aber was mit dieser Insel inzwischen geschieht ist unerträglich. Bis zu fünf Kreuzfahrtschiffe am Tag. Ich verstehe den Bürgermeister. Hier muss eine Beschränkung erfolgen. Auch wenn es den Tavernenwirten und Hotels nicht passt. Irgendwann ist eine Grenze erreicht. Dass die Preise in die Höhe schnellen ist nicht verwunderlich.

  3. kokkinos vrachos
    3. September 2017, 12:11 | #3

    Eine weitere Seite ist die katastrophale Gesundheitsversorung auf Santorini. Öffentliche Arztpraxen gibt es auf der Insel nicht mehr. Dabei gäbe es auf Santorin ein hochmodernes Krankenhaus, das 2009 fertiggestellt wurde. Wegen des Sparkurses (Austeritätspotik der Troika) hat es aber nie den Betrieb aufgenommen.

  4. GR-Block
    3. September 2017, 20:09 | #4

    Ich schlage vor, das neue Krankenhaus soll in den Sommermonaten für die 2 Mio Touris von den Privatärzten betrieben werden. Im Winter übernehmen die öffentlichen Ärzte und versorgen die 17.000 Thiraner. Wenn die Versorgung im Winter nur halb soviel kostet, dann kommen vielleicht im Winter auch die Rentner und lassen sich pflegen.

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