Griechenland als zweitklassige Tourismus-Kolonie

5. September 2017 / Aufrufe: 2.880
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Beachbars und Liegestühle können nicht die Schwerindustrie Griechenlands darstellen.

Ich hatte schon in der Vergangenheit betont, eins der „abstrafenden“ Ziele der memorandischen … (fiskalischen) Angleichung sei die Umwandlung Griechenlands in eine Art spottbilliger touristischer Kolonie für die Mitteleuropäer mit mittleren und niedrigen Einkommen, die ihre Füße in den blitzsauberen, aber auch sicheren griechischen Gewässern baumeln lassen und dabei von neu-armen eingeborenen Kellnern bedient werden möchten.

Die Erfahrung des diesjährigen Sommers (2017) überzeugte mich hinsichtlich der Genauigkeit der Prognose. Griechenlands Inseln versanken unter touristischen Horden, mit ersten und besten die Deutschen, die nichts mit Gefühlen einer Sympathie oder Antipathie für die einheimische Bevölkerung am Hut haben, da sie unerschütterlich glauben, es gehe nicht an, dass ein dermaßen privilegiertes Urlaubsziel … „Undankbaren und Faulpelzen“ niedrigeren rassistischer Wesens geschenkt wird.

Besucher bringen Griechenland keine entsprechenden Umsätze

Die Häuser der Einheimischen kommen jedoch für eine erschwingliche sommerliche Besiedlung sehr gelegen. Die Vermietung von Ferienwohnungen mittels der Internet-Plattform „Airbnb“ brach jeden Rekord, und einen Rekord brach natürlich auch die Zählung von „Köpfen“ an den Zugangspforten des Landes. Am Ende des Tages sind wir aber natürlich (abgesehen von minimalen Ausnahmen) wieder nicht reicher, da sich bald zeigen wird, dass die Verdoppelung der Besucherzahlen innerhalb von fünf Jahren keine größeren Umsätze bedeutet, weil die Zunahme der Besucher nicht mit einem entsprechenden Anstieg der touristischen Pro-Kopf-Aufwendungen einhergeht. Es trifft sogar das extreme Gegenteil zu … .

Ich will Sie nicht mit Zahlen ermüden. Ich habe sie schon einmal geschrieben und man kann sie in offiziellen Angaben finden, die über den geringsten Zweifel erhaben sind. Zusammenfassend sage ich einfach nur, dass sich in Griechenland seit 2009 die Anzahl der ausländischen Besucher mehr als verdoppelte und bald 30 Millionen erreichen wird … und die durchschnittliche Pro-Kopf-Aufwendung auf irgendwo bei 500 Euro abstürzte – und zwar zu einer Stunde, wo sie in Spanien (dessen Einwohner sich zu Recht über die touristische Sättigung beschweren) 1.100 Euro und in „unserem“ Zypern 850 Euro übersteigt!

Griechenland erwies sich als unfähig, sein Vermögen zu nutzen

Sie werden mich also fragen, warum die Regierungsfaktoren und diversen gut versorgten Prahlhänse der inländischen Touristik-Verbände jubilieren. Viele einfach nur, weil die jeweiligen Minister sich angewöhnt haben, die Größe des „Erfolgs“ in „Köpfen“ zu messen, unabhängig von deren Herkunft, Qualität und Kaufkraft. Sie setzen sich nicht hin um nachzurechnen, ob die überbelegten (aber auch … bei den Banken überverschuldeten) Massentourismus-Hotelanlagen die Zimmer seit Februar an ausländische Agenten wie die deutschen Interessen unterliegende TUI verramscht haben. Und sie beschäftigt auch nicht die Tatsache, dass die unkontrollierte und häufig „schwarze“ Vermietung von Wohnungen die mit Schweiß und Blut erbauten kleineren Hotelanlagen der Inseln und die Fremdenzimmer vernichtet.

Irgendein Blödmann entdeckte einmal, „der Massentourismus ist Griechenlands Schwerindustrie„. Ein größeres Eingeständnis kollektiver Resignation gibt es nicht. Es ist als ob man eingesteht, das Filet-Grundstück von seinem Onkel geerbt zu haben, und weil man völlig unfähig ist, dieses zu verwerten, überlässt man es dem Nachbarn, damit der seinen Wohnwagen darauf abstellt, in der Sonne badet und einem etwas Taschengeld gibt.

Die Griechen wendeten sich immer mehr dieser Art von „Empfangs-Services“ zu, die nicht den Grundpfeiler einer produktiven Maschinerie darstellen können, die das Land aus dem Sumpf zu bringen, zum autonomen Wachstum zu führen und den Abfluss von Intelligenz ((Braindrain) ins Ausland einzudämmen vermag.

Ekel des Schrott-Tourismus wird auch in Griechenland spürbar

Natürlich stellt auch der Tourismus einen vitalen wirtschaftlichen Faktor dar. Jedoch können … die Beach-Bars und die Strand-Liegestühle nicht die … Schwerindustrie eines Landes darstellen. Und erst recht nicht auf dem Niveau, wo dieses Verhältnisse einer (Über-) Sättigung schafft und zu kannibalischen Zuständen führt, die das Lebensniveau der einheimischen Bevölkerung untergraben.

Die Spanier sahen das früh und protestieren heute zu Recht und drohen, die … Invasoren ins Meer zu werfen. In Venedig gibt es ebenfalls eine Welle des Aufstands gegen die touristische Herbheit, welche die Einzigartigkeit der monumentalen Stadt zu zerstören droht. In Griechenland wird der Ekel des Hungerleider-Tourismus in Lagana, Malia, Faliraki und etlichen anderen Insellokalitäten spürbar. Auf Mykonos wurde endlich die … „Ibizaisierung“ erzielt, mit Preis die extrem unästhetische Invasion dunkelhäutiger Petrodollar-Bonzen.

Nur sehr wenige erleuchtete Stimmen wie der Oberbürgermeister von Santorin, Nikolaos Zorzos, richten einen Appell an den Staat, die Erteilung von Genehmigungen für touristische Unterkünfte zu stoppen und der Überlassung landwirtschaftlichen Bodens zur Nutzung für Urlaubszwecke einen Riegel vorzuschieben. „Santorin ist mittlerweile ein gesättigtes touristisches Ziel“ sagt der Bürgermeister und die Zahlen geben ihm absolut Recht: Die Santorin ist aufgerufen, täglich 85.000 Besucher zu bedienen, also eine Dichte von 1.118 Personen je Quadratkilometer, die nur mit jener in Attika vergleichbar ist! (Siehe auch Griechenland: Tourismus gefährdet sozialen Zusammenhalt)

Und im übrigen jubeln wir …

(Quelle: mignatiou.com, Autor: Giorgos Charvalias)

  1. Stavros-Schweiz
    5. September 2017, 03:48 | #1

    Sehr guter Artikel mit den treffenden Aussagen! Ja Griechenland muss reagieren wie die Spanier auf Mallorca oder die Italiener. Vor allem sollten die Griechen sofort das All-Inklusive in den Hotels abschaffen und wieder die griechische Gastfreundschaft pflegen. Natürlich kommen dann weniger Touristen aber die Qualität der Touristen wird sich verbessern.Das würde sich auch in der Kasse und im Ertrag positiv auswirken. Ich finde den Hilferuf vom Bürgermeister von Santorin ausgezeichnet und hoffe,dass er auch GEHÖRT wird!

  2. cource
    5. September 2017, 10:14 | #2

    also die nach griechenland fliegen können gehören schon zu den besserverdienern, die echten deutschen niedriglöhner machen urlaub an der polnischen ostseeküste, weil sie dort für ihren euro vier zloty bekommen und sich als überlegene rasse fühlen können bzw. ihr deutsches sklavendasein für maximal zwei wochen gegen ein deutsches großkotzleben eintauschen dürfen und das allerwichtigste: in polen gibt es null ausländer vor denen sie angst haben müssen

  3. Aigina
    5. September 2017, 22:05 | #3

    Wenn ich Angebote finde wie: „Eine Woche Rhodos mit Flug, Transfers, Unterkunft mit Frühstück für 270 Euro“ – verramscht auf einem deutschen Urlaubsportal und von „Freunden“ der Insel jubelnd verbreitet – dann wundert mich das alles nicht 🙁

  4. GR-Block
    5. September 2017, 23:27 | #4

    … es gehe nicht an, dass ein dermaßen privilegiertes Urlaubsziel … ‚Undankbaren und Faulpelzen‘ niedrigeren rassistischen Wesens geschenkt wird.“ – Wahr ist, dass zu Zeiten, als ich als Student über die Inseln tingelte, der (deutsche) Tourismus tatsächlich mit einiger Achtung für die hellenische Natur, Kultur, die Menchen, die Landschaft und das Meer entdeckte. Damals hatte man den Eindruck, die Gäste genießen das Land in vollen Zügen, vom ersten Urlaubstag an, mit allen seinen paradiesischen Unzulänglichkeiten, seiner Ferne vom finanziell durchoptimierten Lebensrythmus in den Industrieländern. Sie kamen mit Neugierde, Muße, Zeit und konnten deshalb Energie tanken. Das ist lange her.
    Der von den Eingeborenen bedauerte Rucksacktourist konnte selbstverständlich jederzeit seine Wasserflasche im Restaurant aus der (Durchlauf-) Kühltruhe füllen. Und wenn er abends im Restaurant eins der duftenden Brote mitnehmen wollte, so kaufte er vom Wirt einen Laib zum Selbstkostenpreis. Hauptsache, alle – Insulaner und Reisende – waren versorgt, egal wie viel Geld der Gast da ließ.

    Dass heute der Hellaskonsument (oder sollte man -kannibale sagen?) ganz anders an die Sache geht, liegt an dieser Mentalität „wir brauchen mehr Europa“. Leider meint die Herrenrasse damit, dass sie heimatliche Rechte über ganz Europa und damit „ihre“ Urlaubsländer erlangt hätte. Sie möchte „investieren“, die Standards definieren, den Wettbewerb anfeuern. Solange bis das Paradies so aussieht wie das Zuhause, vor dem ihre Untertanen fliehen. Diese vergleichen, ob sie das Paradiesstückchen noch günstiger erstanden haben als die Mitreisenden, ob ihr Paket all-inclusiver ist. Am Ende ist es Wurscht, ob auf Mallorca, Sizillien oder Kreta, die Angebote unterscheiden sich so sehr wie die ehemaligen Duty Free Shops an den Flughäfen, nämlich gar nicht. Man kauft und nörgelt über die Qualität, wenn sie nicht der eigentlich verhassten DIN-Norm entspricht. Dabei ist die normierte Qualität längst eine Katastrophe. Nur, kein Fremder merkt es, weil es ja die Tourismus-Norm ist. Allein die Tatsache, dass der DIN-Tourist nur noch Flugzeugbrötchen anstatt frisch gebackenes, duftendes Brot serviert bekommt. Und damit sich keiner beschwert, kommt es geröstet auf den Tisch. Dann glaubt der DIN-Tourist, Flugzeugnahrung sei landesüblich. Nein, so tankt niemand Energie. Tourismus muss wieder teuer werden, mit landesüblicher Qualität. Wer in den wertvollsten Wochen des Jahres so billig & schlecht wie zuhause leben möchte, der soll zuhause bleiben oder all-exclusive mit Zelt reisen.

    Es ist Zeit, dass Hellas seine Grenzen schützt. Die Zivilisationsflüchtlinge müssen zurück in ihre Herkunftsländer, sich um ihr dortiges Paradies kümmern. GR sollte jedenfalls Schlepperbanden wie TUI nicht weiter erlauben, abgeschirmte Auffanglager wie am westlichen Mittelmeer zu betreiben. Wer einreisen möchte, wird legal bei griechischen Reisebüros buchen und in griechischen Hotels zu angemessenen Preisen unterkommen. Hotelanlagen mit hohe Margen für memorandische „Investoren“ sind dagegen unerwünscht. Den Gewinn soll der Hotelier vor Ort einstecken, nicht der „Investor“ genannte Sozialschmarotzer.

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