Der große Raub an Griechenlands Rentnern

3. September 2017 / Aufrufe: 1.270

Millionen Rentner in Griechenland werden weniger als die Hälfte ihrer in die gesetzliche Rentenversicherung eingezahlten Beiträge als Rente zurückbekommen.

Nach den in Griechenland von der Regierung SRIZA – ANEL verhängten brutalen Kürzungen und Abzocken bei den Beiträgen wird die Mehrheit der gesetzlich Versicherten Renten erhalten, die sehr viel niedriger als die Beträge sind, die sie als Beiträge an die Rentenkassen eingezahlt haben. Dies macht  das Sozialversicherungssystem des Landes versicherungsmathematisch ungerecht und räuberisch.

Renten, die der Hälfte der eingezahlten Beiträge entsprechen, sind für Millionen Versicherte in Griechenland die neue schmerzhafte Realität. Es geht um den großen Umsturz im Verhältnis von Renten zu Beiträgen, den die Versicherungsreform bzw. sogenannte „Lex Katrougkalos“ herbeiführte, die 2019 mit dem Schnitt bei der sogenannten persönlichen Differenz bei allen Rentnern vollendet werden wird.

Tragfähigkeit des Sozialversicherungssystems in Griechenland bleibt trotz aller Kürzungen zweifelhaft

Die separaten Fakten für jede Kasse sind schockierend: Der gemittelte Wert der auf dem Sektor der Bankangestellten wird 2019 auf 39% des gemittelten Wertes der gezahlten Beiträge gesenkt werden (gegenüber 58% im Jahr 2016 und 77% im Jahr 2014), bei der Kasse TAP OTE werden die Renten 41% der eingezahlten Beiträge entsprechen (gegenüber 63% im Jahr 2016 und 86% im Jahr 2014), bei der Kasse TAP DEI wird sich dieses Verhältnis auf 45% beschränken (gegenüber 69% im Jahr 2016 und 93% im Jahr 2014) und bei den Selbständigen der Kasse ETAA wird es auf 57% sinken (gegenüber 67% im Jahr 2016 und 76% im Jahr 2014). Bei den Selbständigen der Kasse OAEE wiederum wird der Wert der gezahlten Renten sich ab 2019 auf 49% der Beiträge belaufen, den die Versicherten eingezahlt haben werden (gegenüber 49% im Jahr 2016 und 54% im Jahr 2014).

Diese enthüllenden Befunde sind in einer am 02 September 2017 von der griechischen Zeitung „Ta Nea“ präsentierten Studie der stellvertretenden Leiterin der Nationalen Behörde für Versicherungsmathematik, Marianna Papamichail, mit Titel „Durchleuchtung von Versicherungsreformen mit dem Gegenseitigkeits-Index von Renten“ umfasst. In der Studie wird weiter betont, dass die generelle Mutualität des Rentensystems (Verhältnis der Renten zu den Beiträgen) für die Gesamtheit der Versicherten von 150% im Jahr 2011 auf 121% im Jahr 2014 und auf 101% im Jahr 2016 fiel und damit gerechnet wird, dass sie im Jahr 2019 weiter auf 89% sinken wird.

Von besonderer Bedeutung ist aber auch, dass die Studie bezüglich des Versicherungssystems die Alarmglocke schlägt. Sie stellt fest, „selbst heute kann niemand garantieren, dass das System fortan tragfähig sein wird, wenn die Einnahmen der Kassen wegen der Arbeitslosigkeit und der nicht versicherten Beschäftigung weiterhin unerschwinglich bleiben„.

Ab 2021 wird mit Durchschnittsrenten bei 620 Euro brutto gerechnet

Um den Grad der sogenannten „Wechselseitigkeit“ der Renten zu belegen, bedient Marianna Papamichail sich in ihrer Studie eines Indexes, den ein Expertenteam des Europäischen Versicherungsmathematiker-Verbands ausgearbeitet hat. Es handelt sich um den Gruppen-Finanzierungs-Quotienten (GFQ), der zeigt, ob bzw. inwieweit die Rente den entrichteten Beiträgen entspricht. Im Zähler des Indexes befindet sich der heutige Gesamtwert aller zukünftigen Rentenzahlungen der durchschnittlichen Rente je Kasse und im Nennen stehen die kumulierten (durchschnittlichen) Beiträge jeder Gruppe von Versicherten.

Damit ein Sozialversicherungssystem versicherungsmathematisch gerecht ist, hat der GFQ also bei 100% zu liegen, erklärt Marianna Papamichail. Dies bedeutet, dass im Moment der Verrentung der Zeitwert der Rente im Durchschnitt den kumulierten Beiträgen der konkreten untersuchten Rentnergruppe entspricht. Liegt der GFQ über 100%, erhalten die konkreten Rentner aus den Steuern und von der Gesamtgesellschaft überfinanzierte Renten. Liegt der GFQ dagegen unter 100%, bedeutet dies entsprechend, dass der Betrag der Rente versicherungsmathematisch im strengen Sinn des Begriffs ungerecht ist.

Gemäß der Studie fällt der GFQ des Systems 2019 auf 89% und verzeichnet somit einen historischen negativen Mutualitäts-Rekord. Gemäß der Studie bleibt der Versicherungsträger OGA für 2016 bis 2019 mit einem über 200% verbleibenden GFQ der am höchsten überfinanzierte Träger. Für 2016 beträgt auf dem öffentlichen Sektor der GFQ 115% und die mittlere Rente 922 Euro, während die Kasse OAEE einen GFQ von 49% bei einer Rente von 913 Euro hat. Wie aus den von der Studie enthüllten Daten hervorgeht, sind große Verlierer ebenfalls die Versicherten bei den Banken und den übrigen Sonderkassen, darunter auch die Kasse der DEI.

Es wird betont, dass mit der „Lex Katrougkalos“ bis 2020 ungefähr 180.000 in den Ruhestand gehende Rentnern die großen Kürzungen bei ihren Renten erleiden werden. Es wird eingeschätzt, dass 2021 die durchschnittliche Hauptrente bei 620 Euro (brutto) und die durchschnittliche Zusatzrente bei 144 Euro (brutto) angelangen wird.

Von Griechenlands Gläubigern erzwungene Kürzungen waren nicht nötig

Weiter wird unterstrichen, dass tausende Rentenanträge auf Basis der „Lex Katrougkalos“ seit eineinhalb Jahren immer noch nicht bewilligt worden sind. Eine signifikanter Anteil der seit dem 13 Mai 2016 und nachfolgend anhängigen Rentensachen betrifft Fälle sequentieller Versicherungsverläufe. Der notwendige Runderlass, der klarstellt, wie die sequentiellen Versicherungszeiten behandelt werden sollen, und hauptsächlich, wie die finale Rente berechnet werden wird, ist immer noch nicht ergangen.

Wie aus einer wissenschaftlichen Studie von Savvas G. Rompolis (emeritierter Professor der Panteion-Universität) und Vasilios G. Mpetsis (Doktorand der Panteion-Universität) hervorgeht, werden sich in den drei Jahren 2019 – 2021 anstatt der in dem fiskalischen Stabilitätsprogramm vorgesehenen 3,1 Mrd. Euro schließlich über 5 Mrd. Euro aus den Taschen der Rentner „verflüchtigen“. Die Studie gelangt zu der Schlussfolgerung, dass die Gläubiger irrig kontinuierliche Rentenkürzungen aufzwingen, da die Senkung der Aufwendungen für Renten sogar auch zu erzielen gewesen wäre, wenn die Renten auf den heutigen Niveaus geblieben wären. Nichtsdestotrotz treiben die vereinbarten Kürzungen der Hauptrenten um 18% im Jahr 2019 die Verluste auf den schwindelerregenden Betrag von 5,7 Mrd. Euro.

Schließlich werden, wie der Vorsitzende des Einheitlichen Rentnernetzwerks, Nikos Chatzopouls, betont, die Rentner 2019 wegen der Reduzierung der sogenannten persönlichen Differenz bei allen gezahlten Hauptrenten um 18%, der Reduzierung der persönlichen Differenz bei allen Zusatzrenten um 18%, der Streichung der Familienleistungen (für Gatten und Kinder) bei allen Haupt- und Zusatzrenten, der Einfrierung der Erhöhungen bei allen Renten bis Dezember 2021 und letztendlich wegen der Abschaffung der EKAS für 280.000 Kleinrentner bis zu 3 Renten verlieren.

(Quelle: tanea.gr, Autor: Ilias Georgakis)

  1. Jorgo
    3. September 2017, 08:19 | #1

    Das ist in Deutschland genau so. Das ist die Folge der demografischen Entwicklung.

  2. EuroTanic
    3. September 2017, 08:36 | #2

    Willkommen im Club. Das ist hier in der BRD mittlerweile Standard.

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