Schwere Beschuldigungen gegen Lidl in Griechenland

25. August 2017 / Aufrufe: 1.871

Gewerkschaftliche Organisationen in Griechenland bezichtigen Lidl, das Personal systematisch einzuschüchtern, zu bedrohen, zu terrorisieren und skrupellos auszunutzen.

Arbeitnehmer bei der Gesellschaft Lidl schritten zu einer ernsthaften Meldung, wobei die Beschuldigungen besonders schwer sind, da von Einschüchterungen, Drohungen und sogar unwahren Diebstahls-Beschuldigungen gegen Beschäftigte die Rede ist, auf dass diese schließlich selbst kündigen.

Wie die gewerkschaftliche Organisation PAME meldet, wirft der Supermarkt-Kette LIDL der Verband ihrer Arbeitnehmer erschöpfende Arbeitsrhythmen und die systematische Terrorisierung ihres Personals vor.

Speziell ältere Beschäftigte sollen „weggeekelt“ werden

Konkret vertritt die PAME in einer Bekanntmachung, der Verband der Arbeitnehmer merke an, dass die multinationale LIDL darin fortfährt, die Rechte der Arbeitnehmer zu attackieren, und dabei verfolgt, ihre Gewinne mit den geringstmöglichen Kosten für sie zu gigantisieren. In der selben Periode, wo Lidl mit Ladenrenovierungen, Promotions-Kampagnen und überglückliche Beschäftigte präsentierenden Werbespots ihr Bild aufzuwerten versucht, erleben die Arbeitnehmer die härteste Ausnutzung. Alltäglich wird die Intensivierung, aber auch die Terrorisierung gesteigert, damit jeder Beschäftigte klaglos an allen Posten und mit erschöpfenden Rhythmen schuftet. Alltäglich ist auch die Androhung der Entlassung, wobei die Beschäftigten wiederholt abgemahnt und überraschend kontrolliert werden.

Die Arbeitgeberseite behauptet, keine Entlassungen vorzunehmen – da sie jede mögliche Maßnahme ergreift um die Kollegen körperlich und psychisch auszulaugen und zur Kündigung zu bringen. Sie zielt hauptsächlich auf die Arbeitnehmer höheren Alters oder mit längerer Berufserfahrung ab um sie durch junge Leute ohne Rechte und mit niedrigeren Bezügen ersetzen zu können. Feste Taktik der Arbeitgeberseite gegenüber Jedem, der sich dem Druck nicht beugt, ist, ihn – natürlich ohne jedweden Beweis – des Diebstahls zu bezichtigen, wobei es auch ein jüngstes Beispiel einer Kollegin gibt, der sie mit dem unerhörten Argument zu kündigen versuchten, sie habe daran gedacht, zu stehlen.

Das ist der für 2017 als Top-Arbeitgeber Ausgezeichnete, er macht seine Beschäftigten fix und fertig um seine Gewinne steigern und einen immer größeren Marktanteil beanspruchen zu können. Das ist der für 2017 als Top-Arbeitgeber Ausgezeichnete, der vor wenigen Tagen nicht zögerte, eine Kollegin von uns, die seit Jahren Problemen mit einer Krebserkrankung begegnet, mit der Begründung zu entlassen, sie habe schroff zu Kunden gesprochen.

Kolleginnen, Kollegen,
lasst uns die Verelendung nicht hinnehmen.

Die Interessen der Arbeitgeberseite, kontinuierlich zu wachsen, mit den anderen Firmen der Branche zu konkurrieren, auf jede Weise dem Profit nachzujagen, decken sich nicht mit den unsrigen Interessen an einer vollen und festen Beschäftigung mit Rechten, an humanen Arbeitsbedingungen, an Freizeit für uns und unsere Familien.

Kein Kollege soll allein bleiben, verängstigt, jedes Problem persönlich zu lösen versuchen. Es existiert eine Erfahrung, dass wir dort, wo wir kollektiv, massenweise und beharrlich kämpften, auch Errungenschaften hatten. Solange wir die Sache unseres Lebens nicht in unsere eigenen Hände nehmen, um so schmerzhafter werden die Auswirkungen aus den Maßnahmen sein, welche Regierung und Arbeitgeber kontinuierlich gemeinschaftlich ergreifen.

Nimm Kontakt zu Deinem Verband auf, wir haben die Kraft, in jedem Laden Widerstandsherde zu organisieren.

(Quelle: dikaiologitika.gr, Autor: Giorgos Antonopoulos)

  1. Ronald
    25. August 2017, 08:01 | #1

    Als ich das Manifest der PAME las musste ich unwillkürlich an die Manifeste von Peppone aus „Don Camillo und Peppone“ denken, eines meiner ewigen Lieblingsbücher. Es spielt, wie wir alle wissen, im Jahre 1948 in einem Dorf in Italien, das von „den Roten“, also einer kommunistischen Partei nach stalinistischem Muster beherrscht wird. Als ich dann dem Link hier zur Erläuterung zur PAME folgte, dachte ich nur „alles klar, der Stalinismus lebt in Europa“. Eine unglaubliche Erfahrung an einem frühen Freitagmorgen 🙂

  2. GR-Block
    25. August 2017, 22:15 | #2

    Nun sind in GR die Begriffe Arbeiterschaft, Gewerkschaft und KKE seit deren Gründung 1918 nicht so leicht auseinander zu dividieren wie in D.

    Seitdem Washington den Deutschen das Marionettenregime des Godesberger Herrn Adenauer bescherte um aus eigenem geostrategischem Interesse die deutsche Teilung und die Remilitarisierung der Westzone 1955 durchzuziehen, hat sich eine antikommunistische Rhetorik im Heimatland des Karl Marx etabliert, wie man sie nur aus dem Munde späterer amerikanischer Präsidenten wie Ronald Reagen oder George W. Bush kennt. Nach der Gründung der BRD 1949 beeilten sich die Wessi-Eliten amerikanischer als die Amerikaner zu werden. Das war gut für die Karriere.

    Weil sich aber die KPD auf die Seite der durchweg stalinistischen Westdeutschen (Vorsicht, Ironie) warf und in kurzer Zeit schon 9 Mio Unterschriften gegen die Teilung und die Westanbindung (NATO) der BRD gesammelt hatte, musste die Verfassung kurzerhand geändert und die Partei 1956 schnell verboten werden, sonst hätte sich das kriegsmüde Volk mit noch mehr Unterschriften durchgesetzt.
    Damit aber nunmehr nicht die SPD die Oppositionsrolle übernehmen konnte, hatte Washington vorgesorgt und auch dort die richtigen Politiker „gefördert“, die 1959 schließlich das „Godesberger Programm“ erfanden. Nun stand die SPD für „Sozialismus so wenig wie möglich, Kapitalismus so viel wie das Volk gerade noch verkraftet.“ Seitdem gibt es in D keine Opposition mehr … äh … doch. Bis 1989 gab es da die SED als einzige Oppositionspartei. Mittels der deutschen Teilung hatten aber die Amerikaner diese ausgeschlossen. Und, als 1979 zur atomaren Aufrüstung der BRD – unter dem CSU-Motto „Freiheit oder Sozialismus – der „NATO Doppelbeschluss“ vollstreckt wurde, durch die SPD, gründete sich genau einen Monat später eine zweite Oppositionspartei in D. Deren Washington-genehme Parteimitglieder durften schnell in Hessen in Amt und Würden kommen, während ihre stalinistischen Gründer sich dagegen erschießen (lassen) mussten. (Na, an welcher Stelle steckt hier die Ironie?)

    Dass solcher Art Gesinnung in der KKE-nahen PAME das Gespenst vom Genossen Stalin herum spuken hört, ist ein Zeichen von ordentlich gewaschenem Hirn, aber noch dreckigen Ohren. Husch husch, zurück in die Wanne! Pame!

  3. Mary Noppel
    26. August 2017, 02:37 | #3

    Pame darf gern eine genossenschaftliche Ladenkette eröffnen, mein Vorschlag „Pame Ponyhof“. Öffnungzeiten wegen Dauergeschwatz, Kaffee, Nagelpflege, Raucherpausen, Liefer- bzw. Zahlungsproblemen, vordringlichen Familienangelegenheiten und intensiver Gewerkschaftsarbeit variabel.

  4. rainer a. hofmann-gissel
    27. August 2017, 11:08 | #4

    Da wundere ich mich doch sehr über die Kommentare hier zu diesem Artikel. Allerdings wundere ich mich nicht über die Kritik, die PAME bezüglich der Arbeitsbedingungen bei LIDL in GR macht!
    Bereits 2003/2004 hat meine Gewerkschaft Verdi die katastrophalen Arbeitsbedingungen und teilweise völlig ungesetzlichen Maßnahmen des Lidl- und Schwarzkonzerns gegenüber deren Personal dort aufgedeckt und in einem damals viel beachteten Schwarzbuch der Öffentlichkeit zugänglich gemacht. Deswegen wundert es mich nicht, dass PAME solche Enthüllungen bei LIDL in GR macht.

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