Griechenland deckt Fischkonsum überwiegend aus Importen

27. Juli 2017 / Aufrufe: 1.824

Zwei Drittel der in Griechenland konsumierten Fischereiprodukte sind importiert!

Wie kann es sein, dass ein Land wie Griechenland mit einer solch großen Tradition in der Fischerei heutzutage 66% der Fische importiert, die es konsumiert? Seit wann vermag die Fischerei in den Mittelmeerländern die Bedürfnisse der Konsumenten nicht mehr zu stützen und haben die Importe jährlich 5 Millionen Tonnen tangiert? Vermögen die Bekämpfung der Überfischung und der verantwortungsbewusste Fischkonsum das Bild zu ändern?

Der neue Bericht des WWF wirf Licht auf die „Fischrouten“ im Mittelmeer und ruft zu einem Kurswechsel auf!

In Griechenland wird mittlerweile relativ wenig Fisch gegessen

Die in dem neuen WWF-Bericht „Seafood and the Mediterranean: local tastes, global markets“ (Meeresfrüchte und Mittelmeer: lokale Vorlieben, globale Märkte) untersuchten Mittelmeerstaaten der EU – Kroatien, Frankreich, Griechenland, Italien, Slowenien, Spanien und Portugal – zählen zu den weltweit größten Verbrauchern von Fischereiprodukten. Die Region hat einen durchschnittlichen Jahreskonsum von 33,4 Kilo Fischereiprodukten pro Kopf, während zum selben Zeitpunkt der EU-Durchschnittswert 22,9 Kilo und der internationale Durchschnittswert 19,2 Kilo beträgt.

Was Griechenland betrifft, ist der 19,6 Kilo pro Person tangierende Jahreskonsum an Fischereiprodukten eher (jedoch nicht besonders) hoch, wobei davon 66% importiert, 22% Erzeugnisse inländischer Hydrokulturen und nur 12% Produkte inländischer Fischerei sind. Analog beträgt in Portugal der Konsum 56,8 Kilo, was über einem Kilo Fisch pro Kopf und Woche entspricht, während Spanien mit 42,4 Kilo Fisch den zweithöchsten Konsum hat.

Zusätzlich ist laut der konkreten Studie der größte Anteil der auf den Mittelmeermärkten verkauften Fischereiprodukte importiert und stammt hauptsächlich aus sogenannten Entwicklungsländern, während parallel angemerkt wird, dass auf jedes Kilo in den Mittelmeerstaaten der EU gefischter oder gezüchteter Meeresfrüchte zwei weitere aus anderen Staaten importierte kommen.

EU-Mittelmeeranrainer konsumieren jährlich 7,5 Mio. Tonnen Fisch

Um den Maßstab des Handels zu begreifen, reicht es anzuführen aus, dass die Mittelmeerstaaten der EU jährlich fast 7,5 Millionen Tonnen Fischprodukte konsumieren. Trotz allem stammen davon nur 2,75 Millionen Tonnen aus inländischen Quellen. Dies bedeutet, dass einerseits jedes Jahr nach 5 Millionen Tonnen Fischwaren aus anderen Ländern gesucht wird und andererseits ein großer Teil der Bevölkerung hauptsächlich in den Entwicklungsländern von dieser hohen Nachfrage nach Fischereiprodukten im Mittelmeerraum abhängig ist.

Es wird sogar angemerkt, dass die Mittelmeer-Länder der EU 36% aller aus Drittländern importierten Fischereiprodukte abnehmen. Ein großer Teil der Importe kommt aus Nordafrika (Marokko, Tunesien, Algerien, Libyen), während angemerkt wird, dass im Jahr 2014 die Mittelmeerstaaten der EU ungefähr 1,8 Millionen Tonnen aus Entwicklungsländern der Region importierten (Marokko, Tunesien, Algerien, Mauretanien, Ägypten und Türkei).

Im der Vergangenheit waren die Dinge jedoch nicht so. Früher hatte das Mittelmeer einen ausreichenden Fischbestand – im Gegensatz zu heute, wo die Überfischung, der illegale, „schwarze“ und anarchische Fischfang, aber auch der nicht verantwortungsbewusste Konsum von Meeresfrüchten das Leben in unseren Meeren in Gefahr bringen.

(Quelle: wwf.gr)

  1. Götterbote
    27. Juli 2017, 12:22 | #1

    Die Zahlen überraschen mich. Ich hatte gedacht, dass in Griechenland überdurchschnittlich viel Fisch konsumiert wird. Dennoch sollte generell ein Umdenken stattfinden und eine nachhaltige, umweltbewusste Fischerei Zucht gefördert werden. Auch auf diesem Gebiet zeigt Griechenland, dass es nicht in der Lage ist, das Potential, welches es hat, zu nutzen. Bis heute ist mir auch unverständlich, wie viele Fischer gedankenlos ohne Rücksicht weiterhin alles aus dem Meer ziehen, was sie können und selbst am dem Ast sägen, auf dem sie sitzen. Auch hier versagen die Kontrollen oder wollen nicht funktionieren.

  2. karnapas
    27. Juli 2017, 20:17 | #2

    Nachhaltige und umweltbewusste Fischereizucht ist so eine Sache. Die sollte und muss jetzt gefördert werden. Warum? Weil das Meer leer ist. Und zwar nicht in erster Linie von den griechischen Fischern geplündert. Ich wohne auf einer griechischen Insel und sehe, wie wenig die Einheimischen hier mit ihren Kaikis noch herausholen. Ja, der eine oder andere hat hier früher / seinerzeit auch mal – bereits verweifelt – mit Dynamit hantiert. Schuld sind aber internationale Fischereiflotten, die mit zig-kilometerlangen Netzen alles was zappelt aus dem Meer pflücken. Wie vor Ost-, Westafrika und sonstwo in der Welt, wo die Kleinen mit ihren 8 m – Booten keine Chance mehr haben. Schon mal nachgedacht, warum die Somalier zu Piraten mutiert sind? Und wo Kontrolle ansetzen muss? Oder über ein Umdenken, wer wie viel Fisch auf dem Teller braucht? Sushi!

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