Stetige Zunahme armer Arbeitnehmer in Griechenland

11. Juli 2017 / Aufrufe: 863

In Griechenland wächst kontinuierlich eine neue Kategorie armer Arbeitnehmer mit monatlichen Bezügen von 200 bis 300 Euro heran.

Die Arbeitnehmer mit Bezügen von 200 – 300 Euro im Monat sind das neue beunruhigende Phänomen, das auf dem Arbeitsmarkt in Griechenland vorherrscht. Es scheint schrittweise eine neue Kategorie sogenannter armer Arbeitnehmer zu entstehen, die in einer flexiblen Beschäftigungsform arbeiten.

Das Beunruhigende ist, dass diese Arbeitnehmer hauptsächlich zwischen 20 und 29 Jahren alt sind, in welcher Kategorie die Arbeitslosigkeit 37,7% erreicht! Die Arbeitslosenquote in der konkreten Altersgruppe ist in Griechenland sogar die zweithöchste in ganz Europa, mit Spanien als „Champion“.

Halbe Stelle – halber Lohn – 500 Euro Rente

Der Professor für Wirtschaft und Gesellschaftspolitik der Panteion-Universität, Savvas Rompolis, betont gegenüber der griechischen Zeitung „Ta Nea“, dass schrittweise eine neue Kategorie der sogenannten armen Arbeitnehmer entsteht, die mit flexiblen Beschäftigungsformen und Bezügen von 200 bis 300 Euro im Monat arbeiten, also von weit unter 4.500 Euro, wo derzeit die Armutsgrenze liegt.

Außer den traditionellen Gruppen, die heute die Kategorie der Armen darstellen (Arbeitslose und gesellschaftlich Ausgegrenzte, alle, die keine Rente beziehen, und alle, die 200 – 250 Euro Sozialhilfe erhalten)“ – endet Savvas Rompolis – „kommt progressiv mit steigender Tendenz eine neue Kategorie Armer hinzu, nämlich der armen Arbeitnehmer. Jemand wird also arbeiten und gleichzeitig sein Leben unterhalb der Armutsgrenze fristen.

Grund für dieses Phänomen ist die heftige Ausweitung der inzwischen auf dem griechischen Arbeitsmarkt vorherrschenden flexiblen Beschäftigungsformen. Den Fakten zufolge beziehen sich mehr als 50% der Neueinstellungen auf Arbeitsverhältnisse mit abwechselnder Beschäftigung, Gummiband-Arbeitszeiten und Hungerlöhnen. Das Triptichon „halbe Stelle – halber Lohn und eine Rente 500 Euro“ ist die auf dem Arbeitsmarkt vorherrschende Regel.

Es ist bezeichnend, dass der durchschnittliche Lohn für mehr als 100.000 Teilzeitbeschäftigte sich derzeit auf 393,79 Euro gestaltet, während einer von zwei Arbeitnehmern einen Lohn von unter 800 Euro bezieht. Aus dem Vergleich der Ergebnisse der Untersuchung des Arbeitskräftepotentials der Jahre 2009 und 2016 wird beobachtet, dass in Griechenland auf dem privaten Sektor der Wirtschaft der Anteil der beschäftigten Geringverdiener mit sehr niedrigen monatlichen Nettobezügen signifikant zu genommen hat.

35,6% der Bevölkerung Griechenlands drohen Armut und Ausgrenzung

Die neue Gruppe der armen Arbeitnehmer kommt zu den Rentnern und sozial ausgegrenzten Arbeitslosen hinzu, die alle zusammen die Familie der Neu-Armen im Griechenland der Memoranden bilden. Es wird betont, dass die letzten Daten der Untersuchung der Griechischen Statistikbehörde (ELSTAT) über Einkommen und Lebensbedingungen der Haushalte im Jahr 2016 anführen, dass 35,6% der Bevölkerung bzw. 3.789.300 Personen mit der Gefahr der Armut oder gesellschaftlichen Ausgrenzung konfrontiert sind.

Wie die ELSTAT anmerkt, beläuft sich die Armutsschwelle auf den Betrag von 4.500 Euro jährlich pro Person und auf 9.450 Euro für Haushalte mit zwei Erwachsenen und zwei abhängigen Kindern im Alter von unter 14 Jahren. Sie ist auf 60% des auf 7.500 Euro veranschlagten Medians des verfügbaren Äquivalenzeinkommens der Haushalte definiert, das durchschnittliche verfügbare Jahreseinkommen der Haushalte dabei auf 14.932 Euro.

Gemäß den Daten der ELSTAT liegt die Gefahr der Armut oder gesellschaftlichen Ausgrenzen für die Personen im Alter von 18 – 64 Jahren um 39,7% höher. Und wie die ELSTAT betont, tendiert Griechenland dazu, wie Bulgarien oder Rumänien zu werden, da es hinsichtlich der Gefahr der Armut und gesellschaftlichen Ausgrenzung auf dem drittschlechtesten Rang liegt.

8 von 10 Rentnern in Griechenland sind im Stadium der Verelendung

Parallel sind die Angaben des Einheitlichen Rentnernetzwerks bezüglich der Armut der Rentner enthüllend. Laut diesen werden die neuen Kürzungen bei den heutigen Renten im Jahr 2019 zu einem memorandischen Einkommensverlust für die Rentner von insgesamt bis zu 70% führen. Zur selben Stunde werden für die Versicherten mit durchschnittlichen Bezügen die neuen Hauptrenten 655 Euro nicht übersteigen.

Parallel werden die Rentner 2019 wegen der Reduzierung der sogenannten persönlichen Differenz bei allen gezahlten Hauptrenten um 18%, der Reduzierung der persönlichen Different bei allen Zusatzrenten um 18%, der Streichung der Familienleistungen (für Gatten und Kinder) bei allen Haupt- und Zusatzrenten, der Einfrierung der Erhöhungen bei allen Renten bis Dezember 2012 und schließlich wegen der Abschaffung der EKAS für 280.000 Kleinrentner bis zu drei (Monats-) Renten verlieren.

Wie der Vorsitzende des Einheitlichen Rentnernetzwerks, Nikos Chatzopoulos, anmerkt, sind inzwischen 8 von 10 Rentner in dem Stadium der Verelendung angelangt und vermögen nicht einmal mehr ihre Medikamente zu bezahlen, während sie auch kein Geld für Strom- und Telefonrechnungen haben.

(Quelle: dikaiologitika.gr, Autor: Giogos Antonopoulos)

  1. Petroulla
    11. Juli 2017, 12:57 | #1

    Nicht zu vergessen, daß viele Beschäftigte nur pro forma als Teilzeitkräfte gemeldet sind um Steuern und Sozialabgaben zu sparen und auch nur einen Lohn erhalten, der in etwa dem entspricht. In Wirklichkeit aber arbeiten sie 12 oder sogar 16 Stunden täglich für ca. 500,- € monatl. Und das 7 Tage die Woche. Das ist Ausbeutung in krassester Form. Besonders im Hotel- und Restaurantgewerbe kann ich das aus eigener Erfahrung bestätigen.

  2. Tua
    11. Juli 2017, 16:09 | #2

    Kann ich auch bestätigen. Eine Bekannte bekommt 20€, nein nicht die Stunde, sondern am Tag! Sie hat allerdings Kost u. Logie (im Wohnwagen) frei.

  3. Sonja
    12. Juli 2017, 21:28 | #3

    Ich war im Juni auf Euböa (privat) und bin über die Armut der Menschen total erschrocken. Ich wußte, dass es schlimm ist, aber nicht, dass es mittlerweile so schlimm ist. Es wird von Jahr zu Jahr schlimmer. Das ist eigentlich nicht hinnehmbar.

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